Ehrenpromotion 2016 der Vetsuisse Fakultät

Ernst Michael Kistler

Ernst Michael Kistler

Die Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Ernst Michael Kistler. Sie würdigt damit seine grossen Verdienste und seinen unermüdlichen Einsatz für den Vogel- und Naturschutz im Kanton Zürich und setzt mit dieser Ehrung auch ein anerkennendes Dankeszeichen für seine engagierte Oeffentlichkeitsarbeit, welche unzählige Menschen für die dringlichen Belange von Lebensraum und Umwelt sensibilisierte und zur Mitwirkung motivierte.

Ernst Michael Kistler, Jahrgang 1945 und wohnhaft in 8604 Volketswil/ZH, ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. Er liess sich als Schriftsetzer ausbilden und arbeitete lange im angestammten Beruf. Die Vogelwelt faszinierte ihn schon sehr früh und wurde mit der Zeit zur lebenslangen Passion. Er liess sich in seiner Freizeit zum diplomierten Feld-Ornithologen und Exkursions-Leiter ausbilden. Zudem eignete er sich autodidaktisch ein profundes Wissen an und wurde so mit der Zeit zu einem, auch in Fachkreisen mehr und mehr respektierten und geschätzten Ornithologen. Durch sein Spezialwissen wurde er bald auch auf die anthropogenen Veränderungen in der Vogelwelt im Besonderen und in der Natur im Allgemeinen aufmerksam. Dies natürlich, weil viele Vögel durch ihr Zugverhalten und ihre grosse Mobilität ausserordentlich sensible Bio-Indikatoren für selbst feine Veränderungen in ihrer Umwelt darstellen.

Nachdem Ernst Kistler diese Zusammenhänge der relativ kurzfristigen Bestandesänderungen diverser Arten erkannt hatte, begann er sich auch generell für den Umwelt- und Naturschutz zu interessieren. Als energischer Macher wollte er persönlich etwas zur Verbesserung der Situation beitragen. So gründete er zusammen mit 18 Gesinnungsgenossen am 17. Juni 1983 in seiner Wohngemeinde die IGLU Volketswil – eine Interessen-Gemeinschaft für Lebensraum und Umwelt. Von Beginn weg stand er der IGLU als Präsident vor – ehrenamtlich, wie es seinem Naturell entsprach – und dies unermüdlich für die folgenden 32 Jahre. Die IGLU machte bald durch ihre vielfältigen Aktionen auf sich aufmerksam. Dazu gehörten Exkursionen für Anfänger und Fortgeschrittene, Anlegen und Pflege von Naturschutzgebieten, Bau und Unterhalt von Nistgelegenheiten für diverse kulturfolgende Arten wie Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalben sowie die besonders schützenswerten Dohlen, aber auch die Unterstützung von Fledertieren, Reptilien und Amphibien. Für letztere sorgte er durch aufwändige Kanalisierung mittels Schutzzäunen und Unterführung an besonders kritischen Strassenabschnitten im Frühling.

Ernst Kistler bewarb sich im Jahre 1992 um den frei werdenden Posten eines Geschäftsführers des ZVS/BirdLife Zürich, erhielt den Zuschlag und bekleidete die Position in der Folge hauptberuflich während 18 Jahren bis zu seiner offiziellen Pensionierung im Jahre 2010. Ernst Kistler etablierte sich bald als anerkannte Persönlichkeit. Dank seiner charismatischen Persönlichkeit war er ein hartnäckiger, aber geschickter Taktierer, der stets das Unmögliche anstrebte. Er verhandelte mit Interessen-Vertretern wie Golf-Clubs oder der Autobahn-Lobby, als es im Rahmen des Projekts der Zürcher Oberland-Autobahn z.B. um die heikle Streckenführung im Bereich des Kreisels Betzholz-Hellberg ging. Dort drohte der Moorschutz tangiert zu werden.

Während Ernst Kistlers Amtszeit beim ZVS/BirdLife Zürich stand auch eine Neuauflage des Brutvogelatlas des Kantons Zürich an, der alle 20 Jahre den Zustand der Vogelwelt des Kantons darstellt. Ernst Kistler brachte sich voll für das Projekt ein, umso mehr als für die Neuauflage 2008 ein völlig neues Format vorgesehen war – eine interaktive Internet-Plattform anstelle eines Druck-Erzeugnisses. Die umfangreichen Feldarbeiten zur Datenerhebung im ganzen Kanton wurden von 2005 bis 2008 durch 127 professionelle und 304 ehrenamtliche MitarbeiterInnen durchgeführt. Auch hierbei war Ernst Kistler an vorderster Front dabei und bearbeitete ehrenamtlich während der vollen Projektdauer gleich zwei Planquadrate, eines in Schwerzenbach und eines in Gutenswil. Ende 2009 war das Mammut-Projekt abgeschlossen. Das Werk darf sicher hinsichtlich Nützlichkeit für professionelle Anwender, aber auch als Hilfsmittel für Lehrpersonen auf allen Stufen und interessierte Laien als wegweisend dienen, ebenso – durch seine revolutionäre neue Konzeption – als Vorlage für für die Umsetzung von künftigen ähnlichen nationalen und internationalen Projekten.