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Laster-Allegorien

Es gibt verschiedene Arten das Laster zu veranschaulichen:

  • metonymisch einen Lasterhaften darstellen, z.B. einen Trunkenbold (man denke auch an Molières »Avare«)
  • ein Exemplum zeigen, das von einem Laster handelt
  • allegorisch: Tiere stehen für Laster (der Bock für die Geilheit; sieh unten bei Herrad)
  • Personifikation mit typischen Attributen
  • Kompositwesen eignen sich, um das ganze Set der 7 Laster darzustellen
  • Baum; eignet sich um das Hervorgehen des einen aus anderen Lastern zu visualisieren
  • ...

Zur Erinnerung: Die septem vitia capitalia nach dem SALIGIA-Schema mit den gängigen mhd. Übersetzungen:

superbia – hôchvart
avaritia – gîticheit
luxuria – unkiusche
invidia – nît
gula – vrâz
ira – zorn
acedia – trâcheit


Hieronymus Bosch

Hieronymus Bosch (ca. 1450 – 1516). Sieben Todsünden (ca. 1480), Museo del Prado, Madrid – Detail: Gula wird dargestellt durch Personen, die ihr frönen (keine Allegorie i.e.S.)

Quelle: Web Gallery of Art http://www.wga.hu/frames-e.html?/html/b/bosch/index.html



Boethius (*um 480/485; † zwischen 524 und 526)

Consolatio Philosophiae IV, prosa 3

Wie sich nun aber jeder durch seine eigene Tugend über die Menschheit emporheben kann, so muß andererseits die Nichtswürdigkeit diejenigen, die sie der menschlichen Natur beraubte, auch unter die menschliche Würde herabdrücken und erniedrigen, so daß du den durch das Laster Entstellten fürder nicht mehr für einen Menschen halten kannst. Brennende Habsucht verzehrt den Geizigen, den gewaltthätigen, rastlosen Räuber fremder Güter. Mit einem Wolfe wirst du einen solchen Menschen füglich vergleichen! Der Wilde und Unruhige, der seine Zunge nur zum Zanken und Streiten gebraucht, wird dir einem kläffenden Hunde, der heimliche Fallensteller aber, der gern betrügerisch im Trüben fischt, einem Fuchse ähnlich erscheinen. Wer in unmäßige Zornausbrüche verfällt, zeigt die Natur eines Löwen, die eines Hirsches dagegen, wer furchtsam und stets fruchtbereit vor den ungefährlichsten Dingen erzittert. Dem Esel ähnelt der Träge und Stumpfsinnige. Wer leichtsinnig und flatterhaft fortwährend seine Interessen wechselt, unterscheidet sich tu nichts von den Vögeln, und derjenige endlich, der in gemeinen und schmutzigen Fleischeslüsten versunken ist, der ist in seinen wüsten Begierden dem unreinen Schweine verwandt! So kommt es, daß derjenige, der die Rechtschaffenheit aufgegeben und damit zugleich aufgehört hat ein Mensch zu sein, nun, da er sich zum göttlichen Wesen nicht emporzuschwingen vermochte, schmachvoll zu den Tieren hinabsinkt!

http://www.pinselpark.org/philosophie/b/boethius/texte/trost4_2.html

17 Auaritia feruet alienarum opum uiolentus ereptor: Lupis similem dixeris. 18 Ferox atque inquies linguam litigiis exercet: Cani comparabis. 19 Insidiator occultus subripuisse fraudibus gaudet: Uulpeculis exaequetur. 20 Irae intemperans fremit: Leonis animum gestare credatur. 21 Pauidus ac fugax non metuenda formidat: Ceruis similis habeatur. 22 Segnis ac stupidus torpet: Asinum uiuit. 23 Leuis atque inconstans studia permutat: Nihil auibus differt. 24 Foedis immundisque libidinibus immergitur: Sordidae suis uoluptate detinetur. 25 Ita fit ut qui probitate deserta homo esse desierit, cum in diuinam condicionem transire non possit, uertatur in beluam.

http://www9.georgetown.edu/faculty/jod/boethius/jkok/4p3_t.htm

Herrad von Landsberg, Currus Avaritiae

Text Nr. 282: Die Inschriften auf den Streifen im Bild:

