Workshop "Exempla docent"

Workshop „Exempla docent“, 9./10. Juni 2022, Universität Zürich


Exempla docent.
Bedeutung paradigmatischer Vorstellungen für die Funktionsweise mediterraner Gesellschaften des 4.-8. Jhs.

9./10. Juni 2022, Historisches Seminar der Universität Zürich

Mit der Aufteilung des Römischen Reiches Ende des 4. Jhs. zerfiel die traditionelle Geschichtsforschung häufig in zwei Hauptstränge: Auf der einen Seite fokussierte sie auf den Verlauf und die Folgen der so genannten Völkerwanderung, auf der anderen Seite auf die Geschichte des (früh-)byzantinischen Staates. Dies resultierte vielfach in der Akzentuierung von Differenzen zwischen dem westlichen und östlichen Mittelmeerraum und den in ihnen lebenden Gesellschaften hinsichtlich staatlicher Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen, ökonomischer Organisationsformen sowie kultureller Gepflogenheiten. Ausgehend von Forschungen Fernand Braudels wird die spätantik-frühmittelalterliche Mittelmeerwelt aktuell allerdings vermehrt als eine miteinander auf vielfältige Weise verflochtene Ansammlung heterogener Teilräume angesehen. Verstärkt werden dabei Kontinuitäten und gegenseitige Beeinflussungen bei der Formierung und Transformation von Herrschaftssystemen, wirtschaftlichen Vernetzungen, diplomatischen Kontakten sowie der damit verbundenen Identitätskonstruktionen hervorgehoben.

Der Workshop möchte auf Vorbilder (exempla) als normative Konzepte und Handlungsanweisungen für das erwartete Gelingen spätantik-frühmittelalterlicher Gesellschaften des lateinischen Westens und des griechischen Ostens im 4.-8. Jh. fokussieren. Um den Blick auf diesbezügliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu schärfen, setzt die Tagung drei Schwerpunkte. In „Kontinuität und Transformation von Herrschaftsideologien“ stehen Kriterien gelungener Herrschaft in historiographischen und hagiographischen Werken im Zentrum der Aufmerksamkeit. In „Exempla sanctorum – Funktion und Bedeutung des Heiligen- und Reliquienkults“ möchten wir den Vorbildcharakter, der mit dem Kult der christlichen Heiligen einherging, untersuchen. Gerade das in hagiographischen Texten erinnerte Leben Heiliger sollte Menschen zur Nachahmung Christi inspirieren und damit zu einem gelungenen Leben innerhalb christlicher Gemeinschaften anleiten. Die dritte Sektion „Die Bedeutung der Rechtsliteratur für das Gelingen von spätantik-frühmittelalterlichen Gesellschaftsformen“ achtet auf normative Anweisungen in Gesetzestexten, die das Zusammenleben von Menschen in staatlichen Systemen zu regeln suchten. Hierbei stossen insbesondere die Auseinandersetzungen und Verflechtungen zwischen den germanischen Traditionen entstammenden Rechtsvorstellungen und den kompilatorischen Bemühungen Ostroms auf besonderes Interesse.
 

Mit finanzieller Unterstützung des Graduate Campus, der Hochschulstiftung und des Alumni Fonds der UZH