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Deutsches Seminar

Newsletter des Chapters GfdSL

Herbstnewsletter 2023

Sicht auf die Fensterfront der Bibliothek am Deutschen Seminar.

Liebe Alumnae und Alumni

Wie haben Sie diesen heissen Sommer verbracht? Hitzerekorde auch in der Schweiz! Ich habe im Schatten gesessen und richtig viele Bücher gelesen: die deutschsprachigen Neuerscheinungen des vergangenen Jahres. Zwei sind mir dabei besonders nachgegangen. Kim de l’Horizons Blutbuch (2022) und Benjamin von Stuckrad-Barres Noch wach? (2023). In beiden geht es um vergeschlechtlichte Beziehungen von Frauen, Männern und non-binären Menschen, um Beziehungen mit und ohne Sex – vor allem aber geht es um strukturelle Gewalt. Gemeint sind die Machtstrukturen, denen wir unterworfen sind, ob wir es selbst wollen oder nicht. Diese Machtstrukturen hängen vom Geschlecht ab und sorgen für systematische Verzerrung und Diskriminierungen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die scharf kritisierte Zürcher Studie zur sogenannten Leaky-Pipeline in diesem Sommer, die vor allem jungen Schweizer Frauen massiv geschadet hat.

Strukturelle Gewalt ist ein Thema, das am Deutschen Seminar in Forschung und Lehre eine wichtige Rolle spielt. Seit Jahren bespielen Dozierende das Ma-Studienprogramm Gender Studies und beteiligen sich am Doktoratsprogramm. Dabei hat sich der Fokus mittlerweile deutlich in die Politik verschoben. Es geht nicht mehr um die Frage, wie Geschlecht kulturell konstruiert wird, sondern (wieder) um politische Partizipation, für die der Feminismus seit dem Anfang der Bewegung gekämpft hat. Gemeinsam mit ihrer Berner Kollegin Aglaia Kister hat die Zürcher Nachwuchswissenschaftlerin Cornelia Pierstorff im April dieses Jahres eine internationale, interdisziplinäre Tagung «Verletzbarkeit. Strukturelle Gewalt und Affekte in der Literatur» veranstaltet und das Thema für das Deutsche Seminar besetzt.

Das Bewusstsein für strukturelle Gewalt im Alltag basiert auf einem Missverständnis: Wir sind gefangen von der Vorstellung, dass wir es mit einzelnen Situationen zu tun haben, wie sie auch am Deutschen Seminar möglich sind. Da kommt mir eine Person einfach immer ein Stück zu nahe; oder sie schliesst die Tür bei einer Sprechstunde zu zweit; oder sie lädt mich zu einem Drink abends nach dem Seminar ein. Solche Erfahrungen, in denen Abstand nicht gewahrt wird, Professionalität aussetzt und Privatheit erzeugt wird, sind aber nicht subjektiv individuell. Sie basieren auf objektiv gesellschaftlichen, asymmetrischen Machtverhältnissen. Dass alle Versuche, auf diese zu verweisen, unter dem Verdacht einer übertriebenen Moralisierung stehen – so der Vorwurf, der sich im Begriff der «Wokeness» verdichtet – ist aber letztlich auch nur ein Symptom eines Machtmissbrauchs, der patriarchalisch strukturiert sind; er geht von Personen (oft Männern) aus, die in der Hierarchie höher stehen. Angst, Scham oder das bewährte Unter-den-Teppich-Kehren – «ist ja nicht so schlimm» – sind die verinnerlichten, gegen mich selbst gewendeten Gefühle, die mit meiner Machtlosigkeit einhergehen.

Am Deutschen Seminar pflegen wir intensiven Kontakt mit der Abteilung Gleichstellung und Diversität. Die Universität Zürich hat ein umfassendes Reglement zum Schutz vor sexueller Belästigung – vorbildlich, wie ich finde. Die untersuchende Person ist die Strafrechtlerin Brigitte Tag, die im vergangenen Herbstsemester für die Mitarbeitenden eine Informationsveranstaltung durchgeführt hat. Es ist uns wichtig, dass jede Person weiss, dass Sie sich jederzeit direkt und diskret an uns wenden kann. Wir wissen Bescheid, wir hören zu, für uns ist jedes Nein ein Nein – und es gibt keine Grauzonen. Nicht zuletzt als Mutter von erwachsenen Menschen bin ich persönlich, was sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt angeht, kompromisslos.