Hic est currus Avarice cui contrarius est currus misericordiae.Dies ist der Wagen des Geizes, von dem der Wagen der Barmherzigkeit das Gegenstück ist.
Avaricia id est diabolus.Der Geiz, das ist der Teufel.
Tridens crowel; tridens est fuscinula cum tribus dentibus.Der Dreizack [deutsche Glosse crowel] ist eine Gabel mit drei Zähnen.
Avaricia dicit: Lingo fraude quasi vulpes dolo vel vi sectans lucra rodo ut leo crudelis.Der Geiz sagt: Ich lecke mit Tücke wie der Fuchs mit Arglist oder mit Gewalt benage ich den Gewinn wie der grausame Löwe.
Fraus est vulpes.Der Fuchs ist [bedeutet] die Tücke.
Ambitio est leo.Der Löwe ist die Ruhmsucht.
Male vivit sordida cultu Avaricia et tenet in manu tridentem propter rapacitatem.Übel lebt in schmutziger Lebensart der Geiz und hält den Dreizack in der Hand wegen seiner Raubsucht.
Sordititas est sus.Die Sau ist der Schmutz.
Avaricia gaudet de morte propinqui.Der Geiz freut sich über den Tod des Nächsten.
Philargiria, id est incontinens appetitus acquirendi, est vultur.Der Geier ist die Geldgier, das heisst der unersättliche Hunger zu raffen.
Male parta tenax male servat Avaricia.Das schlecht Erworbene hortet der zähe Geiz übel.
Tenacitas latrans ut canis.Die Habsucht bellt wie der Hund.
Terret clamore minisque Avaricia.Durch Lärm und Drohungen setzt der Geiz in Erschrecken.
Violentia est ursus.Der Bär ist die Gewalt.
Rapit omnia nec saciatur Avaricia.Der Geiz raubt alles und wird nicht gesättigt.
Rapacitas est lupus.Der Wolf ist die Raubsucht.
Fenum id est lucra mundi vorat ut bos avaricia.Der Neid verschlingt Heu, das heisst den Reichtum der Welt wie ein Ochse.
Fames acquirendi est bos.Der Ochse ist der Hunger des Ergatterns.

† Anmerkung

Der Codex des »Hortus deliciarum« ist bekanntlich bei der Beschießung Straßburgs durch die deutschen Truppen im Jahre 1870 in der Stadtbibliothek verbrannt. Glücklicherweise wurden vorher viele Seiten abgezeichnet, so dass man ihn einigermaßen rekonstruieren konnte. Eine erste wissenschaftliche Ausgabe haben Straub und Keller gemacht: Hortus deliciarum, publié aux frais de la Société pour la conservation des monuments historiques d’Alsace; texte explicatif commencé par Alexandre Straub et achevé par Gustave Keller, Strasbourg 1879-1899.

Die Blätter mit dem Currus avaricię und dem Currus misericordiæ wurden (gemäß einer Notiz auf einer Banderole dort) A° 1795 gezeichnet; der Graphiker hat die Schrift des 12.Jhs. in eine moderne umgesetzt. In der Banderole des Wolfs steht Rapacitas est lupus. Eulog. Schneider.

A.H. in Z. fragt, was denn die Äbtissin Herrad mit diesem Revolutionär E.Sch. zu tun habe?

Dazu muss man wissen: Eulogius Schneider war ein deutscher Franziskaner, der 1789 mit der französischen Revolution sympathisierte, den Orden dann verließ, 1791 nach Straßburg zog, wo er sich zunehmend radikalisierte und als Amtsträger wütete. 1794 wurde er in Paris guillotiniert. (Die Revolution frisst ihre Kinder.) – 1793 schändeten Revolutionäre das Grab der heiligen Odilie auf Hohenburg (der Wallfahrtsort des Elsass, woher auch Herrad stammt). 1799 wurden die Gebeine durch einen Abbé Rumpler wieder replaciert. Eulogius Schneider war eine Symbolgestalt der ›terreur‹ im Elsass, und es ist denkbar, dass ihn der Graphiker hier als Lupus rapax verspottet hat. (Vgl. Straub / Keller, Seite 38, Anm. 3, wo darauf hingewisen wird, dass Abbé Rumpler die Handschrift einige Jahre bei sich gehabt habe.)

Literatur:

Gérard CAMES, Allégories et Symboles dans l’Hortus Deliciarum, Leiden 1971.

