Klinische Forschungsschwerpunkte

Mit den Klinischen Forschungsschwerpunkten (KFSP) fördert die Medizinische Fakultät strategisch wichtige Forschungsgebiete für die Medizinische Fakultät und die universitäre Medizin Zürich. KFSP bauen auf vorhandener Exzellenz in Forschung und Lehre auf und messen dem Wissensaustausch zwischen Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung und klinischer Versorgung eine grosse Bedeutung zu. Ziele des Instruments sind die Förderung und Vernetzung von ausgewählten primär klinischen Forschungsbereichen der universitären Medizin sowie die Förderung des akademischen Nachwuchses.

KFSP an der Universität Zürich:

radiz - Rare Disease lnitiative Zurich

Universität Zürich; Kinderspital Zürich; Universitätsspital Zürich

Prof. Dr. Matthias Baumgartner

Betrifft eine Krankheit in Europa weniger als eine von 2000 Personen und verursacht sie eine bleibende Behinderung oder ist sie lebensbedrohend, spricht man von einer „seltenen Krankheit“. Derzeit sind über 7000 seltene Krankheiten bekannt. radiz bündelt Kompetenzen im Bereich seltener Krankheiten aus Forschung und Klinik des Kinderspitals Zürich, der Universität und des UniversitätsSpitals Zürich in einem neuen Klinischen Forschungsschwerpunkt. Ziel ist es, mit Hilfe von translationalen Forschungsprojekten Betreuung und Outcome von Patientinnen und Patienten mit seltenen Krankheiten zu verbessern sowie Zürich als eines der führenden Zentren im Bereich „Rare Diseases“ in Europa zu positionieren. Mittels Weiter- und Fortbildungen wird das Bewusstsein bei Fachleuten und in der breiten Öffentlichkeit erhöht. Dank der Vernetzung medizinischer, biologischer und technischer Expertise können noch unbekannte Krankheiten und Krankheitsmechanismen entdeckt und bessere therapeutische Strategien für seltene Krankheiten entwickelt werden.

From basic research to the patient: Novel tissue engineered skin grafts for Zurich

Universität Zürich; Kinderspital Zürich

Prof. Dr. Martin Meuli, Prof. Dr. Ernst Reichmann

Nach mehr als 14 Jahren Forschung ist es der Tissue Biology Research Unit (TBRU), einer Abteilung der Chirurgischen Klinik des Universitäts-Kinderspitals gelungen, einen neuartigen Hautersatz herzustellen. Die komplexen, bio-engineerten Hauttransplantate sind autolog und reflektieren die Funktion der menschlichen Haut in hohem Mass. In einer sehr engen Zusammenarbeit der TBRU mit dem Zentrum für brandverletzte Kinder des Universitäts-Kinderspitals Zürich, können diese neuartigen Hautsubstitute in nur einem chirurgischen Eingriff transplantiert werden und verbleiben dauerhaft auf dem Patienten. Zwei Hautersatztypen (denovoSkin und denovoDerm) werden momentan in einer klinischen Phase-I-Studie und in Kürze in einer multizentrischen Phase-II-Studie angewandt. Die Entwicklung, wie auch die Weiterentwicklung der Transplantate basieren auf den Ergebnissen und Methoden der Grundlagenforschung in der Zell- und Molekularbiologie.

Non-resectable Liver Tumors: From Palliation to Cure

Universität Zürich; Universitätsspital Zürich

Prof. Dr. Pierre-Alain Clavien

Der klinische Forschungsschwerpunkt integriert verschiedene Fachgebiete mit dem Ziel eine Verbesserung der Behandlungsmodalitäten von Patienten mit Lebertumoren zu erreichen. Die Leber hat die Fähigkeit, in kurzer Zeit eine grosses Volumen zu regenerieren. Es braucht jedoch ein Mindestvolumen von 25-30% Restleber. Wenn dieses unterschritten wird, kann die Leber den Metabolismus nicht mehr genügend unterstützen. Mit neuartigen, zwei-stufigen Verfahren (ALPPS) ist es nun möglich, diese Grenzen zu unterschreiten, und so bis anhin nicht reserzierbaren Patienten zu helfen. Um diese Techniken zu verbessern und die Mechanismen zu ergründen, werden sowohl klinische wie experimentelle Studien durchgeführt. Mittels Transkriptom- und Proteom-Analysen sollen Faktoren mit therapeutischem Potential identifiziert werden.

