Artist at Work? Himmelhebers Ansatz zur individuellen Autorenschaft in der Kunst Afrikas

Michaela Oberhofer

Im Teilprojekt „Artist at Work?“ steht Himmelhebers Ansatz der individuellen Künstlerschaft im Zentrum. Sowohl auf theoretischer als auch auf empirischer Ebene werden Konzepte von Autorenschaft und Authentizität hinterfragt, und die Verflechtung bzw. wechselseitige Beeinflussung von lokaler Kunstproduktion, Wissensproduktion und globalem Markt untersucht.

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links: Hans Himmelheber dokumentiert die Arbeit von Biniate Kambire, Tiamne, Côte d'Ivoire. Fotograf: Hans Himmelheber, 1965. Inv.-Nr. FHH 339-2, Museum Rietberg Zürich; rechts: Die fertige Figur. Holz, 57 x 13 x 12 cm. Erworben 1965 von Hans Himmelheber in Tiamne. Inv.-Nr. 2015.238, Museum Rietberg Zürich, Fotograf: Rainer Wolfsberger.

Hans Himmelheber wandte sich in den 1930er Jahren als einer der Ersten gegen das westliche essentialistische Vorurteil, afrikanische Schnitzer oder Giesser arbeiteten anonym und würden allein den Stil ihrer jeweiligen Ethnie reproduzieren. Himmelheber stellte hingegen namentlich bekannte Künstler in den Vordergrund, und dokumentierte nicht nur deren Biografie und Berufsweg, sondern auch das Werkverfahren, die ästhetischen Vorstellungen und das innovative Potential ihrer Arbeit. Dieser Künstleransatz markierte einen Paradigmenwechsel in der Kunstgeschichte Afrikas. In der Folge entstanden zahlreiche Studien zur individuellen Autorenschaft sowohl aus westlicher als auch afrikanischer Perspektive. Im Gegensatz dazu wurde die Idee des Künstlergenius jedoch auch als eurozentristisch kritisiert und der gemeinschaftlichen Produktion in Workshops gegenübergestellt.

Das Teilprojekt geht zum einen dem Spannungsverhältnis zwischen einzeln und kollektiv arbeitenden Akteuren in Afrikas Kunstproduktion auf theoretischer Ebene nach. Zum anderen werden die Fragen von Autorenschaft und Urheberrechte in einer empirischen Studie am Beispiel der Lobi und ihrer Nachbarn beleuchtet. Neben Archivrecherchen sind hierfür Feldforschungsaufenthalte in Burkina Faso und in der Côte d’Ivoire geplant, die an Himmelhebers Studien aus dem Jahr 1965 und den eigenen Forschungen zwischen 1998 und 2002 anknüpfen.