Tipp der Woche vom OEG-Team

  • Von Peter Collmer, PD: Notes from Poland

    Es ist manchmal gar nicht so einfach, den Überblick über die aktuellen Entwicklungen in Polen zu behalten – vor allem dann nicht, wenn man kein Polnisch versteht.

    Eine sehr nützliche Orientierungshilfe bietet der Social-Media-Dienst «Notes from Poland», der unter anderem eine Webseite betreibt und seine Follower mit regelmässigen Nachrichten auf Twitter versorgt. Dazu kommen journalistische Einordnungen und thematische Podcasts.

    «Notes from Poland» wurde 2014 von Stanley Bill (Cambridge) und Daniel Tilles (Krakau) gegründet. Begonnen hat alles mit Zusammenfassungen polnischer Nachrichten; heute bezeichnet sich NFP selbstbewusst als «the leading independent source of English-language news about Poland». Seit 2018 wird der Dienst von einer nicht-profitorientierten Stiftung getragen.

    Interessant auch ein Blick auf die Zusammensetzung des Advisory Boards: Diesem gehören namhafte Persönlichkeiten wie die Historiker Norman Davies und Timothy Garton Ash oder die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk an.

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  • Von Andrej Marković, Assistent: Interaktive Karte des Königreichs Jugoslawien

    Wer etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse im Königreich Jugoslawien erfahren möchte, greift oft auf die Ergebnisse der grossangelegten Volkszählung von 1931 zurück. Eine zugängliche Möglichkeit, diese zumindest in Teilen zu erfassen, bietet die interaktive Karte von Miloš Popović und Aleksandar Popović. Unter anderem lässt sie zu, Religions-, Beschäftigungs- und Alphabetisierungsverhältnisse in den Blick zu nehmen.

    http://milosp.info/maps/interactive/census1931/index.html 

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  • Von Benjamin Kaelin, Assistent: Das Mosfil’m YouTube-Archiv

    Einen reichen Schatz an Produktionen des bedeutendsten Studios der Sowjetunion bietet der offizielle YouTube-Kanal von Mosfil’m. Von den restaurierten Versionen der Stummfilmklassiker aus der Anfangszeit des sowjetischen Kinos über die Werke des sozialistischen Realismus aus der Stalinzeit bis zu den spätsowjetischen Publikumshits finden sich unzählige bekannte, aber auch im Westen bisher wenig beachtete Filme und Serien unterschiedlichster Genres – im russischen Original und in vielen Fällen mit Untertiteln versehen. Sie alle bieten neben dem reinen Filmgenuss einen ausgezeichneten Überblick über den Wandel und die Kontinuitäten des sowjetischen Kulturschaffens.

    https://www.youtube.com/c/MosfilmRuOfficial

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  • Von Nataša Mišković, Gastdozentin Uni Basel: Filmreihe Lordan Zafranović - «Gleissendes Kino wider das Vergessen»

    Das Stadtkino Basel (offen!) zeigt im November eine ganz besondere Filmreihe: Lordan Zafranović ist einer der ganz Grossen des jugoslawischen Kinos. Dennoch sind seine Kultfilme hierzulande nahezu unbekannt. Dank einer Kooperation mit der Universität Basel und der finanziellen Unterstützung der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel sind nun zwölf der wichtigsten Filme aus dem umfangreichen Opus des dalmatinischen Filmemachers zu sehen, mehrheitlich in ihrer ursprünglichen Form als 35mm-Filme:

    Die grosse Weltkriegstrilogie mit den preisgekrönten Filmen «Okkupation in 26 Bildern» (Okupacija u 26 slika, 1978), «Der Fall Italiens» (Pad Italije, 1981) und «Abendglocken» (Večernja zvona, 1986) beschreibt in eindrücklichen Bildern die Auswirkungen von Okkupation, Rassismus und Gewalt auf eine lokale Gesellschaft: die städtische von Dubrovnik im ersten, die ländlich-maritime der Insel Šolta der zweite, Zagreb und die Herzegovina der dritte.

    Im dreistündigen Opus magnum «Jahrhundertuntergang - Das Testament von L.Z.» (Zalazak stoljeća – Testament LZ, 1993) nimmt der Regisseur den Kriegsverbrecherprozess 1986 gegen den ehemaligen Innenminister des kroatischen Ustaša-Staates NDH im Zweiten Weltkrieg zum Anlass, über seine persönliche Verantwortung als Angehöriger des kroatischen Volkes nachzudenken. Dabei wird er entsetzt Zeuge des Zerfalls Jugoslawiens und von den neuen Machthabern in Kroatien zum Verräter abgestempelt. Den Film stellte er im Exil fertig, dem breiten kroatischen Publikum konnte er bis heute nicht gezeigt werden. 

    https://www.stadtkinobasel.ch/stadtkino/filmreihen/november/lordan_zafranovi__gleissendes_kino_wider_das_vergessen/418

    https://www.literaturhaus-basel.ch/programm/

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  • Von Jovanka Antić, HiWi Bibliothek OEG: «100(0) Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte (1917–1991)»

    Wer sich schon immer die Abdankungsurkunde des Zaren Nikolaus II. von März 1917 oder aber das Dekret zur Gründung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee anschauen wollte, wird auf der Website 100(0) Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte (1917-1991) fündig. Das Projekt «100(0) Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte (1917–1991)» verfolgt das Ziel, anhand ausgewählter Textdokumente, Bilder sowie Audio- und Videodokumente in die russisch-sowjetische Geschichte und den Stand ihrer Erforschung einzuführen. Es wird geleitet vom Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Institut für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften (Moskau). Beteiligt daran sind aber auch zahlreiche russische und nicht-russische Historiker*innen.

    Neben den Originaldokumenten gibt es jeweils einen einführenden Kommentar in deutscher und russischer Sprache und eine Übersetzung ins Deutsche. Die Dokumente werden in russischer Sprache im Wortlaut wiedergegeben. Ein Glossar gibt ebenfalls kurze Auskunft über häufig vorkommende Personen und Begriffe.

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  • Von Andrej Marković, Assistent: Essaysammlung "Yugosplaining the World"

    Lässt sich mit dem Blick auf Jugoslawien unsere Welt besser verstehen? Einige aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende und heute in der westlichen academia tätige Autor*innen haben diesen Sommer den Versuch gewagt, mit Hilfe ihrer Jugoslawienkenntnisse unsere Zeit zu diagnostizieren, und die Essaysammlung "Yugosplaining the World" produziert. Es ist klar: Es geht um den blutigen Untergang Jugoslawiens und die Zeit nach dem Zerfall einerseits und andererseits um eine vor allem westliche, oft gänzlich amerikanische Gegenwart, die in den Essays stark auf Rechtspopulismus, Autoritarismus, Nationalismus zugespitzt erscheint. Vorneweg: Nicht alle Texte sind gleich gut. Allen gemein ist aber der Versuch auszuloten, inwiefern Jugoslawien dem heutigen Westen als Warnung dienen kann.

