Cesare Ripa, »Iconologia«

Cesare Ripa (* um 1555 in Perugia; † 1622 in Rom)

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italienische Ausgaben

Übersetzungen

Verwandte Werke / Weiterentwicklungen / Nachwirkung

Korrekturen von Auflage zu Auflage

Forschungsprojekte

Sekundärliteratur

Texte / Übersetzungen / Kommentare

Die Einleitung (PROEMIO)


Italienische Ausgaben

➔ Die erste Ausgabe 1593 (und deren Nachdruck 1602) enthält noch keine Bilder. Ca. 1000 Personifikationen alphabetisch geordnet:

Iconologia, overo descrittione dell'imagini universali cavate dall'antichità et da altri luoghi da Cesare Ripa Perugino, opera non meno utile, che necessaria à Poeti, Pittori, Scultori, per rappresentare le virtù, vitij, affetti, et passioni humane. In Roma. Per gli Heredi di Gio. Gigliotti, M.D.XCIII.

Die Ausgabe 1603 enthält dann 148 [so viele zähle ich PM] Holzschnitte eines Unbekannten:

➔ Iconologia Overo Descrittione Di Diverse Imagini cavate dall'antichità, & di propria inuentione, Roma 1603.

Maschinenlesbarer Text (OCR): http://bivio.filosofia.sns.it/bvWorkTOC.php?authorSign=RipaCesare&titleSign=Iconologia1603 <08.05.2016> Scuola Normale Superiore di Pisa / BIVIO - Biblioteca Virtuale On-Line / Istituto Nazionale di Studi sul Rinascimento - SIGNUM
Reprint: Erna Mandowsky (Hg.), Cesare Ripa. Iconologia overo descrittione di diverse imagini cavate dall' antichita, e di propria inventione, Hildesheim/New York: Georg Olms Verlag 1970.

➔ Iconologia ... Nella Qvale Si Descrivono Diverse Imagini di Virtù, Vitij, Affetti, Passioni humane, Arti, Discipline, Humori, Elementi, Corpi Celesti, Prouincie d'Italia, Fiumi, Tutte le parti del Mondo, ed altre infinite materie, Siena: Florimi 1613.

➔ Nova iconologia, Paduva: Paolo Tozzi 1618.

➔ La novissima ICONOLOGIA del Sig. Cavalier Cesare RIPA. [……] Ampliata in quest’ ultima editione non solo dallo stesso auttore di trecento, e cinquantadue imagini, con molti discorsi peini di varia eruditione, & con molti indici copiosi, ma ancora arrichita d'altre imagini, discorsi, & esquisita corretione dal Sig. Gio. Zaratino Castellini, Padova: Pietro Paolo Tozzi 1625.

➔ Iconologia di Cesare Ripa ... divisa in tre libri ne i quali si esprimono varie imagini di virtù, vitii, affetti, passioni humane, arti ... ampliata dal Sig. Cav. Gio. Zaratino Castellini in questa ultima editione di imagini, & discorsi ... & ricorretta, Venetia: Cristoforo Tomasini 1645.

➔ Usw. Noch 1764-1767 wurde eine fünfbändige italienische Ausgabe veröffentlicht: https://books.google.ch/books?id=PtYJAnCxs_wC&dq=detrahit+atque+polit&hl=de&source=gbs_navlinks_s

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Übersetzungen

➔ Iconologie, ou Explication nouvelle de plusieurs images, emblèmes et autres figures hyérogliphiques des vertus, des vices, des arts, des sciences ... Tirée des recherches et des figures de César Ripa, desseignées et gravées par Jacques de Bie et moralisées par J. Baudoin 1636.

➔ Iconologie, Ov, Explication Novvelle De Plvsievrs Images, Emblèmes, Et Avtres Figvres Hyerogliphiques des Vertus, des Vices, des Arts, des Sciences, des Causes naturelles, des Humeurs differentes, & des Passions humaines, Paris 1643/44.

➔ Iconologia, of, Uytbeeldingen des verstands, waer in verscheiden afbeeldingen van deughden, ondeughden, genegentheden, menschlijcke hertztochten, konsten, leeringen, sinlijckheden, elementen, hemelsche lichamen, landschappen van Italien, revieren van alle deelen des werrelts, en alle andere ontallijcke stoffen, met hare verklaringen, werden verhandelt; een werck dat dienstigh is, allen reedenaers, poëten, schilders, beeldhouwers, teyckenaers, en alle andere konstbeminders en liefhebbers der geleertheyt en eerlijcke wetenschappen ... / van Cesare Ripa van Perugien, ridder van SS. Mauritius en Lazzaro ; verrijckt met veele beeldnissen en geestige geleerde overwegingen, door de uytnemende verbeteringe van Giov. Zaratino Castellini Romano ; uyt het Italiens vertaelt door D.P. Pers, Amstelredam: By Dirck Pietersz. Pers, 1644.

➔ Erneuerte Iconologia oder Bilder-Sprach: Worinnen Allerhand anmuhtige Außbildungen von den fürnehmsten Tugenden Lastern menschlichen Begierden [...] Frankfurt a. Main, 1669/1670. [Übers. von Lorenz Strauß]

(Band 1)
Dazu Sibylle Badstübner-Gröger, unten

➔ Zwo Hundert Aussbildungen von Tugenden/ Lastern/ Menschlichen Begirden/ Künsten/ Lehren/ und vielen andern Arten. Aus der Iconologia oder Bilder-Sprache Dess Hochberühmten CAESARIS RIPA von Perusien, Ritters von SS. Mauritio und Lazaro. gezogen/ und verhochteutscht vom Georg Greflinger/ Kayserl. gekrönten Poeten und Notario. Hamburg/ gedruckt bey Michael Pfeiffern/ In Verlegung Joh. Raumans/ Buchh. [Hamburg] 1659. (159 Seiten)

Die Neuherausgabe dieser deutschen Ripa-Übersetzung durch Sibylle Badstübner-Gröger (1995 als in Vorbereitung erwähnt), ist wohl noch nicht erschienen. Auch ist noch (Sept.2015) leider kein Digitalisat verfügbar. – Vgl. zu Greflinger Claudia Sedlarz, unten.

