Sprachenzentrum: Latinum an der Philosophischen Fakultät

Orientierung der Mittelschulen

Vorbemerkungen
Lateinobligatorium an der Philosophischen Fakultät der UZH
Lateinobligatorium an der Theologischen Fakultät der UZH
Erwerb des Latinums

 

UNIVERSITÄT ZÜRICH
DEKANAT DER PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT

CH–8001 Zürich
Rämistr. 69, Büro 223
dekanat@phil.uzh.ch

Februar 2012

Lateinkenntnisse für das Studium an der Philosophischen Fakultät und an der Theologi­schen Fakultät der Universität Zürich

Orientierung zu Handen der Rektorinnen und Rektoren, der Lehrerinnen und Lehrer der Schweizerischen Mittelschulen sowie der Schülerinnen und Schüler und ihrer Eltern

Stand: Januar 2012

Vorbemerkungen

Fundierte Kenntnisse der lateinischen Sprache bilden die obligatorische Voraussetzung für das Studium einer grossen Zahl von Fächern an der Philosophischen Fakultät und für das Studium der Theologie und der Religionswissenschaft an der Theologischen Fakultät. Sie sind auch für jene Fächer der Philosophischen Fakultät von Nutzen und Bedeutung, die das Latein nicht reglementarisch verlangen. Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern müssen dies bedenken, wenn sie Überlegungen zum Studien- und Berufsziel anstellen und die Fächerwahl an der Mittelschule im Hinblick auf das spätere Studium treffen.

An der Philosophischen Fakultät besteht die Lateinpflicht grundsätzlich und auch in Zukunft für die Sprach-, Literatur- und Geschichtsfächer aus dem europäischen und gesamtamerikanischen Raum, für die wissenschaftlichen Disziplinen im Kontext der antiken Welt, für den Gesamtbereich der Philosophie, der Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auch beim Studium eines der grossen sozialwissenschaftlichen Fächer der Philosophischen Fakultät (Psychologie, Soziologie, Ethnologie etc.) führt die Kombination mit einem Fach aus den Sprach-, Literatur- und Geschichtsfächern zur Lateinpflicht. Im Kleinen Nebenfach wird vielfach kein Latein verlangt, doch gibt es eine Reihe von Ausnahmen, die unten angeführt sind.

Dass Lateinkenntnis in diesem Ausmass und Rahmen verlangt wird, beruht nicht einfach auf akademischer Tradition, sondern auf wissenschaftlichen Notwendigkeiten und einem Begriff von Erkenntnis und Forschung, wie er auch die Differenz zwischen Universitäten und Fachhochschulen bestimmt. Bis ins 19. Jahrhundert ist die europäische Bildungssprache eine doppelte; sie besteht aus Latein und der jeweiligen Nationalsprache. Die Wechselwirkung beider prägt die Geschichte aller Einzelsprachen und ihrer Literaturen, bestimmt die Geschichte der Philosophie und der Künste. Für die Geschichtswissenschaften im engeren Sinn bildet Latein die Sprache eines grossen Teils der Quellentexte, d.h. des Grundlagenmaterials. Ohne Zugang zum originalen Wortlaut ist eine wissenschaftliche Arbeit mit den Quellen nicht möglich.

Dazu kommen die enge Verbindung des Lateins mit der antiken Kultur und seine überragende Funktion in deren Tradierung. Keine Epoche der europäischen Geschichte ist denkbar ohne eine je spezifische Auseinandersetzung mit Vorgaben und Modellen der Antike. Deren Mythen, Philosophie und Rhetorik, ihre naturwissenschaftlichen und politischen Konzepte, ihre Architektur, Kunst und Literatur: sie schlagen auf immer neue Weise durch in die theoretische und ästhetische Orientierungssuche auch noch der Moderne. Und wenn es gewiss stimmt, dass jede fremde Sprache den Umgang mit der eigenen befördert und die Einsicht in die sprachlichen Gesetzmässigkeiten generell vervielfacht, so gilt dies vom Latein - angesichts seines Fortwirkens in den Strukturen und im Wortschatz der europäischen Sprachen, angesichts auch seiner Präsenz in der Fachterminologie der Natur- und Sozialwissenschaften - doch in ganz besonderem Masse.