Sleep and Health

Universität Zürich; Universitätsspital Zürich; Psychiatrische Universitätsklinik Zürich; Kinderspital Zürich

Prof. Dr. Christian Baumann, Prof. Dr. Hans-Peter Landolt

Wer zu wenig oder chronisch schlecht schläft, gefährdet seine Gesundheit. Schlafstörungen sind weit verbreitet. Der Klinische Forschungsschwerpunkt Sleep and Health verfolgt das Ziel, in neue Wissensbereiche vorzustossen und das Verständnis des Schlafs und dessen Pathophysiologie und Regulation zur Verbesserung von Gesundheit und Lebensqualität von Patienten und Bevölkerung entscheidend zu erweitern. Die enge Zusammenarbeit aller auf dem Platz Zürich im Bereich des Schlafs tätigen Wissenschaftler wird durch das kürzlich gegründete Zürcher Zentrum für interdisziplinäre Schlafforschung (ZiS) zusätzlich gefördert. Diese einzigartige Vernetzung zwischen Universitätsspital, Kinderspital, Psychiatrischer Universitätsklinik und UZH ermöglicht, komplexe Fragestellungen von den physiologischen bis zu den molekularen Mechanismen der Schlaf-Wachregulation mit modernsten Methoden komplementär bei Mensch und Tier zu erforschen und durch geeignete Modelle zu beschreiben.

Disease Heterogeneity of Multiple Sclerosis - From Pathogenetically Distinct Phenotypes to Novel Therapies

Universität Zürich; Universitätsspital Zürich; ETH Zürich

Prof. Dr. Roland Martin

Multiple Sklerose (MS), die häufigste zu Behinderung führende Erkrankung des jungen Erwachsenen in der westlichen Welt, gilt als prototypische Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem angreift, indem sie die Myelinschicht um die Nervenzellfortsätze schädigt und so die Signalübertragung zwischen Nervenzellen behindert. Nahezu jedwedes neurologisches Symptom oder klinische Zeichen kann bei der Erkrankung auftreten. Die Forschungsziele dieses KFSP sind primär die Anwendung moderner Phänotypisierungsalgorhythmen basierend auf struktureller Bildgebung, immunologischen, klinischen, neuropsychologischen und -psychiatrischen Parametern; die Verbesserung des Verständnisses zugrunde liegender Pathomechanismen in verschiedenen Phänotypen der Erkrankung; die Entwicklung neuer Behandlungsansätze (Neuro-/Myelonprotektion, Re-Tolerisierungsansätze) und Untersuchung der Wirksamkeit in proof-of-concept-Studien sowie die Schaffung eines international sichtbaren, translationalen Forschungsschwerpunkts zur Multiplen Sklerose hier in Zürich.

Viral Infectious Diseases

Universität Zürich; Universitätsspital Zürich; Kinderspital Zürich

Prof. Dr. Huldrych Günthard, Prof. Dr. Nicolas Müller, Prof. Dr. Alexandra Trkola

Wegen der Fülle von humanpathogenen Viren ist die Diagnose oft eine Herausforderung und eine Infektion nicht immer eruierbar. Das Virale Metagenom Projekt benutzt Hochdurchsatz-Sequenzierung und Metagenomik für die Bestimmung von Virusinfektionen in Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Trotz grosser Erfolge in der Behandlung der HIV Infektion ist weder ein effizienter Impfstoff noch eine Heilung von HIV mittels Medikamenten in Reichweite. Für Patienten mit HIV Erstinfektionen untersucht die Zurich Primary HIV Infection (ZPHI) Studie neue Behandlungsstrategien. Zusammen sind die zwei Bereiche des KFSP Virale Infektionskrankheiten eine fächerübergreifende Initiative am Schnittpunkt von Virologie, Immunologie, Transplantationsmedizin und molekularer Diagnostik.