➔ Der Kunst-Göttin Minerva Liebreiche Entdeckung/ Wie die Virtuosi alle Tugenden und Laster/ und was die vier Elementa begreiffen/ sambt allen Künsten/ und Wissenschafften der Welt Kunst-mässig und Hieroglyphisch vorstellen sollen/ damit die bißherige ignorante Fehler verhütet/ und die Zeichen- und Mahlerey-Künste in höhern Aufnahm mögen gebracht werden. Aus deß berümten Italianers Ripa Anleitung in das Teutsche übersetzet. Augspurg: auf Unkosten Kroniger und Göbels Erben 1704.

➔ Iconologia; or, Moral emblems, by Caesar Ripa. Wherein are express’d various images of virtues, vices, passions, arts, humours, elements and celestial bodies, as designed by the ancient Egyptians, Greeks, Romans, and modern Italians. Useful for orators, poets, painters, aculptors and all lovers of ingenuity ; Illustrated with three hundred twenty-six human figures, with their explanations, newly design'd and engraven on copper, by I. Fuller, painter, and other masters. By the care and at the charge of P[aircoe]. Tempest, London: Printed by Benj. Motte 1709.

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Verwandte Werke / Weiterentwicklungen / Nachwirkung

➔ [Philippe Galle (1537–1612; Bilder); Cornelis Kiliaan (1528–1607; Texte)] Prosopographia, sive, Virtvtvm, animi, corporis, bonorvm externorvm, vitiorvm, et affectvvm variorvm delineatio / imaginibvs accvrate expressa a Philippo Gallaeo, et monochromate ab eodem edita; distichis à Cornelio Kiliano Dufflaeo illustrata, Antuerpiae: Gallaeus, [ohne Datum].

Das Werk wird von den Bibliotheken auf 1600/1610 datiert. Vgl. Die Sterbedaten der Autoren. Die Widmungsträgerin ist Marie de Melevn = Anne-Marie de Melun, seit 1584 Gattin des Lamoral Ier de Ligne (1563–1624), gest. 1634; Marquise de Roubaix, Princesse d'Épinoy, Baronne d'Antoing, Vicomtesse de Gand.
Zu beachten: Die Liberalitas (Blatt 22) gleicht aufs Haar der Liberalità von C.Ripa (1603: p. 291); Bilder anderer gleichlautender Personifikatonen weichen aber voneinander ab.

➔ Viel nutzende und erfindungen reichende Sinnbild-Kunst, oder Hieroglÿphische Bildervorstellung der Tugenden, Laster, Gemüts-bewegungen, Künste und Wissenschafften, wodurch Rednern, Poeten, Mahlern, Bauverständigen, Bildhauern, durch Zeichnungen, und einer kurtzen beschreibung Anlasz jhre Gedancken ferner aus zu üben gegeben oder beij gäh vorfallenden Gelegenheiten ihnen gnugsame Materi vor Augen gelegt wird damit Sie sich nicht lang besinnen dörffen, Nürnberg verlegt und zu finden beij Johann Christoph Weigel Kunsthändlern [ohne Jahreszahl]

Zur Datierung: Weigel starb 1726; seine Witwe, die den Verlag weiterführte, wird auf dem Titel nicht genannt. Das Buch geht wohl zurück auf »Devises & Emblemes Anciennes & Modernes« von Daniel de la Feuille, Amsterdam 1691. Vgl. > http://diglib.hab.de/drucke/xb-2867/start.htm
Hier nach dem Exemplar einer Privatbibliothek; vgl. das Digitalisat: http://diglib.hab.de/drucke/uk-51/start.htm

➔ Des berühmten Italiänischen Ritters, Cæsaris Ripæ, allerleÿ Künsten, und Wissenschafften, dienlicher Sinnbildern, und Gedancken, Welchen jedesmahlen eine hierzu taugliche Historia oder Gleichnis beÿgefüget. dermahlige Autor, und Verleger, Joh. Georg Hertel, in Augspurg [vor 1761].

Stiche von Gottfried Eichler d. J.; Jeremias Wachsmuth; Jakob Wangner; Emanuel Eichel; Christian Hallbaur.
Reprint: Ilse Wirth (Hg.), Des berühmten italiänischen Ritters Caesaris Ripae allerley Künsten und Wissenschafften dienliche Sinnbilder und Gedancken, verlegt bei Johann Georg Hertel in Augsburg. München: Wilhelm Fink Verlag 1970.
Reprint: Edward A. Maser, Cesare Ripa. Baroque and Rococo. Pictural Imagery. The 1758-1760 Hertel edition of Ripa's "Iconologia" with 200 engraved illustrations, New York : Dover 1971. > https://books.google.nl/books?id=ueO5ubMGCw8C&hl=de&source=gbs_navlinks_s ("Leseprobe")
Das Buch enthält – abgesehen von den in die Kupfer gestochenen kurzen lat. und dt. Texten – keinen (typographisch gesetzten) Text. Die Attribute der Personifikationen werden somit im Gegensatz zu Ripa nicht erklärt. … jedesmahlen eine hierzu taugliche Historia oder Gleichnis beÿgefüget besagt: Den Personifikationen sind biblische und heidnische Szenen beigegeben, die denselben Begriff als Exemplum wiedergeben. Im Beispiel (Tafel 48) wird im Hintergrund die Szene gezeigt, wo die beiden alten Lüstlinge Susanna bedrängen: Sie lauerten der Frau heimlich im Garten auf, als diese ein Bad nehmen wollte. Sie bedrängten sie und wollten sie zwingen, mit ihnen zu schlafen. Sie drohten, sie ansonsten zu beschuldigen, Ehebruch mit einem jungen Mann begangen zu haben. Doch Susanna blieb standhaft, weigerte sich und schrie. (Daniel 13,1-64).
Die Technik der Bild-Doppelung ist aus der Emblematik bekannt. Insbesondere kennen das Verfahren Gabriel Rollenhagen / Crispin van de Passe, »Nucleus Emblematum« (1611/15) und Julius Zincgref, »Emblematum ethico-politicorum centuria« (1619). Vgl.: http://www.symbolforschung.ch/embleme
Die Ausgabe von I. Wirth enthält ein instruktives Vorwort und für jedes der 200 Blätter die Übersetzung des lat. Texts und eine Kontextualisierung der Hintergrundsszenen.

