Das Wichtigste in Kürze

Eine moderne Bibliothek ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für Forschung und Lehre. Um den Herausforderungen der Zukunft angesichts von Digitalisierung, Open Science und Datenmanagement gerecht zu werden, sind Schlüsselfaktoren vorgegeben: eine zentrale Infrastruktur, ein klar definierter Leistungskatalog sowie ein gutes Standortkonzept. Nur so kann das Bibliotheksangebot einer Universität den wachsenden Bedürfnissen von Studierenden und anderen Benutzerinnen und Benutzern gerecht werden. Deshalb arbeitet die UZH mit dem Vorprojekt «UZH Bibliothek der Zukunft» an einer Entwicklungsstrategie, die alle Bibliotheken der UZH berücksichtigt.

Uneinheitliche Ausgangslage

Bis heute gibt es an der UZH keine einheitliche Koordination für alle Bibliotheken und damit auch keine gemeinsame Strategie. Die Zahlen sprechen für sich: Die Universität Zürich hat zurzeit 39 bibliothekarische Organisationseinheiten, die 44 Standorte betreuen, hinzu kommen einige Magazine. Neben der Hauptbibliothek (HBZ) gibt es Fakultätsbibliotheken (ThF, RWF, VSF) und Institutsbibliotheken. Sie sind den jeweiligen Fakultäten oder Instituten unterstellt und organisatorisch unabhängig von der HBZ.

Übergreifende Strategie

Die Bibliotheken der UZH arbeiten eng mit Dritten (Zentralbibliothek Zürich, Verlage) zusammen. Eine einzige Kontaktstelle von Seiten der UZH würde die Situation erheblich vereinfachen, sie könnten die Gesamtuniversität als Vertragspartnerin betrachten. Aktuell sehen sich diese Drittanbieter 39 – zum Teil wechselnden Vertragspartnern – gegenüber. Eine Situation, die die Einführung neuer Services erschwert oder gar verunmöglicht.

Aufgrund dieser Gemengelage muss eine übergreifende Strategie für die bibliothekarische Informationsversorgung entwickelt werden, die es erlaubt, genügend Ressourcen für die bestehenden, aber auch für neue Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Um den künftigen Anforderungen an eine wissenschaftliche Informationserschliessung gerecht zu werden, benötigt die UZH eine einheitliche Organisation.

Häufig gestellte Fragen:

1. Werden sämtliche Bibliotheken an der UZH organisatorisch zusammengeführt oder gibt es Ausnahmen?

Alle Bibliotheken werden in der Universitätsbibliothek (UBZH) zusammengeführt. Die organisatorische Zusammenführung ist von der Standortfrage unabhängig: Es wird eine Organisation geben, aber nicht ein Bibliotheksgebäude.

2. Werden die Dienstleistungen der zukünftigen Universitätsbibliothek geringer sein als die heutigen meiner Institutsbibliothek?

Nein. Der Dienstleistungskatalog der Universitätsbibliothek Zürich soll sogar erweitert werden.

In Innovationsbereichen gilt dies insbesondere für den Bereich Publikationsunterstützung, Forschungsdatenmanagement, Unterstützung bei Big Data Analysen und technologischen Weiterentwicklungen. Im Kerngebiet der Bibliothek sollen grössere Bibliotheksstandorte verbesserte Öffnungszeiten mit fachspezifischer Beratung und Kursen zur Förderung der Informationskompetenz bieten. Zudem soll die UBZH über eine gut ausgebaute E-Library, eine gepflegte Buchsammlung vor Ort sowie über mehr Arbeitsplätzen für Studierende (einschliesslich Sonderöffnungszeiten in Prüfungsphasen) verfügen. Neue Einzelservices für alle UZH Angehörigen wie z.B. kostenloser zentral organisierter Dokumentenlieferdienst (Zeitschriften- und FS Beiträge) sollen eingeführt werden.

3. In welchem Verhältnis wird die Universitätsbibliothek organisatorisch zur Zentralbibliothek (ZB) stehen?

Die UBZH ist eine UZH-Einheit, während die ZB eine eigenständige Stiftung ist. Beide sind für die Informationsversorgung der UZH verantwortlich. Die Details der Zusammenarbeit werden im Hauptprojekt geregelt. Die geregelten und vereinbarten Zuständigkeiten der beiden Institutionen führen zu besseren bibliothekarischen Dienstleistungen für die UZH-Angehörigen.

4. Was wird sich für die Bibliothekarinnen und Bibliothekare ändern?

Die Digitalisierung öffnet neue Horizonte. Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare werden Lotsen in der Medienflut sein. Sie müssen den Überblick behalten angesichts der Vielfalt an Informationen und Medien. Sie müssen neue Wege zur Unterstützung der Wissenschaft zu beschreiten. Die Aufbereitung von Quellen ist eine der grossen Herausforderungen.

Aus diesem Grund wird der Weiterbildung des Bibliothekspersonals viel Gewicht beigemessen. Nicht Reduktion, sondern Förderung des Bibliothekpersonals ist das Ziel.