    Bebildert werden die Essays mit Fotografien aus der Ausstellung "Il était une fois la Yougoslavie" des Fotografen Milomir Kovačević Strašni.

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  • Von Regina Klaus, Verw-Ass.: 1870–2020: 150 Jahre Polenmuseum Rapperswil

    Der polnisch-litauische Graf Władysław Plater, der seit 1844 in Kilchberg (ZH) lebte, begründete 1870 – mit Unterstützung u.a. von Gottfried Keller – das Polenmuseum im Schloss Rapperswil, das schnell zum kulturellen und politischen Zentrum der nach den Aufständen von 1830 und 1863 emigrierten Polen in der Schweiz und im benachbarten Ausland wurde. 150 Jahre nach seiner Gründung blickt das Polenmuseum auf eine bewegte Geschichte zurück. Es hat einen grossen Teil seiner Bestände, die 1927 nach der Gründung der Zweiten Polnischen Republik nach Warschau überführt worden waren, im Zweiten Weltkrieg beinahe völlig verloren und ausserdem zwei länger dauernde Schliessungen von 1927–1936 und 1951–1975 überlebt.

    Seit 1975 finden im Museum regelmässig Ausstellungen zur polnischen Geschichte, Kunst und Kultur statt. Bemerkenswert sind die stehenden Sammlungen zu Handwerk, Kunsthandwerk und Volkskunst. Die Bibliothek des Polenmuseums bezieht sich thematisch überwiegend auf die Geschichte der polnischen Emigration; das Archiv beinhaltet Dokumente zu den Polen in der Schweiz und den polnisch-schweizerischen Beziehungen, die online zugänglich sind.

    Die Feier zum 150-jährigen Bestehen des Polenmuseums findet am 25. Oktober 2020 im Schloss Rapperswil statt.

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  • Von Emina Konjalić, Tutorin: Graphic Novel von Nina Bunjevac: Vaterland – Eine Familiengeschichte zwischen Jugoslawien und Kanada

    Vaterland ist eine Graphic Novel der serbisch-kanadischen Comic-Künstlerin Nina Bunjevac. Darin verarbeitet sie zeichnerisch die Lebensgeschichte ihres Vaters Petar Bunjevac. Petar Bunjevac war Mitglied einer terroristischen Untergrund-Vereinigung von serbischen Exilanten in Kanada, deren Ziel es war, aus dem Ausland die jugoslawische sozialistische Regierung zu bekämpfen. 1977 kam Nina Bunjevac' Vater beim Versuch, eine Bombe für ein Attentat auf das jugoslawische Konsulat in Toronto zu bauen, ums Leben. In düsteren, schwarz-weiss gehaltenen Bildern rekonstruiert sie analytisch und distanziert ihre tragische Familiengeschichte im historischen Kontext Jugoslawiens und seiner Migranten. Eine visuell und erzählerisch eindrückliche Lektüre. Links zu Rezensionen: 
    Der Tagesspiegel
    Zeit Online

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  • Von Daniel Ursprung, Wiss. Mitarbeiter: Fototeca online a comunismului românesc

    Die hier präsentierte Webseite ist ein online-Archiv für Fotos aus der Zeit des Sozialismus in Rumänien. Die Bilder stammen aus dem Zeitraum 1945-1989, es sind aber auch ältere Fotos von 1921-1944 vorhanden. Die Bilder aus den Nationalarchiven Rumäniens dürfen gegen einen Quellennachweis reproduziert werden. Die Suchfunktion wie auch die Metadaten der Bilder sind leider nur sehr rudimentär:Online-Fotoarchiv

    Das hier abgebildete Foto ist schon fast ein Klassiker des realsozialistischen Genres "Der Parteiführer inspziert die Ernte": Nicolae Ceaușescu 1986 in einem Getreidefeld - im Hintergrund Panels mit seinem Porträt sowie Landes- und Parteiflaggen.

    Bildnachweis: Fotografie #V224, Fototeca online a comunismului românesc (25.08.2020)

     

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  • Von Andrej Marković, Assistent: Ausstellung - The British and the Second World War in Yugoslavia

    Viel ist schon über die britische Hilfe an Widerstandsbewegungen im besetzten Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs geschrieben worden. Bislang unveröffentlichte Fotoaufnahmen zum Thema waren dieser Tage in einer von der britischen Botschaft organisierten Ausstellung in Belgrad zu sehen. Sie ist dankenswerterweise auch digital zugänglich und in Englisch und Serbisch gehalten: The British and the Second World War in Yugoslavia

    Im Fokus stehen zahlreiche Fotografien. Manche sind bereits bekannt, viele werden von zum Erinnerungsfoto aufgereihten Gruppen uniformierter Männer dominiert, aber alle vermitteln einen Eindruck von der materiellen Kultur des Kriegs in Jugoslawien. Ebenfalls zu sehen sind Aufnahmen aus der ausserhalb Jugoslawiens gelegenen Unterstützungsinfrastruktur.

    Bemerkenswert sind aber nicht nur die Aufnahmen selbst, sondern auch die Erzählung der Ausstellung, die ganz auf der Linie revisionistischer Tendenzen in Serbien argumentiert. So wird die Četnik-Bewegung ausschliesslich als royalistischer Widerstand dargestellt. Unterschlagen wird dabei, dass diese Kräfte nicht nur breit mit den Achsenmächten kollaborierten, sondern auch Massaker an der muslimischen Bevölkerung verübten und sich ein krass serbisch dominiertes Jugoslawien zum Kriegsziel machten. Kalkulierte Anbiederung oder eigensinniges Agieren des Personals vor Ort? Der für die Ausstellung mitzuständige britische Militärattaché ist der Sohn eines nach Grossbritannien geflüchteten Četnik-Veteranen. So oder so üben sich auch andere im Abbau einer in Serbien verbreiteten Distanz gegenüber dem Westen: Der amtierende amerikanische Botschafter bekreuzigte sich gleich nach seiner Ankunft bei einem Kirchenbesuch gemäss byzantinischem Ritus und gab bekannt, dem im Serbien vorherrschenden orthodoxen Christentum nahezustehen.

