UBS-Habilitationspreis 2007 der Philosophischen Fakultät

PD Dr. Hans-Georg von Arburg

Der sechste UBS-Habilitationspreis der Philosophischen Fakultät geht an PD Dr. Hans-Georg von Arburg PD Dr. von Arburg rückt in seiner Arbeit mit dem Titel «Alles Fassade. ‹Oberfläche› in der deutschsprachigen Architektur- und Literaturästhetik 1770–1870» in Ausweitung des Textbegriffs eine bis vor wenigen Jahren in der germanistischen Literaturwissenschaft kaum thematisierte Beziehung ins Blickfeld. Ausgangspunkt der Untersuchung ist eine historische Begriffsklärung: In unerwarteter Weise bezeichnet der zentrale Terminus «Oberfläche» keineswegs eine eindeutige und begrifflich zu fassende Entität, sondern ein semantisch oszillierendes Phänomen, und zwar zwischen einer objektiven Eigenschaft, als ‹Aussenseite› des Gegenstands, und einem subjektiven Wahrnehmungseffekt, als dasjenige, was ‹gesehen› (oder auch nicht gesehen) wird. Die unterschiedliche Bewertung der ‹Äusserlichkeit› und damit eben auch die unterschiedliche Rolle der Gestaltung von ‹Oberflächen› wird an zwei historischen Schwerpunkten, einerseits Schinkel/Goethe, andererseits Semper/Vischer, exemplarisch herausgearbeitet. Mit der Formulierung eines als «Problemgeschichte» explizierten Ansatzes gelingt es dem Verfasser, das zwischen allen begrifflichen Kategorisierungen und ästhetikgeschichtlichen Einteilungen changierende Phänomen der «Oberfläche» theoretisch zu fassen. In ihrer methodischen Eigenständigkeit kann die Arbeit als vorbildlich für eine kulturwissenschaftlich interessierte Literaturwissenschaft gelten, die sich auf ihre Kernkompetenzen als Textwissenschaft besinnt, diese aber auf einen erheblich erweiterten Textbegriff ausdehnt.

Die Habilitationsleistung wird insgesamt wie folgt gewürdigt:

Die Arbeit ist innovativ nicht nur in ihren einzelnen Ergebnissen und Wertungen, die zwei wesentliche Epochen unseres kulturellen Selbstverständnisses in neuem Licht erscheinen lassen und mit vertrauten Zuweisungen brechen, innovativ ist sie auch in der Schärfung eines Problembewusstseins für diese kulturellen Formationen. Die Arbeit zeichnet sich zu¬dem durch stilistische Eleganz aus und ist auf hohem, jargonfreiem Niveau geschrieben.

PD Dr. Hans-Georg von Arburg, geboren 1966, Bürgerort Zürich, studierte von 1987 bis 1993 Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaft an den Universitäten Zürich, Genf und Konstanz. 1993 erwarb er an der Universität Zürich das Lizenziat im Hauptfach «Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft». Im Wintersemester 1996/97 wurde er in Zürich an der Philosophischen Fakultät in demselben Fach mit einer Arbeit über Kunst-Wissenschaft um 1800. Studien zu Georg Christoph Lichtenbergs Hogarth-Kommentaren mit dem Prädikat «summa cum laude» promoviert. PD Dr. von Arburg war von 1993–1997 Wissenschaftlicher Assistent am Deutschen Seminar in Zürich und von 1997–2003 Maître-assistant am Département de langue et de littérature allemande der Université de Genève. Im Wintersemester 2004/05 nahm er an der Université de Lausanne eine Lehrstuhlvertretung wahr. Von 2003–2006 erhielt er eine Projektförderung durch den Schweizerischen Nationalfonds für sein Habilitationsprojekt. Im September 2006 wurde ihm ein Alexander von Humboldt-Stipendium zugesprochen.