Das Bibliothekspersonal wird künftig in grösseren Teams arbeiten und einen intensiven Austausch untereinander pflegen. Es wird möglich sein, sich mit neuen Arbeitsgebieten intensiv auseinanderzusetzen. Es werden bestehen neue Karrieremöglichkeiten mit Entwicklungspotenzial geschaffen.

5. Was bedeutet die Einführung einer Universitätsbibliothek Zürich für die Forschenden und die Lehrenden?

Die Forschenden und Lehrenden werden mittelfristig auf eine Bibliothek treffen, die ihnen zusätzliche Services bietet, insbesondere im Bereich der Publikationsunterstützung sowie im Forschungsdatenmanagement, ohne die traditionellen Services zu vernachlässigen. Die Fächer werden keine Einbussen bzgl. ihrer Medien erfahren. Im Gegenteil: der Erwerbungskredit könnte sogar erhöht werden. Die Fächer werden auch zukünftig darüber entscheiden, welche Bücher angeschafft werden.

6. Was bedeutet die Einführung einer Universitätsbibliothek Zürich für die Studierenden?

Als Konsequenz der räumlichen Konsolidierungsprozesse werden einzelne Bibliotheksstandorte zu grösseren Standorten zusammen gezogen werden. Die konsolidierten Standorte mit Fachcluster sind offen für fachidentitätsbildende Raumgestaltungen. Insgesamt werden zusätzliche Studierendenarbeitsplätze geschaffen. Diese wiederum werden unterschiedliche Arbeitssettings ermöglichen und die Bibliotheken werden über längere Öffnungszeiten verfügen.

Das Medienangebot vor Ort wird auch auf die Studierendenbedürfnisse abgestimmt sein und die Studierenden werden durch Informationskompetenzvermittlungskurse in ihrer Recherchekompetenz unterstützt.

7. Gibt es weiterhin eine Freihandbibliothek im «FORUM UZH»?

Es wird im «Forum UZH» (Neubau im zukünftigen Hochschulquartier) grosse Freihandbestände geben. So ist der direkte Zugriff auf Bücher für wissenschaftliche Arbeiten oder das Stöbern am Regal weiterhin gewährleistet. Wie genau das Verhältnis von Freihandbestand und Raum für Arbeitsplätze und Begegnungsorte gestaltet wird, ist zum Zeitpunkt des Vorprojekts noch nicht genau festgelegt.

8. Weiss man heute schon, ob und in welchem Grad die Freihandbestände insgesamt reduziert werden?

Das lässt sich im Rahmen des Vorprojekts noch nicht sagen. Bei Bibliothekszusammenführungen wird die Bestandesbereinigung mit den betroffenen Fächern besprochen.

Viele Monographien, verschiedene Auflagen von Standardwerken, Lexika und Zeitschriften sind im Moment – bedingt durch die vielen verschiedenen Standorte der Seminare und Institute – mehrfach vorhanden. Wenn die Institutsbibliotheken zusammengeführt werden, ist es nicht nötig, all diese Mehrfachexemplare in einer Freihandbibliothek aufzustellen. Ist der Bedarf danach jedoch gross, wird auch flexibel darauf reagiert werden.

9. Um welchen Faktor wird der Anteil jener Bücher bzw. Medien wachsen, die nicht mehr in Freihandbibliotheken verfügbar sein werden?

Das lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

10. Ist die räumliche Nähe der Institute zur jeweiligen Fachbibliothek weiterhin gewährleistet?

Im Rahmen der Standortkonzentration werden Institute, Seminare und ihre Bibliotheken in den neuen Universitätsgebäuden zusammengeführt. Die räumliche Nähe zu den Beständen der einzelnen Fachbereiche bleibt also bestehen.

11. Können Institute weiterhin selbst bestimmen, welche Bücher in Zukunft angeschafft werden?

Die Auswahl wird weiterhin von den Verantwortlichen der Disziplinen, den Forschenden oder Fakultäten zusammen mit dem Bibliothekspersonal getroffen. Es ist unbestritten, dass die Nähe zu den Forschenden und Studierenden – und damit auch das Wissen um deren Bedürfnisse – den Erfolg einer Bibliothek ausmacht. Bei der organisationalen Zusammenführung zur UBZH wird darauf geachtet, diese Entscheidungsstrukturen beizubehalten.

12. Wie geht es im Vorprojekt weiter?

Dem Projektteam ist es ein Anliegen, transparent und offen das Lösungskonzept  zu diskutieren.

Das Hochschulamt des Kantons Zürich, die Dekaninnen und Dekane der UZH, die Ständevertretungen, die verantwortlichen Mitarbeiter der Hauptbibliothek und der Zentralbibliothek sind bis Ende November 2018 aufgefordert, zum Bericht Stellung zu nehmen. Im April 2019 sollen dann richtungsweisende Entscheide getroffen werden. Bis Ende Oktober 2019 wird der Schlussbericht des Vorprojekts verfasst sein. Anschliessend startet das Hauptprojekt.