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  • Von Isabel Schenk, Studentin: Nachrichten aufs Ohr

    Wer sich für tagesaktuelle Nachrichten und Hintergrundreportagen aus Osteuropa interessiert, dem sind die Podcasts «Heute im Osten» vom MDR zu empfehlen. Die viertelstündigen Podcast berichten durch ihre Korrespondenten vor Ort, Ostblogger genannt, sowohl über die Auswirkungen von Corona in den Ländern Osteuropa wie auch über die Restaurationsarbeiten am Konzentrationslager Auschwitz. Die Podcast sind auf der Webseite des MDR (https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/heute-im-osten/heute-im-osten-144.html), sowie auf Spotify zu finden. Pro Folge werden zwei bis drei Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft angesprochen.

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  • Vom OEG-Team

    Während der Semesterferien macht der Tipp der Woche eine Pause. Unter folgendem Link sind die früheren Beiträge zu finden.

    Im Herbstsemester 2020 folgen weitere Tipps. Beiträge sind willkommen!

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  • Von Daniel Ursprung, wissenschaftlicher Mitarbeiter: Türkenbeute und Internet Archive

    Das Internet ist eine riesige Fundgrube auch für wissenschaftliche Fragen. Ständig werden neue Inhalte online zugänglich gemacht - gerade auch im Lockdown-Zeitalter verlagern Museen einen Teil ihrer Bestände ins Internet. Viel weniger beachtet wird, dass auch ständig Inhalte aus dem Netz verschwinden. So etwa die einst hervorragende Seite der Karlsruher Türkenbeute - eine vom Badischen Landesmuseum aufbewahrte Trophäensammlung aus der Zeit der Kriege gegen das Osmanische Reich.
    Quasi als eine Art Pionierleistung wurde die Webseite 2003 aufwändig auf dem damaligen Stand der Technik entwickelt: https://zkm.de/de/projekt/tuerkenbeute. Sie enthielt unter anderem interaktive 3-D- und Zoom-Aufnahmen der Ausstellungsobjekte sowie Foren und Chat, aber auch hervorragend aufbereitete Hintergrundinformationen und Literaturlisten in pdf-Format. Seit 2018 ist die Seite leider nicht mehr online, da sie technisch überholt ist.

    Einige Eindrücke vermittelt nur noch die Wayback Machine des Internet Archivs: ein Onlinedienst, der Webseiten archiviert - siehe dort etwa eine Kopie vom 20. Okt. 2012.
    Sogar einige der erwähnten pdf-Dateien lassen sich auf diesem Weg noch herunterladen. Die Wayback Machine ist daher gerade für HistorikerInnen ein wichtiges (und quellenkritisch zu nutzendes!) Werkzeug für eine noch zu schreibende Geschichte des Internets.
    Wie das Beispiel zeigt haben aufwändig programmierte Webseiten ohne grundlegende (und kostenintensive) Neuprogrammierung eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren. Wer Internet-Quellen zitiert tut daher gut daran, eigene lokale Kopien zu erstellen.

    Viel nachhaltiger sind da klassische Druckmedien: auch nach fast doppelt so langer Zeit ist auf den 1991 erschienenen Ausstellungskatalog weiterhin Verlass: Ernst Petrasch (Hg.): Die  Karlsruher Türkenbeute. Die «Türckische Kammer» des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden. Die «Türckischen Curiositaeten» der Markgrafen von Baden-Durlach. München 1991.
    Zumindest letztes Jahr war er noch im Museumsshop verfügbar und kann ansonsten antiquarisch oder bibliothekarisch beschafft werden - in Zürich etwa gleich in mehreren Bibliotheken: NEBIS-Katalog. Sind also online verfügbare Medien tatsächlich immer besser zugänglich als gedruckte Publikationen?
    Bei der Schnelllebigkeit und geringen Nachhaltigkeit des Internets fragt es sich auch, wie lange die in diesem Tipp der Woche angegebenen Links funktionieren werden - und ob dieser Beitrag hier eine online-Lebensdauer erreicht wie die eingestellte Webeite http://tuerkenbeute.de

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  • Von Daniel Ursprung, wissenschaftlicher Mitarbeiter: Ottoman History Podcast

    Ottoman History Podcast

    Der Ottoman History Podcast ist mittlerweile eine Fundgrunbe zu Themen über das Osmanische Reich, den modernen Nahen Osten und die islamische Welt. In hunderten von Interviews mit Wissenschaftler/innen werden unterschiedlichste Themen auf akademische Weise besprochen. So zum Beispiel kürzlich mit Darryl Li über "The Bosnien War, Jihad, and American Empire" über den bosnischen Jihad im Krieg von 1992 bis 1995: https://www.ottomanhistorypodcast.com/2020/04/darryl-li.html
    Die Beiträge enhalten meist Bildmaterial und eine Auswahlbibliographie.

    https://www.ottomanhistorypodcast.com

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  • Von Dr. Maria Shagina, fellow CEES: Catherine Belton, Putin's People

    Belton's book offers a fascinating account of the emergence of the Putin regime and what it means for Russia's relations with the West. Drawing on an impressive array of interviews with Kremlin insiders, businessmen, intelligence officers, diplomats and oligarchs, the book deep-dives into Putin's ascendance to power and tracks the growing influence of the siloviki after the collapse of the Soviet Union. As a renowned business journalist for the Financial Times, Belton breaks down an intricate history of loans-for-shares schemes, offshore accounts and mergers and highlights what role Western banking institutions played in it. Written as a dazzling detective story, Putin's People provides important insights into the internal dynamics of the Kremlin and sheds light onto the old and new tactics employed by the siloviki to deal with the West.

    https://us.macmillan.com/books/9780374712785

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  • Von Andrej Markovć, Assistent: Corona-Kulturangebot in Ex-Yu

    Auch in den ex-jugoslawischen Ländern ist das öffentliche Leben aufgrund der Versuche, die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen, weitgehend gelähmt. Auch dort versuchen Kulturinstitutionen verstärkt, den Kontakt zu ihrem Publikum über Onlinemedien aufrechtzuerhalten. Sprachkundigen Personen sei also der Besuch der Webseiten und social-media-Auftritte einschlägiger Institutionen nahegelegt. Auch die öffentlich-rechtlichen Kultursender und grossen Theater in der Region streamen über Facebook und YouTube regelmässig Aufnahmen von Vorführungen.