Frauke Berndt – Chapter-Präsidentin & Seminarvorsteherin

Retrospektive

Absolvent:innenfeier

Das Foto die drei Referent:innen des Klima-Podiums: links Mireille Schnyder (sitzend), rechts daneben Boris Previsisc und ganz rechts stehend Noah Bubenhofer. Im Hintergrund die Präsentation zum Vortrag von Noah Bubenhofer.

Am 26. April fand die erste Absolvent:innenfeier am DS statt. Den musikalischen Rahmen bot das studentische Cello-Ensemble Crescelli, das auf bunten Socken mit dem Prélude von Bachs Suite Nr. 1 für einen festlichen Auftakt sorgte. Nachdem Prof. Dr. Daniel Müller Nielaba die Titel aller Abschlussarbeiten verlesen hatte, die mit grossem Applaus vom Publikum honoriert wurden, folgten zwei kurzweilige Grusswörter: Katja Baigger, Redakteurin der NZZ, Alumna und Mitglied des Chapters GfdSL, verwies auf die zahlreichen Berufsperspektiven für Germanist:innen – nicht nur bei der Zeitung. Anschliessend sorgte ihr ChatGPT-Gedicht im Stile Mascha Kalékos, mit dem sie die Absolvent:innen nach Paris und in die Welt entliess, für allgemeine Erheiterung. Die Master-Absolventin Isabelle Balmer, inzwischen Doktorandin der ÄDL in Basel, ergründete anschliessend in ihrer Rede, was ein Grusswort eigentlich sei, und veranschaulichte daran, wie uns das germanistische Studium prägt. Sie nannte es den «germanistischen Reflex», die Eigenschaft, sich kritisch, produktiv und lustvoll mit Sprache und Kultur auseinanderzusetzen. Mit einem schwungvollen Arrangement von Queens «Don’t stop me now» leiteten die Cellist:innen schliesslich zum kulinarischen Teil des Abends über, den Daniel Müller Nielaba mit den magischen Worten «Apéro, ergo sum» eröffnete.

Linguistischer Spaziergang

Das Bild zeigt Milo Rau an einem kleinen Tisch sitzend, auf der Bühne im Literaturhaus Zürich.

Der diesjährige «linguistische Spaziergang» brachte uns den Thurgauer Seerücken näher und wurde von Stefan Würth (Appenzeller, St. Galler, Schaffhauser, Thurgauer und Zürcher Namenbuch) und Martin H. Graf (Schweizerisches Idiotikon und Thurgauer Namenbuch) begleitet. Stefan Würth führte eine stattliche Gruppe von 18 Personen auf idyllischem Weg von Lanzenneunforn nach Klingenzell und erläuterte nebst anderem, warum die Flur Wingerte einen Wald und keinen Weingarten (mehr) bezeichnet, was für eine Grenze bei Pfyn («ad Fines») verlief, was eine Zälg und eine Bünt sind, warum es neben dem echten Lanz von Liebenfels auch noch einen falschen dieses Namens gab, und warum ein Hof den Namen Chlööschterli trägt und ein Hügel Hoochwacht heisst. Auf dem Weg lag auch der winzige Weiler Ammenhausen, woher derjenige Konrad stammte, der 1337 eine auf Mittelhochdeutsch verfasste Schachallegorie vollendete, in der er die Stände und den Klerus kritisierte. Im Restaurant Klingenzellerhof angekommen, führte Martin H. Graf bei Kaffee und Kuchen in den Thurgauer Dialekt ein, verortete ihn im grösseren Ganzen, erläuterte seine Binnengliederung und trug seine Überlegungen vor, warum der Ostschweizer Dialekt in der übrigen Deutschschweiz nicht so gut ankommt – was natürlich überhaupt nicht gerechtfertigt ist!

