Was sind und zu welchem Ende übersetzt man chinesische Gedichte?

Referent

Dr. Volker Klöpsch (Universität zu Köln)

Abstract

Folgte man dem Diktum von Robert Frost, wonach Poesie just das sei, was in der Übersetzung verlorengehe ("lost in translation"), wäre die Beschäftigung mit chinesischer Lyrik eine okkulte Kunst weniger Eingeweihter und die Übersetzung von vornherein ein aussichtsloses Unterfangen. Dennoch haben wir uns dieser Herausforderung zu stellen, denn die Lyrik beansprucht in China nicht nur als Literatur besondere Geltung, sondern verfügt in ihrer Funktionalität auch über einen hohen gesellschaftlichen und politischen Stellenwert. Dichtung entsteht in China selten im stillen Kämmerlein, sondern fast immer im offenen politischen Raum. Der Vortrag beleuchtet zunächst einige Grundzüge der chinesischen Dichtung im sozialen Gefüge (wie zum Beispiel den verdeckten Ausdruck von Kritik oder ihren Gemeinschaft stiftenden Charakter) und widmet sich sodann ihrer Übersetzbarkeit. Anhand einiger Fallbeispiele aus der "Werkstatt" des Übersetzers werden abschliessend einige Grundprobleme des translatorischen Prozesses abgehandelt, welche die Rezeption der chinesischen Lyrik im deutschsprachigen Raum nach wie vor belasten. Die Erwartungshaltung eines immer noch stark vom Exotismus geprägten Lesepublikums erschwert ein nüchternes, analytisches Verständnis dieser für den fernöstlichen Kulturraum so eminent wichtigen Gattung.

Datum und Zeit

18. Mai 2017, 16:15-18:00 Uhr

Ort

Asien-Orient-Institut, Universität Zürich, ZUB 416, Zürichbergstr. 4, 8032 Zürich

Organisation

Asien-Orient-Institut - Sinologie