Ehrendoktoren 2008 der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät

Professorin Dr. Rosemary Grant und Professor Dr. Peter Grant

Rosemary Grant

Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde einer Doktorin ehrenhalber sowie eines Doktors ehrenhalber an Frau Prof. Dr. Rosemary Grant und Herrn Prof. Dr. Peter Grant in Anerkennung ihrer grossen Verdienste um die Erforschung von Evolution, Genetik, Ökologie und Verhalten von Galapagosfinken. Die Arbeiten des Ehepaars Grant stellen Meilensteine in Analyse von Artbildung und Hybridisation unter natürlichen Bedingungen dar.

Rosemary und Peter Grant wurden beide 1936 in England geboren, sie im Nordwesten im Lake District, er im Süden in London. Beide schlossen ihr Biologiestudium 1960 mit einem Bachelor ab, Rosemary in Edinburgh, Peter in Cambridge. Sie trafen sich an der University of British Columbia (Vancouver), wo Peter 1964 seine Promotion abschloss und Rosemary als Research Associate arbeitete. Seit dieser Zeit in Vancouver sind die Stationen ihrer Karrieren identisch: Yale University (1964-1965), McGill University (1965-1977), University of Michigan (1977-1985) und seit 1985 Princeton University. Dazu kamen Gastaufenthalte an den Universitäten von Lund (1981) und Uppsala (1981, 1985) sowie hier in Zürich (2002, 2003). Für Peter Grant waren diese Stationen mit einem schnellen Aufstieg vom Postdoc über Assistenzprofessor und Extraordinarius zum Ordinarius (seit 1973) verbunden. Für Rosemary Grant, die sich um die beiden Töchter kümmerte, brachten diese Stationen zunächst eine Reihe von Anstellungen als Research Associate an den jeweiligen Universitäten mit sich - bis sie sich dann verstärkt ihrer eigenen Kariere widmen konnte, 1985 in Uppsala promovierte und über den Weg eines Lecturers und Senior Research Scholars 1997 zur Professorin an der Princeton Universität ernannt wurde.

Peter Grant

Einer Station sind die Grants lange treu geblieben: Daphne major, eine unbewohnte Vulkaninsel im Galapagos-Archipel, mit steilen Hängen und heissem Lavaboden, nicht grösser als die Insel Mainau im Bodensee. Es gibt eine einzige Stelle, die flach genug ist, um zwei Zelte aufzuschlagen, eine einzige Höhle, in der man einigermassen geschützt vor Wind und Regen ist. Auf dieser Insel haben Rosemary und Peter Grant (oft begleitet von ihren beiden Töchtern) seit 1973 - also seit 35 Jahren - ihre Untersuchungen zu Ökologie, Verhalten, Genetik und Evolution von Darwinfinken durchgeführt. Jedes Jahr für mehrere Monate. Ihre Studie ist die längste und umfassendste zur Evolution in der freien Natur. Und eine der überzeugendsten. Sie hat nämlich gezeigt, dass Darwins Ideen zur Entstehung von neuen Arten und zur Verschmelzung (d. h. Hybridisierung) von bestehenden Arten nicht nur ein theoretisch plausibles Konzept darstellen. Die Grants haben den Ablauf von Evolution und Selektion beobachtet und die ökologischen, genetischen und verhaltensbiologischen Ursachen dokumentiert, die zu Artbildung und Hybridisierung führen. Dort, wo schon Charles Darwin wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung seiner Theorie gesammelt hat, haben Rosemary und Peter Grant die Theorie in einer Weise untermauert, die auch strikte Gegner des Evolutionsgedankens nachdenklich stimmen muss.

Viele der ca. 200 Publikationen der Grants sind zu Meilensteinen in der Evolutionsforschung geworden. Sie werden regelmässig von Fachleuten zitiert und haben Eingang in praktisch jedes Lehrbuch gefunden; sie sind auch Gegenstand von zahlreichen populärwissenschaftlichen Artikeln und Fernsehfilmen über Evolution und die Arbeit der Grants. Beide haben zahlreiche bedeutende Auszeichnungen erhalten, einige separat, andere gemeinsam, wie z. B. die Darwin Medaille der Royal Society of London (2002), den Outstanding Scientist Award des American Institute of Biological Sciences (2005) und den Balzan-Preis (2005).

Die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich (2008) wird bewusst an Rosemary und Peter gemeinsam verliehen. Damit werden neben der wissenschaftlichen Gemeinsamkeit auch die gleichermassen engen Beziehungen zu unserer Universität ausgedrückt. Beide waren 2002 und 2003 sehr aktive Gastprofessoren am Zoologischen Institut und haben seither die Verbindungen aufrechterhalten, insbesondere auch eine intensive Zusammenarbeit mit Lukas Keller vom Zoologischen Museum.

Und schliesslich soll die gemeinsame Auszeichnung für junge Paare die Möglichkeit einer gemeinsamen Karriere in der Wissenschaft zeigen («dual career couples»). Die Grants praktizieren die doppelte Karriere nicht auf Kosten einer Familie, sondern als Familie mit zwei Kindern. Sie sind ein ideales Rollenmodell für die jüngere Generation, deren Förderung die Grants stets mit grossem Erfolg betrieben haben. Viele ihrer früheren Studentinnen und Studenten gehören heute zu den bedeutendsten Evolutionsbiologen unserer Zeit und haben Professuren an Spitzenuniversitäten inne.