Prof. Dr. Anil Bhatti

Anil Bhatti

Prof. Dr. Anil Bhatti

Ehrenpromotion 2021 der Philosophischen Fakultät

Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Dr. Anil Bhatti. Sie würdigt damit sein Lebenswerk im Bereich der Neueren deutschen und vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaften zwischen Europa (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Indien, der Postcolonial Studies sowie der politischen Ästhetik. Sprachliche und kulturelle Vielfalt, so sein Credo, stärken das Fundament der Toleranz im Kampf gegen jede Form von Hegemonie.

Prof. Dr. Anil Bhatti ist Professor Emeritus am Centre of German Studies der School of Language, Literature and Culture Studies an der Jawaharlal Nehru University in New Delhi – derjenigen Institution, der er von 1983 bis 2009 als Professor, Chair und Dean vorgestanden hat. Bhatti gilt als Begründer und wichtigster Vertreter der Germanistik in Indien; er prägt die dortige Forschungslandschaft durch eine eigene Schule. Von 1965 bis 1971 hat er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Germanistik, Politik und Philosophie studiert und 1971 mit einer Arbeit über Clemens Brentano und die Barocktradition promoviert. Seitdem pendelt und vermittelt er zwischen den Kontinenten und Welten, wobei er gleich in zweifacher Weise als Botschafter der Humanität bezeichnet werden kann: zum einen in fachlicher Hinsicht, zum anderen in wissenschaftspolitischer Hinsicht. Von 1996 bis 2001 war er Präsident des Instituts zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse, Wien (INST), von 1998 bis 2012 Präsident und seit 2012 Ehrenpräsident der Indischen Goethe Gesellschaft (Goethe Society of India).

Für sein akademisches Werk ist Bhatti hochrangig international ausgezeichnet worden: Vom Deutschen Akademischen Austauschdienst hat er 2001 den Jacob- und Wilhelm-Grimm-Preis erhalten, von der Alexander von Humboldt-Stiftung nicht nur immer wieder Fellowships, sondern 2011 auch die höchste Auszeichnung für internationale Wissenschaftler*innen, den Humboldt-Forschungspreis. Darüber hinaus wurde dem indischen Germanisten 2005 sowohl das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland als auch 2011 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse verliehen. Vorträge und Konferenzen haben ihn nach Europa, Asien, Afrika und Nordamerika geführt. Gastprofessuren hatte er 1991 in Kassel, 2001 und 2009 in Graz, 2002 in Wien sowie 2006 und 2010 in Tübingen inne. 2010 und 2011 war er Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg der Universität Konstanz.

Bhatti repräsentiert im Fachgebiet der Neueren deutschen und vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaften die deutsche, österreichische und schweizerische Literatur vom 17. bis zum 21. Jahrhundert, die er mit der Literatur Indiens und Asiens in Dialog bringt, z. B. in einem internationalen Projekt wie Jewish Exile in India (1999). Als Experte im Bereich der Literatur- und Kulturtheorie vertritt er in seiner Forschung die Postcolonial Studies, die er eng mit politischer Ästhetik verbindet, z. B. in einem internationalen Projekt wie Kulturelle Identität. Deutsch-indische Kulturkontakte in Literatur, Religion und Politik (1997). In diesem Bereich hat Bhatti das äusserst innovative, originelle und relevante kulturwissenschaftliche Forschungsparadigma der Ähnlichkeit begründet (Original: Anil Bhatti & Dorothee Kimmich (Hg.), 2015 / Similarity (Übersetzung: 2018)). Er argumentiert, dass Phänomene wie Alterität und Hybridität hegemoniale Strukturen destabilisieren und verunsichern. Das Denken in Ähnlichkeit eröffnet sowohl im kulturellen und politischen Feld als auch in der Theorie neue Spielräume und Alternativen.

Mit der Universität Zürich verbinden Bhatti zahlreiche persönliche Kontakte über die Grenzen der Disziplinen hinaus. Engagiert hat er sich auch bereits in den Doktoratsprogrammen der Philosophischen Fakultät, und zwar im Erasmus Mundus Joint Doctorate «Cultural Studies in Literary Interzones»; 2011 und 2013 hat er jeweils Lehrveranstaltungen am Deutschen Seminar geleitet (u. a. zur Ähnlichkeit als kulturtheoretischem Paradigma). Nicht zuletzt auch im Rahmen der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG), in der er sich seit Jahrzehnten engagiert, vernetzt er Zürich mit weltweit führenden germanistischen Instituten.