➔ Iconologia del Cavaliere Cesare Ripa … accresciuta … dall’ abbate Cesare Orlandi … Tomo primo: Perugia Nella stamperia di Piergiovanni Costantini 1764.

➔ Iconologie tirée de divers auteurs. Ouvrage utile aux gens de lettres, aux poëtes, aux artistes, & généralement à tous les amateurs des beaux-arts. Par J.B. [Jean-Baptiste] Boudard, Vienne [Wien], Jean-Thomas de Trattnern 1766.

➔ Iconology or A collection of emblematical figures … chiefly composed from the Iconology of Cesare Ripa … collected and arranged by George Richardson, London: G. Scott 1779.

➔ Karl Wilhelm Ramler, Allegorische Personen zum Gebrauche der bildenden Künstler, Berlin: Verlag der Akademischen Kunst- und Buchhandlung, 1788. (31 Kupfer von Bernhard Rode)

➔ Hubert Gravelot & Charles Nicolas Cochin, Iconologie par figures our traité complet des allégories, emblêmes &c. 4 Bde. Mit 202 Kupfertafeln Paris 1789–1791.

Im Vorwort wird Seite (xi) Ripa zitiert: ... avec assez d’érudition, Ripa manquoit de goût, il suffit de jeter les yeux sur cette multitude de figures monstrueueses ...

➔ Iconologie Oder Allegorische Darstellung Vieler Leidenschaften, Tugenden, Laster Und Handlungen der Menschen: Mit 216 Abbildungen, dann einem deutsch- französisch- und italiänischem Text, Wien, bei Thad. E. v. Schmidbauer 1798

➔ Filippo Pistrucci, Iconologia Ovvero Immagini die tutte le soce principali, Milano 1819/1821.

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Seit der Auflage Siena 1613 – hier das Bild aus der Ausgabe 1618 – gibt es auch die ACADEMIA.

Zum Motiv des Affen aus der deutschen Übersetzung 1669: Den Pavian haben wir noch hinzu gesetzet/ weiln selbiger vor Zeiten von den Aegyptiern* für eine sinnreiche Abbildung der Studien gehalten/ […]. Dieses Thier sitzet nun inmitten unter den Büchern/ damit anzudeuten/ daß derjenige/ welcher einen rechtschaffenen Studenten abgeben wil/ müsse stets/ und mit unverdrossenem Fleiß/ über die Bücher her seyn/ und die Studien mit Ernst angreiffen/ derer Wachsthumb und Zunehmen durch fleissige Besuchung der Hohen Schulen mercklichen befördert wird. — *) Thot, der ägypt. Gott der Künste und Wissenschaften. – Vgl. das Buch von H.-J Zimmermann (1991).


Korrekturen von Auflage zu Auflage


In der ersten Auflage (Rom 1603) war das Bild falsch; der Holzschneider hatte nicht beachtet, dass der Text sagt Giovane in una notte oscura .... Später wird das berichtigt. (Hier das Bild aus der Ausgabe 1618).

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Forschungsprojekte

Sonia Maffei (Università degli studi di Bergamo) mit (maschinenlesbarem) Text; Bildern, Zitatnachweisen und Suchfunktion. Erfasst wurde die Ausgabe von 1603: http://lartte.sns.it/ripa/testo/index.php

Maschinenlesbare e-Texte der Ausgaben 1593 / 1603 / 1611 / 1613 / 1618 / 1628 mit Suchlogik und der Möglichkeit des online-Textvergleichs dieser Ausgaben: http://lartte.sns.it/ripa/edizioni/xml2html.php?file=1593_int.xml

Eine für 2017 geplante Publikation wird unten angezeigt.

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Literatur (chroonologisch):

