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Schuerkens, Ulrike (Paris) 1996
Strukturelle und individuelle Transformationen in der Elfenbeinküste und in Ghana: Ein Beitrag zu einer vergleichenden und historischen Analyse
Ich habe über den Wandel der sozialen Ungleichheit bei den Agni und den Baoulé in der Elfenbeinküste und über die Problematik des Strukturwandels, der durch die europäische Kolonisierung in Schwarzafrika eingeführt wurde gearbeitet und interessiere mich nun für ein Phänomen, das in direkter Beziehung zu diesen Forschungen steht. Es handelt sich um eine Analyse des sozialen Wandels seit den fünfziger Jahren und somit um die Folgen eines Strukturwandels, der aufzeigt, daß die Strukturen der autochthonen Bevölkerungen im Zuge der wachsenden Kontakte mit der jeweiligen Kolonialmacht einen Bedeutungswandel erfahren haben. Ich beabsichtige, diesen Wandel in verschiedenen Bereichen nachzuzeichnen, um die spezielle Logik zu analysieren, die in der Folge der europäischen Kolonisierung entstanden ist und die sich in dem, was unsere Disziplinen Friktionen, Brüche und Mischungen bezeichnen darlegen. Es handelt sich darum, die theoretisch schwierig zu fassende Symbiose zu beschreiben, die Sozialwissenschaftler häufig analysiert haben, ohne sich über ihre besondere Bedeutung klarzuwerden.
In einem zweiten Schritt werde ich die Resultate dieser Analysen mit Hilfe qualitativer Studien vertiefen. Die Daten wurden in zwei Ländern im Laufe von zwei Feldforschungen von jeweils einem Monat erhoben. In diesem Sinne setzt meine Untersuchung die über die während der europäischen Kolonisation eingeführten Transformationen in Schwarzafrika fort, und insbesondere meine Analysen in Togo und Ghana, wo die existierende Dokumentation in Form von jährlichen Berichten an die Völkergemeinschaft und später an die Vereinten Nationen über Verwaltungsaktivitäten Frankreichs und Großbritanniens als Schutzmächte mir eine vertiefende Analyse erlaubte.
Meine Untersuchung ist komparativer Art. Der Einfluß des jeweiligen Kolonialstils und seine weiterreichenden Auswirkungen auf die Strukturen der autochthonen Gruppen sollen rekonstruiert werden. Es handelt sich dabei nicht nur darum, den strukturellen Wandel aufzuzeigen, sondern die Besonderheit des Einflusses jedes westlichen Verwaltungsstils, unter Berücksichtigung von schriftlichen Dokumenten, deren Vergleich und die Integration der erreichten Resultate in den gesamten Transformationsprozeß, den Schwarzafrika während der Kolonisation gekannt hat und der sich danach fortsetzte.
Die Veränderungen in diesen Ländern stellen Fälle von schnellen und geplanten Konfrontationen mit anderen Sozialsystemen dar, die auf diese von außen kommende Interaktion reagierten. Die Art der Symbiose, die sich seit mehreren Jahren herauskristallisiert und die die Sozialwissenschaften nur schwer mit den traditionellen Methoden der Disziplinen fassen können, hat zu Situationen geführt, in denen soziale Prozesse mehr und mehr unkontrollierbar werden und die Möglichkeit eines dauerhaften Wandels in Frage stellen. Es erweist sich somit als notwendig, diese Konfrontation von verschiedenen Gesellschaften und die Anforderungen, die an unterschiedliche Gesellschaftskonzeptionen gestellt werden, die die Handelnden nur schwer in kohärente Schemata fassen können, zu untersuchen. Meine Analyse hat zum Ziel, die Konfrontation dieser Sozialsysteme zu erforschen, ihre Spezifika darzulegen und die Fusion zu definieren, die sich während mehrerer Jahrzehnte intensiver Kontakte ergeben hat. Es ist selbstverständlich, daß diese Adaptationsprozesse selektiv sind und zwar im Hinblick auf die gegebene Interpretation einer Kontaktsituation. Jedoch ist es notwendig, die Art und Weise der Fusionen aufzuzeigen, um inadäquate Adaptationen zu vermeiden oder anomische Situationen, die aus unangepaßten Wahlen resultieren oder resultierten.
In einer zweiten Phase ist es wichtig, die zu dieser Problematik vorhandene Literatur zu analysieren, indem Parameter untersucht werden, wie soziale Ungleichheit, die Schaffung der Eliten, die Situation der städtischen Bevölkerung und dies mit dem Ziel, Unterschiede aufzudecken, die an die Entwicklungsansätze Frankreichs und Großbritanniens gebunden sind und dann die Politik der ersten Jahre nach der Unabhängigkeit der Elfenbeinküste und des Ghana aufzuzeigen, wie sie von Houphouët-Boigny und Nkrumah initiiert wurde. Diese beiden Staatsoberhäupte haben eine unterschiedliche Entwicklungspolitik verfolgt und die Zukunft des Kontinents dank ihrer über die Landesgrenzen hinausgehenden Einflüsse bestimmt. In einer zweiten Phase sollen diese Beschreibungen von gesellschaftlichen Transformationen mit qualitativen Daten konfrontiert werden, die in beiden Ländern gesammelt werden und die unerläßlich sind, um die in der ersten Phase dieser Untersuchung gefundenen Resultate zu vervollständigen. Es sollen Lebensgeschichten erhoben werden, die auf Gruppenebene, diejenigen Veränderungen beschreiben, die auf makro-sozietaler Ebene schon analysiert wurden.
Report: Abschlussbericht an die Stiftung Weltgesellschaft Förderungsperiode 1995/1996
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