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VERGIL, Aeneis IV, 173ff.

Dido erkennt – und gesteht dies ihrer Schwester Anna – , dass sie in Aeneas verliebt ist, wie sie einst in ihren Gatten Sychaeus verliebt war, doch sie möchte die Gattentreue wahren. Anna rät ihr, nicht den Rest des Lebens als Witwe gramvoll zuzubringen; ferner erinnert sie an die bedrohlichen umliegenden Völker. Gewiss habe das Geschick der Götter Aeneas’ Flotte nach Karthago gelenkt. Diese Worte entzünden Didos Gefühl erst recht. Den Göttern wird ein Opfer dargebracht. Dido zeigt alle Symptome der Liebeskrankheit und sie vernachlässigt die Staatsgeschäfte. Geplänkel zwischen Juno und Venus; Plan die beiden Verliebten während einer Jagd beim Gewitter in einer Höhle zusammenzugesellen. Dies geschieht am folgenden Tag. Dido und Aeneas kümmern sich nicht mehr um Anstand, die Liebe wird offenbar.

Lateinischer Text mit deutscher Übersetzung: http://www.gottwein.de/Lat/verg/aen04.php

Extemplo Libyae magnas it Fama per urbes,
Fama, malum qua non aliud velocius ullum: ...

Bildquelle: Publij Virgilij maronis opera cum quinque vulgatis commentariis Seruii Mauri honorati gram[m]atici: Aelii Donati: Christofori Landini: Antonii Mancinelli & Domicii Calderini, expolitissimisque figuris atque imaginibus nuper per Sebastianum Brant superadditis, exactissimeque revisis atque elimatis, Straßburg: Grieninger 1502.


Vergil, Aeneis IV, 173ff. in der Übersetzung von Thomas Murner, »Vergilii maronis dryzehen Aeneadische Büecher von Trojanischer zerstörung vnd vffgang des Römischen Reichs», Straßburg: Johann Grüninger 1515; (hier nach der Ausgabe Jena 1606)

Wie durch gantz Libien ein Red ward der Vermehlung Didonis vnd Enee / vnd wie das Geschrey gestalt sey.

Das Gschrey von dieser Sach / die Red /
So bald sich ausgebreitet het.
Das Gschrey wir einem Thier vergleichend /
Das ist so geschwinde vnd behend /
Das dieses gantzes Erdreich treit
Keins daß jhm gleich an Bhendigkeit /
Vnbestendig / je mehr es rent /
Je mehr jhn Kräffte herzu gehnt /
Aus Forcht ist es im Anfang klein /
Erhebt sich darnach bald allein /
Geht auff dem Erdreich hin vnd her /
Sein Kopff stöst in die Wolcken ferr /
Ist es als wie die Fabeln sagn /
Dauon den Göttern sind verjagn
Die Risen / von der Götter Zorn
Hat die Erd dieses Thier erborn.
Allen Göttern nur zu Leid
Diß Schwester Ceo zu bereit /
Vnd Encelao auch darzu.
Diß thier hat nimmer Rast noch Ruh /
Es fleugt vnd hat behende Füß /
Vnd acht nicht wenn es thu Verdrieß.
Ein grausams vnd ein Wunderthier /
Daß so viel Augen brauchet schier /
Als es der Federn an jhm hat /
Das ist ein wunderliche that /
So viel Zungen vnd so viel Mund /
Ohren damit es hören kundt.
Am Himmel fleugts zu Mitternacht /
Daß mans hört fliegen mit seim Pracht /
Vnd gibt sein Augen nimmer Ruh /
So sitzts vnd hütet auch darzu /
Auff den Thürnen vnd auff dem Tach /
Daß es mög bringen Vngemach.
Erschreckt auch manche grosse Städt /
Mit Bösheit die es dichtet hett.
Es leuget viel / vnd sagt auch war /
Sein Art ist böß vnd schädlich zwar.
Dasselbig Thier bracht diese Mehr /
In die Völcker weit vnd auch ferr /
Frölich sagt was geschehen was /
Vnd log darzu aus Neid vnd Haß /
Wie Eneas von Troj erborn /
Hett zu eim Gemahl ausserkorn
Didonem die schön Königin /
Darumb leg er den Winter in /
Braucht sich nur jhr auch aller Frewd:
Darzu jhr keins mehr Sorge treit:
Vmb jhre Reich vnd jhre Land /
Allein behafftet sind mit Schand /
Der Bulschafft sind sie beyd gefangen.
Also war diese Red ausgangen /
Durch das Thier den schnöden Gott /
Das Dido bracht zu letzt in Tod.

Vgl. Das DFG-Projekt zu Murners Vergil-Übersetzung: http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/229103576 <Zugriff am 12.09.2015>


OVID, Metamorphosen XII,39–63 gibt kein Bild der Fama, sondern ihre Palastes, aus dem man Flüstern hört – interessanter Vergleich. Was die Ovid-Illustratoren nich gehindert hat, die Fama zu zeichnen:

Quelle:Ovidii Nasonis Metamorphosis Oder Ovidii Des Poeten Wvnderliche Verendervng Verschidener Gestalden / An Tag Gegeben Vnd Verlegt Dvrch Melchioren Kysell [nach Wilhelm Baur] Augsburg 1681.