Erna Mandowsky, Untersuchungen zur Iconologie des Cesare Ripa, Dissertation, Hamburg 1934.
Wolfgang Harms hat anlässlich der beiden 1970 erschienenen Reprints einen Aufsatz zu C.Ripa publiziert in: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, 101. Bd. (1972), S. 210-215. — http://www.jstor.org/stable/20655824
Gerlind Werner, Ripa’s "Iconologia": Quellen, Methode, Ziele, Utrecht: Haentjens, Dekker & Gumbert, 1977.
Hans-Joachim Zimmermann, Der akademische Affe. Die Geschichte einer Allegorie aus Cesare Ripas »Iconologia«, Wiesbaden: Reichert 1991 [716 Seiten!]
Yassu Okayama, The Ripa index. Personifications and their attributes in five editions of the Iconologia, Doornspijk: Davaco 1992.
Mason Tung, Two concordances to Ripa's Iconologia, New York: AMS Press 1993.
Sibylle Badstübner-Gröger, Die erste deutsche Ripa-Ausgabe 1669-1670, übersetzt von Laurentius Strauß und verlegt bei Wilhelm Serlin in Frankfurt am Main, in: De zeventiende eeuw. Jaargang 11, Hilversum 1995, S. 29–39. – Digitalisat: http://www.dbnl.org/tekst/_zev001199501_01/_zev001199501_01_0005.php
Cesare Ripa und die Begriffsbilder der Frühen Neuzeit, hg. von Cornelia Logemann und Michael Thimann, Zürich-Berlin: diaphanes 2010.
Cesare Ripa; pres. di Mino Gabriele [et al.], Lavis: La Finestra, 2010.
Claudia Sedlarz, Der Beitrag Georg Greflingers zur Rezeption von Cesare Ripas ›Iconologia‹ in Deutschland, Berlin 2011. — Digitalisat: https://edoc.bbaw.de/files/1736/Greflinger_Ripa.pdf
Cesare Ripa; a cura di Sonia Maffei; testo stabilito da Paolo Procaccioli, Torino: Giulio Einaudi editore 2012 [977 pp.]

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Texte

Die Einleitung (PROEMIO)

Text der 1603er-Ausgabe: http://lartte.sns.it/ripa/testo/index.php?page=ViewDocXPagXSL2&numero=prec&p=IV

Englische Übersetzung [The Introduction transcribed here by Rawn Clark is an extract taken from a manuscript in the British Library Ms. Add 23195]: http://www.levity.com/alchemy/iconol_i.html

Französische Übersetzung durch CEHTA = Centre d'Histoire et de Théorie des Arts; mit einem Avertissement von Hubert Damisch, in: Critique. Revue générale des publications françaises et étrangères, Paris: Editions de Minuit (1973), pp. 804–819.

Man muss C.Ripa beipflichten wenn er selbst sagt: Né io oltre a questi avvertimenti, li quali si potrebbono veramente spiegare [< explicare; entfalten, erklären] con assai maggior diligenza ...

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Der Artikel Mondo

Übersetzungen und Kommentare /violett hervorgehoben)von Alice Thaler-Battistini

Bild aus der (ersten illustrierten) Ausgabe 1603: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1603

Bild aus der Ausgabe 1645: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1645/0487

Vorbemerkung: Insgesamt unterscheiden sich Bild und Text zu Mondo stark von anderen Eintragungen der »Iconologia«. Der Text folgt nicht der üblichen Struktur von Beschreibung, Definition und Erläuterung der Attribute, sondern genügt sich in der Deutung der Figur und ihrer Merkmale. Mit der Darstellung der Welt als Pan wurde eine pagane Götterfigur unverändert übernommen und in den Dienst retrospektiver, sich eng an bestehende Vorlagen anlehnende Erklärungen gestellt.

MONDO.
Come dipinto dal Boccaccio nel primo libro della Geneologia delli Dei, con le quattro sue Parti.

Die Welt, wie sie von Boccaccio im ersten Buch der Genealogie der Götter im vierten Teil [?] dargestellt wurde.
Boccaccios »Genealogia deorum gentilium« umfasst 15 Bücher und einen Zusatz. In I,4 werden die Abstammung des Gottes Pan von Demogorgon oder von Jupiter, das Aussehen, der Hintergrund der Erfindung der Syrinx sowie die Bedeutungen einzelner Attribute ausführlicsth beschrieben. Boccaccio bezieht sich auf mehrere antike Quellen, vor allem auf Ovids Metamorphosen, Vergil und andere sowie deren Ausleger. Pan wird hier jedoch nicht als Synonym für die Welt genannt. Siehe http://www.uni-mannheim.de/mateo/itali/autoren/boccaccio_itali.html

Per il Mondo dipinse il Boccaccio nel luogo citato et ne i Commen- ti Ieroglifici di Pierio Valeriano, Pan con faccia caprina, di colore rosso infocato, con le corna nella fronte che guardano in Cielo, la bar ba lunga et pendente verso il petto et ha in luocho di veste una pelle di pantera che li cinge il petto et le spalle; tiene con l'una delle mani una bacchetta, la cima della quale è rivolta in guisa di pastorale et con l'altra la fistola istromento di sette canne, dal mezo in giù è in forma di capra peloso et ispido.

Boccaccio stellt darin, so wie Pierio Valeriano in den Hieroglyphica, die Welt als Pan mit einem feurig roten Ziegengesicht und zum Himmel gerichteten Hörnern auf der Stirn dar und mit einem langen Bart, der bis zur Brust hinunter hängt. Anstelle eines Gewandes trägt er ein Pantherfell, das ihm die Brust umhüllt. Mit der einen Hand hält er einen Stab, dessen Spitze in der Art der Hirtenstäbe gebogen ist. Mit der anderen Hand hält er die Fistula, ein Instrument aus sieben Rohren. Von der Körpermitte abwärts hat er das Aussehen einer haarigen, struppigen Ziege.
Bei Pierio Valeriano wird Pan als Arcadiae Deo, vel Satyris et Faunis, Universum vel Mundus vorgestellt: Hieroglyphica sive de sacris Aegyptiorum literis commentarii, Ioannis Pierii Valeriani Bolzanii Bellunensis ... Basileae : [Michael Isengrin], 1556, fol. 330c [ohne Bild] > http://www.e-rara.ch/bau_1/content/titleinfo/927158
Bild aus der Ausgabe Francofurti ad Moenum: Sumptibus Christiani Kirchneri, Typis Wendelini Moewaldi, 1678 > http://www.uni-mannheim.de/mateo/camenaref/valeriano/valeriano1/jpg/bs730.html
Bei Valeriano tritt Pan aus dem Schilf – die Assoziation zur Syrinx-Fabel ist mit dem Bild gegeben. Die Figur ist eingebettet in eine Landschaft, sie setzt sich in ihrer kompositen Gestalt in höchstem Masse von der im Hintergrund sichtbaren, durch Kirchtürme geprägten Ortschaft ab. Die Opposition Natur vs. Kultur ist ins Bild gesetzt. — Bei Ripa ist dieser Dualismus reduziert auf den Schritt, den Pan von einem nicht bestimmbaren Untergrund auf mit Pflanzen bewachsenes Festland macht.