Ein Abend mit Simone Lappert und Ariane von Graffenried

Am Abend des 12. September 2023 gaben beim Mitgliederanlass des Chapters GfDSL die Lyrikerinnen Ariane von Grafenried und Simone Lappert eine performative Impression ihres dichterischen Schaffens. Vor der Kulisse des mittelalterlichen Kreuzgangs am Zürcher Grossmünster lasen die beiden Autorinnen Texte, die sich zwischen Gedicht, Ballade, verdichtetem stream of consciousness und epigrammhaften «Gespinsten» verorteten.  

Der Titel der Veranstaltung, «Störung und Verwilderung», zeigte dabei die poetologischen Grundvektoren der präsentierten Texte an: Immer wieder rückten die beiden Dichterinnen Brüche und Interferenzen sowohl von Sprachlichkeit als auch des jeweils sprachlich Dargestellten ebenso ins Blickfeld wie Momente eines wild-werdenden, kaleidoskopischen Sprechens abseits von Formgebundenheit und Ausdruckskonvention. So strahlten Gegenstände, die von der psychotischen Qualität akuter Verliebtheiten über scheiternde Analogisierungen von Flucht und Pilgerschaft bis hin zu Typhus oder den Lebensweisheiten eines Krokodils («manchmal reicht es auch zu lauern») reichten, in überraschendem poetischem Licht auf. Der zwischen klassischer Lesung und an Poetry-Slam-Formate erinnernder Performance changierende Vortrag brachte die oft mehrsprachigen Texte hierbei eindrucksvoll zum Klingen.  

Ein anschliessender Apéro gab Gelegenheit, mit den beiden Autorinnen sowie den zahlreich erschienenen Mitgliedern der GfdSL ins Gespräch zu kommen.

Ausblick

Exklusive Führung im Straufhof: "Enfants Terribles - Unheimliche Kindergeschichten"

Das Bild zeigt eine Sommerlandschaft mit hellbraunen Feldern, sanften Hügeln und grünen Bäumen.

Abenteuerliche Geschichten, einprägsame Figuren und fantastische Illustrationen: Wie Kinder in Bilderbüchern, Romanen und Filmen gezeigt werden, spiegelt immer auch, wie sich Erwachsene die Kindheit vorstellen – eine Vorstellung, die sich seit der Moderne fortwährend verändert. Besonders deutlich wird dies an der Figur des «enfant terrible», des wilden, anarchischen oder gar bösen Kindes. Klassiker wie «Struwwelpeter» und «Pinocchio», «Alice» und «Pippi» zeigen die Kindheit sowohl als Sehnsuchtsort wie auch als Kulminationspunkt diverser Ängste und Wünsche.

Anhand zahlreicher Texte, Illustrationen und Filmsequenzen sowie Interviews mit Expert:innen beleuchtet die Ausstellung unheimliche Kindheitsimaginationen des 19. und 20. Jahrhunderts und stellt die Frage, warum das Erzählen vom «enfant terrible» gerade in der Gegenwartskultur wieder an Bedeutung gewinnt.

Die exklusive Führung durch die Ausstellung wird von den beiden Kurator:innen Christine Lötscher und Klaus Müller-Wille durchgeführt.

Datum: Donnerstag, 12. Oktober 2023
Zeit: 18.00–19.00 Uhr
Ort: Strauhof, Augustinergasse 9, 8001 Zürich
Mitglieder bei UZH Alumni melden sich bitte über die UZH Alumni-Plattform an. (Bitte loggen Sie sich zuerst ein und melden sich dann an.) Nichtmitglieder melden sich bitte per Mail gfdsl@ds.uzh.ch an.

Eintritt für Mitglieder gratis. Gäste: CHF 20.-/Person.

Zürcher Poetikvorlesung 2023: Peter Stamm

Das Bild zeigt ein Foto-Portrait von Cornelia Pierstorff

Die diesjährige Poetikvorlesung wird von Peter Stamm bespielt. Er spricht an drei Abenden zum Thema «Eine Fantasie der Zeit».  Dabei verspricht die Vorlesung poetologische Hilfestellungen zur Frage, welche Relevanz eine Unterscheidung von Fiktion und Realität im aktuellen Schaffen Peter Stamms noch beanspruchen darf. Wir sind gespannt!