    Im Folgenden sei nur auf zwei Ausstellungen konkret hingewiesen:

    Das serbische Nationalmuseum hat seine dem Bildhauer Ivan Meštrović gewidmete Sonderausstellung online gestellt. Im Fokus stehen Arbeiten im Zusammenhang mit dem monumentalen und nie realisierten Veitstag-Tempel: https://my.matterport.com/show/?m=u9qn9175ncL (BKSM/Englisch)

    Pünktlich zum 1. Mai stellt das Geschichtsmuseum Bosnien-Herzegowinas eine dem Tag der Arbeit gewidmete Ausstellung online. Plakate aus verschiedenen bosnischen Städten verschaffen einen Eindruck davon, wie der Feiertag in sozialistischer Zeit begangen wurde: https://prezi.com/view/ODU74jmb7N3wt2ksHJm2/ (BKSM)

    Schlussendlich noch ein Hinweis an jene, die dieses Jahr voraussichtlich auf Studienreisen in die Region verzichten müssen: Die Webseite https://www.spomenikdatabase.org/ dokumentiert auf sehr ausführliche Weise die dem Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg gewidmeten Denkmäler aus sozialistischer Zeit, die im ganzen ehemals jugoslawischen Raum zu finden sind und sich mitunter durch eine bemerkenswerte Formsprache auszeichnen.

    Foto: Tito zieht immer … (Das «Corona»-Profilbild auf der Facebookseite des Geschichtsmuseums Bosnien-Herzegowinas

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  • Von Dr. des. Dunja Krempin, Koordinatorin CEES: Dan Healey: Russian Homophobia

    Dan Healey: Russian Homophobia from Stalin to Sochi. London 2018.

    In seiner 2018 erschienen Monografie widmet sich der britische Historiker Dan Healey einer archivbasierten Geschichte der Wurzeln russischer Homophobie seit den 1930er Jahren. Dabei geht Healey jedoch weit über die Präsentation einzelner «Fallstudien» wie der des Sängers Vadim Kozin hinaus und äussert konsequent Überlegungen zu den Zugängen für die Aufarbeitung einer nicht-heteronormativen und queeren sowjetischen bzw. russischen Geschichte. In diesem Sinne plädiert er dafür, moderne (westliche) Konzepte wie beispielsweise die Annahme einer identitätsbasierten Sexualität oder Monosexualitäten abzulegen und offen zu werden für Lebensläufe von Menschen, die Sexualität (noch) anders verstanden oder auch anders lebten. Darüber hinaus weist Healey auf die Schwierigkeiten im Umgang mit den «gehemmten Archiven» hin, die aufgrund einer heteronormativen Informationspolitik, fehlenden Zugängen und unsympathischen bis homophoben Erstinterpretationen oft nur schwer Auskunft geben können zur Existenz von LGBT. Trotz der Schwierigkeiten beim Durchleuchten queerer Vergangenheit ermutigt Healey Historiker*innen im Sinne einer «Zurückgewinnung unserer Leben» ausdrücklich dazu, sich der nicht-heterosexuellen Geschichte mit «empathischen queeren Blickwinkeln» dort zu widmen, wo sie zum Schweigen gebracht wurde und wird.

    https://www.bloomsbury.com/uk/russian-homophobia-from-stalin-to-sochi-9781350000797/

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  • Von Leonie Rohner, Tutorin: Calvert Journal, "A guide to the New East"

    "A guide to the New East": So nennt sich das Onlinemagazin Calvert Journal, auf dem regelmässig journalistische Beiträge, Fotoreportagen und Essays zu Osteuropa, Russland, dem Balkan und Zentralasien erscheinen. Die Plattform ist eines der Projekte der Non-Profit-Organisation calvert 22, die 2009 von der in London lebenden russischen Unternehmerin Nonna Materkova gegründet wurde. Die Organisation setzt sich insbesondere für junge künstlerische Talente in den genannten Regionen ein. Auf der Plattform Calvert Journal bekommt man einen Einblick in das vielfältige Leben und Arbeiten solcher Leute und findet darüber hinaus interessante Reiseberichte oder Beiträge über Wirtschaft und Architektur. Das Highlight sind die eindrücklichen Fotostrecken - sei es zur polnischen Gemeinschaft im England der 1970er-Jahre oder zum heutigen Leben in Sibirien.

    https://www.calvertjournal.com/

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  • Von Alexander Porath, Tutor: C-SPAN als Quelle für die Neueste Geschichte Russlands

    Der gemeinnützige Fernsehsender C-SPAN sendet seit 1991 ausgewählte Beiträge des sowjetischen und russischen Staatsfernsehens in englischer Synchronübersetzung. Diese Quelle bietet wertvolle Einblicke in eine turbulente Zeit aus einer russischen Perspektive.
    Höhepunkte der Sammlung sind zwei umfangreiche Interviews mit Boris El’cin aus den frühen 90er-Jahren und der historische Besuch Vladimir Putins bei George W. Bush in Texas.
    Unter dem Reiter „Mentions” kann man in sämtlichen Untertiteln nach Stichwörtern innerhalb eines selbstgewählten Untersuchungszeitraums suchen. Alternativ werden unter dem Reiter „People” zum Stichwort „Russia” die Videos nach Persönlichkeiten sortiert. Die Erstellung eines Benutzerkontos ermöglicht es, selbstgewählte Ausschnitte zu verlinken.  

    https://www.c-span.org/organization/?25428/Russian-National-Television
    https://www.c-span.org/search/?query=russia&searchtype=People

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  • Von Benjamin Kaelin, Assistent: V 1917 godu

    V 2017 godu (V. Strukova/V. Ševčenko/L. Smechov, SU 1960)

    Die Erde im Jahr 100 nach der Oktoberrevolution – sie zeigt die sowjetische Slideshow  «Im Jahr 2017» von 1960. Entfaltet und für Kinder aufbereitet wird darin eine fast grenzenlose Vision sowjetischer Siege über die Natur und des technischen Fortschrittes. Die Bilder zeigen eine Welt der interstellaren Reisen und der Atomzüge, der totalen Kontrolle des globalen Klimas, in der sich die letzten Imperialisten auf eine entfernte Insel zurückgezogen haben, eine Welt also, von der sich bis auf die Videotelefonie wenig materialisiert hat.   

    https://www.youtube.com/watch?v=KDXJMGNm3E0

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  • Von Prof. Dr. Nada Boškovska: Andreevski, Quecke

    Die Quecke ist ein Unkraut, Hundsgras, nicht auszurotten. Diesen Titel hat Petre M. Andreevski (1934-2006) seinem Roman gegeben, der von Jon und Velika in einem makedonischen Dorf zur Zeit des Ersten Weltkriegs erzählt. Während Jon eingezogen wird und in einem sinnlosen Krieg gegen Landsleute kämpfen soll, die von anderen Armeen eingezogen wurden, versucht Velika, mit ihren Kindern im von Hunger und Seuchen heimgesuchten Dorf zu überleben.
    Seit 2017 liegt dieses wichtige Werk der makedonischen Literatur in einer ausgezeichneten Übersetzung und sorgfältigen Ausgabe vor. Ich empfehle, das Nachwort des Übersetzers Benjamin Langer als Einstieg zu lesen.