Michael CURSCHMANN, Texte – Bilder – Strukturen, Der »Hortus Deliciarum« und die frühmhd. Geistlichendichtung, in: D.Vj.S 55 (1981), S. 379–418.

Stefan MATTER, Sordiditas est sus. Zur Bedeutung des Teufelsschweins im Weltgericht des Westportals von St. Nikolaus in Freiburg i.Üe.; in: ZAK = Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 63/4 (2006), S. 261–276. — Digitalisat bei Retro.Seals: http://dx.doi.org/10.5169/seals-169764


Stephan Fridolin (O.F.M., ca. 1430–1498)

Der Schatzbehalter oder Schrein der waren reichtümer des hayls vnd der ewigen seligkeit, Nürnberg: Anton Koberger 1491.

Digitalisat der U.L.Bibliothek Darmstadt: http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/inc-iv-440/0001

Die 66. Figur stellt einerseits 5 Eigenschaften Christi dar (Elefant ≈ Tapferkeit; Turteltaube ≈ Jungfräulichkeit; Lamm ≈ Sanftmut usw.). anderseits die Laster: Die tier. die an den herren fallen. reissen vnd peissen. bedeüten die eigenschaft seiner feind … die yne verfolgten. die neidig vnd vnschamhafftig waren. als die hund. betriegenlich vnd arglistig. als die füchß. begyrig der süssigkeit vnd wollust des fleischs. als der bere. fressig vnd grimmig. als die wolff. wüest vnd vnrein als die schwein. hohtragend. mutig vnd gehertzt. als die leben. gewappet mit gewalt. als ein eynhornn. ¶ Sie waren auch spöttig als die hetzen. oder agerlaster. vnkeüsch als die spercken. vnrein als die widehopfen. diebisch vnd fressig als die raben. hert vnd untrew. als die straussen. vnbarmhertzig als die eülen. blödsichtig als die feldermeüß. die in der tunckeln als in dem tieffen abent gesehen. aber gegen den liechtigen tag sind sie plind. [usw.]

Vgl. Dominik Bartl: Der Schatzbehalter. Optionen der Bildrezeption. Dissertation, Universität Heidelberg 2010.

http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/10735


Laster-Exempla

Alle 7 sind vereinigt in einem Stich des Theodoor Galle (Antwerpen, 1571–1633)

Scan des British Museum: http://goo.gl/ca9mV

Adam und Eva im Zentrum, umgeben von 7 Rundbildern mit biblischen Exempla: SVPERBIA: Der Engelsturz (Jes 14,12) – AVARITIA: Ananias und Saphira (Apg 5) – GVLA: ein feister Mann (1 Reg = 1 Samuel 25?) – ACEDEA: Salomon über die Müßiggänger (Prov = Spr 6,6–15) – INVIDIA: Joseph und seine Brüder (Gen 37) – IRA: Kain erschlägt Abel (Gen 4) – LVXVRIA: Das lüsterne Paar Zimri und Kosbi wird von Phinehas erstochen (Num = 4 Mos 25)


Laster-Kompositwesen

Literatur

Eckart Conrad LUTZ, Spiritualis Fornicatio. Heinrich Wittenwiler, seine Welt und sein »Ring«, Sigmaringen 1991.

(1) ÖNB cod. 370, fol. 155v

Überheblichkeit/Stolz/Hoffart (superbia)Pfauenkrone
Habgier (avaritia)zusammengehaltener Geldbeutel
Unzucht/Wollust (luxuria)ø
Zorn (ira)Pfeilbogen
Völlerei / Fresslust (gula/gastrimargia)Wolfskopf mit aufgerissenem Rachen
Neid / Missgunst (invidia)Schlange, die ins Bein beisst
Trägheit / Überdruss (acedia)Vogelbein (?)


(2) München clm 18158, fol. 63r

Digitalisat der BSB

Die drei Verse bilden das Kompositwesen in drei Registern ab: der erste Vers nennt die dargestellten Tiere; der zweite Vers reiht die entscheidenden Körperteile auf; der dritte die allegorisch bedeutsamen Tätigkeiten – vertikal gelesen bilden die Wörter jeweils einen Satz, zum Beispiel cervus cornu peto. Die Körperteile sind im Bild (mit. sog. Tituli) mit der allegorischen Bedeutung angeschrieben (unten in der Tabelle grün). Der Text stimmt indessen nicht genau mit dem Bild überein: Das gezeichnete Wesen hat keine Vogelflügel. Auch ist eine der Beschriftungen falsch: Der Bauch ist mit venter bezeichnet, das ist keine Signifié.