Et Silio Italico lo dipinge ancor egli in questa guisa così dicendo:
Lieto delle sue feste Pan dimena
La picciol coda et ha di acuto pino
Le tempie cinte e dalla rubiconda
Fronte escono due brevi corna, e sono
L'orecchie qual di capra lunghe et hirte
L'hispida barba scende sopra il petto
Dal duro mento e porta questo Dio
Sempre una verga pastorale in mano
Cui cinge i fianchi di timida Dama
La maculosa pelle il petto, e il dorso.

Silius Italicus zeichnet ihn auch in dieser Art. Er schreibt: Fröhlich über seine Feiern wedelt Pan mit dem kurzen Schwanz. Er hat einen spitzen Fichtenkranz um die Schläfen gebunden, aus der feuerroten Stirn treten zwei kurze Hörner hervor. Über die harte Brust fällt ein struppiger, borstiger Bart. Dieser Gott, der immer einen Hirtenstab in der Hand hat, bedeckt die Seite mit (der Haut) des scheuen Damhirsches. Ein fleckiges Fell bedeckt die Brust und den Rücken.
Titus Catius Silius Italicus, »Punica«. Das Epos vom Zweiten Punischen Krieg; lateinischer Text mit deutscher Übersetzung von Hermann Rupprecht, Mitterfels: Stolz, 1991. XIII. Gesang, Verse 326–347.

Panè voce Greca et in nostra lingua significa l'universo, onde gli antichi, volendo significare il Mondo per questa figura,

Pan ist ein griechischer Name. In unserer Sprache bedeutet er das Universum, das All. Schon die Alten wollten mit dieser Figur die Welt bezeichnen.
Die Gleichsetzung Pan = das All beruht auf der alten (falschen) Etymologie Pan (der Gott) Πάν; – πᾶν ›alles‹. In Vincenzo Cartaris »Le Imagini degli Die degli Antichi« von 1607, S. 127 wird diese Übersetzung hervorgehoben. Goethe spielt damit in Faust II, Verse 5873ff.: Das All der Welt | Wird vorgestellt | Im großen Pan.

... intendevano per li corni nella guisa che dicemmo il Sole et la Luna et il Boccaccio, nel sopradetto luogo, vuole che li detti corni rivolti al Cielo mostrino i corpi celesti et gli effetti loro nelle cose di qua giù. La faccia rossa et infocata significa quel foco puro che sta sopra gli altri Elementi, in confine delle celesti sfere.

Für die Hörner – so wie wir das in dieser Art beschreiben – stehen Sonne und Mond. Boccaccio will an oben erwähnter Stelle, dass die besagten Hörner die himmlischen Körper, die am Himmel kreisen und ihre Wirkung hier unten bedeuten. Das rotglühende Gesicht bedeutet dieses reine Feuer, das als Grenze zu den himmlischen Sphären über den anderen Elementen steht.

La barba lunga che va giù per lo petto mostra che i due Elementi su- periori, cioè l'aria e 'l fuoco, sono di natura e forza maschile et man- dano le loro impressioni di natura feminile.

Der lange Bart, der bis auf die Brust hängt, zeigt, dass die zwei oberen Elemente, das heisst, die Luft und das Feuer, von männlicher und starker Natur sind und ihren Eindruck auf die weibliche Natur ausstrahlen.

Ci rappresenta la maculosa pelle che gli cuopre il petto et le spalle, l'ottava sfera, tutta dipinta di chiarissime stelle, la quale parimente copre tutto quello che appartiene alla natura delle cose.

Das fleckige Fell, das ihm Brust und Schultern bedeckt, stellt die achte Sphäre dar, die mit hellsten Sternen bemalt ist, die ebenfalls alles, was der Natur der Dinge erscheint, bedeckt. [Ergänzung in der späteren Auflage:] In der Einführung des Eusebius zu lib. 3, cap. 3, von der alle die anderen abgeschrieben haben, wird das gefleckte Fell eines Panthers als die Verschiedenheit der himmlischen Dinge vorgeschlagen und es heisst dort ebenso, dass die Figur des Pan als Symbol des Universums eine griechische Erfindung sei, dem die Hörner aufgrund oder in der Bedeutung von Sonne und Mond gegeben wurden.

La verga dimostra il governo della natura, per la quale tutte le cose (massime quelle che mancano di raggione) sono governate et nelle sue operationi sono anco guidate a determinato fine. Si dimostra anco per la verga ritorta l'anno, il qual si ritorce in se stesso, nell'altra mano tiene la fistula delle sette canne, perché fu Pan il primo che trovasse il modo di comporre più canne insieme con cera et il primo che la sonasse ancora, come dice Virgilio nell'Egloga 2.

Der Stab stellt das Herrschen der Natur dar, von der alle Dinge, (am meisten diejenigen, denen Vernunft fehlt), regiert werden und deren Handlungen auch präzise bestimmt sind (determinato fine). Der gedrehte Hirtenstab stellt das Jahr dar, das in sich selbst zurückkehrt. Wie Vergil in der zweiten Ekloge sagt, war Pan der erste, der herausgefunden hat, wie mehrere Rohre mit Wachs zusammengefügt werden können, deshalb trägt er die Fistula (Panflöte) in der anderen Hand.
Bei Vergil, Bucolica, II,31–35 wird die Erfindung der Syrinx/Fistula durch Pan nur gestreift. — Ovid führt die Entstehungsgeschichte der Panflöte in Metamorphosen I,689-747 aus. Die vor Pan fliehende Nymphe Syrinx wird im letzten Moment in Schilfrohre verwandelt. Pan, der bereits Syrinx zu umfassen glaubt, hat nur Schilfrohre in Händen, die, als er darüber seufzt, Töne von sich geben.

