Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen FS 2022

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BA-Seminar: Quellen, Flüssen, Ozeane. Mittelalterliche Wasserbilder im Rückspiegel

Prof. Dr. David Ganz
Di 14:00-15:45, RAA-E-12 (Seminarraum)

Wasser ist im mittelalterlichen Kosmos allgegenwärtig. Zuallererst als lebensstiftendes und als reinigendes Element: Wasser ermöglicht das Wachstum von Pflanzen und das Überleben von Tieren und Menschen, es dient zum Waschen von Textilien und zur Pflege des Körpers. In Flüssen, Seen und Ozeanen wird Wasser aber auch als günstiger Transportweg für das Verschiffen von Menschen und Gütern genutzt. Eine grosse Rolle spielt Wasser schliesslich als Lebensraum grosser Fischvorkommen und damit als Ernährungsgrundlage. Diesen positiven Aspekten steht eine Reihe von bedrohlichen Eigenschaften gegenüber: Wasser kann Flutwellen, Überschwemmung und Tod durch Ertrinken verursachen. Es kann aber auch ausbleiben und sein Fehlen kann Dürrekatastrophen auslösen. All diese Situationen sind nicht allein für das Mittelalter typisch, sondern kehren auch in unserer Gegenwart wieder. Um besser zu verstehen, wie Wasser in der Kunst des Mittelalters dargestellt wird, wollen wir mittelalterliche «Wasserbilder» mit Werken der Moderne und Gegenwartskunst vergleichen: Inwiefern haben sich die Rolle des Wassers und seine Darstellungsweise zwischen dem Mittelalter und unserer Gegenwart verändert? Zur Annäherung an diese Frage ist ein einleitender Lektüre-Block vorgesehen, in dem wir religiöse Texte, Gedichte und Reiseberichte aus dem Mittelalter mit jüngeren Beiträgen konfrontieren. Die Leistungsnachweise zum Seminar sollen die Form von Essays haben, die wir abschliessend zu einem gemeinsamen Reader zusammenfassen.

BA-Seminar: Die Sprache der Tiere: Tierdarstellungen in der Kunst des Mittelalters

Dr. des. Sophie Schweinfurth Ventura
Mo 10:15-12:00, RAA-E-29 (Seminarraum)

Das Verhältnis von Mensch und Tier ist seit Jahrtausenden ein Thema in Mythos, Religion und Kunst. Das Seminar möchte die Reflexion dieser vielschichtigen Beziehung, in deren Zentrum die Auseinandersetzung von Natur und Kultur steht, in der Kunst der Spätantike und des Mittelalters untersuchen und die verschiedenen semantischen Felder ausloten, in deren Kontext Tierdarstellungen zu finden sind: von der symbolischen Bedeutung der Tiere in religiösen Bildern seit Beginn des Christentums über die Rolle von Tieren innerhalb der Herrschaftsrepräsentation bis hin zu den Bestiarien des Hochmittelalters. Ebenso vielgestaltig erweisen sich die Bildmedien, in denen Tiere dargestellt werden - Mosaik, (Buch)Malerei, Textil u.v.m.- und bezeugen so eine Omnipräsenz der Tiere in der spätantiken und mittelalterlichen Kunst. Dabei möchte das Seminar neue Forschungstendenzen wie die Animal Studies oder die vermehrte Aufmerksamkeit bezüglich von Tierschutz und Tierethik integrieren, um so einerseits die bildlich erzählte Geschichte von Mensch und Tier einer visuell fundierten, historischen Kritik zu unterziehen und gleichzeitig die im historischen Feld identifizierten Narrative auf die Gegenwart zurückzuprojiezieren, die die Frage nach dem Umgang des Menschen mit dem Tier drängend stellt.

MA-Seminar: Die Lagune, die Erde und das Meer. Ökologische Perspektiven auf die Kunstgeschichte Venedigs

Prof. Dr. David Ganz
Mo 10:15-12:00, RAK-E-6 (Seminarraum) 

Das Seminar behandelt die Kunst Venedigs in ihren ökologischen Rahmenbedingungen. Im Vordergrund steht das komplexe Ökosystem der Lagune und seine Veränderung im Laufe der Siedlungsgeschichte Venedigs. Aus der Lage der Stadt im Wasser und ihrem Verkehrssystem von Kanälen, Brücken und Gassen resultierten spezifische Möglichkeiten und Einschränkungen bei der Beschaffung von Rohstoffen und der Anwendung künstlerischer Techniken. Dem «Hinterland» der terraferma kam dabei als Rohstofflieferant eine ganz andere Rolle zu als bei Städten auf dem Festland. Die besondere geographische Situation begünstigte aber auch den Ausbau eines Netzwerks von Verbindungen über den Seeweg, die für den Import von Materialien und Artefakten über weite Entfernungen genutzt wurden. Ausgehend von diesen Punkten wollen wir im Seminar nach Zusammenhängen zwischen der Kunstentwicklung Venedigs und dem Ökosystem der Lagune fragen. Neben den spezifischen Materialien und Techniken sollen auch die Bildsprache und die Themen der venezianischen Kunst in die Diskussion einbezogen werden.