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  • Von Daniel Ursprung, Wissenschaftlicher Mitarbeiter: MOOCs

    In Zeiten von Home-Office und Fernunterricht bieten MOOCs (Massive Open Online Courses) die Möglichkeit eigenständiger Weiterbildung im Internet. Verschiedene Plattformen bieten Kurse zu allen erdenklichen Themen an. Die  von der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) betriebene Plattform edX bietet wissenschaftliche Inhalte, auch zu historischen Themen.
    Andere Plattformen bieten Weiterbildungen zu unterschiedlichsten Themen an: warum nicht die Präventiv-Quarantäne nutzen, um die eigenen Software-Fähigkeiten zu erweitern, Sprachen zu lernen, sich ein neues Thema zu erarbeiten - oder sich bei Fachleuten über COVID-19 zu informieren?
    Dutzende Plattformen bieten MOOCs an. Eine Auswahl:
    EDX: https://www.edx.org/subjects
    Coursera: https://de.coursera.org
    Udemy: https://www.udemy.com/

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  • Von PD Dr. Peter Collmer: Diversity, historisch!

    Vielfalt ist in aller Munde – seit einigen Jahren auch unter dem Schlagwort der Diversität oder der diversity. In diesem Begriff verbinden sich wissenschaftliche Erkenntnisinteressen mit politischen Forderungen: Das Bewusstsein für die Ungleichheiten, die sich in der modernen Welt aus gesellschaftlichen Differenzierungen (namentlich entlang der Trias race, class und gender) ergeben haben, spiegeln sich seit einigen Jahren in der Losung, Vielfalt als Chance zu betrachten.
    Der Sammelband von Florin, Gutsche und Krentz bietet eine gute Einführung für alle, die sich dem Thema Vielfalt in einer historischen Perspektive annähern möchten. Besonders lesenswert für Osteuropa-Interessierte ist einerseits die Einleitung, die grundlegende Begriffe und Konzepte vorstellt. Andererseits ist der Beitrag von Julia Obertreis zu erwähnen, die anhand des Zarenreiches untersucht, wie sich in Vielvölkerreichen unterschiedliche soziale Differenzierungen überkreuzen und zu multiplen Diskriminierungen führen konnten (Intersektionalität).
    Insgesamt verdeutlicht der Band, dass Kategorien der Ungleichheit nicht zeitlos, sondern ihrerseits einem historischen Wandel unterworfen sind und sich je nach Situation unterschiedlich auswirken konnten. Die gängige Vorstellung, die vermeintlich «statische» Vormoderne sei weniger «divers» gewesen als die Moderne, wird dabei widerlegt.


    Diversität historisch: Repräsentationen und Praktiken gesellschaftlicher Differenzierung im Wandel. Hg. Moritz Florin, Victoria Gutsche u. Natalie Krentz (= Histoire, 140). Bielefeld 2018.

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  • Von Regina Klaus, Verwaltungsassistentin OEG: Literaturhaus, Osteuropa-Veranstaltungen

    Das Zürcher Literaturhaus, das Teil der seit 1834 bestehenden Museumsgesellschaft mit Sitz am Limmatquai 62 ist, organisiert jährlich über 100 öffentliche Veranstaltungen: Autorenlesungen, Diskussionen, Vorträge, Symposien und Workshops. Auf dem diesjährigen Programm stehen mehrere Osteuropa-relevante Veranstaltungen:

    18. März 2020, 20.00 Uhr: Olga Tokarczuk (Nobelpreisträgerin), «Die Jakobsbücher»: Lesungen und Gespräche mit der Autorin

    25. April 2020, 14.00 Uhr: «Keller, Joyce und Lenin auf der Spur: Führung durch die Bibliothek der Museumsgesellschaft

    29. April 2020, 19.30 Uhr: Zsófia Bán, «Der Sommer unseres Missvergnügens» und «Weiter atmen»: Lesung und Gespräch mit der Autorin

    8. Juni 2020, 19.00 Uhr: Karl Schlögel, «Der Duft der Imperien»: Lesung und Gespräch mit dem Autor

    Zum Programm: Link www.literaturhaus.ch

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  • Von Andrej Marković, Assistent: Bosnischer Atlas der Kriegsverbrechen

    Die Ereignisse des Bosnienkriegs dokumentieren, der Öffentlichkeit zugänglich machen und an sie erinnern – das ist der Anspruch des «Bosnischen Atlas der Kriegsverbrechen 92-95». Betrieben wird er von dem in Sarajevo ansässigen Research and Documentation Center, das sich bereits mit dem Erstellen der grössten Kriegstotendatenbank einen Namen gemacht hatte. Nun präsentiert es die reichen Bestände seines Dokumentationsarchivs in Form eines Atlas, der auf der Basis von Google Earth funktioniert und entsprechend eingängig zu bedienen ist. Zwar wurden insbesondere Tode kartographiert, aber ebenso lassen sich unter anderem auch Lager, zerstörte Kulturdenkmäler oder den Kriegstoten gewidmete Gedenkstätten lokalisieren. Der Klick auf die Kartenmarkierungen legt Opferlisten sowie vorhandene Fotografien und Zeugenaussagen frei. Seit Dezember 2019 ist der Atlas auf Bosnisch und Englisch einzusehen:

    http://mnemos.ba/ba/home/Atlas

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  • Von Julia Zuber, Tutorin: Podcasts des Davis Center

    In den Enigma Podcasts des Davis Center for Russian and Eurasian Studies werden Experten zu vielfältigen Themen wie Literatur, Ölhandel oder dem Eurovision Contest befragt. Zudem finden sich auch Podcasts von Kongressen oder Seminaren, beispielsweise zur Russischen Revolution. In diesem digitalen Archiv gibt immer etwas Neues zu entdecken.
    https://daviscenter.fas.harvard.edu/digital-resources
    https://soundcloud.com/dcresharvard/sets/conference-centenary-perspectives-russian-revolution
    https://soundcloud.com/dcresharvard/sets/eurasian-enigma-podcast

     

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  • Von Dr. Maria Shagina: The Bridge. Natural Gas in a Redivided Europe

    In his new book "The Bridge. Natural Gas in a Redivided Europe", Thane Gustafson, a noted expert on Russian oil and gas, offers a compelling narrative on the genesis of Russia's gas relations with Europe. Thoroughly researched and eloquently written, the book tracks the economic and political role of natural gas in West-East relations.

