Ehrendoktor 2008 der Philosophischen Fakultät

Professor Dr. Ernst Tugendhat

Ernst Tugendhat

Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Herrn Prof. Dr. Ernst Tugendhat in Anerkennung seiner überragenden Verdienste um die philosophische Grundlagenforschung im Bereich von Metaphysik, Sprachphilosophie und Ethik sowie seiner öffentlichkeitswirksamen Beiträge zur rationalen Auseinandersetzung mit grundlegenden politischen und existenziellen Themen.

Ernst Tugendhat wurde am 8. März 1930 in Brünn als Sohn jüdischer Eltern geboren. Seine Familie emigrierte 1938 in die Schweiz und 1941 nach Venezuela. 1946 bis 1949 studierte er Klassische Philologie an der Stanford University. Daran schloss er ein Studium in Philosophie an der Universität Freiburg i. Br. an, das er 1956 mit der Promotion beendete. 1966 habilitierte er sich an der Universität Tübingen mit einer Arbeit über den «Wahrheitsbegriff bei Husserl und Heidegger». Darauf folgten ordentliche Professuren und Forschungsstellen an der Universität Heidelberg, am Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg und an der Freien Universität Berlin (1966–1992).

Tugendhats Werk umfasst dreizehn Bücher und zwei Aufsatzsammlungen, welche auch jenseits der akademischen Welt Beachtung finden und von denen viele in mehrere Sprachen übersetzt worden sind. Ihm wurden wichtige wissenschaftliche Auszeichnungen und Preise zuteil, zuletzt der Meister-Eckhart Preis 2005. Tugendhat ist neben Jürgen Habermas der bekannteste deutschsprachige Philosoph der Gegenwart. Er gilt als führender Vermittler zwischen analytischer, traditioneller und so genannter ‚kontinentaler’ Philosophie. Aus diesem Grund geniesst er ein ausserordentliches internationales Renommee, besonders im englischsprachigen und spanischsprachigen Raum. Seine wichtigste Leistung besteht in dem Nachweis, dass sich traditionelle philosophische Fragen auf den Gebieten der Metaphysik, Anthropologie und Ethik durch sprachanalytische Reflexionen präzisieren und lösen lassen. Tugendhat hat sich öffentlichkeitswirksam mit politischen Themen wie der atomaren Abschreckung, dem Historikerstreit, dem Asylrecht sowie dem Schutz bedrohter Völker befasst (u. a. als Schirmherr der Gesellschaft für bedrohte Völker). Seine Interventionen verbinden auf vorbildliche Weise persönliche Betroffenheit mit rationaler Argumentation und intellektuellem Verantwortungsbewusstsein.

Tugendhats Beziehungen zur Schweiz und zu Zürich sind vielfältig. Neben dem in St. Gallen verbrachten Exil sind seine familiäre Bindungen, eine Vertretung des ETH-Lehrstuhls für Philosophie sowie zahlreiche Vorträge zu nennen. Mit Ernst Tugendhat ehrt die Philosophische Fakultät der Universität Zürich nicht nur eine herausragende wissenschaftliche Leistung, sondern auch eine konsequente geistige und moralische Grundhaltung.