Haus, Hausbau, Architektur, Burg, Inneneinrichtung

Mechthild von Magdeburg

»Fließendes Licht der Gottheit«, Buch VII; Kapitel 48 (Beginn)

In der naht sprach ich alsus ze únserm herren: »Herre, ich wone in eime lande, das heisset ellende, das ist disú welt; wand alles, das da inne ist, das enmag mich getrösten noch gevröwen ane pine. Da inne han ich ein hus, das heisset pinenvol, das ist das hus, da min sele inne gevangen lit, min lichame. Dis hus ist alt, clein und vinster.«

Dis sol man geistlich vernemen.

In disem hus han ich ein bette, das heisset unruowe, wan mir ist mit allen dingen we, die gotte nit zuo hörent.

Vor dem bette habe ich einen stuol, der heisset ungemach. Das ungemach git mir vrömde súnde ze bekennende, der ich nie wart schuldig.

Vor dem stuole han ich einen tisch, der heisset unwille, das ich geistliches lebendes under geistlichen lúten so cleine vinde.

Uf dem tisch lit ein tischlachen, das ist reine, das heisset armüete; das hat in ime vil manige helige güete. Wolte man es rehte gebruchen, so hette man es von herzen liep. Die liebin des richtuomes ist des armüetes ein diep.

Uf den tisch kumt mir ein spise, die heisset bitterkeit der súnden, dar zuo sol das heissen guotwillig arbeit. Das drank heisset kume loben, wan ich leider alze kleine guoter werke an mir han.

Dis hus sach ich vinster enbinnen. Do offenbarte sich mir die geware gottes minne, die was glich einer edelen keyserinne.


Pseudo-Bernhard von Clairvaux, »Tractatus de interiori domo«, in: PL 184, 507–552.

Incipit: Domus haec, in qua habitamus, ex omni parte sui ruinam nobis minatur. Idcirco quia in brevi est casura, alia nobis est aedificanda


vgl. Herzkloster (Georgener Prediger)


Teresa de Ávila

»Moradas del Castillo Interior« (1577)


Kurt Tucholsky

in einer Rezension von Schriften von von Clément Vautel (1876–1954), der Glossen (»Mon Film« in einer Pariser Tageszeitung) und Romane geschrieben hat.

Jahraus, jahrein beschäftigt sich »Mon Film« mit dem, was das kleinbürgerliche Herz bewegt: mit der Steuer, mit der Erhöhung der Fahrpreise, mit den vielen Fremden in Paris, mit der Steuer, mit der schlechten Beleuchtung in manchen Straßen, mit dem letzten Mord, mit der Steuer, mit dem Parlament. […]

[Die Rezension hört so auf:] Wenn die französische Literatur ein Haus ist – Proust wohnt in einem Seitenflügel à part; die Académie in der ersten Etage; Pierre Hamp wäscht in der Küche Geschirr; Valéry Larbaud geht im Vorgarten spazieren; Daudet steckt den Kopf zum Fenster heraus und schreit, dass man glaubt, das ganze Haus gehöre ihm allein; Maurras ist Schornsteinfeger und ruft fortwährend: »Feurio!«; Maurice Rostand wohnt nach hinten, und Paul Morand hat eine sturmfreie Bude –: wenn die französische Literatur ein Haus ist, dann sitzt vorn in der Portierloge ein Mann, mit rundem, glattrasiertem Gesicht und breiten Naslöchern, fast wie ein verkrachter Schauspieler anzusehen. Sie klingeln, Sie wollen eintreten. Sie müssen an ihm vorbei. Es ist Clément Vautel, der Nationalconcierge des französischen Volkes.

Peter Panter, in: Vossische Zeitung, 30.09.1925, digital: http://www.textlog.de/tucholsky-clement-vautel.html

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