Literatur hierzu

Michael CURSCHMANN, Facies peccatorum – Vir bonus: Bild-Text-Formeln zwischen Hochmittelalter und früher Neuzeit. In: Poesis et pictura. Festschrift für Dieter Wuttke zum 60. Geburtstag, hg. von St. Füssel und J. Knape, Baden-Baden 1989, S. 157–189.

(3) Einblattdruck (ca. 1490/1500)

Digitalisat des British Museum: http://goo.gl/tH1EN

Der Text ist etwas brüchig und nicht überall gut lesbar; auch kommen nicht alle klassischen 7 Hauptlaster vor, dafür werden andere Signifiants (z.B. die Flügel) ausserhalb des Lasterkanons allegorisiert:

Schowent hie jung vnd alt
Der welt figur vnd ir gestalt
Wie gar betrogen ist ir end
Dis sehent ob ir wend
¶ Si treit ein kron von fedren zart
Das betütet ir hochfart [*superbia]
Die si mit mäniger üppikeit
Hat iren dieneren uf geleit
Ir gröste fröid an hochfart lit
¶ Was nun yetz lebt in der zit
Das trencket sy mit irem tranck
Das betütet sy on allen wanck
Ir süchte vnd vnreynikeit
Vnd ir vil große vnküscheyt [*luxuria]
Damit tuot sy erlaffen [träge machen]
Münch leygen vnd pfaffen
Damitt ir eygenschafft
Alle mit vnküsch sint behafft
¶ Das esels houpt das sy treit
Das betütet tragheit [*tristitia / acedia]
Als ein esel von recht hat
Die welt nie nie so träg wart
An gottes dienst das sicht man wol
All dis welt ist tragheit vol
|
Den kräwel [Kralle, vgl. Idiotikon III,920] den die welt treyt
Das betütet gitikeit [*avaritia]
Damit sy an sich ziehen kan
In diser zit nun wyb vnd man
Menglich stot Jn synnen
Wie es guot well gewynnen
Es syg mitt recht oder nit
Das ist alles quidt [? mhd. quît = frei von etw.]
Guot nymet für ere
Des schempt man sich nitt mere
¶ Vnd schwebt mit zweyen fettich [Flügel] ob
Das ist ir ruom vnd ir lob
¶ Das tuoch das die welt vmb treyt
Das betütet ir vnstetikeit [* ?]
¶ Vnd stat uff eines kranchen [Kranich] fuos
Vnd weist nit wenn sy fallen muos
So der todt kumpt vnd sy bisset
Vnd ir hochfart nider schlißet
Dann sint betrogen gar ir kint
Die sy tuot gesehend blint
Söllich end die welt hat
Der ir nit dient ist min rat

Vgl. Konrad von Helmsdorf, »Speculum humanae salvationis« (hrsg. von Axel Lindqvist, Berlin 1924 = DTM 31); ältere Ausgabe: St. Gallische Hss. In Auszügen hg. von G.Scherer. St. Gallen 1859, S. 26 hier

Interpretation bei Nikolaus Henkel, Schauen und Erinnern. Überlegungen zu Intentionalität und Appellstruktur illustrierter Einblattdrucke des 15. Jahrhunderts, in: Einblattdrucke des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Probleme, Perspektiven, Fallstudien, hg. von Volker Honemann / Sabine Griese / Falk Eisermann, Tübingen 2000, S. 209-244.