    During the Cold War, a dense network of gas pipelines served as the bridge between Russia and Europe that was believed to foster normal political ties between the two. Despite the political tensions, business boomed and natural gas continued to flow. With the fall of the Soviet Union, fundamental changes in Russia and in the European Union transformed the role of gas in their relations. Instead of a unifying factor, natural gas became a subject of strife and sowed divisions and discord. Once considered as a factor of stability, gas began to be viewed through the lens of geopolitics.

    Looking beyond geopolitics, The Bridge focuses on the structural changes in the commercial sphere such as the gas revolution in Europe and environmentalism that equally contributed to the unfolding conflict and analyses their implications for the future Russian-European gas trade.

    https://www.hup.harvard.edu/catalog.php?isbn=9780674987951

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  • Von Daniel Ursprung, wissenschaftlicher Mitarbeiter: Revolution in Rumänien, Dezember 1989

    Der spektakulärste Akt des Wendejahres 1989 ereignete sich vor genau 30 Jahren: der dramatische Sturz des rumänischen Machthabers Nicolae Ceauşescu.  Um 12:06 Uhr am 22. Dezember 1989 flüchtete er, von Revolutionären verfolgt, mit dem Helikopter vom Dach des ZK-Gebäudes in Bukarest. Die Hintergründe gelten seither als „ungeklärt“ – so die Frage, wer für die fast 1300 Todesopfer verantwortlich war, die im Dezember 1989 gewaltsam ums Leben kamen. Etwa 80% der Toten wurden nach der Flucht Ceauşescus erschossen, im Wesentlichen vom 22. bis 25. Dezember, den Tagen zwischen der Flucht und der Hinrichtung Ceauşescus. Die juristische Aufarbeitung ist nach endlosen Verzögerungen erst kürzlich wieder aufgenommen worden, allerdings in uzureichender Form.

    In den letzten 30 Jahren hat es offenbar eine systematisch gesteuerte Desinformationskampagne geschafft, durch einen Schleier aus Gerüchten, Behauptungen und Spekulationen die Sicht auf die Ereignisse weitgehend zu verhüllen. Bei akribischer und kritischer Sichtung der an sich gut zugänglichen Belege liessen sich jedoch viele dieser Mythen widerlegen. Der US-Amerikaner Richard Andrew Hall ist durch minutiöse Rekonstruktion bereits in den 90er Jahren zu plausiblen Schlüssen gelangt, die jedoch kaum beachtet wurden.

    Als widerlegt gelten können demnach die Thesen eines angeblichen ausländisches Eingreifens oder die Vorstellung, der neue Machthaber Ion Iliescu habe den Volksaufstand provoziert, um so einen Staatsstreich durchzuführen. Die „Terroristen“, deren Existenz lange geleugnet wurde, existierten aber tatsächlich: ab dem Abend des 22. Dezembers gerieten strategische Ziele, aber auch Zivilisten unter gezielten Beschuss durch Unbekannte (oft mit international geächteter Munition, sog. Dum-Dum-Geschosse), während mit technisch anspruchsvollen Radar-Simulationen Luftangriffe auf Armeeeinheiten vorgetäuscht oder mit Gerüchten Panik verbreitet wurde.

    Verantwortlich dafür waren anscheinend Spezialkommandos insbesondere des weit verzweigten Staatssicherheitsdienstes Securitate, wahrscheinlich unter Einsatz des „Netzwerks R“ (Reţeaua R), eine konspirative Widerstandsorganisation. Sie war für den Falle einer Invasion konzipiert und sollte die Besatzer durch Sabotage und psychologische Kriegsführung zermürben. Unklar ist, ob die Aktivierung 1989 eine Konterrevolution mit der Rückkehr Ceauşescus bezweckte oder ob es sich um einen Machtkampf zwischen verfeindeten Teilen des alten Apparates (Securitate, Armee, Partei) handelte, die so die Nachfolgeregelung ausfochten. Jedenfalls mussten die diskreditierten Kommandanten der Repressionsorgane daran interessiert sein, Akten und Beweise zu vernichten und sich einen Platz in der neuen Führung zu sichern, gleichzeitig aber auch über ein Alibi zu verfügen, sollte Ceauşescu an die Macht zurückkehren.

    Die juristische (von Einzelfällen abgesehen), politische und im Zuge davon auch wissenschaftliche Aufarbeitung konnte bislang mit gezielter Desinformation weitgehend erfolgreich verhindert werden. Zumindest die wissenschaftliche Erforschung scheint aber jetzt in Gang zu kommen.

    Richard Andrew Hall's auf seiner nie integral publizierten Dissertation von 1997 aufbauende Erkenntnisse auf der englischsprachigen, aber leider sehr unübersichtlichen Seite https://romanianrevolutionofdecember1989.com

    Desgleichen sehr detailliert und kenntnisreich der rumänische Blog des unermüdlichen Temeswarer Aktivisten und Revolutionärs Marius Mioc, eine Art informeller Chronist der Ereignisse, der wie Hall als einer der Wenigen schon früh auf die Desinformation aufmerksam gemacht hat: https://mariusmioc.wordpress.com/

    Darauf aufbauend für die rumänische Forschung jetzt Andrei Ursu, Mădălin Hodor, Roland O. Thomasson: „Cine a tras în noi după 22“. Studiu asupra vinovaţiilor pentru victimele Revoluţiei Române din decembrie 1989. In: Noua Revista de Drepturile Omului 4-2018, S. 5-128.

    Von denselben Autoren ist diese Woche im renommierten Verlag Polirom folgendes Buch erschienen: Trăgători şi mistificatori. Contrarevoluţia Securităţii în decembrie 1989. Iași 2019 - siehe dazu auch den englischen Kurzbeschrieb: die hier als neu präsentierten Erkenntnisse liegen allerdings zu guten Teilen dank Halls Forschungen schon lange vor, sind bisher aber nur wenig beachtet worden.

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  • Vom OEG-Team: Festschrift Wende 1989

    Tipp der Woche vom OEG-Team: Festschrift Wende 1989

    Die Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Nada Boškovska steht ganz im Zeichen der Frage, wie die "Wende" in Osteuropa verlief. Der Band thematisiert 30 Jahre nach der "Wende" die Veränderungen, Kontinuitäten und Brüche am Beispiel ausgewählter Staaten des östlichen Europa.

    Peter Collmer, Ekaterina Emeliantseva Koller, Jeronim Perović (Hg.): Zerfall und Neuordnung. Die »Wende« in Osteuropa von 1989/91. Köln 2019 (Osteuropa in Geschichte und Gegenwart, 6).  ISBN: 978-3-412-51717-5.

