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Einblicke Beruf und Praxis

Silvana Lindt – Schweizerisches Rotes Kreuz Kanton Aargau

Im Soziologiestudium lernt man vernetzt, interdisziplinär und analytisch zu denken.

Eine Stelle im NGO-Bereich war immer ein Ziel von mir. Speziell Organisationen im humanitären und Migrationsbereich interessieren mich. Deshalb habe ich vor meinem Masterstudium am Soziologischen Institut ein Praktikum bei „Platform Networking for Jobs“ absolviert. Während dem Studium konnte ich als Projektleiterin mit einem 60-Prozent-Pensum weiterarbeiten. Diese Kombination von Arbeit und Studium lohnte sich später bei der Stellensuche im NGO-Bereich und war am SUZ möglich. Gleichzeitig zu arbeiten und zu studieren war zwar manchmal anstrengend, aber auch abwechslungsreich und bereichernd für die Arbeit und das Studium.

Den Studiengang Soziologie habe ich in erster Linie aus Interesse gewählt. Das Soziologiestudium am SUZ gab mir aber auch eine sehr gute Grundlage für die Arbeit im Projektmanagement bei NGOs. Denn hier lernt man vernetzt, interdisziplinär und analytisch zu denken sowie überzeugendes Präsentieren. Diese methodischen Kompetenzen sind im NGO-Bereich sehr gefragt. Als Projektleiterin bestand meine Aufgabe beispielsweise in der Leitung von Workshops für Zugewanderte und Weiterbildungen für Fachpersonen: Basis der Workshops waren oft soziologische Theorien, aus denen praxisnahe Handlungstipps abgeleitet wurden. Durch die Vertiefung in einem Thema zum Beispiel durch die Masterarbeit, bei mir waren es die Arbeitsmarkt- und Migrationssoziologie, spezialisiert man sich fachlich. 

Ich kann es nur empfehlen, sich bereits während dem Studium mit Menschen aus dem gewünschten Arbeitsbereich zu vernetzen. Dank einer solchen Vernetzung konnte ich beim Staatssekretariat für Wirtschaft meine Masterarbeit als Arbeitspapier veröffentlichen.

Heute arbeite ich als Projektkoordinatorin beim Schweizerischen Roten Kreuz Aargau. Daneben bin ich bei Solafrica tätig, einer NGO, die sich auf nachhaltige Energieversorgung im Süden spezialisiert hat. Auf Mandatsbasis übernehme ich als Expertin und Trainerin für die Ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit Akkreditierungen und Trainings im Rahmen von Erasmus+. Für all diese Stellen habe ich zwar noch nie ein multivariates Modell gerechnet, meine fachlichen und methodischen Kompetenzen aus der Soziologie kann ich aber täglich einsetzen.

Lisa Radman – Stiftung Mercator Schweiz

Es ist alles möglich. Und mit einem Soziologiestudium ist man bestens darauf vorbereitet.

Die Verunsicherung darüber, ob und zu welchem Beruf einem das Soziologiestudium führen wird, begleitete uns alle bereits zu Beginn des Studiums und wurde durch Veranstaltungen, in denen über die Existenzberechtigung der Soziologie in Abgrenzung zu anderen Fächern diskutiert wurde, nicht gerade entkräftet. Aus meiner Sicht hat aber sowohl die Soziologie selbst als auch jede und jeder, der sie studiert, allen Grund selbstbewusst und überzeugt zu sein.

Wer Soziologie studiert, hat nämlich die Fähigkeit, Soziales im Kontext, im grossen Ganzen zu betrachten und zu reflektieren. Klingt unspektakulär, ist aber gerade in der heutigen, spezialisierten und doch so komplizierten Welt eine besondere Fähigkeit. Den Blick für's Grosse, aber ohne die wirklich wichtigen Dinge aus den Augen zu verlieren. Daneben wird man fundiert und hervorragend in Statistik ausgebildet und baut ein breites theoretisches Wissen zu den relevanten gesellschaftlichen Vorgängen auf. Aber schlussendlich lehrt einem das Soziologiestudium noch etwas viel Zentraleres: Eine Arbeitsweise, eine Methode, wie man in der Vielfalt an Themen und Informationen das Wichtige vom Unwichtigen unterscheidet, wie man sich offen und selbstständig grundlegendes Wissen aneignet, komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge aufschlüsselt sowie wissenschaftlich sauber und reflektiert untersucht. Unabdingbare Eigenschaften und eine Arbeitsweise, denen ich unter anderem meine jetzige Stelle als Projektmanagerin bei der Stiftung Mercator Schweiz verdanke. Diese Eigenschaften unterstützen mich beispielsweise dann, wenn es darum geht, die zahlreichen Projektanfragen zur Förderung von Bildungschancen oder Partizipation junger Menschen hinsichtlich Qualität, Ziele und Wirkung etc. zu beurteilen und die Chancen abzuschätzen, inwiefern eine finanzielle Unterstützung durch uns in Frage kommt.

