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23.06.2014
Medienwandel

Wann war dein letzter Tag ohne Internet?

Ein neuer Videofilm über die Internetnutzung in der Schweiz zeigt ausgewählte Befunde und Statistiken zum Medienwandel in trendiger Form. Das fünfminütige Video entstand unter der Leitung von Michael Latzer, UZH-Professor für Medienwandel & Innovation. Im Interview mit UZH News sagt er, warum er wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse per YouTube-Video veröffentlicht.

KommentarKommentare

Marita Fuchs

UZH Video with JW Player
Daten und Fakten zur Internetnutzung in der Schweiz: Das Video von Michael Latzer, Professor für Medienwandel & Innovation. Video auf YouTube

Herr Latzer, das neueste Video über die Internetnutzung in der Schweiz, das Sie vor drei Tagen auf YouTube geladen haben, hat bereits über 3'000 Aufrufe. Haben Sie damit gerechnet?

Michael Latzer: Ich bin über die Zahl nicht erstaunt. Wir haben bereits vor drei Jahren ein Video über Internetnutzung auf unseren YouTube-Kanal gestellt.  Bis heute konnten wir über 56'000 Zugriffe verzeichnen.

Warum nutzen Sie ein Video, um wissenschaftliche Daten bekannt zu machen?

Wir experimentieren mit neuen Formen der Wissensvermittlung und der Wissensverbreitung. Wir folgen damit einem Nutzungstrend. Die Bedeutung der Bewegtbild-Kommunikation nimmt im Vergleich zur Textkommunikation zu. Deshalb setzen wir  Videos für die Wissensvermittlung ein. Mit den Plattformen YouTube, Facebook  und Twitter wollen wir zudem virale Formen der Verbreitung nutzen.

In Ihrem Video werden gerade diese Medien auch kritisch gesehen. Ist es nicht paradox, wenn Sie sie nutzen und gleichzeitig kritisieren?

Es ist nicht paradox, weil wir ja nicht dafür plädieren, diese Medien gar nicht mehr zu nutzen. Wir möchten im Gegenteil zur kritischen Nutzung aufrufen und hinsichtlich der Risiken sensibilisieren. Aus unseren Studien wissen wir, dass 80 Prozent der Schweizer ihre Daten schützen wollen, aber 50 Prozent gehen resigniert davon aus, dass es keinen Datenschutz im Internet gibt.

Sie geben aber keine Ratschläge, wie man sich schützen kann.

Das war nicht unsere Absicht, und das ist in einem kurzem Video auch gar nicht möglich. Das Video soll zwar Fakten vermitteln, diese jedoch auch in einen Kontext stellen. Wir zeigen eine Schweizer Familie und deren Internetnutzung.

Sie publizieren Ihre Forschungsberichte ebenfalls online. Werden Menschen durch das Video auch auf die wissenschaftlichen Publikationen aufmerksam?

Forschungsberichte und Video sind in Kombination zu sehen. Einerseits erreichen wir mit dem Video andere Zielgruppen, von denen dann Rückfragen zu unseren Forschungsberichten kommen. Nach der Publikation unseres ersten Videos haben viele Organisationen und Unternehmen unterschiedlichster Branchen uns gebeten, ihnen das Video und die Berichte zur Verfügung zu stellen. Das Video eigne sich als guter Einstieg in eine Diskussion über Veränderungen im Netz, so das Argument vieler Nutzer. Ich bin sehr zufrieden damit, weil auf diese Weise Wissenschaft zu den Leuten kommt.

World Internet Project

Die Zahlen im Video speisen sich aus den Erhebungen des «World Internet Project». Das World Internet Project ist ein internationales Forschungsprojekt, an dem mehr als dreissig Länder beteiligt sind. Michael Latzer ist dabei Projektleiter für die Schweiz. Alle zwei Jahre werden Daten zur Internetnutzung erhoben. Für das Video wurden Daten aus der Erhebung 2013 zusammengestellt, diese wurden allerdings mit Zahlen aus anderen Quellen ergänzt.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News.