Ehrenpromotion 2017 der Philosophischen Fakultät

Prof. Dr. Toni C. Antonucci

Toni C. Antonucci

Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Dr. Toni C. Antonucci. Sie würdigt damit eine Pionierin der interdisziplinären Lebenslaufforschung, deren Arbeiten wissenschaftlich innovativ sind und gleichzeitig konkrete Schritte zur Verbesserung der Gesundheit und gesellschaftlichen Integration aller Personen ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Bildung, ihres Geschlechts oder ihres Alters ermöglicht hat.

Frau Prof. Toni C. Antonucci wurde 1948 in New York geboren und ist Professorin für Psychologie, Senior Associate Vice President for Research sowie Associate Vice President for Research, Social Sciences and the Humanities an der University of Michigan. Sie erhielt 1969 den B.A. in Developmental Psychology am Hunter College, New York, und wurde 1973 an der Wayne State University promoviert. Seit 1975 hat Prof. Antonucci als eine der ersten Sozialwissenschaftlerinnen in ihren Publikationen und ihrer Forschung eine Lebensspannen-Perspektive verfolgt. Mit dem von ihr ab 1980 entscheidend mitentwickelten Modell der «Sozialen Konvois», mit denen Personen sich über die Lebensspanne entwickeln, hat sie eine Sichtweise in die Lebenslaufforschung eingeführt, der einen Rahmen für die Analyse von Zusammenhängen zwischen individueller Entwicklung und dynamischem sozialen Kontext in ihrer historischen Abhängigkeit bietet. Damit hat sie eine wichtige Grundlage für den Lebensspannen-Ansatz gelegt, der das wissenschaftliche Bild des Alterns zu einem Alternsbild einer aktiven Gestaltung von Lebenszusammenhängen verändert hat.

Die über 180 theoretischen und empirischen Beiträge in Büchern und Fachpublikationen haben seit Jahrzehnten die sozialwissenschaftliche Lebenslaufforschung beeinflusst und gehören zu den meistrezipierten Arbeiten im Gebiet. Prof. Antonucci hat standardsetzende Längsschnittstudien zu sozialen Konvois in verschiedenen kulturellen Gruppen in den USA und weltweit durchgeführt, so dass heute die universalen wie die kulturspezifischen Besonderheiten der Bedeutung lebenslanger sozialer Beziehungen bekannt sind. Dank ihrer Arbeiten werden heute weltweit soziale Beziehungen als Kernelemente der Lebensqualität über die Lebensspanne gesehen, und es wird untersucht, welche langanhaltenden und kumulativen Folgen sie für die lebenslange Gesundheit haben.

Prof. Antonucci engagiert sich über das eigene Fach hinaus. Sie war unter anderem 2002 Präsidentin der weltgrössten gerontologischen Gesellschaft der Welt, der Gerontological Society of America, 2008 bis 2010 Präsidentin der Society for the Study of Human Development und 2011 bis 2014, zuletzt als Präsidentin, im Board of the Advancement of Psychology in the Public Interest der American Psychological Association. Seit 2002 ist sie Mitglied des weltweit organisierten Council of the International Association of Gerontology, erhielt 2012 den Distinguished Career Contribution to Gerontology Award der GSA und ist seit 2013 gewähltes Mitglied der American Association for the Advancement of Science. Prof. Antonucci hat sich seit vielen Jahren als Sprecherin innerhalb des von den Universitäten Michigan, Berlin, Virginia und Zürich organisierten LIFE-Konsortiums engagiert, hat sich als Kodirektorin des LIFE-Verbunds für die Beteiligung der Universität Zürich (UZH) eingesetzt und gibt wissenschaftlichen Nachwuchskräften der UZH vielfältige Möglichkeiten zur interdisziplinären, intergenerativen und internationalen Zusammenarbeit.