Konrad von Würzburg, Vers 24’662 – 24’759

nû was ouch bî der selben zit
der wilde liumet vür geflogen.
ze Troie het er sich gezogen
und seite, daz der Kriechen her
begunde kêren ûf daz mer
mit aller sîner magenkraft.
ê diu vil starke ritterschaft
wær in diu schif gedrungen,
dô was ir kunft geswungen
Trioæren in daz ôre.
verr in der lüfte kôre
der liumet het gehûset,
dar ûz kam er gesûset
und seite disiu mære,
wan er ist irrebære
und alsû rehte wilde,
daz sich vor sîme bilde
nieman lebender mac bewaren.
er kan ervorschen unde ervaren,
swaz ieman schicket unde tuot.
er wil beid übel unde guot
den liuten in daz ôre tragen.
von himele kan er mære sagen
und ûz der helle krüften.
er wont hôh in den lüften,
dar in hât er sin hûs gemaht.
wol tûsent venster manger slaht
diu sint dar în gehouwen.
sîn hof lât sich beschouwen
vil offenbære und âne tür.
man gêt dar în und ouch dâ vür
tac unde naht ân alle wer.
den himel siht er und daz mer
und allez, daz ûf erden ist.
sîn umbeswanc wirt alle vrist
gehœhet und genideret:
wan er ist wol gevideret,
er riuschet mit dem winde.
sîn volc und sîn gesinde
daz lâget unde lûzet,
ez loschet unde tûzet,
ez forschet unde frâget vil.
in sîme hûs muoz unde wil
vil harte grûz unmuoze sin.
dur sîner wende vensterlin
vil manic mære fliuget.
man seit wâr unde liuget
ûf sînes hoves plâne.
dâ wirt mit rede ûf wâne
vil manic dinc ze liehte brâht
und ist dâ wunders vil gedâht,
daz nie geschach bî keiner frist.
der liumet ûf der erden ist
für alle vogele worden snel.
reht als der windes briute mel
kan er wol stieben über velt.
sin wirde und al sin beste gelt
daz lit ûf krieges acker.
er ist z’urlinge wacker,
dar in kan er sich mischen.
er fliuget ie dar zwischen
und wont den striten allen bi.
ê daz ein kriec erhaben si,
sô kündet er den ursprinc.
zerteilen kann er manic dinc
und machet zwei von eime.
vil selten er dâ heime
geruowet und gesitzet.
er ist dar ûf erhitzet,
daz er stifte manigen zorn.
sin ingesinde hât versworn
triuw unde stætes herzen gir.
‘nû rûne mir, sû rûne ich dir,‘
daz sprichet al sîn hoveschar.
man wirt in sîme hûs gewar
fröud unde leides grimmeclich.
des eiber dinne fröuwet sich,
des ist der ander leidic.
sîn volc ist gar ze freidic
und alze missehelle.
ez machet z’eime spelle
die liuterlichen wârheit
und wirt ein lüge von im geseit
vür ein gewislich mære.
sin rede sagebære
diu wahset unde mêret sich:
sus kan der liumet irreclich
hûs in den lüften halten.
er sach die Kriechen schalten
mit kielen ûf daz wilde mer,
des wart von im daz starke her
schier und zehant vermeldet.
er hete sich geveldet
ze lande wert vil drûte,
reht als ein wint, der wâte,
ze Troye in einer kurzen stunt.
dô tet er diese reise kunt,
diu von den Kriechen sich erhuop.


Hans SACHS, »Fama, das weytfliegent gerücht«(27. Juni 1534)

in: Werke, hg. Adelbert von Keller, Band 4 (Bibliothek des litterar. Vereins Stuttgart 105), Stgt 1870, S. 161ff.

Digital bei archive.org: http://www.archive.org/stream/hanssachs18sachgoog#page/n168/mode/1up


Ein anderer Text von Hans SACHS auf einem Einblattdruck mit Holzschnitt von Hans Weygel (Quelle: zeno.org):

vgl. Max Geisberg, Der deutsche Einblattholzschnitt in der ersten Hälfte des 16.Jhs., Blatt 1323.


PETRARCA, »de remediis utriusque fortunae« I, 117: De spe famæ post obitum

Von der Artzney bayder Glück / des guoten vnd widerwertigen. Vnnd weß sich ain yeder inn Gelück vnd vnglück halten sol. Aus dem Lateinischen in das Teütsch gezogen. Mit künstlichen fyguren durchauß / gantz lustig vund schön gezyret. Gedruckt zuo Augspurg durch Heynrich Steyner. M.D.XXXII.


A. Paul Weber (1893–1980), »Das Gerücht« (1943)

http://www.weber-museum.de/werk/geskrt/images/geruecht_1953.jpg


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