Aus der NZZ vom 9. Juni 1997

Auf den Felgen von St. Gallen nach Zürich

Härtester sportlicher Anlass der Studentenschaft

105 Zweier-Teams haben in der Nacht auf Samstag die 80 Kilometer lange Strecke zwischen den Hochschulen von St. Gallen und Zürich unter die Füsse und Räder genommen. Der Sola-Duo-Lauf ist die härteste Prüfung im Angebot des Akademischen Sportverbandes Zürich.

Der nächtliche Spuk beginnt punkt 24 Uhr bei der Universität St. Gallen. Auf leisen Sohlen und Rädern machen sich die Zweiergruppen davon. Die sportliche Herausforderung, bei der sich die Teams im Velofahren und Laufen beliebig abwechseln dürfen, haben heuer über hundert Laufpaare angenommen, mehr als doppelt so viele als an der letzten Sola-Duo vor zwei Jahren.

Ein mildes Windchen säuselt durch die Häuserfluchten der nachtschlafenden Stadt St. Gallen. Die letzten Strassenlaternen weisen den Weg hinaus aus der Besiedlung, bis die Grüppchen schliesslich auf der Überlandstrasse vollends von der Dunkelheit aufgesogen werden. Flawil will und will nicht enden. Ein elendlanges Strassenkaff. In Sirnach haben die Staffeln schon 33 Kilometer in den Knochen; Zeit, sich am Verpflegungsstand mit Bananen und Energiebarren einzudecken und die Trinkflaschen nachzufüllen.

In der sumpfigen Ebene zwischen Bichelsee und Turbenthal verwischt dichter Nebel die scharfen Konturen und die jetzt von Müdigkeit gezeichneten Gesichter der Nachtwandler, die sich nach bereits drei Stunden koerperlicher Anstrengung den Mächten der Natur mehr und mehr willenlos hingeben.

Bei Wildberg bricht schliesslich der Tag an, und die Sonne reisst die entrückten Läufer aus ihren Träumen. Längst hat sich der Tross so weit auseinandergezogen, dass manches Team selbst bei den Kontrollposten keinen Mitläufern mehr begegnet. Hoechstens ab und zu einem fahrenden Arzt, der sie anspricht und ihnen prüfend in die Augen blickt, bevor die Teilnehmer die letzte Herausforderung, den nahrhaften Stutz hinauf nach Pfaffhausen, in Angriff nehmen. Auf den Felgen oben angelangt, meldet sich erstmals der Gedanke 'Wir schaffen es'. Ein Hochgefühl, das ausreicht, die müden Glieder noch die letzten paar Kilometer ins Ziel auf der Sportanlage Fluntern zu retten. Die Schnellsten legen die Strecke in rund fünfeinhalb Stunden zurück, die Langsamsten benoetigen rund doppelt so lange. Nur drei Teams haben unterwegs aufgegeben.

Rangliste

1. Hans Kessler / Andres Schneider          5:24:25 Std.
2. Thomas Stüdeli / Urs Bütikofer           5:27:59 
3. Christian Nobel / Dominik Doebeli        5:31:39 
4. Stefan Abele / Volker Schnaible          5:33:52 
5. Roberto Mazzoni / Pierluigi Calanca      5:35:23   

Hansjoerg Egger, NZZ - 9.6.97