«Science Trail: Streifzüge durch die UZH» - Eine neue Veranstaltungsreihe des Graduate Campus

Doktorierende und Postdocs der UZH führen sich bei den Science Trails gegenseitig an die schönsten, geheimnisvollsten oder auch gruseligsten Ecken ihres eigenen Forschungsbereichs. Die «Science Trails» laden ein, in monatlichen Streifzügen die Forschungsvielfalt der Universität Zürich kennenzulernen. Dabei erhalten die Nachwuchsforschenden Einblicke in Bereiche der Universität Zürich, die sonst nicht ohne weiteres zugänglich sind. Und davon gibt es einige. Neben der reinen Neugierde an der Forschungsvielfalt der Universität Zürich befriedigen die «Science Trails» ein grundlegendes Bedürfnis der Nachwuchsforschenden: Die Reflexion über die Rahmenbedingungen der eigenen Wissensproduktion.

Die Forschungsstätten und deren (Eigen)Dynamiken beeinflussen, wie und damit auch welches Wissen generiert wird. Die rein materiellen Gegebenheiten bestimmen auch, wann, wo oder in welchem Rhythmus die Forschenden arbeiten. Und ein Forscherleben unterscheidet sich oft stark von einem üblichen 8 ½ Stunden Büroalltag. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen des Forschens je nach Disziplin sehr unterschiedlich. Genau hier setzen die Science Trails an ganz unterschiedlichen Orten der UZH an.

Der erste «Science Trail» war durchaus geruchsintensiv. Die Doktorandin der Veterinärmedizin Lilli Bittner stapfte in hohen Gummistiefeln zwischen den Rindern im Tierspital umher. Es wurde auch deutlich, weshalb heute viel mehr Frauen Tiermedizin studieren als früher – und sich dabei nicht nur in der Kleintierklinik spezialisieren, sondern sich – wie Lilli Bittner – für die Forschung mit Rindern entscheiden: Durch neue Techniken sowie Beruhigungsmittel ist der medizinische Umgang mit den fast tonnenschweren Tieren heute auch ohne mannstarke Körperkräfte zu stemmen. Lilli Bittner ist froh, eine Wohnung in unmittelbarer Nähe des Tierspitals gefunden zu haben. In der Grosstierklinik hat sie als Doktorandin regelmässig Bereitschaftsdienst und muss schnell zupacken können, falls eine Kuh kalbt oder ein Notfall eingeliefert wird.

Auch das Forscherdasein einer Filmwissenschaftlerin – dies wurde auf einem weiteren «Science Trail» schnell klar – hat wenig mit einem gemütlichen Fernsehabend zu tun. „Die sinnliche Wahrnehmung muss genauso trainiert werden, wie die musikalische. Wer erst mit 20 Jahren beginnt Cello zu spielen, wird kaum mehr zum Profi,“ erklärte Dr. Franziska Heller beim «Science Trail» zu den Filmwissenschaften. Das Pensum an Filmen, das man während des Studiums sehen muss, um ein fundiertes filmhistorisches Wissen aufzubauen und weiter zu pflegen, ist enorm. "Wenn sich die Filmwissenschaftlerin zu Studienzwecken mit einem Film auseinandersetzt, bedeutet das kaum einen ungebrochenen Sehgenuss im herkömmlichen Sinne. Vielmehr muss der Film oft unterbrochen und zurückgespult werden, um die Flut an Informationen, die in einer kurzen Filmsequenz stecken, analysieren zu können.“

Beim jüngsten Science Trail standen die Rechtswissenschaften auf der Bühne: Elfriede Jelinek hat in ihrem Stück "Über Tiere" heikle Themen verarbeitet: Prostitution und Menschenhandel. Während es auf der Theaterbühne gewünscht sein kann, durch eine starke Inszenierung das Publikum aufzurütteln und eine (durchaus auch emotional geführte) Debatte anzustossen, müssen Juristinnen und Juristen eine abwägende Haltung einnehmen, die alle Bedürfnisse der Gesellschaft in Betracht zieht. Im Anschluss an einen gemeinsamen Theaterbesuch brachte der Graduate Campus diese beiden sehr unterschiedlichen Mentalitäten in einer Podiumsdiskussion ins Gespräch. Als Expertin für juristische Fragen nahm Nevin Karabayir, die über den Tatbestand des Menschenhandels promoviert, an der spannenden Diskussion mit Schauspielerinnen und Dramaturg teil. (Link: http://www.uzh.ch/news/articles/2014/hoerbares-recht.html)

Die kurzen wissenschaftssoziologischen Streifzüge durch die UZH bieten den Nachwuchsforschenden vielfältige Einblicke in Forschungsstätten und damit eine ideale Grundlage zur Reflexion über die Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache (Ludwig Fleck).