Paul-Hindemith-Archiv

Hindemith-Archiv Tabea Zimmermann

Am 27.10.2021 wurde die Eröffnung des Paul-Hindemith-Archivs an der Universität Zürich feierlich begangen, die durch die Schenkung der Fondation Hindemith möglich wurde. Nach Begrüssung durch Institutsdirektorin Prof. Dr. Inga Mai Groote und Stiftungsratspräsident Prof. Dr. Andreas Eckhardt, den deutschen Gesandten Fried Nielsen und alt Regierungsrätin Dr. Ursula Gut-Winterberger zeigte Prof. Dr. Christine Lubkoll (Erlangen) in ihrem Festvortrag "Paul Hindemith und die Kulturtradition" faszinierende Parallelen zwischen Hindemith und Thomas Mann in der Nachkriegszeit auf. Tabea Zimmermann (Viola), Trägerin des Ernst von Siemens Musikpreises 2020, krönte den Abend mit Hindemiths Bratschensonate op. 25,1.
Besonders dankbar ist das Musikwissenschaftliche Institut für die von der Fondation Hindemith zur Förderung des Archivs beschlossene Einrichtung eines Doktoratsstipendiums.
Eine kleine Ausstellung zum Archiv (kuratiert von Hein Sauer) ist noch bis Ende der Vorlesungszeit im Institut zu sehen (Zugang gemäss aktuellen Covid-Regeln der UZH).
Ein Radiobeitrag von Florian Hauser zum Archiv beim SRF: https://bit.ly/3nV77ea
Wir freuen uns auf die kommenden Veranstaltungen und Forschungen zu Hindemith!

Über das Archiv

Die Fondation Hindemith hat der UZH das Archiv des Komponisten aus der Villa La Chance in  Blonay, dem letzten Wohnsitz Hindemiths, geschenkt. Damit werden nun Hindemiths  Privatbibliothek, seine Bildersammlung und einige andere Objekte (wie  sein Flügel) im wissenschaftlichen Umfeld seiner letzten akademischen Arbeitsstätte bewahrt.

Die Villa La Chance in Blonay bot Paul und Gertrud Hindemith bei der Rückkehr in die Schweiz 1953 die Gelegenheit, ihren bis dahin verteilten Besitz aus den USA, Berlin und der Schweiz zu vereinen. Hier kamen Bücher, Möbel und Objekte aus allen Lebensstationen der letzten 30 Jahre zusammen. Im Haus sammelten sich auch Bilder von befreundeten Künstlern wie Rudolf Wilhelm Heinisch neben eigenen Zeichnungen und Bildern Hindemiths sowie Fotografien. Auch sie sind an das Paul-Hindemith-Archiv übergegangen.

Das Musikwissenschaftliche Institut der UZH übernimmt mit dem Archiv die Aufgabe, die Hindemith-Forschung zu fördern und diese Bestände der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Hindemiths Privatbibliothek

Paul Hindemith liebte Bücher. Stolz schreibt er 1917 an seinen Freund Gustav Weber in Aarau, dass er zwar eine "nicht große, aber schöne Bibliothek" habe. Diese "nicht grosse" Bibliothek mit heute ca. 4700 Exemplaren ist der Hauptbestand des Archivs. Den Kern der Bibliothek bilden Noten und musikalische Fachliteratur. Die gut 1900 Werke dienten Hindemith als Fundus für seine Dirigier-, Kompositions- und Lehrtätigkeit. Einige Bücher zeugen von Hindemiths gründlicher Beschäftigung mit den Sujets seiner selbstverfassten Opernlibretti: Literatur über Matthias Grünewald und den Bauernkrieg für Mathis der Maler (UA 1938 Zürich) und zwölf Titel über Johannes Kepler für Die Harmonie der Welt (UA 1957 München). Das Alter einiger dieser Titel zeugt von Hindemiths lebenslanger Beschäftigung mit Kepler.

Die Bibliothek ist aber auch vielseitig bestückt mit kunsthistorischen, geschichts- und naturwissenschaftlichen, philosophischen Schriften, Reiseliteratur und natürlich mit Prosa und Poesie. Auch Gertrud Hindemiths Romanistikstudien und theologisches Interesse sind dokumentiert. Es handelt sich damit um eine gemeinsame Bibliothek, die Paul und Gertrud Hindemiths breit gefächerte Interessen für Kunst, Wissenschaft und Sprachen abbildet.

Der Bestand

ca. 4700 Bücher, davon etwa:
•    1330 Notenausgaben und Taschenpartituren
•    790 Musik und Musikwissenschaft
•    430 deutschsprachige Literatur
•    370 Literaturwissenschaft
•    410 Philosophie und Theologie
•    330 Kunst und Kunstgeschichte
•    230 Naturwissenschaft
•    180 Reiseliteratur und Stadtführer
•    120 Geschichte
•    80 französische, englische und italienische Literatur
•    30 Programmhefte
•    250 Jahrbücher und Zeitschriften
•    150 sonstige Fachbücher

weitere Objekte:
Bilder, Fotografien, Möbel, Grotrian-Steinweg-Flügel, Bastelarbeiten, Werkzeugkasten

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