Vorlesung: Von der Purpurschnecke zur Crypto Art. Kunstgeschichte im Prisma der Ökobilanz

Prof. Dr. David Ganz
Do 14:00-15:45, KOL-F-104

Wenn von «Kunst und Ökologie» die Rede ist, dann denkt man zuerst an einzelne künstlerische Strömungen wie die «Eco-Art», die Umwelt und Umweltfragen explizit zum Thema machen. Demgegenüber unternimmt die Vorlesung den Versuch, das Kunstgeschehen in seiner Gesamtheit aus einer ökologischen Perspektive zu betrachten. Sich auf diese Sichtweise einzulassen, bedeutet zuallererst, den «Lebenszyklus» von Kunstwerken als etwas zu verstehen, dessen Basis die Ökosysteme sind. In diesem Sinne wird die Vorlesung einen Fokus auf die Praktiken der künstlerischen Rohstoffgewinnung und Materialverarbeitung in den Vordergrund richten: Woher kommen die Stoffe der Kunst, welche Lieferwege legen sie zurück und mit welchen Techniken werden sie weiterverarbeitet? Wie der Titel der Vorlesung signalisiert, sollen Beispiele dafür ein weites historisches Spektrum abdecken, das von der Antike bis in die Gegenwart reicht. Ein zweiter Schwerpunkt der Vorlesung liegt auf allen Aktivitäten des Kunstbetriebs, die an die Herstellung von Kunstwerken anschliessen: Handel, Ausstellung, Besichtigung und Konservierung. Der Ressourcenverbrauch in diesem Sektor steigt im Zeitalter von Museen und Ausstellungen mit globaler Ausstrahlung und in der Ära des Massentourismus rapide an. Um die vielfältigen Facetten des Vorlesungsthemas zu verdeutlichen, ist geplant, eine Reihe von Expert:innnen aus den Gebieten Materialforschung, Umweltwissenschaft, Ausstellung und Museum einzuladen, um Beiträge aus ihrer Sicht zu erhalten.

Exkursion: Venedig. Kunst zwischen den Welten

Prof. Dr. David Ganz
6.–14. Juni 2022

Die Exkursion knüpft thematisch an das BA-Seminar zu «Wasserbildern» und an das MA-Seminar zu «Ökologischen Perspektiven auf die Kunstgeschichte Venedigs» an, kann aber auch unabhängig von diesen Veranstaltungen gebucht werden. Bei dieser Fahrt geht es darum, die Kunstgeschichte Venedigs im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit über den geographischen und ökologischen Kontext der Stadt zu verstehen. Im Programm wird der Besuch wichtiger Kirchen, Bruderschaftshäuser und Paläste mit Erkundungen der städtischen Peripherie und der Umgebung Venedigs verknüpft. Ein besonderes Augenmerk gilt der Einbettung Venedigs in den Raum der Lagune und seiner Entwicklung bis in die Gegenwart: das Ansteigen des Meeresspiegels und die Sinkbewegung des Untergrunds und die gigantische Schleusenanlage des MOSE-Projekts sollen ebenso thematisiert werden wie die durch den Overtourism der letzten Jahrzehnte verursachten Probleme.

Forschungskolloquium Mittelalterliche Bildkünste

Prof. Dr. David Ganz
Mo 16:15-18:00, alle 2-3 Wochen, ab 28.2., KAB-E-03 

Das Kolloquium dient der Präsentation und Diskussion von Forschungsprojekten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dazu zählen Abschlussarbeiten auf Master- oder Bachelorstufe, Promotionsvorhaben, aber auch kleinere Forschungsprojekte der Teilnehmerinnen. Das Kolloquium bietet zusätzlich die Gelegenheit, in der gemeinsamen Lektüre und Diskussion ausgewählte Texte kennenzulernen, von denen wichtige methodische Impulse für das Fach ausgehen.