Habilitationspreisträger 2006 der Walter und Gertrud Siegenthaler-Stiftung

PD Dr. Frank Heppner

Die wissenschaftlichen Arbeiten von Herrn Dr. Heppner beschäftigen sich seit je her mit Fragestellungen an der Grenzfläche zwischen Neuropathologie und Immunologie. Seine Strategie war und ist hierbei, Erkrankungen des Zentralen Nervensystems unter Verwendung von Modellsysteme, allen voran Genmodifizierten Mäusen, zu erforschen. Die Habilitationsschrift von Herrn Heppner basiert auf vier entscheidenden Arbeiten: 1) In einer ersten Arbeit ging Herr Heppner der Frage nach, wie Prionen, die Erre-ger der bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE) und der Creutzfeldt-Jakob- Erkrankung (CJD), durch die Darmschleimhaut dringen können. Schliesslich ist die Schleimhaut vor allem da, um Übertritte potentiell gefährlicher Moleküle zu verhindern. Dabei fand Herr Heppner in einem Zellkulturansatz, dass spezialisierte Zellen in der Darmschleimhaut, die sogenannten M-Zellen, für die transepitheliale Passage der Prionen notwendig sind und Prionen somit mittels M-Zellen in den Organismus eindringen können (Heppner et al., Nature Medicine 2001). 2) In einer zweiten Arbeit konnte Herr Heppner erstmals zeigen, dass Prionenerkrankungen - zumindest experimentell - mit immunologischen Mitteln blockiert werden können. So fand er, dass Mäuse, welche aufgrund einer genetischen Manipulation Antikörper gegen das zelluläre, normale Prion-Protein produzieren, nach Prion-Inokulation keine Prionen in der Milz replizieren (Heppner et al., Science 2001). 3) Anschliessend ging Herr Heppner der Frage nach, warum sich normale Wildtype-Mäuse so schlecht gegen das Prion-Protein immunisieren lassen - die Vorarbeiten von Herrn Heppner im Gen-modifizierten Tier legten eine aktive Immunisierung gegen das Prion-Protein ja nahe! Hier konnte Herr Heppner gemeinsam mit Frau Dr. Polymenidou am Institut für Neuropathologie des USZ zeigen, dass die für die Anti-Prion-Wirkung verantwortlichen Antikörper das normale Prion-Protein auf der Oberfläche von Zellen binden müssen - diese Erkenntniss ist sehr wichtig für eine Weiterentwicklung von Anti-Prion-Immuntherapien (Polymenidou, Heppner et al., PNAS 2004). 4) In einer vierten Arbeit beschäftigte sich Frank Heppner mit der Rolle von Mikrogliazellen bei entzündlichen Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS). Mikrogliazellen sind als hirneigene Makrophagen die wichtigste immunkompetente Zelle des ZNS und sind bei nahezu allen ZNS-Erkrankungen aktiviert. So fand Herr Heppner, dass die Inhibition von Mikogliazellen in einem etablierten Maus-Modell der Multiplen Sklerose (MS) zu einer deutlichen Reduktion der MS- Symptomatik im Mausmodell führt und folglich ein mögliches Ziel zukünftiger MS-Therapien darstellt (Heppner et al., Nature Medicine 2005). Es ist jedoch auch denkbar, dass Mikrogliazellen bei vielen anderen Pathologien des ZNS eine Rolle spielen - Fragen, die Herr Heppner zurzeit systematisch untersucht.