UZH News
Mediadesk
Agenda
Share via mailShare on XingShare on LinkedIn

Artikel nach Fachgebieten:

 
09.10.2006
 

Hedge Funds: sinnvoll für Pensionskassen?

Grossinvestoren wie Pensionskassen versuchen ihr Geld unter anderem mittels Hedge Funds zu mehren. Zu diesem umstrittenen Anlageinstrument fand letzte Woche an der Universität Zürich das erste «Asset Management Forum» statt. Über 170 Fachleute tauschten ihr Wissen und ihre Erfahrung mit Hedge Funds aus.

KommentarKommentare

Philippe Rohner

Mit dem «Asset Management Forum» initiiert das Center of Competence Finance in Zürich (CCFZ) unter der Leitung von PD Dr. Erich Walter Farkas und Prof. Dr. Hans Geiger vom Swiss Banking Institute der Universität Zürich eine neue Plattform zum Wissenstransfer im Asset Management. Das Forum richtet sich vor allem an Vertreter von Banken und an institutionelle Grosskunden wie Pensionskassen und will den Erfahrungsaustausch zwischen Praxis und Wissenschaft vorantreiben sowie Einblicke in Forschung und Entwicklungen des Asset Managements geben.

Key Speakers
Key Speakers des ersten Asset Management Forums mit Dr. Walter E. Farkas, Direktor des  Center of Competence Finance Zürich, CCFZ (ganz rechts). (Bild: Palma Fiacco)

Das diesjährige, von Prof. Dr. Markus Leippold vom Swiss Banking Institute präsidierte Forum war dem Thema «Hedge-Fund-Investitionen für Pensionskassen» gewidmet. Fünf namhafte Persönlichkeiten aus Praxis und Wissenschaft gaben in einstündigen Referaten interessante Einblicke in ihre Tätigkeit. In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurde die Zukunft der Hedge-Fund-Industrie kritisch beleuchtet.

Hedge Funds – ein kontroverses Thema

Hedge Funds sind ein kontrovers beurteiltes Anlageinstrument. Bekannte Hedge Funds wie «Amaranth» oder «LTCM» der Nobelpreisträger Robert Merton und Myron Scholes (als Mitbegründer) mussten wegen zu grossen Kursverlusten geschlossen werden und kamen so in die Schlagzeilen. Solche Skandale sind jedoch nur die Kehrseite der Medaille. Ein Hedge Fund ist nicht an sich ein risikoreiches Geschäft; im Gegenteil: Ein Hedge Fund ist ein aktiv verwaltetes Anlageinstrument, mit dem Ziel, unabhängig von der Entwicklung am Aktienmarkt konstante positive Erträge zu erwirtschaften. Neben klassischen Anlageinstrumenten wie Aktien, Obligationen, Futures etc. dürfen Hedge-Funds-Manager auch riskantere Leerverkäufe und Leverage einsetzen; bei letzteren verschuldet sich der Hedge Fund, um mehr Geld zu investieren, als er eigentlich besitzt – ein Pokerspiel, das den oben erwähnten Hedge Fund LTCM zu Fall brachte.

Panel
Vor- und Nachteile von Hedge Funds für Pensionskassen:  darüber diskutierten Wissenschaftler und Praktiker  an der Podiumsdiskussion des «Asset Management Forum». (Bild: Palma Fiacco)

Warum Hedge Funds?

Warum sollten gerade Pensionskassen in Hedge Funds investieren? Wie Studien belegen, sind nur gut 30 Prozent aller Hedge-Fund-Manager in der Lage, eine positive Überrendite gegenüber dem Markt zu erwirtschaften. Daher sollten nicht hohe Renditen, sondern primär die Diversifikationseigenschaften dieser Anlageklasse die Motivation für ein Investment sein. Das Anlageziel des Gesamtportfolios muss stets im Vordergrund stehen. Die optimale Gewichtung von Hedge Funds in einem Portfolio kann daher nicht pauschal festgelegt werden, sondern muss sich am Anlageziel und an der Vermögenssituation der Pensionskasse ausrichten.

Was darf ein Hedge Fund kosten?

Die Gebühren für Hedge Funds setzen sich aus einer fixen Komponente, gemessen an der Grösse des verwalteten Vermögens, und einer erfolgsabhängigen Komponente zusammen. Typischerweise sind dies 2% der «Assets under Management» plus 20% Beteiligung am Gewinn. Sind derart hohe Gebühren gerechtfertigt? Die Antwort lautet Jein. Angesichts bescheidener Renditen und ungenügendem Risikomanagement vieler Funds sind die Kosten überhöht. Anderseits achten aber auch die Investoren zu wenig darauf, ob sie für ihr Geld auch wirklich ein Investment bekommen, welches ihren Anlagebedürfnissen entspricht. Stimmt die Gegenleistung nämlich für den Investor, ist er auch bereit, angemessen dafür zu bezahlen – ist Professor Lhabitant überzeugt.

Markus Leippold
Professor Markus Leippold vom Swiss Banking Institute der Universität Zürich präsidierte das erste «Asset Management Forum». (Bild: Palma Fiacco)

Gemäss Professor Harry Kat von der City University in London sollte der Investor grundsätzlich an den statistischen Eigenschaften wie erwartete Renditen, Volatilitäten und Korrelationen von Hedge Funds und nicht an der monatlichen Kursentwicklung interessiert sein. Harry Kat entwickelte ein Modell, wie die statistischen Eigenschaften von Hedge Funds mit Aktien- und Obligationenfutures sehr genau nachgebildet werden können. Der Investor kann somit die Renditestruktur eines beliebigen Hedge Funds mittels herkömmlicher Anlageinstrumente replizieren, ohne dabei direkt in einen vergleichsweise teuren Hedge Fund investieren zu müssen.

Blick in die Zukunft

Verschiedene Hedge-Fund-Strategien werden in Zukunft vermehrt an ihre Kapazitätsgrenze stossen, was die Renditen weiter schrumpfen lässt. Es wird immer schwieriger, in einem wachsenden Pool von Hedge Funds die erfolgreichen zu erkennen. Der Einsatz quantitativer Methoden zur Selektion von Hedge Funds wird in Zukunft noch wichtiger werden, so Professor Robert Kosowski vom Imperial College in London, der sich in seiner Forschung mit der Messung der Hedge Fund Performance beschäftigt. Raum für innovative Nischenstrategien wird es aber auch in Zukunft geben. «Das Bedürfnis nach massgeschneiderten Anlageprodukten wird gerade in der Hedge Fund Branche in den nächsten Jahren massiv zunehmen», sagt Dr. Nils Tuchschmid von der Grossbank Credit Suisse.

Ein wichtiges Thema wird in Zukunft die Regulierung der Hedge-Fund-Branche sein. Alan Brown von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders sieht als Vorteil einer stärkeren Regulierung die steigende Transparenz. «Diese Aufgabe muss aber von den Regulatoren mit grösstmöglicher Sorgfalt angegangen werden», so Brown. 

Die Hedge-Fund-Manager in ihren Anlageentscheidungen einzuschränken wäre mit Sicherheit nicht das richtige Mittel; denn gerade in der Flexibilität und Unabhängigkeit des Managers liegt der Erfolg vieler Hedge Funds begründet. Die Referenten waren sich einig, dass die Regulation dahin führen sollte, dass in Zukunft vor allem kleine Investoren besser geschützt werden sollten, indem der Verkauf von Hedge Funds stärker reguliert wird, ohne aber die Investitionstätigkeit der Manager einzuschränken.

Philippe Rohner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Swiss Banking Institute.