Datum: 16., 23. und 30. November 2023
Zeit: 20:00–22.00 Uhr
Ort: Literaturhaus Zürich, Limmatquai 62, 8001 Zürich

Den Mitgliedern steht pro Abend ein Kontingent von 5 Tickets gratis zur Verfügung. Anmeldung bitte via Mail an gfdsl@ds.uzh.ch.

Link zum Ticketkauf beim Literaturhaus

Geschlechteridentitäten: Podium der GfdSL

Das diesjährige Podium schaut wieder auf eines der grossen Probleme der Gegenwart: die Frage nach der Geschlechtsidentität. Erst wenige Formulare biete die Alternative «männlich – weiblich – divers». Es dominieren nach wie vor die Anreden «Herr – Frau», obwohl immer mehr Menschen sich von diesem Binarismus ausgeschlossen fühlen. Im Podium wollen wir dem Thema auf den Grund gehen. Dabei wollen wir vor allem eines zeigen: Die Frage nach der Geschlechtsidentität ist keine Erfindung der Woke-Kultur, sondern begleitet uns seit Jahrhunderten. Aus linguistischer Perspektive spricht Prof. Dr. Marie-Luis Merten, aus mediävistischer Perspektive PD Dr. Julia Frick und als Vertreterin der Neueren deutsche Literaturwissenschaft Dr. Cornelia Pierstorff. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Frauke Berndt.

Wie jedes Jahr wird anlässlich des Abends der Preis für die ausgezeichnete Abschlussarbeit verliehen.

Datum: 9. November 2023
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Deutsches Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich

Link zur Anmeldung (bis 2. November 2023)

GfdSL-Studi-Fonds

Der neue Studi-Fonds ist gut gestartet. Eine Studentin erhielt eine Zustupf, damit sie die Solothurner Literaturtage besuchen konnte, wo sie zum offiziellen Festivalblog «Schweizer Buchjahr» beitrug und mit Autor:innen Interviews führte.

Die Fachschaften beantragten einen Beitrag für Studierenden, die ihren Stand in der Berufungskommission für die Nachfolge von Christa Dürscheid und Heiko Hausendorf vertreten. Das Chapter stimmte dem Antrag zu, da Studierende im Unterschied zu Professor:innen und wissenschaftlichem Nachwuchs nicht angestellt sind und für Ihr Engagement keinen Lohn erhalten.

Als Unterstützung für die Durchführung der Poetry-Slam-Party, die 2024 stattfinden wird, beantragte die Fachschaft Germanistik einen Beitrag. Der zweite Abend mit Poetry Slam steht allen Studierenden sowie externen Kleinkunstliebhaber:innen offen. Das Chapter hat den Antrag bewilligt.

Mehr Informationen zum Studi-Fonds

DS International: Exodos!

Das Bild zeigt ein Foto-Portrait von Marie-Luis Merten.

Die Mobilität am Deutschen Seminar ist gross. Dieses Semester haben sich gleich fünf Personen aufgemacht, um zu forschen und in neuen Kontexten zu diskutieren. Der Blick von aussen auf das Eigene ist immer besonders fruchtbar. Ursina Füglister, Doktorandin der ÄDL, reiste im September mit dem SNF-Mobility-Grant für einen 6-monatigen Auslandsaufenthalt erst nach Utrecht und anschliessend an die LMU München. Sebastian Meixner, der das SNF-Ambizione-Projekt «Poetik des Überflusses» leitet, ist an der Columbia University in New York, um sein Netzwerk weiter auszubauen. Die Doktorierende aus demselben Projekt, Céline Martins-Thomas, hat sich zur Indiana University Bloomington aufgemacht, wo sie von Fritz Breithaupt wichtige Impulse für ihre Forschung zu Wirtschaftsliteratur der Gegenwart erhalten wird. Vera Zimmermann aus dem SNF-Projekt FORM, die über Sex&Crime in der Idylle (1880-1930) doktoriert, findet ebenfalls an der Columbia University bei Dorothea von Mücke Unterstützung. Zoe Zobrist führt ihre im Rahmen des SNF Doc.CH-Programms geförderte Forschung zur Legende im 19. Jahrhundert an der New York University bei Elisabeth Strowick durch. Gute Reise und viel Erfolg allen fünfen!