Neuro-Rehabilitation: Strategies for Customized Treatments

Universität Zürich; Universitätsklinik Balgrist; Universitätsspital Zürich; Kinderspital Zürich; ETH Zürich

Prof. Dr. Armin Curt, Prof. Dr. Andreas Luft

Bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose und Querschnittlähmung bei Erwachsenen und Kindern sollte die medizinische Akutversorgung durch eine Rehabilitationsbehandlung ergänzt werden. Der KFSP „Neuro-Rehab“ verbindet neurologische Rehabilitationsforschung dieser Erkrankungen mit Grundlagenforschung in Neurobiologie und Ingenieurswissenschaften. Das ermöglicht die Einführung neuartiger Ansätze in der Neurorehabilitation, die unmittelbar zur klinischen Anwendung gebracht werden können. Die vertiefte Zusammenarbeit in der medizinischen Ausbildung und in multidisziplinären Weiterbildungsprogrammen werden wertvolle Informationen für die erfolgreiche Durchführung klinischer Studien erbringen.

Molecular Imaging Network Zurich (MINZ)

Universität Zürich; Universitätsspital Zürich; Psychiatrische Universitätsklinik Zürich; ETH Zürich; Paul Scherrer Institut

Prof. Dr. Jürg Hodler, Prof. Dr. Markus Rudin

Molekulare Bildgebung ist eines der wichtigsten klinischen Hilfsmittel mit diversen Anwendungsmöglichkeiten und einer der schnellsten wachsenden Bereiche der Life Sciences. Aus diesem Grund haben sich die führenden Experten der Grundlagenforschung und klinischen Forschung unter dem gemeinsamen Dach unseres Netzwerkes zusammengeschlossen, um eine bessere und schnellere Umsetzung von klinisch relevanter Forschung zu erreichen. Durch die ergänzende Zusammenarbeit der Laboratorien der Universität Zürich, des Unispital Zürichs und der ETH Zürich werden modernste bildgebende Verfahren für die translationale Forschung bereitgestellt.

Small RNAs in pathogenesis, diagnosis, and therapy of human diseases

Universität Zürich; Universitätsspital Zürich; ETH Zürich

Prof. Dr. Adriano Aguzzi

Das Hauptziel dieses KFSP ist die Vernetzung führender grundlagenwissenschaftlich sowie klinisch tätiger Wissenschaftler an USZ und UZH innerhalb eines multidisziplinären Teams, welches sich der Erforschung und Nutzung von Small RNA in menschlichen Erkrankungen widmet. In einer gemeinsamen Anstrengung ist unser Team bestrebt, siRNA in der Erforschung von Signalwegen einzusetzen, ihre funktionale Rolle nachzuweisen, präklinische Tiermodelle zu etablieren, sowie das therapeutische Potenzial solcher Modelle zu testen. Unsere Vision ist, dass dieses Forschungsprogramm zu neuartigen diagnostischen und therapeutischen Strategien führen wird, welche das Potenzial haben, den medizinischen Fortschritt nachhaltig zu prägen.

Human Hemato-Lymphatic Diseases

Universität Zürich; Universitätsspital Zürich; Kinderspital Zürich

Prof. Dr. Markus Manz

Etwa 25% der Todesfälle weltweit resultieren von Infektionserkrankungen, und das Risiko an Krebs zu erkranken oder zu sterben liegt bei 50% bzw. 25%. Sowohl Infektionserkrankungen als auch Krebserkrankungen sind meist spezifisch für den Menschen oder erzeugen spezifische Erkrankungen beim Menschen. Direkte Untersuchungen am Menschen bzw. klinische Therapieoptimierungsstudien sind durch ethische und praktische Aspekte limitiert, was einen langsamen Fortschritt in der Klinik bedingt. Der KFSP-HHLD fokussiert auf die Entwicklung von präklinischen, prädiktiven Modellsystemen, um Mechanismen und Therapien von für den Menschen spezifische Erkrankungen besser erforschen zu können. Dies wird letztlich zur schnelleren klinischen Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Nutzen der Patienten führen.

 

Ehemalige KFSP

KFSP Tumor Oxygenation