Mein Zwingli – Die Reformation in unseren Köpfen

 

Wieviel Zwingli steckt in unseren Köpfen?

Cover UZH Magazin 02/17, Mona Velinsky

Religiöse Revolution und kultureller Bruch: Was 1517 mit der Kritik des Ablasshandels durch Martin Luther in Wittenberg begann, endete in der Glaubensspaltung der Christenheit in Europa. Unter Ulrich Zwingli erreichte die Reformation auch Zürich. Wir wollten von acht Studierenden und Doktorierenden der UZH wissen, wie viel Zwingli heute in ihren Köpfen steckt und was Zwingli für sie bedeutet.

Porträts: Marc Latzel

«Zwingli war kein Held, es ging ihm nicht um seine Person, sondern um den Dienst an der Gemeinschaft in der Ausrichtung an Christus. Die Beziehung zu Gott und zu den Menschen ist auch für mein theologisches Denken heute wegweisend.»

Michael Goldberg

Michael Goldberg (23) studiert im achten Semester Theologie.

«Ich bewundere Zwinglis sozialethische Gedankengänge. Gemeinwohl über Eigennutz­denken – dieser Grundsatz des Reformators hat bis heute nichts an Aktualität verloren.»

Judith Engeler

Judith Engeler (26) doktoriert im Fach Reformationsgeschichte.

«Zwingli ist für mich die wohl bedeutendste Persönlichkeit der Schweizer Geschichte. Er ist auch deshalb ein Vorbild, weil er als realistischer Pragmatiker meist das praktische Handeln über die theoretische Vernunft stellte.»

Dario Jablanovic

Dario Jablanovic (30) studiert im achten Semester Germanistik und Geschichte.

«Beim Besuch des Florentiner Doms sagte meine Mutter angesichts der ganzen Pracht: «Wenn das der Zwingli wüsste!» Genau das ist Zwingli für mich: vergangener und doch präsenter Zuchtmeister und liebevoll belächeltes, väterliches Maskottchen in einem.»

Selina Stokar

Selina Stokar (23) studiert im achten Semester Geschichte und im sechsten Semester Latein.

«Mein Zwingli-Bild ist zwie­spältig: ein charismatischer Seelsorger, der furchtlos für den direkten Weg der Gläubigen zu Gott eintritt, aber nicht von der legendären Wurst gegessen haben will und heimlich heiratet.»

Nicole Frey Mathys

Nicole Frey Mathys (47) studiert im achten Semester Kunstgeschichte und Geschichte der Neuzeit.

«Mich beeindrucken Zwinglis Wissensdurst, sein eigenstän­diges Denken und vor allem seine Wahrhaftigkeit. In schwierigen Situationen stand er für seinen Glauben ein und war bereit, die Konsequenzen seines Handelns zu tragen.»

Nina Beerli

Nina Beerli (31) wurde zur Pfarrerin ordiniert und arbeitet als Assistentin und Doktorandin im Fachbereich Altes Testament.

«Mein Zwingli war auf der Suche nach Wahrheit. Für sie hat er alles (auf-)gegeben. Wer sich in der Post-Truth-Ära nicht einfach mit alternativen Fakten begnügen will, findet in einer solchen Gestalt einen Mitstreiter.»

Pierrick Hildebrand

Pierrick Hildebrand (32) ist Doktorand und Assistent am Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte.

«Zwingli war ein Mann mit grossen Visionen. Als Gesellschaftskritiker setzte er sich für ein soziales Zusammenleben ein, das von Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden geprägt sein sollte.»

Mona Velinsky

Mona Velinsky (32) studiert im zweiten Master-Semester Theologie mit Vertiefungsrichtung Kirchengeschichte.

Das Vorbild

Ulrich Zwingli

Der Reformator Ulrich Zwingli im berühmten Porträt von Hans Asper (ca. 1531, Winterthurer Kunstmuseum). Der Zürcher Fotograf Marc Latzel hat an diesem Bild Mass genommen und die Studierenden und Doktorierenden im Profil vor farbigem Hintergrund inszeniert.