Si rappresenta dal mezo in giù in forma di capra peloso et ispido, in- tendendosi per ciò la terra, la qual'è dura, aspra et tutta disuguale, co- perta d'arbori d'infinite piante et di molt'herbe.

Von der Mitte abwärts zeigt er sich als behaarte und struppige Ziege, damit die Erde, die hart, rauh, überall ungleich, mit Bäumen unendlich vielen Pflanzen und vielen Gräsern bedeckt ist, bedeutend.

&&&MONDO. Come dipinto nel primo libro de i Commenti Hieroglifici di Pierio Valeriano.

Huomo che tenghi li piedi in atto di fortezza, con una veste longa di diversi colori, porta in capo una gran palla o globo sferico di oro.

Si dipinge così per mostrar la fortezza della terra.

La veste di diversi colori dinota li quattro Elementi et le cose da essi generate, della varietà de' quali la terra si veste.

La palla sferica d'oro significa il Cielo et il suo moto circolare.

Volendo gl'Egittii (come narra Oro Apolline) scriver il Mondo, pingevano un serpe che divorasse la sua coda e detto serpe era figurato di varie squame per le quali intendevono le stelle del Mondo et ancora per esser questo animale grave per la grandezza sua intesero la terra; è parimente sdruccioloso per il che dissero ch'è simile a l'acqua, muta ogn'anno insieme con la vecchiezza la pelle, per la qual cosa facendo ogn'anno il tempo mutatione nel Mondo divien giovane.

Si rappresenta ch'adopri il suo corpo per cibo, questo significa tutte le cose, le quali per divina providenza sono governate nel Mondo.

Vergleich mit Vicenzo Cartari:

In Vincenzo Cartaris »Le Imagini de i Dei de gli Antichi« (erste Ausgabe 1571) findet sich im Kapitel GIOVE eine Darstellung von Pan. Die Textgattung ist freilich eine andere: Cartari schreibt ein mythologisches Lexikon; Ripa geht es um Personifikationen von abstrakten Begriffen wie z.B. Mondo.

Bild aus der Ausgabe von 1581; vgl. http://www.uni-mannheim.de/mateo/camenaref/cartari.html

Die Legende zum Bild lautet: Abbildungen von Jupiter und Pan, das Universum bedeutend. Der eine Gott der himmlischen Götter, der andere Gott der Hirten. Jener sitzt, um die Unveränderbarkeit von Gott und seiner Vorhersehung zu zeigen, und jener, der Lauf der Welt, steht aufrecht, in Bewegung. Bei Cartari folgt dem Zitat aus Silius Italicus Punica, das bereits hier im gleichen Umfang wie wie später Ripa vorkommt, ein Text, der besagt, dass Pan überall, auch auf steilen und gefährlichen Felsen herumgehen könne, dass er äusserst schnell laufen könne, so wie die Welt sich mit ganzer Geschwindigkeit sich drehe, was im Bild dieses Gottes gezeigt werde, dessen Name griechisch, was im Italienischen das Universum bedeute. Der Text bei Cartari mag zur (etymologisch falschen) Gleichung Pan = das All beigetragen haben.


Projekt von Alice Thaler-Battistini

Hintergründe und Herkünfte

Enttarnungen, Amplifikationen und Kommentare zur Iconologia von Cesare Ripa. (Arbeitstitel)

Im Vordergrund des Interesses an der Iconologia von Cesare Ripa stehen Allegorien, von heute aus be-trachtet oft surreal anmutende Figuren, die, allein in einen Bildrahmen gestellt, sich wie Statuen präsentieren. Ihre Funktion, 'Bildhauern, Malern, Poeten und anderen, die Bilder herzustellen haben', dienlich zu sein, wurde explizit, so auch 1603 auf dem Titelblatt der ersten illustrierten Ausgabe, formuliert.

Viele Studien zu Ripas Werk entwickelten ihre thematischen Schwerpunkte aus diesem Vordergrund. Sie machten es sich zur Aufgabe, das Weiterleben einzelner Personifikationen in den Künsten zu dokumentieren, Ripas Werk als Vorläufer eines modernen Bilddiskurses zu skizzieren oder die Allegorien formal in die Nähe der Emblematik und funktional als Symbole einzuordnen.

Das vorliegende Projekt bewegt sich in einer anderen Richtung. Es untersucht die Hintergründe und Herkünfte von Wort und Bild, wie sie in der Iconologia von 1603 erscheinen. Zum Bereich Wort gehören hier das Vorwort des Autors und die Einträge zu einem Dutzend ausgewählter Begriffe, zum Bereich Bild das ikonographische Material, das zur Visualisierung dieser Begriffe eingesetzt wird.

Der Boden, auf dem sich die Untersuchung bewegt, wird kartiert von zwei Überzeugungen: 1. dass Marshall McLuhans Diktum »The Medium is the Message« zutrifft, d.h. dass Bedeutungen nicht nur im Was, sondern ebenso relevant im Wie einer Mitteilung enthalten sind und 2. dass dies explizit auch für Bilder gilt. Auch ihre Aussagen erschöpfen sich nicht in dem, was sie an der Oberfläche zeigen, sondern das Wesentliche liegt nach Maßgabe der Ikonik (Max Imdahl) in ganz besondere Weise im Wie des Zeigens. Im Falle der Iconologia, deren Begriffsbeschreibungen und -darstellungen sich aus Rückgriffen in die Antike zusammensetzen wird deshalb der zusätzliche Aspekt des Woher einzelner Bildelemente wesentlich.

