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29.09.2008Nacht der Forschung

In die Welt von Morgen flanieren

Zum zweiten Mal wurde am Freitag in Zürich die «Nacht der Forschung» durchgeführt. Tausende nutzten die Gelegenheit, einen Einblick in die Labors und Projekte der Forschenden an der Universität Zürich zu erhalten.

Theo von Däniken

Chemie

Chemie zum Anbeissen: Kinder können Molekülstrukturen mit Gummibärchen und Zahnstochern nachbauen. (Bild: Theo von Däniken)

Forschung interessiert, und wie! Zu diesem Schluss kommt jedenfalls, wer am Freitagabend zwischen Bellevue und Zürichhorn unterwegs war. An über 50 Ständen entlang der Seepromenade sowie in einem Zelt am Zürichhorn präsentierten sich Forschende der Universität Zürich sowie anderer Forschungseinrichtungen und hatten alle Hände voll zu tun, die neugierigen Fragen der Besuchenden zu beantworten.

Gleich zu Beginn des abwechslungsreichen Parcours holen Chemie und Biochemie der Universität Zürich Kinder und Erwachsene ab. Am Stand können mit Gummibärchen und Zahnstochern komplexe Molekül-Modelle nachgebaut werden. Erwachsene erfahren, dass es nicht immer aufwändige Labor-Einrichtung braucht, um Moleküle zu synthetisieren. Ein kleines Gefäss und ein Mikrowellenofen können auch schon reichen.

Supraleiter-Schwebezug

«So sieht die Zukunft aus!»: Das Physik-Institut demonstriert einen Supraleiter-Schwebezug. (Bild: Theo von Däniken)

«So sieht die Zukunft aus»

Forschung anschaulich und erlebbar zu machen ist eines der Ziele der Nacht der Forschung, die dieses Jahr zum zweiten Mal in Zürich durchgeführt wurde. Sie ist Teil der «European Researchers Night» des 7. Europäischen Rahmenprogramme für Forschung und technologische Entwicklung der EU, an der sich über 30 weitere europäische Städte beteiligten.

Eine grosse Traube von Interessierten – Jung und Alt – drängt sich auch um den Stand des Physik-Instituts der Universität Zürich. Dort kreist ein supraleitender Magnetschwebezug geräusch- und widerstandslos auf seiner Bahn. Ein junger Mann lässt sich das Prinzip erklären, weshalb das supraleitende Material sich von einem Magnetfeld abstösst und dadurch schwebt. «Das musst du dir anschauen», meint er zu seinem Kollegen, «so sieht die Zukunft aus!»

Gentest

CSI am Zürichhorn: Welcher Welpe stammt von welchem Rüden ab? (Bild: Theo von Däniken)

An vielen Ständen können die Besuchenden und vor allem Kinder selber zu Forschenden werden und etwa DNA extrahieren oder sich als Ermittler versuchen und herausfinden, welche Welpen aufgrund der Gene von welchem Rüden abstammen.

Hologramm oder Polit-Kampagne?

Der Spaziergang entlang der Stände zeigt die grosse Vielfalt der Forschung an der Universität Zürich auf. Nicht nur die Naturwissenschaften und die Medizin sind vertreten, auch die Geistes-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften stellen ihre Projekte vor. So kann man sich im gleichen Zelt auf der einen Seite von Physikerinnen und Physikern erklären lassen, wie Hologramme entstehen, auf der anderen erfährt man, wie sich politische Kampagnen auf Abstimmungen auswirken.

Kriminalistik

Die Kriminologie geht Ursachen und Erscheinungsformen der Kriminalität nach. (Bild: Theo von Däniken)

Die Kriminologinnen und Kriminologen fragen das Publikum, ob die Jugend immer gewalttätiger wird und zeigen auf einer Karte, wo in Zürich das Pflaster besonders heiss ist. Vertreterinnen und Vertreter des romanischen Seminars veranschaulichen, wie sich die romanischen Sprachen von Europa aus über die ganze Welt verbreitet haben. Wer mag, kann in einem Hörtest ausprobieren, ob er Portugiesisch von Katalanisch unterscheiden kann.

Schwebende Sprechblasen

Einen Sprachtest bietet auch das Deutsche Seminar im Forschungsmarkt am Zürichhorn an. Dort ist Wissen zu den Sprachen in den neuen Medien SMS oder Chat gefragt. Wer weiss, was eine «Chatiquette» ist, was «SMS» eigentlich bedeutet und ob es heisst «Wenn ich Du wäre» oder «Wenn ich Dich wäre», hat sich ein Smiley verdient.

Chat-Performance

Fällt auch im dichten Gedränge des Forschungsmarktes auf: Chat-Performance am Stand des Deutschen Seminars. (Bild: Theo von Däniken)

Dass die Kommunikation über Chat oder SMS nicht zu sozialer Vereinsamung führen muss, zeigt die Chat-Performance von Aran Bartholl. Zwei Chatterinnen oder Chatter führen ihren Dialog über grosse Sprechblasen, die über ihren Köpfen schweben. Selbst im dichten Gedränge des Forschungsmarktes ist Ihnen deshalb grosse Aufmerksamkeit gewiss. «Ganz schön usgschtellt, hä?» ist denn auch auf der Sprechblase zu lesen. Das könnte man so auch über die Projekte an der Nacht der Forschung sagen.

 

Publikumserfolg

Rund 150 Forschungsgruppen aus Hochschulen und Industrie präsentierten am Freitag Abend zwischen Bellevue und Zürichhorn ihre Projekte. Nach Angaben der Veranstalter besuchten 15'000 Interessierte die «Nacht der Forschung».

Theo von Däniken ist Redaktor von unipublic

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Nacht der Forschung

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