    Verlagsankündigung

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  • Von Tomislava Kosić, Doktorandin: Instagram

    Tipp der Woche von Tomislava A. Kosić, Doktorandin: «@yugo.nostalgia» auf Instagram

    Der Onlinedienst «Instagram» avancierte in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Social Media-Kanäle und wird vermehrt auch als Sharing-Plattform für historische Fotos genutzt. Dies verleiht ihm populärkulturelle und zeitgeschichtliche Relevanz - insbesondere, wenn bisher vernachlässigte Perspektiven geteilt werden. So widmet sich beispielsweise die Seite @misfithistory den Marginalisierten der Geschichte, während das Profil @veteranas_and_rucas Bilder der südkalifornischen Latina-Kultur sammelt und teilt. Für alle, die sich für die Geschichte Jugoslawiens interessieren, ist die Seite @yugo.nostalgia eine wahre Fundgrube. Fotos wichtiger jugoslawischer Filme und Bands sind dort ebenso zu sehen wie Aufnahmen kultiger Gegenstände wie dem «magischen Lippenstift», der in den 1980ern für Furore sorgte.

    Mit Plattformen wie Instagram stehen relativ neue, digitale Mediennutzungsmöglichkeiten offen, die einerseits Fragen aufwerfen nach der Bedeutung von Online-Erinnerungskulturen für die Geschichtswissenschaft, alternativen Archiven und Quellensammlungen jenseits etablierter Institutionen sowie Kuratierungsprozessen und -strategien bei Internet-Inhalten. Andererseits eignen sich Instagram-Profile wie @yugo.nostalgia für Geschichtsinteressierte auch, um zwischendurch durch die eklektisch-bunten Bildersammlungen durchzuscrollen, während man aufs nächste Tram wartet.

    Link zur Instagram-Forschungsprojektseite von Tomislava A. Kosić: https://www.instagram.com/geschichtedergastarbajteri/

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  • Von Emina Konjalić, Studentin und Tutorin: Urbex im Osten

    Unter Urban Exploration versteht man die private Erkundung städtischer Räume und sogenannter Lost Places. Der Fernsehsender Arte hat unter dem Titel «Urbex im Osten» eine Kurzfilmreihe veröffentlicht. Zentrales Thema jedes Beitrages ist eine imposante Ruine aus kommunistischer Zeit, die mit einem Urbexer zusammen portraitiert wird. Die Filme zeigen eindrücklich die Geschichte der Bauten und ihren jetzigen Zustand. Zusammen mit den Gedanken der Protagonisten bieten die Filme sowohl eindrückliche Einblicke in die architektonische Zeitgeschichte als auch über die gegenwärtige Lage der einst kommunistischen Staaten.
    https://www.arte.tv/de/videos/RC-017908/urbex-im-osten/

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  • Von Dr. Maria Shagina: Podcast Russia China

    Russia-China relations
    The Podcast offers an insightful discussion with four Carnegie scholars about the account of Russia-China relations. The nature of the Sino-Russian relationship has preoccupied policy-makers and academics for the last few years. While some define the burgeoning rapprochement as "axis of convenience" and "axis of authoritarianism," others define it as "entente" and "alliance." The Carnegie scholars Dmitri Trenin, Eugene Rumer, and Alexander Gabuev invite us to look further at the Sino-Russian commonalities and focus on the limitations of their relations. What is Russia getting from its pivot to China? What are the boundaries of Russia-China cooperation? What are their views on the international order? and What are the implications for US foreign policy?   
    https://carnegietsinghua.org/2019/10/30/are-china-russia-relations-getting-too-close-for-comfort-pub-80238

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  • Von Prof. Dr. Jeronim Perović: Karmal in der Tschechoslowakei

    Vom Geheimleben Babrak Karmals in der Tschechoslowakei 1978/79

    Die Geschichte der afghanischen Revolution spielte sich auch in der Tschechoslowakei ab: Ein unlängst freigegebener 370-seitiger Bericht aus der Feder der berüchtigten tschechoslowakischen Staatssicherheit (Státní bezpečnost; StB) erzählt vom Geheimleben des späteren Präsidenten Afghanistans, Babrak Karmal. Dieser wurde im Juli 1978 als Botschafter des neuen kommunistischen Afghanistans in die Tschechoslowakei entsandt. Nur wenige Monate zuvor hatten die Kommunisten Afghanistans die Macht ergriffen. Der Präsident des Landes, Nur Muhammad Taraki, sah in Karmal allerdings einen möglichen Rivalen. Karmal fürchtete um sein Leben und tauchte unter. Auf geheime Anweisung der sowjetischen Führung hielt sich Karmal mit seiner Frau und seinen vier Kindern darauf hin über mehrere Monate an verschiedenen abgelegenen Orten in der Tschechoslowakei versteckt, darunter einer Jägerhütte im Erzgebirge, nahe der Grenze zur DDR. Die Verantwortung für seine Sicherheit hatte der StB, das ihn vor dem dreiköpfigen Killerkommando zu schützen suchte, das Taraki in die Tschechoslowakei entsandt hatte, um Karmal zu liquidieren. Nach dem gewaltsamen Tod Tarakis und dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan im Dezember 1979 kehrte Babrak Karmal aus seinem tschechoslowakischen Exil zurück und wurde vom Kreml als neuer Präsident Afghanistans installiert. Nachzulesen ist diese faszinierende Geschichte in einem Beitrag von Radio Free Europe / Radio Liberty (RFE/RL), ein hervorragendes News- und Informationsportal, das sowohl auf Englisch als auch in den jeweiligen Landessprachen zu Osteuropa informiert.

    https://www.rferl.org/a/that-time-an-afghan-president-(to-be)-was-secretly-hiding-in-a-czechoslovak-forest/30250494.html

    Legende zum Foto (Vaiva Bezhan, RFE/RL): Die Jagdhütte, in der Karmal und seine Familie 1978/79 mehrere Monate lang im Geheimen lebten.

