"Workload reloaded": Workshop zu einem umstrittenen Konzept

Obwohl ECTS Credits den Anschein einer festen Währung machen, ist der mit ihnen verbundene Workload, der in Punkten ausgedrückte Arbeitsaufwand, tatsächlich schwer zu bemessen, was immer wieder zu Irritationen führt. Studierende stellen Unregelmässigkeiten in der Verteilung von ECTS Credits fest – Dozierende und Programmverantwortliche haben Mühe, den zu erwartenden Arbeitsaufwand abzuschätzen und in Punkte umzurechnen. Der diesjährige Workshop von Swissuniversities nahm sich dieser Problematik an und versammelte Vertreterinnen und Vertreter aller Hochschultypen am 11.3.2015 in Bern zur gemeinsamen Diskussion und Denkarbeit.

Der Vormittag war dabei einer Annäherung an das Konzept Workload im Plenum gewidmet. Wolfgang Schatz von der Universität Luzern fasste den Forschungsstand zu den Erfahrungen mit Workload einführend zusammen. Die Schwierigkeit im Umgang mit der studentischen Arbeitsbelastung besteht erstens darin, diese Belastung im Voraus zu berechnen und sie auf vertretbare Weise über das Semester zu verteilen. Zweitens geht die Währung der ECTS Credits von einem durchschnittlichen Studierenden aus, der in der Realität so nicht anzutreffen ist. Studien belegen überdies, dass zwischen Workload und erreichter Note kein Zusammenhang besteht, bzw. dass oft gerade jene Studierenden einen grossen Aufwand betreiben, die am Ende nicht durch die Prüfung kommen.

Balthasar Eugster von der Hochschuldidaktik der UZH ging auf die verbreitete Kritik am Konzept des Workloads ein, die von einer „Taylorisierung des Lernens“ spreche. Eugster hielt dieser Kritik entgegen, dass Bildung immer schon planerische und ökonomische Aspekte beinhaltet habe, welche durch die neue Begrifflichkeit nun erst sicht- und verhandelbar würden. Wenn das Denken in Massen des Workloads also durchaus Widersprüche in der Planung von Lehr-Lern-Situationen zu Tage fördere, so sei dies als Chance für eine Auseinandersetzung mit diesen Widersprüchen zu sehen. Da der Workload eng mit Lernzielen und damit auch mit Leistungsnachweisen verknüpft sei, müsse die Planung von Leistungsnachweisen genau ins Curriculum gepasst und die Ausgestaltung der Prüfungsvorbereitung inhaltlich und zeitlich kritisch beobachtet werden.

Der Nachmittag ermöglichte den Teilnehmenden im Rahmen von Diskussionsgruppen eine vertiefte Beschäftigung mit konkreten Problemstellungen und Lösungsansätzen aus verschiedenen Hochschulen. In der Schlussdiskussion fiel das Fazit der Veranstaltung schliesslich dahingehend aus, dass Workload in der Planung von Modulen und Programmen nicht isoliert, sondern in einer Art „ménage à trois" in engem Zusammenhang mit dem Learning Outcome und den Leistungsnachweisen gedacht werden muss. Es empfiehlt sich, mit den Studierenden eine aktive Feedback-Kultur zu etablieren, um den geleisteten Aufwand abschätzen und darauf reagieren zu können.