Ziel

Hintergründe und Herkünfte. Enttarnungen, Amplifikationen und Kommentare zur Iconologia von Cesare Ripa will ikonographische Quellen sowie explizite und implizite philosophische, religiöse und weltanschauliche Positionen, die in zwölf ausgewählten Allegorien zum Ausdruck kommen, kenntlich machen und in ihrer Zeit verorten.

Überlegungen, die die Untersuchung leiten

Die Überlegungen, die die Untersuchung leiten sind entsprechend den medialen Gegebenheiten wort- und bildzentriert.

1. Ripa bezieht sich im Vorwort und in den einzelnen Begriffsdefinitionen und -umschreibungen immer wieder auf philosophische, religiöse oder literarische Autoren und Texte. Auffallend ist nun, dass er nirgends – auch nicht im Vorwort, in dem er seine Denk- und Vorgehensweise recht ausführlich beschreibt – etwas zum Umfeld dieser Referenzstellen aussagt. Er erwähnt weder die Gesichtspunkte, nach denen er die Belege für seine Metaphern auswählt, noch den Fakt an sich, dass er seine Bildbeschreibungen mit Zitaten aus der philosophischen und religiösen Literatur der griechischen und römischen Antike stützt.

Es stellen sich deshalb folgende Fragen: Welche Autoren hat Ripa berücksichtigt? Hat er bestimmte Autoren bevorzugt? Sind die philosophischen und weltanschaulichen Positionen, die auf dem Weg traditioneller Begründungsmethodik vermittelt werden, in sich kongruent? Gehören sie bestimmten Strömungen oder Schulen an? Vermittelt die Iconologia als Ganzes eine zwar unausgesprochene aber doch bestimmte Haltung?

2. In der Iconologia wird die Darstellung der Begriffe mittels visualisierter Sprachmetaphern geleistet, deren literarische, zumeist aus der Antike stammenden Quellen von Ripa ausgewiesen werden.

Es ist deshalb bemerkenswert, dass das verwendete Bildmaterial selbst nicht ebenfalls belegt und allenfalls bestehende Objekte, auf die eine Personifikation zurückgeführt werden kann, nicht genannt werden. Daraus ergeben sich an jede Allegorie folgende Fragen: Gibt es bereits bestehende, als Kunstwerke realisierte Darstellungen eines Begriffs? Sind Bildvorlagen als Ganzes oder in Teilen vorhanden, die von Ripa einem Sinnzusammenhang entnommen, adaptiert und umgedeutet wurden? Aus welche Bildtraditionen stammen die Entlehnungen und mit welchen bild- oder kunsttheoretischen Konzepten stehen sie in Verbindung?

Untersuchungsschritte

Das Aufdecken der philosophischen Grundierung des Werks und die Analyse des Bildmaterials – diese zwei Untersuchungsrichtungen bilden Anlass und Inhalt der Kommentare.

Die maßgebenden Schritte dabei sind:

  • Jeder Eintrag wird mit einer Verortung des zu behandelnden Begriffs eingeleitet und mit einer Zusammenfassung abgeschlossen. Dadurch soll die Situierung eines Begriffs in der religiösen oder philosophischen Gedankenwelt gewährleistet werden.
  • Das Vorwort wird inhaltlich sequenziert und übersetzt. Philosophisch-religiöse Hintergründe werden im direkten Anschluss an jeden Abschnitt aufgenommen, wenn nötig erweitert und in einen übergeordneten Zusammenhang gestellt.
  • Der Text zu den ausgewählten Einträgen wird abschnittweise übersetzt und kommentiert. Spezifische Themen werden aufgenommen und erläutert.
  • Das zu einem Eintrag gehörende Bild wird im Hinblick auf kunsthistorische oder ikonographische Vorlagen der Gesamtfigur oder auf einzelne Bildelemente untersucht.
  • Amplifikationen stellen das Bildmaterial in eigene und vom Eintragstext unabhängige historische Zusammenhänge.
  • Nach Möglichkeit werden Zusammenhänge zwischen Ripas expliziten Vorgaben, den Ausführungen der einzelnen Einträge und den dargestellten Personifikationen hergestellt.

Vorläufige Resultate

Auf dem oben skizzierten Weg soll ein Einblick in die Denkweise gewonnen werden, aus der heraus die Iconologia gestaltet wurde. Bis jetzt ergaben die Übersetzungen und nähere Untersuchungen des Vorworts sowie einzelner ausgewählter Einträge folgenden Befund:

••• Auch das Bildmaterial folgt Regeln.

Grundsätzlich lassen sich die zur Darstellung kommenden Begriffe in folgende weit gefassten Kategorien einteilen: Menschliches Verhalten, Gemütszustände, Natur, Geographie, Astrologie, Mythologie, Religion und Philosophie. Jede dieser Kategorien hat ihre ikonographischen Eigenheiten, die beschrieben aber nicht immer dargestellt werden. Werden sie aber visualisiert, so gehorcht das Bildmaterial, das Ripa einsetzt, Regeln, die der christlichen Kunst, der Kunsttheorie oder mythologischen Darstellungen entstammen. Die Aufdeckung der Herkunft der Bildelemente macht deutlich, wie virtuos Ripa die Gestaltungsprinzipien Imitation und Invention einsetzt.