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  • Von Andrej Marković, Assistent: ARKzine

    So bekannt die jugoslawischen Zerfallskriege auch sind, so wenig sind vielen die damals aktiven lokalen Friedensbewegungen bewusst. Sie entziehen sich einfachen Einordnungen in Balkanstereotype und den nicht nur in den jugoslawischen Nachfolgestaaten beliebten Erzählungen vom Volk als Kollektivsubjekt. Wer sich mit ihrer Geschichte beschäftigen möchte, wird um die Lektüre des «ARKzine» schwerlich umhinkommen. Die 1991 als Fanzine der Antikriegskampagne Kroatiens (Antiratna kampanja Hrvatske, ARK) gegründete Zeitschrift informierte bis 1998 über die Aktivitäten tätig gewordener Alternativen zum nationalistischen Terror und unterzog die autoritären und nationalkonservativen Verhältnisse im Land einer beissenden, zuweilen auch kreativen Kritik.
    Auf der Seite monoskop.org ist die auf Kroatisch verfasste Zeitschrift vollständig im PDF-Format zugänglich: https://monoskop.org/Arkzin

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  • Von Johannes Wahl, MA-Student/Tutor: Polenmuseum Rapperswil

    1870 gründete der polnisch-litauische Emigrant Władysław Plater auf dem Schloss Rapperswil das Polnische Nationalmuseum, das zahlreiche Bestände in Kunst, Handwerk, Schriftgut und Druckschriften mit Bezug zu Polen beherbergte. Nachdem im Jahre 1927 die neue Regierung der Zweiten Polnischen Republik sämtliche Bestände zurückrief, ging die Fülle an Objekten spätestens nach der Zerstörung Warschaus 1944 verloren. Erst 1975 eröffnete der 1954 gegründete Verein der Freunde des Polenmuseums Rapperswil das Museum erneut, welches bis heute besteht. Das heutige Sammlungsprofil gestaltet sich äusserst vielfältig und gewährt dem Besucher und der Besucherin von Trachten, militärischen Orden und Abzeichen bis hinzu Gemälden, Karten und Schnitzereien ein farbiges Sammelsurium an jeglichen mit der polnischen Kultur und Geschichte im Zusammenhang stehenden Exponaten. Zudem beherbergt das Museum ein Antiquariat und Archiv mit Nachlässen namhafter polnischer Emigranten in der Schweiz. Für alle, die sich für polnisch-schweizerische Verflechtungsgeschichte interessieren, ist ein Besuch im schmuck gelegenen Polenmuseum in Rapperswil ein absolutes Muss.

    Polenmuseum Rapperswil

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  • Von Daniel Ursprung, wissenschaftlicher Mitarbeiter: New Books Network

    Das New Books Network ist ein Netzwerk von Podcasts, in denen Autor/innen wissenschaftlicher Bücher von einem/r fachkundigen Peer zu den Inhalten ihrer Werke interviewt werden. In meist halb- bis einstündigen Interviews erhält man so rasch einen guten Überblick über neue Thesen und Forschungsergebnisse. Gründer des Netzwerkes ist der Russland-Historiker Marshall Poe, so dass unter den mittlerweile Dutzenden von Kanälen auch die Osteuropäische Geschichte einen gebührenden Platz einnimmt. Für unser Fach einschlägig sind unter anderem New Books in History, New Books in Eastern European Studies oder New Books in Russian and Eurasian Studies.

    https://newbooksnetwork.com/

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  • Von Prof. Dr. Ekaterina Emeliantseva Koller: Manual for Survival

    Wenn wir Beeren oder Pilze bei der Migros einkaufen, denken wir sicherlich nicht an das Anthropozän und die Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor über 30 Jahren. Kate Brown's Buch «Manual for Survival. A Chernobyl Guide to the Future» (2019) legt offen, wie der Unfall unseren Konsum und unsere Lebensgewohnheiten längerfristig beeinflusst hat. Gleich einer Detektivin in einem Krimi verfolgt Kate Brown die unsichtbaren Wege von Menschen und Dingen aus den bestrahlten Gebieten. Sie gibt anonymen Helden, die im verseuchten Gebiet ihren Alltag meistern, eine Stimme und deckt die Agenda internationaler Organisationen auf, die heikle Informationen verheimlichten. Mit diesem Buch führt Kate Brown uns vor Augen, wie irreversibel die Folgen des nuklearen Anthropozäns sind, wenn wir selbst hier, in der Schweiz nicht sicher sein können, ob Pilze, die wir kaufen, nicht doch verstrahlte Tschernobyl-Migranten sind.

     

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  • Von Regina Klaus, Verwaltungsassistentin OEG: Culturescapes

    Seit 15 Jahren erkundet Culturescapes zeitgenössische Kulturlandschaften verschiedener Länder, Städte und Regionen. Der Schwerpunkt des multidisziplinären Kulturfestivals, das zwischen dem 5.10. und 6.12.2019 stattfindet, liegt in diesem Jahr auf Polen. Culturescapes will in seiner Programmierung über das Bekannte und schon oft Gesehene hinausgehen. Es sammelt Fragen und Widersprüche, Zweifel und Unsicherheiten. Künstlerische Produktionen, die diese Spannungslinien aufzeigen, sind die Zutaten des diesjährigen Festivals mit seinen mehr als 100 Veranstaltungen in mehreren Schweizer Städten. Siehe dazu das detaillierte Programm.

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  • Von PD Dr. Peter Collmer - Osteuropa digital: Osmikon

    Digitale Medien und online verfügbare Quellen werden in der Geschichtswissenschaft immer wichtiger. Ein eigentliches Juwel im unübersichtlichen Steinbruch des Internets stellt hier das Forschungsportal Osmikon dar. Es wird von der Bayerischen Staatsbibliothek und weiteren Forschungseinrichtungen unterhalten und bietet Zugang zu einer Vielzahl spannender Materialien, Forschungsdaten und Publikationen rund um die Länder des europäischen Ostens.

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  • Von Benjamin Kaelin, Assistent: Sreda 19.7.1961

    Wie sahen Leben und Alltag im jungen post-sowjetischen Russland aus? Dies zeigt ein ungewöhnliches, minimalistisches Dokumentarfilmprojekt von Viktor Kosakovskij (Titel: Sreda 19.7. 1961, RU 1997, 90’). Der Regisseur besucht dazu zahlreiche seiner am selben Tag wie er – dem titelgebenden Mittwoch des 19. Juli 1961 – geborene Leningrader Altersgenossen und öffnet damit eine rohe und zugleich poetische Perspektive in unterschiedlichste von der Transformation der 90er Jahren geprägten Petersburger Lebenswelten. Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=e4f4vCMvWpQ

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  • Von Prof. Dr. Nada Boškovska: Klein und sehr fein!

    Wer Ohrid in Makedonien besucht, sollte es keinesfalls versäumen, die Ikonengalerie im Hof der Muttergotteskirche Perivlepta beim Oberen Stadttor (Gorna porta) zu besichtigen. Die Galerie ist klein, sodass man sich Zeit nehmen kann, um die grossartigen Kunstwerke aus dem 11. bis 19. Jh. in aller Ruhe zu betrachten. Ich gehe bei jedem Aufenthalt in Ohrid hin und bin immer wieder begeistert und berührt.

    https://ohrid1.wixsite.com/icon-gallery-ohrid

    Foto: Maria bei der Verkündigung, Anfang 12. Jahrhundert

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