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02.06.2009
Emilie Kempin-Spyri

Ehrentafel für die erste Dozentin der Universität Zürich

Die Universität Zürich und die Frauenzunft Gesellschaft zu Fraumünster luden ein und viele kamen. Am 28. Mai enthüllten sie die Ehrentafel für Emilie Kempin-Spyri, der ersten Privatdozentin der Universität Zürich.

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Marita Fuchs

Ehrentafel
Ehrentafel für Emilie Kempin-Spyri: «Rechtswissenschaftliche Fakultät wäre ihre Heimat gewesen.» (Bild: Marita Fuchs)

Die Gedenktafel ist nicht die erste Ehrung, die Emilie Kempin-Spyri (1853–1901) zuteil wird. Rektor Andreas Fischer wies in seiner Ansprache darauf hin, dass die Universität Zürich ihre erste Juristin mit der Chaiselongue der Künstlerin Pipilotti Rist bereits im Jahre 2008 geehrt habe.

Nun habe das Gedenken an Emilie Kempin-Spyri im Foyer der Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Instituts einen zweiten symbolischen Ort erhalten (siehe dazu auch das Video unter «Links»). Kempin ist endlich angekommen. «Die Rechtswissenschaftliche Fakultät wäre eigentlich ihre Heimat gewesen», sagte Fischer.

In männlich dominierter Wissenschaft aufgerieben

Marcel Senn, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, beschrieb, wie Kempin-Spyri sich 1885 an der staatswissenschaftlichen Fakultät immatrikulierte und zwei Jahre später als erste Schweizerin überhaupt promovierte. Danach beginnt der Leidensweg. In der männlich dominierten Wissenschaft wird sie langsam aufgerieben. Wiederholt weist sie der Senat der Universität als Dozentin zurück.

frauenzunft pflueger
Susann L. Pflüger, Frauenzunft «Gesellschaft zu Fraumünster»: Vergessen geratene Zürcherinnen geehrt. (Bild: Marita Fuchs)

Zwar erhält sie später auf Befehl der politischen Behörde die venia legendi, aber eine akademische Karriere bleibt ihr versagt. Zu gross sind die Widerstände der Universität gegen eine weibliche Lehrperson.

Vollends tragische Züge erhält die Geschichte, als Kempin-Spyris Ehe an den Folgen ihrer unkonventionellen Laufbahn zerbricht. Eine Karriere gelingt ihr auch in den USA nicht, wohin sie nach ihren Zürcher Erfahrungen geflüchtet war. Ihre Aufmerksamtkeit gilt hauptsächlich ihrem kranken Sohn. Erschöpft stirbt Kempin-Spyri 1901 mit 48 Jahren in einer Klinik in Basel.

Zeitdokumente für die Abteilung Gleichstellung

Die Schriftstellerin Evelyne Hasler, Autorin des biographischen Romans «Die Waschsflügelfrau» ist eine ausgewiesene Kempin-Kennerin. An der Gedenktfeier kündigt sie an, der Abteilung Gleichstellung der UZH einige Dokumente aus Kempin-Spyris Nachlass zu schenken.

Evelyne Hasler
Evelyne Hasler, Autorin der Biografie «Die Wachsflügelfrau»: Der Universität Zürich Briefe von Kempin-Spyri vermacht. (Bild: Marita Fuchs)

Die Unterlagen stammten aus der Zeit, als die Juristin in Amerika war. «Im Herbst 1889 begann sie auf privater Basis eine Woman Law Class an der 59. Strasse beim Central Park. Der Erfolg war schnell so gross, dass die University of the City of New York, die heutige NYU – wohl aus Konkurrenzangst – die Schule nach einem Jahr unter ihre Fittiche nahm», sagt Hasler.

Die Vorlesungen der Kempin wurden gerühmt. Man liess sie sogar vor männlichen Hörern römisches Recht dozieren. Offensichtlich unterrichtete sie auch am Medical College und am Hospital for Women, wie Hasler herausfand. «Erstaunlich, wo überall die journalistischen Arbeiten der Kempin zu finden waren, zwei davon sogar an der Universitätsbibliothek von Hallifax.»

Brigitte Tag
Brigitte Tag, Professorin für Strafrecht, Präsidentin der Gleichstellungskommission, Universität Zürich: Kempin-Spyris Schwierigkeiten vor allem durch männliche «Kollegen» verursacht. (Bild: Marita Fuchs)

Die Präsidentin der Gleichstellungskommission, die Strafrechtlerin Brigitte Tag, bedankte sich abschliessend bei den Anwesenden für das Interesse und vor allem der «Gesellschaft zu Fraumünster» für die Unterstützung und ihren Einsatz für Emilie Kempin-Spyri.

Die 1988 gegründete Zürcher Frauenzunft ehrt jedes Jahr eine Zürcherin, die trotz hervorragender Verdienste in Vergessenheit geraten ist.

Marita Fuchs ist Redaktorin UZH News.