Hans Sachs, »Die böß gesellschaft«

Hans Sachs, »Die böß gesellschaft mit iren neun aygenschafften« [27. September 1533], in: Werke, hg. Adalbert von Keller, Band 3, S. 444–449 (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 104), 1870

Bild: Holzschnitt von Peter Flötner 1533


(besseres Bild im British Museum: http://goo.gl/mGi0T)

Hans Sachs schreibt, dass er eines Nachts darüber nachdachte, worin die Ursache liege, dass die Laster – er zählt viele auf – überhand nähmen, vor allem bei jungen Leuten; da wird er in einen Traum entrückt. Er befindet sich in einem Röhricht an einem See. Da hört er

Ein wunder-erschröckliche bildnuß.
Das ob der gürtel war gantz weiblich,
so freundlich, das es ist unschreyblich.
Das trug ein gflügelt helmelin,
gelentzet als der stahel schin.
Die recht hand im abghawen was.
Auff seyner lincken hand da sas
Ein schlang mit fewerglastig augen,
Sein marck und blut darauß zu saugen.
So het auch dieses bild nachmals
Ein narren-kappen an dem hals.
Auch hets zwen tracken-flügel lang
Im ruck, darmit das bild sich schwang.
Undter der gürtel da hets ein furm [ein Aussehen]
Grawssam, gleich eynem lindtwurm.
Dem bild an eyner langen ketten
On zal menschen nachfolgen theten,
Die es fürt in ein tieff gemöß.
Das bild widerumb mit gedöß
Kert sein weg gen dem walde stumpff
Und ließ sie stecken in dem sumpff.
Das volck ward durch eynander krablen,
Hülfloß verderben und verzabeln.

Darüber erwacht der Träumer und denkt: Das bedeutet "die böß gsellschafft", (etwa: der schlechte Umgang; das Zusammensein mit schlechten Menschen) welches die jungen Leute verführt. Und er legt neun Eigenschaften aus:

  • Der schöne Frauenleib bedeutet, dass sich die bG zunächst freundlich zeigt.
  • Der Helm bedeutet, dass die bG sich zuerst als stark und hilfreich anpreist.
  • Die fehlende recht Hand bedeutet, dass in bG die rechte Treue fehlt.
  • Die schlangenumwundene linke Hand bedeutet, dass in der bG Betrug und Hinterlist verborgen ist, dass der Eigennutz alles Vertrauen ›aussaugt‹.
  • Die Narrenkappe bedeutet, dass die bG in Leichtfertigkeit endet.
  • Die Drachenflügel bedeuten, dass die bG zu lasterhaftem Handeln verhetzt.
  • Der Lindwurmschwanz bedeutet, dass die bG mit Spott, Nachrede, Lüge vergiftet ist.
  • Die Kette bedeutet, dass die Mitglieder der bG in Gewohnheit verstrickt sind.
  • Der sumpf, in den die bG führt, bedeutet, dass sie ihre Anhänger in Trübsal und Schande führt.

Es folgt eine lange Moralisation, man möge "bulerey, spiel, wein, leybes wollust" meiden und die Gefährten klug auswählen.

der ganze Text als PDF


Cesare Ripa

Das Handbuch für Personifikationen von Tugenden Lastern und Gotweisswasallem war Cesare Ripas (um 1555 – 1622?) »Iconologia«.

Herrn Cæsaris Ripa … erneuerte Iconologia oder Bilder=Sprach, Worinnen Allerhand anmuhtige Außbildungen, von den fürnehmsten Tugenden, Lastern, menschlichen Begierden, Wissenschafften, Künsten, Lehren [...] erklähret werden. Allen Rednern, Predigern, Poeten, Kupfferstechern, Mahlern, Bildhauern, Reissern, und dergleichen Künstlern ins gemein [...] so hoch-nützlich, als ergötzlich, zu gebrauchen, Franckfurt: Serlin 1669

http://archive.org/stream/herrncaesarisrip00ripa#page/n6/mode/1up

http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1669ga

Cesare Ripa, Iconologia, Siena 1613

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1613bd1

Beispiel: die Lüge

Beispiel: Invidia – bei Cesare Ripa kommt das Motiv des Herz-Aufessens vor; in den frühen Ausgaben aber noch ohne Bild:

INVIDIA – Donna, vecchia, brutta, e pallida, il corpo sia asciutto, con gli occhi biechi, vestita del colore della ruggine, sarà scapigliata, e frà i capelli vi saranno mescolati alcuni Serpi, stia mangiando il proprio cuore, il quale terrà in mano.