Lektüretipps

Das Bild zeigt drei Buchumschläge der beschriebenen Lektüretipps.

Ältere Literatur: Daniela Fuhrmann & Thomas Müller (Hgg.): Mystik und Legende. Mediologische Perspektiven

Der 2023 erschienene, von Daniela Fuhrmann und Thomas Müller herausgegebene Sammelband «Mystik und Legende. Mediologische Perspektiven» fragt nach dem Zusammenhang zweier textueller und diskursiver Komplexe, die die Literatur des Mittelalters entschieden prägten. Wie nämlich, so die Grundfrage, ist die Beziehung zwischen einem Erzählen vom Leben und Wirken von Heiligenfiguren und den für religiöses Denken stets zentralen Fragen nach der Möglichkeit und Darstellbarkeit unmittelbarer Gotteserfahrung zu denken? Ausgehend von der Beobachtung, dass mystische Schriften und Heiligenlegenden in Verhältnissen der gegenseitigen Integration die Grenzen zwischen Ereignis, Text und Rezeption vielfach gezielt verwischen, widmen sich die acht Beiträge des Bandes aus jeweils unterschiedlicher Perspektiver den hierbei zum Tragen kommenden Modi einer sprachlichen Vermittlung des Religiösen. Mehrere Vertreter:innen der Zürcher Altgermanistik haben hierzu Aufsätze beigesteuert. So untersucht Susanne Köbele am Beispiel von dialogisierten Frageerzählungen das Zusammenspiel von Mystik, Legendarik und Logik, während Ursina Füglister sich der Klangpoetik der Lieder der brabantischen Mystikerin Hadewijch widmet. Ein Beitrag von Björn Buschbeck nimmt die frömmigkeitspraktischen Funktionalisierungen und Erweiterungen zur Dominikus-Legende im 15. Jahrhundert in den Blick. Von ausserhalb Zürichs kommen Artikel von Niklaus Largier, Daniel Eder, Felix Prautzsch und Jan K. Hon hinzu. Eine Einführung der beiden Herausgeber:innen vermittelt dabei auch nicht mediävistisch spezialisierten Leser:innen einen faszinierenden Eindruck in die Dynamiken religiöser Literatur der Vormoderne. Der Band ist im Chronos-Verlag als Printausgabe erschienen und zudem im Open-Access-Format digital zugänglich.

Link zum Buch

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Linguistik: Anthony Rowley: Boarisch. Boirisch. Bairisch. Eine Sprachgeschichte

Anthony Rowley, bis 2019 Leiter der Redaktion des Bayerischen Wörterbuchs und ausserplanmässiger Professor im Ruhestand für Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, konnte für dieses Buch aus der Fülle seines grossen Wissens schöpfen. Seine Sprachgeschichte hebt bei den «Urvölkern» an, gelangt über die Kelten und Römer zu den Germanen und streift die Iren, bis ein vierzigseitiges Kapitel dem althochdeutschen Bairisch und dessen Überlieferung gewidmet wird. Das mittelhochdeutsche Bairisch wird nur knapp abgehandelt, ehe dann Sprache und Sprachkultur im Spätmittelalter und in der älteren Neuzeit auf rund achtzig Seiten eine auf zahlreiche Aspekte eingehende Beschreibung erfahren. Im 19. Jahrhundert ist natürlich Andreas Schmeller, der Begründer der deutschen Dialektologie, ein Thema. Die letzten fünfzig Seiten sind schliesslich dem Bairischen des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet. Das Buch ist ein sehr schönes Beispiel, wie fundierte Wissenschaft einem breiten interessierten Publikum vermittelt werden kann.

