Stefan Haupt

Stefan Haupt

Stefan Haupt

Ehrenpromotion 2020 der Theologischen Fakultät

Die Theologische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Stefan Haupt. Dem Regisseur des Films «Zwingli» ist es hervorragend gelungen, komplexe geschichtliche Sachverhalte quellennah in fiktive Szenen zu fassen. Er hat gemeinsam mit Drehbuchautorin Simone Schmid einen christentums- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Moment mit globaler Ausstrahlung in seiner Bedeutung erschlossen.

Stefan Haupt, 1961 in Zürich geboren, besuchte das Realgymnasium Rämibühl und schloss mit dem Diplom am Primarlehrerseminar ab. Er stammt aus einer Lehrerfamilie, in der Freizeit wurde zuhause intensiv musiziert. Mit 17 verbrachte Haupt als Austauschstudent ein Jahr in den USA, wo sein Gastvater Pfarrer in einer Kirche war, die sich auf Zwingli berief. Nach einer kurzen Zeit als Lehrer in Zumikon liess sich Haupt an der Schauspielakademie in Zürich zum Theaterpädagogen ausbilden. Nebenher gründet er einen Chor, mit dem er auch experimentelle Konzerte aufführte.
Zu seinem ersten Filmauftrag kam er im Rahmen eines Amateurprojekts im Auftrag von WWF und Pro Juventute. Mit «Utopia Blues», einem Film, der die Lebensgeschichte eines manisch-depressiven jungen Mannes erzählt, gewann er auf Anhieb den Schweizer und den Zürcher Filmpreis sowie mehrere internationale Preise. Sein Dokumentarfilm «Elisabeth Kübler-Ross – Dem Tod ins Gesicht sehen» hinterfragte unseren Umgang mit dem Tod und wurde zu einem der international erfolgreichsten Schweizer Dokumentarfilme überhaupt.
Stefan Haupt lässt sich in kein Korsett zwängen. Weder in das des reinen Autorenfilmers, noch in das des Spielfilmregisseurs oder des Dokumentarfilmers. Seine Spielfilme liessen sich häufig auch als Dokumentarfilme umsetzen – und umgekehrt. So der Kinofilm «Der Kreis», der zuerst an der Berlinale und daraufhin mit über einem Dutzend internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Er beruht auf Recherchen zur Zürcher Untergrundorganisation gleichen Namens und erzählt von der Blütezeit und dem Niedergang dieser europaweiten Pionier-Organisation der schwulen Emanzipation.

Die von Haupt bevorzugte Form der Filmbiografie macht aus Filmgestalten Spiegelbilder menschlicher Sehnsüchte, Ambivalenzen und Lebensentwürfe. Dazu gehören Fragen nach unseren gesellschaftlichen und religiösen Wurzeln ebenso wie nach dem Sinn des Daseins und unseren Zielen. Von dieser Auseinandersetzung zeugen beispielsweise «Sagrada – el misteri de la creacio» über die Sagrada Familia in Barcelona, «Finsteres Glück» über den Mut, sich schonungslos dem eigenen Schicksal zu stellen – und natürlich ganz speziell der Historienfilm «Zwingli», der erfolgreichste Schweizer Kinofilm im vergangenen Jahr.

Auch die kommenden Projekte reihen sich hier ein: Der persönliche, dokumentarische Filmessay «Zürcher Tagebuch», der im Herbst ins Kino kommen soll, sowie ein Spielfilmprojekt über das letzte Lebensjahr und die Musik von Johann Sebastian Bach.