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10.09.2008Diabetes-Forschung

Hoffnung für Zuckerkranke

Professor Marc Y. Donath erhielt am Dienstag auf dem Diabetiker-Kongress in Rom als erster Schweizer den Novartis-Preis für Diabetes. Die mit 25'000 US-Dollar dotierte Anerkennung erhält der Forscher für seine Arbeit an einem neuen Therapiekonzept zur Bekämpfung des Diabetes Typ 2.

Marita Fuchs

Mit grosser Freude habe er den Novartis-Preis für Diabetes entgegengekommen, sagte Professor Marc Y. Donath in Rom auf dem Diabetiker-Kongress. «Die Anerkennung motiviert uns und zeigt, dass unsere klinische Arbeit auf dem richtigen Weg ist.» Eine internationale Jury aus Fachwissenschaftlern hatte den Zürcher Diabetes-Forscher für seine innovative Arbeit in der Diabetesforschung auserkoren.

Prof. Marc Y. Donath

Professor Marc Y. Donath erhielt auf dem Diabetiker-Kongress in Rom als erster Schweizer den Novartis-Preis für Diabetes. (Bild: zVg.)

Die Entzündung hemmen ...

In Studien hatten Donath und sein Team herausgefunden, dass entzündungsfördernde Substanzen auch bei der Zuckerkrankheit eine wichtige Rolle spielen. Er entdeckte in «Interleukin-1 beta» einen für den Verlauf der Krankheit massgeblichen Entzündungsstoff. «Dieses Eiweiss hemmt die Insulinproduktion und fördert zugleich das Absterben der Zellen, schliesslich müssen die Patienten Insulin spritzen», erklärt der Wissenschaftler. In klinischen Studien, die im letzten Jahr parallel am Universitätsspital in Zürich und in Amerika durchgeführt worden sind, konnte er nun nachweisen, dass durch die Blockade des Moleküls Interleukin-1 beta nicht nur der Blutzuckergehalt verbessert, sondern auch das Fortschreiten der Krankheit gebremst werden konnte.

... mit einer Monats-Spritze

Eingenommen wurde der entzündungshemmende Blocker mit einer monatlichen verabreichten Spritze. Diese Spritze reichte aus, um den Blutzucker während eines Monats wesentlich zu verbessern. «Es reicht wahrscheinlich sogar, wenn die Patientinnen und Patienten alle sechs Wochen eine Spritze bekommen», so Donath.

50-prozentige Verbesserung der Insulinproduktion

Das Ziel, die Insulinproduktion zu verbessern, wurde erreicht: Schon mit einer Spritze nahm die Insulinproduktion zu und schon nach drei Monaten bildeten Patienten 50 Prozent mehr Insulin als zu Beginn der Therapie. «Die Einnahme des Blockers regeneriert die Zellen und lässt neue Zellen entstehen», erläutert Donath. «Somit konnten wir nachweisen, dass mit dieser Therapie zum ersten Mal das Fortschreiten der Krankheit gebremst beziehungsweise rückgängig gemacht werden kann.» Da die Spritze gegen Diabetes keine wesentlichen Nebenwirkungen zeige, könnten problemlos weitere Studien bis zur Einführung der Therapie geplant werden, so Donath.

Einzig bei Langzeitpatienten zeigte sich die positive Wirkung nicht so deutlich. «Patienten, die mehr als 15 Jahre unter Diabetes leiden, sprechen weniger gut auf die Therapie an», sagt Donath.

Sterblichkeit reduzieren

Durch die dauerhafte Regulation des Blutzuckergehalts können Folgeerkrankungen des Diabetes, wie Gefässerkrankungen, eingedämmt werden. Durch die Verabreichung der entzündungshemmenden Spritze lasse sich – auf lange Sicht gesehen – auch die Sterblichkeitsrate reduzieren, meint Donath.

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

Links

44th Annual Meeting 
of the European Association for the Study of Diabetes

Tags

Lorbeeren Forschung Medizin und Zahnmedizin

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