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12.08.2008Nachruf

Abschied von Prof. Peter Streit

Am 7. Juni 2008 ist Prof. Peter Streit nach längerer Krankheit in seinem 64. Altersjahr in Zürich gestorben. Das Institut für Hirnforschung verlor einen ausgezeichneten, engagierten, kritischen Wissenschaftler, der sich in besonderem Masse für die Neurowissenschaften verdient gemacht hat. Professor em. Beat Gähwiler würdigt in einem Nachruf seinen Kollegen.

Beat Gähwiler 

Peter Streit wurde am 6. März 1945 in Zürich geboren, wo er auch die Schulen besuchte. Er absolvierte das Studium der Humanmedizin an der Universität Zürich, das er 1971 mit dem Eigenössischen Staatsexamen abschloss. Mit der Neurobiologie kam er erstmals bei einem mehrmonatigen Aufenthalt am Institut für Hirnforschung im Jahre 1969 in Kontakt, wo er bei Prof. Konrad Akert im Jahre 1973 dann auch doktorierte. Es folgten kürzere Aufenthalte bei Prof. Tomas Hökfelt am Karolinska Institut in Stockholm und bei Prof. Bernhard Droz an der Universität Lausanne, bevor er sich von 1979 bis 1981 an der Rockefeller University in New York bei Prof. Gerald M. Edelman, einem Nobelpreisträger in Physiologie und Medizin, weiterbildete. Am Department of Development and Molecular Biology der Rockefeller University war er dann von 1981 bis 1982 als Assistenzprofessor tätig, worauf er wieder in die Schweiz zurückkehrte und in der Abteilung von Prof. Michel Cuénod am Institut für Hirnforschung der Universität Zürich eine morphologisch orientierte Forschungsgruppe aufbaute. 1983 habilitierte sich Peter Streit an der Universität Zürich und wirkte ab 1990 als Titularprofessor im Institut für Hirnforschung.

Prof. Peter Streit

Prof. Peter Streit erforschte Aminosäure-Neurotransmittoren, insbesondere ihre Lokalisation im Nervensystem. (Bild: zVg.)

Ausgezeichnet mit dem Robert-Bing-Preis

Peter Streit war ein profunder Kenner der Neurobiologie, der sich weit über sein Spezialgebiet hinaus für dieses Fach interessierte. Den Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit bildete die Erforschung von Aminosäure-Neurotransmittoren, insbesondere ihre Lokalisation im Nervensystem. Zu diesem Zweck entwickelte er Antikörper, die schwierig herzustellen und in der ganzen Welt gesucht waren. Erwähnenswert ist auch seine Zusammenarbeit mit Prionics, welche zur Entwicklung von Antikörpern gegen Prionen führte, die bei der Identifikation von an BSE erkrankten Tieren eine wichtige Rolle spielten. Wissenschaftliche Sorgfalt war ein ganz besonderes Kennzeichen seiner Forschungstätigkeit. Seine Arbeiten waren stets von hoher Qualität, was ihm internationale Anerkennung einbrachte. 1979 wurde seine Arbeit mit dem Robert Bing-Preis der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften geehrt.

In den vielen Jahren seines Wirkens hat sich Peter Streit stets auch für eine qualitativ hochstehende Lehre engagiert und neben seinen Vorlesungen für Medizinstudenten und Naturwissenschaftler das Leben des Institutes für Hirnforschung wesentlich bereichert mit der Organisation von Kolloquien, Tagungen sowie des Neurobiologie-Blockes des Postgraduate Kurses für experimentelle Medizin und Biologie, den er übrigens 1972/73 selber besucht hatte. Er hat es sich nicht nehmen lassen, wenige Monate vor seinem Tod, gezeichnet von seiner Krankheit, noch die Vorlesung in Anatomie, Physiologie und Biochemie für Medizinstudenten zu halten.

Begeisterter Sportler

Peter Streit war ein begeisterter Sportler, der vor allem in den Bergen beim Bergsteigen, Gleitschirmfliegen und Snow Boarden in seinem Element war. Er zog sich oft in sein geliebtes Leukerbad zurück, wo er zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern Erholung fand und Energie tankte.

Mit Peter Streit verlieren wir einen feinfühligen, klugen Kollegen, der dank seinem breiten neurobiologischen Wissen stets ein interessanter Gesprächspartner und hervorragender Zuhörer war. Vielen von uns wird aber auch ein treuer, unersetzbarer Freund fehlen. Die Universität, die Kolleginnen und Kollegen sowie die ehemaligen Studentinnen und Studenten und die Mitarbeiter des Instituts für Hirnforschung werden das Andenken des Verstorbenen in dankbarer Erinnerung behalten.

Beat Gähwiler, emeritierter Professor für Neurowissenschaften

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Institut für Hirnforschung

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Leute Medizin und Zahnmedizin

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