Schlussendlich aber ist Soziologie für mich die richtige Wahl gewesen, weil ich mich mit etwas beschäftigen konnte, was mich wirklich interessierte, sodass es eine Freude war, die Jahre bis zum Masterabschluss dafür aufzuwenden. Das Soziologiestudium betrachtete ich nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Ziel. Das war für mich sinnstiftend. Selbstverständlich stellte auch ich mir die Frage: „Was ist danach?“, und ich machte mir Sorgen um den Berufseinstieg. Aber siehe da, es war kein Problem. Natürlich hatte ich auch Glück, aber nicht nur. Denn Soziologie ist eine wunderbare, fundierte, vielfältige und breite Grundausbildung, die einem schlussendlich eben für alles Mögliche befähigt. Wann ist denn schon im Vornherein klar, was später beruflich aus einem wird? Das gab's vielleicht früher. Vielleicht auch bei einigen wenigen noch heute. Aber der Normalfall ist es nicht. Die Welt ist unbestimmt. Es ist alles möglich. Und mit einem Soziologiestudium ist man bestens darauf vorbereitet.

Daniela Lepori – Laufbahnberatungszentrum Stadt Zürich

Differenzierte Weltanschauung, verknüpftes Denken und eine grosse Neugierde für das gesellschaftliche Geschehen

Ich habe mein Studium der Soziologie 2006 abgeschlossen und bin jetzt als Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin am Laufbahnzentrum der Stadt Zürich tätig. Unterschiedliche Storys zu erleben, Trends im Arbeitsmarkt zu spüren und Schlussfolgerungen zu ziehen, wie sich die Gesellschaft wandelt, finde ich spannend. Nach dem Studium habe ich ein Praktikum bei der Stiftung „Pro Juventute“ absolviert, wo ich in diverse Projekte involviert war. Nachher habe ich bei der Think Tank „Avenir Suisse“ gearbeitet, wo ich verschiedene Kommunikationsaufgaben übernehmen durfte.

Irgendwann hatte ich das Bedürfnis, mich zu spezialisieren: Darum habe ich einen MAS als Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin absolviert.

In meiner Karriere sind Menschen immer im Vordergrund gewesen. Wichtig ist mir, sinnvolle Tätigkeiten auszuüben und Projekte mitzugestalten. Was ich von meinem Studium mitnehme, ist eine differenzierte Weltanschauung, das verknüpftes Denken und eine grosse Neugierde für das gesellschaftliche Geschehen.

Mario Bazzani – TransferPlus AG Market Research

Nicht nur das erworbene theoretische und methodische Wissen kommt mir zugute, auch wurden meine analytischen Fähigkeiten im Soziologiestudium geweckt und geschult.

Wahrlich denke ich gerne an meine Studienzeit zurück und bin immer wieder erstaunt darüber, wie aus den Zweifeln „Wie werde ich das am Institut Erlernte jemals beruflich einsetzen können?» oder «Wer wartet auf Soziologie-Studierende?“ die Erkenntnis wuchs, dass das Soziologie-Studium eine grossartige Basis für meinen heutigen Berufsalltag bildet. Nicht nur das erworbene theoretische und methodische Wissen kommt mir zugute, auch wurden meine analytischen Fähigkeiten geweckt und geschult. Dass ich «die Dinge» differenziert betrachte, Normen und Verhaltensweisen ursächlich hinterfrage sowie Interpretationen aus unterschiedlichen Perspektiven in Betracht ziehe, ist Resultat dieses schönen Studiums, welches mich beruflich UND auch persönlich stark geprägt hat.