1.  Lateinobligatorium an der Philosophischen Fakultät der UZH

Lateinkenntnisse im Sinne des § 14 der Rahmenordnung werden als Zugangs-, bzw. Prüfungsvoraussetzung für folgende Bachelor-Studiengänge der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich verlangt:

Die Liste der Studiengänge findet sich unter Fächerkatalog.

ACHTUNG:

  • Wird ein Fach, bei dem das Lateinobligatorium nur dann entfällt, wenn es im Kleinen Nebenfach studiert wird, später zum Haupt- oder Grossen Nebenfach (auch im Rahmen des Lehrdiploms für Maturitätsschulen/Höheren Lehramtes) oder zum Promotionsfach aufgewertet, gilt die Latinumspflicht.
  • Kenntnisse des Lateinischen im Sinne des § 14 der Rahmenordnung können in allen oben genannten Fächern durch Kenntnisse des Griechischen im Umfang des Graecums ersetzt werden, sofern nicht Kenntnisse des Lateinischen und Griechischen verlangt sind. Siehe dazu auch 3.2
(Zu beachten ist aber, dass diese Wahlmöglichkeit an der UZH eingeschränkt ist: Wer an der Mittelschule keinen Abschluss in den alten Sprachen erworben hat, kann anstelle des Latinums auch das Graecum ablegen; in der Musikwissenschaft und der Romanistik muss allerdings die Ergänzungsprüfung in Latein absolviert werden, für Studierende am Historischen Seminar besteht diese Wahlmöglichkeit nur nach Rücksprache mit den zuständigen Fachvertreterinnen und Fachvertretern.)

 

2.  Lateinobligatorium an der Theologischen Fakultät der UZH

2.1  Theologie

Lateinkenntnisse auf Stufe der Maturität oder dieser gleichwertig werden für das Bachelorstudium vorausgesetzt. Studierende, die über keine Lateinkenntnisse verfügen, können deren Erwerb im Verlauf des Bachelorstudiums nachholen und sich die entsprechende Anzahl Kreditpunkte im Wahlbereich anrechnen lassen. Die Theologische Fakultät bietet für diese Studierenden einen Lateinkurs an, der sich über zwei Semester (Beginn Herbstsemester (mit Kursanteilen in der Semesterpause) erstreckt.

Sprachkurse in Griechisch (drei Semester, Beginn jedes Semester) und Hebräisch (zwei Semester, Beginn jedes Semester) für das Vollstudium Theologie, wahlweise in Griechisch oder Hebräisch im Hauptfachstudium sind integraler Bestandteil des Bachelorstudiums. Wer über ausreichende Kenntnisse in beiden der genannten Sprachen verfügt, erhält die für den Sprachkurs vorgesehenen Kreditpunkte gutgeschrieben. Die Lektürekurse der Sprachmodule sind für alle Studierenden obligatorisch.

2.2  Religionswissenschaft

Lateinkenntnisse auf Maturitätsstufe (oder gleichwertig) werden als erste Quellensprache anerkannt. Sie können auch im Rahmen des Bachelorstudiums erworben werden, wobei die entsprechenden Kreditpunkte angerechnet werden. Alternativ können anstelle des Lateins und auf Antrag andere Sprachkenntnisse (nicht-westeuropäische oder antike Sprachen) als erste Quellensprache anerkannt werden.

Im Rahmen des Bachelorstudiums Religionswissenschaft werden grundlegende Kenntnisse in einer zweiten (antiken oder nicht-europäischen Quellensprache) und/oder sozialwissenschaftliche Methoden erworben.

ACHTUNG:

Die Latein- und Griechischkurse der Theologischen Fakultät werden für sich genommen von der Philosophischen Fakultät wegen ihrer spezifischen Ausrichtung nicht anerkannt. Als Latinum anerkannt wird hingegen das erfolgreiche Absolvieren des Latein- und des Griechischkurses der Theologischen Fakultät. Umgekehrt anerkennt die Theologische Fakultät die Latein- und Griechisch-Ausweise der Philosophischen Fakultät.