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Neuere Literatur: Frauke Berndt & Philipp Theisohn (Hgg.): Gottfried Kellers Moderne

Eines der letzten grossen Ereignisse am Deutschen Seminar vor der Pandemie war der internationale Jubiläumskongress zu Gottfried Kellers 200. Geburtstag im Mai 2019: Über einhundert Gäste aus aller Welt kamen nach Zürich – zum Denken und zum Feiern. Die Ergebnisse sind in den vier Bänden der Reihe «Gottfried Kellers Moderne» 2022 und 2023 im De Gruyter Verlag Berlin erschienen. Diese Buchreihe unternimmt den Versuch, eines der bedeutendsten literarischen Laboratorien der Moderne neu zu entdecken und Kellers Werk als großangelegten, diskursübergreifenden Transformationsprozess zu verstehen. Die Bände zu Kellers Erzählen (Hg. Philipp Theisohn), Kellers Medien (Hg. Frauke Berndt), Kellers Welten (Hg. Sebastian Meixner) und Kellers Wissen (Hg. Cornelia Pierstorff) repräsentieren den aktuellen Diskussionstand der Keller-Forschung in beeindruckender Breite und Tiefe. Anspruch der Reihe ist es, Kellers Werk neuen literaturwissenschaftlichen Zugängen zu öffnen. Nicht nur die Zeitgemässheit, d.h. die historische Kontextualisierung, sondern vor allem der Anachronismus, die ‚Zukünftigkeit‘ stehen daher im Zentrum der Einzelstudien zu verschiedenen Texten und deren Aspekten. Diese entschiedene Ausrichtung der versammelten Forschungsbeiträge ist programmatisch, insofern der Schweizer Nationaldichter und prominente Vertreter der Europäischen Moderne hier ganz entschieden im Horizont rezenter theoretischer Fragestellungen diskutiert wird.

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Denkbilder: Das Germanistikmagazin der UZH

Im Dezember 2023 ist die 53. Ausgabe des Literaturmagazins «Denkbilder» zum Thema «Protest» erschienen.

Das neue Heft erscheint im Oktober 2023 zum Thema «Hotel».

Link zur Website der «Denkbilder» | Link zum Kauf einzelner Ausgaben

Neues vom DS

Vier neue Forschungsprojekte hat das DS dieses Jahr zu verzeichnen! «Narrative Mikroökonomien der frühen Neuzeit» von Christian Kiening, «Zwischen Erwartungshaltung und Empathie: Expertise-Aushandlung und Verständigungspraktiken in der Online-Wissenschaftskommunikation» von Noah Bubenhofer, «Variation in Amish Shwitzer» von Guido Seiler und «Polemik und literarisch-politische Öffentlichkeit 1815–1850» von Sabine Schneider.

Julia Frick wird ab April  Professur für deutsche Sprach- und Literaturgeschichte des Spätmittelalters im medien- und kulturgeschichtlichen Kontext an der Universität Rostock für zwei Jahre vertreten. Wir gratulieren!

Jana Bersorger, Studentin am Deutschen Seminar, wurde vom Rektor für ihre Arbeit «Raum einnehmen. Weibliche Mobilität im höfischen Roman» ein Semesterpreis verliehen. Wir gratulieren!

Zum Ende des FS 2023 wurde Susanne Köbele, Professorin für Ältere deutsche Literatur, emeritiert. Ihre für das Fach richtungsweisenden Forschungsarbeiten, die von der mittelalterlichen Mystik über die Ästhetiken und Poetiken geistlicher Literatur bis hin zum Minnesang reichen, prägten in den zwölf Jahren, in denen sie in Zürich wirkte, die intellektuelle Atmosphäre am DS entscheidend. Stets ebenso scharfsinnig wie auch grosszügig und nahbar teilte Susanne Köbele in der Lehre ihr Wissen mit den Studierenden und unterstützte als Doktormutter, brillante Diskussionspartnerin sowie Herausgeberin zahlreicher Buchreihen und Sammelbände den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ihre Präsenz am DS werden wir sehr vermissen.