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Quelle:

HEINRICH VON MÜGELN, Der Meide Kranz [um 1360], hg. Willy Jahr, Diss. Leipzig, Borna-Leipzig 1908.

Zusammenfassung:

Die Künste erscheinen personifiziert als 12 weibliche Gestalten (Philosophia, Gramatica, Loica, Rethorica, Arismetica, Geometria, Musica, Astronomi, Phisica [hier = Medizin], Alchimia, Metaphisica, Theologia) mit allegorischen Attributen (die Logik z. B. hält eine Taube und eine Schlange in der Hand; die Theologie ein Lämmlein mit sieben Hörnern) und begründen ihren Primat-Anspruch vor Kaiser Karl IV. durch die Darlegung ihrer Leistung (Verse 119–718). Daraus leiten sie die Berechtigung ab, in der Krone der hl. Jungfrau stehen zu dürfen. Der Kaiser berät sich mit seinen Räten, dann mit dem Dichter und fällt den Entscheid zugunsten der Theologie, indem er alle elf anderen ihr gegenüber abwägt (V. 793–861). Die anderen Künste dürfen auch in der Krone stehen, doch musten si zu hinderst gan (V. 788). Der Kaiser sendet die Künste zur Natura (V. 865ff.), damit diese die Theologie kröne. Unter dem Geleit des Ritters Sitte (V. 880) ziehen sie in die Stadt, wo die Natur wohnt, deren vier Tore durch die Elemente bedeutende Riesen bewacht werden. Einzig die Schwester des Ritters, Zucht, kann sie zur Natur führen. Die Natura – eine bildschöne Dame, in einem locus amœnus residierend, geschmückt mit einer Krone von sieben Sternen (V. 945ff.) – erklärt sich für inkompetent und entbietet die Tugenden zu sich. Diese weigern sich zunächst, weil sie Gott und nicht der Natur unterstellt sind; die Natur verspricht daraufhin, ihre Berechtigung zu beweisen. Auf einem allegorisch geschmückten Wagen (V. 1100ff.), gezogen von fünf Pferden, welche die fünf Sinne bedeuten (V. 1111ff.), gelangen sie unter der Führung der Vernunst in die von den vier Elementen behütete Stadt der Natur. Die Tugenden führen ein Prüfung durch: die zu krönende Theologia muss über Trinität, Inkarnation und Jungfrauengeburt Auskunft geben. Erst nachdem sie ihre Weisheit ausgebreitet hat (V. 1282ff.), wird sie gekrönt.

Nun unternimmt es (im zweiten Buch) Natura zu beweisen, dass die Tugenden ihr Wesen aus ihr haben, was sie mit aristotelischen Argumenten tut (V. 1357ff.). Die Tugenden kontern ebenfalls mit Aristoteleszitaten. Die Theologie als Schiedsrichterin fordert die Künste auf, ihren Primat zu beweisen, indem sie ihr Wesen – in Analogie zu den zwölf Künsten – darstellen, was diese tun (Wisheit, Gerechtikeit, Sterke, Meßikeit, Mildikeit, Demütikeit, Warheit, Barmherzikeit, Fride, Libe, Hoffenung, Geloube V. 1153–2220). Dann bringt die Theologie Argumente zugunsten der Tugenden vor. Schließlich hält die Natur (V. 2289ff.) eine Rede, in der sie ihre Kraft rühmt (die Planeten und das Firmament; Einfluss des Zodiakus auf die Konstitution des Menschen V. 2355ff.). Nun tritt plötzlich der Autor auf, der auf Gott hinweist, der mit der Tugend identisch und der Schöpfer der Natur ist, wodurch die Priorität der Tugend klar ist.


Literaturangaben:


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