 

3.  Erwerb des Latinums

Die für das Studium dieser Fächer vorausgesetzten Kenntnisse entsprechen in der Regel dem an der Matur im Fach Latein geprüften Pensum. Voraussetzung ist also eine Lateinmatur oder ein äquivalenter Ausweis. Es bieten sich folgende Möglichkeiten, diese Voraussetzungen zu erfüllen:

3.1  Latein an der Schule

Der einfachste und beste Weg zum Erwerb der verlangten Lateinkenntnisse ist mit Sicherheit derjenige des Lateinunterrichts am Gymnasium als Maturfach, insbesondere an einem Langzeitgymnasium. Nur so können die in einem späteren Studium erforderlichen Sprachkenntnisse und die Vertrautheit mit der lateinischen Literatur und der antiken Kultur in der gewünschten Breite und Tiefe vermittelt werden. Die Stundendotation für Latein als Maturfach sollte daher auch an einem Kurzzeitgymnasium (9.-12. Schuljahr) deutlich über dem von der Fakultät für Fakultativkurse geforderten absoluten Minimum von 10 1/2 Jahreswochenstunden liegen.

Die in einem gymnasialen Fakultativkurs im Fach Latein erworbenen Kenntnisse genügen den Anforderungen, die die Philosophische Fakultät stellt, nur dann, wenn der Kurs an Langzeitgymnasien (mit Latein auf der Unterstufe) mit mindestens 8, an Kurzzeitgymnasien mit mindestens 10 1/2 Jahreswochenstunden dotiert ist und ohne Unterbrechung durchgeführt und besucht wird. Er darf nicht länger als ein halbes Jahr vor der Maturitätsprüfung abgeschlossen werden (bei einer höheren Stundendotation kann auch eine Zeitspanne von einem Jahr genehmigt werden); das Lektüreprogramm muss auch Dichtung umfassen. Die Teilnahme am Kurs muss mit einer schriftlichen und mündlichen Prüfung (Mindestnote 4, wobei die Erfahrungsnoten der letzten beiden Zeugnisse - wie bei einer entsprechenden Maturitätsprüfung - selbstverständlich mit einfliessen können) unter Beiziehung einer/eines externen Expertin/Experten ausgewiesen werden (Datum und Modus der Prüfungen sind dem Klassisch-Philologischen Seminar der Universität Zürich zu melden ( Prof. Dr. Ulrich Eigler, Rämistrasse 68, 8001 Zürich) ; das Einverständnis mit der Durchführung wird durch den Latinumsbeauftragten der Fakultät (Prof. Dr. Ulrich Eigler, Klassisch-Philologisches Seminar, Rämistrasse 68, 8001 Zürich, E-Mail: ulrich.eigler@klphs.uzh.ch.)bestätigt). Fakultativkurse mit einer geringeren Stundendotation können höchstens als Vorbereitung für die fakultäre Prüfung hilfreich sein.

3.2  Griechisch statt Latein

Gemäss dem Beschluss der Philosophischen Fakultät vom 31.10.1997 wird auch eine Griechisch-Matur ohne Latein (in der Regel nach 4-jährigem Unterricht) anstelle einer Latein-Matur anerkannt unter der Bedingung, dass sie mit obligatorischem Lateinunterricht im 7. und 8. Schuljahr im Umfang von 10-11 Jahreswochenstunden verbunden ist.

3.3  Latein an einer anderen Hochschule als der UZH

Studierende, die an anderen Hochschulen aussermaturitäre Lateinprüfungen mit Erfolg bestanden haben, können unter bestimmten Bedingungen von der Ablegung der fakultären Prüfung befreit werden. Für die Anerkennung fremder Äquivalenzleistungen ist die oder der Latinumsbeauftragte der Fakultät zuständig.

3.4  Latein in den Kursen des Sprachenzentrums der UZH

Die Latinumskurse, die am Sprachenzentrum der Universität und der ETH Zürich angeboten werden, sind Nachholkurse; sie sind für die Studierenden mit grossem Aufwand verbunden und wirken sich deshalb studienzeitverlängernd aus. Die Kurse können wegen der Gedrängtheit des Lernprogramms und der wachsenden Zahl von Teilnehmer/innen keinesfalls den Lateinunterricht, wie er an den Gymnasien geboten wird, ersetzen. An diese Kurse schliessen sich fakultäre Prüfungen an. Die Vorbereitung auf diese Prüfungen kann auch ausseruniversitär erfolgen.

Zürich, im Februar 2012

sig.

Prof. Dr. Ottfried Jarren, Prorektor Geistes- und Sozialwissenschaften
Prof. Dr. Peter Fröhlicher, Dekan der Philosophischen Fakultät
Prof. Dr. Ulrich Eigler, Latinumsbeauftragter der Philosophischen Fakultät


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