••• In der Iconologia lebt die Bilderwelt der Antike weiter

Es kann nachgewiesen werden, dass sich Ripa in Bezug auf die Bildfindung weitgehend an seine von ihm selbst im Proemio formulierten Vorgaben hält. Ausnahmen davon finden ihre Begründung in der Art der Begrifflichkeit. So gelten für philosophisch-religiös konnotierte Abstrakta an-dere, in der christlichen Kunst festgelegte Darstellungsmodi, die Ripa teilweise übernimmt, aber nur philosophisch-religiös und nicht ikonographisch verankert. Begriffe der Natur (im weitesten Sinne) werden dagegen mit mythologischen Personifikationen oder mit deren Attributen ausge-stattet, Gemütszustände mit Anlehnungen an ebenfalls aus der Antike stammende Pathosformeln (Aby Warburg) dargestellt. Auf diese Weise werden mythologische Darstellungen ganz oder als Fragmente in neuen Deutungszusammenhängen tradiert.

Humanistisches Bildungsideal Das Werk ist philosophisch im Neoplatonismus verankert. Vor allem einzelne Aspekte aus Marsi-lio Ficinos Hauptwerk Platonische Theologie finden ihren Widerhall in den Erklärungen und Be-gründungen einer allegorischen Darstellung oder ihrer Elemente. Zudem ist es einem humanisti-schen Bildungsideal verpflichtet, soll es doch der klaren, inhaltsadäquaten Darstellung von per-sonifizierten Begriffen dienen, damit sie nicht nur von Künstlern gut dargestellt, sondern auch vom Publikum sofort verstanden und gedanklich nachvollzogen werden können. Die einzelnen Einträge bestätigen diese von Ripa selbst formulierten Kriterien. Methodologisch ist ein expliziter und impliziter Einfluß verschiedener aristotelischer Schriften vorhanden bzw. nachweisbar, wobei mit den Quellen recht großzügig umgegangen wird.

••• Verbindung von Logos und Mythos

Die Ursachenlehre des Aristoteles bildet eine der theoretisch-methodischen Grundlagen der Bildfindung, wie sie in der Iconologia realisiert ist. Auch für das vergleichende Vorgehen zur Bestim-mung und Auswahl von Attributen orientierte sich Ripa an rationalen Vorgaben, wie sie Aristoteles in verschiedenen Texten formulierte. Diese logisch nachvollziehbaren Strukturen kontrastieren mit den irrationalen Inhalten des Werks. Die Übersetzung von Begriffen in Haltung und Ausstattung von menschlichen Figuren lässt sich als Parallele oder Analogie zu einer mythologisierenden Tradition verstehen, die Naturphänomene und menschliche Affekte mit dem Wirken von Göttern erklärt oder Menschen zu Göttergestalten erhöht. In beiden Fällen, sowohl im Zusam-menhang zur Mythologie als auch im Falle der Allegorien, findet eine Umwandlung abstrakter Phänomene in konkrete Gestalten statt, die mit menschlichen Zügen ausgestattet sind. Im Zusammenwirken von rational-erklärendem, methodischem Vorgehen mit mythologischen Bildern oder Bildbestandteilen manifestiert sich eine Art und Weise der Verbindung von Logos und Mythos, die über die bloße Akkumulation von Wort und Bild hinausgeht.

••• Philosophie oder Religion?

In allen bisher untersuchten Einträgen kreuzen, ergänzen oder konterkarieren sich säkulare und religiöse Inhalte. Bis jetzt – noch sind die Kommentare zu den zwölf Einträgen noch nicht vergleichend ausgewertet – lässt sich nicht mit Bestimmtheit feststellen, welche generelle Haltung damit zum Ausdruck kommt:

Ob sie der Kirchenpolitik entspricht, die große Teile der heidnischen antiken Philosophie als Vorwegnahme christlicher Inhalte deutet und sie, nicht zuletzt mit Hilfe der bildenden Kunst, theologisch instrumentalisiert – was einer Rückwärtsgewandtheit aber auch gegenreformatorischen Bestrebungen kirchlicher Institutionen entspräche;
ob sie die säkularen und individualisierenden Entwicklungen der Zeit wiedergibt, die religiöse Werte aus ihrem Kontext herausnimmt und ihnen mittels philosophischer Begründungen eine allgemeine für das Zusammenleben gültige Bedeutung attestiert – was einer säkularen Vorwärtsorientierung entspräche;
oder ob von Eintrag zu Eintrag eine andere, damit unter Umständen insgesamt eine paradoxe, sowohl rückwärtsgewandte als auch vorwärtsorientierte Haltung ausgedrückt wird.

Eine Antwort auf die Frage, ob die Iconologia mehr im Dienste einer katholischen konservativen Theologie, die einen allgemeingültigen Heilsplan vertritt oder im Dienste der Unterstützung selbstbestimmter und selbst urteilender Subjekte steht, wird nach Abschluss weiterer Untersu-chungen gesucht werden.

'Begleitende Erläuterungen

Ein Werk enthält außer expliziten immer auch implizite Äußerungen des Denkens seiner Zeit. So auch die Iconologia. Beim jetzigen Stand der Analyse ist noch offen, ob relevante Themen in der Einleitung oder als Glossar in einen etwas weiteren Rahmen gestellt werden. Sie werden auf jeden Fall ein breites Spektrum an Hinweise enthalten, das den Gebrauch von Allegorien in Festumzügen oder zum Fürstenlob ebenso umfasst wie Paraphrasen zu den die Iconologia prägenden philosophischen Positionen oder Werken. Überlegungen zu den Tücken der Übersetzung erfolgen separat.

Zeitlicher Rahmen: Der Abschluss der Arbeit ist auf Dezember 2016 geplant.

Eine Vorstudie zu diesem Projekt findet sich auf > http://www.symbolforschung.ch/Cesare+Ripa


letztes Update 5. Mai 2017 PM — 2163

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