Hier ein Bild von Jacques Callot (1592–1635); Scan des British Museum: http://goo.gl/vyQ5g


Lasterbaum

Quelle: Speculum virginum (vor 1200) – http://krapooarboricole.wordpress.com/page/232/

Conrad of Hirsau's Speculum Virginum, Tree of Vices, Walters Art Museum Ms. W.72 – http://www.flickr.com/photos/medmss/5756232164/in/set-72157626798090358/lightbox/

British Library, Arundel 44, fol 28v: Tree of Vices – http://www.bl.uk/catalogues/illuminatedmanuscripts/ILLUMINBig.ASP?size=big&IllID=6975



Hans Sachs, Der Neid

Hans Sachs (Text) / Georg Pencz (Bild), »Das feindtselig laster/ der heymlich Neid/ mit seinen zwelff aygenschafften« 1534

Gutes Digitalisat bei Zeno


Peraldus

Es gibt auch Lastertraktate, die ohne Allegorien auskommen. Beispiel Wilhelm Peraldus (frz. Guillaume Peyraut, † 1271) in seiner »Summa de vitiis et de virtutibus«.

Vgl. die höchst informativen Übersichten von Richard G. Newhauser / Siegfried Wenzel / Bridget K. Balint / Edwin Craun <08.09.2015>:

http://www.public.asu.edu/~rnewhaus/peraldus/

http://www.unc.edu/~swenzel/peraldus.html


Literaturangaben zu den Lastern:

Quellen

• Cassian († 430/35), Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum), Fünfte Unterredung, welche die des Abtes Serapion über die acht Hauptsünden ist.
Übersetzung der Bibliothek der Kirchenväter, Kempten: Kösel 1877-1879 als E-Text aufbereitet von Gregor Emmenegger und Mitarbeitern am Departement für Patristik und Kirchengeschichte der Université Fribourg / Universität Freiburg/Üe.: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel3054.htm
Johannes Cassian. Unterredungen mit den Vätern – Collationes Patrum, Teil 1: Collationes 1-10 (= Quellen der Spiritualität 5), Münsterschwarzach: Vier-Türme-Verlag, 2011. [übersetzt und erläutert von Gabriele Ziegler; Einleitung von Georges Descoeudres] — Teil 2: Collationes 11 bis 17 [aus dem Griechischen übersetzt und erläutert von Gabriele Ziegler, mit Beiträgen von Georges Descoeudres und Terrence G. Kardong] (Quellen der Spiritualität, Band 9), a.a.O. 2014.
• Gregor der Große (um 540–604), Moralia in Job XXXI,xlv,87
lat. Text exercitus diaboli dux superbia, cujus soboles septem principalia vitia http://goo.gl/Yf5Ia
englische Übersetzung: http://www.lectionarycentral.com/GregoryMoralia/Book31.html – zu 87. gehen
• Thomas von Aquin (1225/6 – 1274), »Summa«, Prima Secundæ, Quæstio lxxxiv, Art. 4 (vgl. Kommentar in der Deutschen Thomas-Ausgabe, Band 12)
nur lateinisch: http://www.corpusthomisticum.org/sth2075.html – zu Quaestio 84 gehen
• Peter Suchenwirt's [ca.1320–1395] Werke aus dem vierzehnten Jahrhunderte. Ein Beytrag zur Zeit- und Sittengeschichte, hrsg. von Alois Primisser, Wien: Wallishausser, 1827. Nummer 40: die siben todsündhttp://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/pageview/172290
• HEINRICH VON LANGENSTEIN († 1397), Erchantnuzz der sund. hg. P. Rainer Rudolf, (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 22), Berlin: E.Schmidt 1969.

Sekundärliteratur

Fritz SAXL, Aller Tugenden und Laster Abbildung, Festschrift J. Schlosser, Wien 1927.
Morton W. Bloomfield, The seven deadly sins. An introduction to the history of a religious concept…, Michigan State College Press 1952.
Katzenellenbogen, Adolf: Allegories of the virtues and vices in medieval art from early Christian times to the thirteenth century. London 1939 (Studies of the Warburg Institute, 10). (Nachdruck 1968)
Susanne Blöcker, Studien zur Ikonographie der Sieben Todsünden in der niederländ. und dt. Malerei und Graphik 1450–1560, (Bonner Studien zur Kunstgeschichte 8), Hamburg 1993.
A. VÖGTLE, Artikel “Achtlasterlehre” [!] in : Reallexikon für Antike und Christentum s.v.
Reinhart STAATS, Artikel “Hauptsünden” in: Reallexikon für Antike und Christentum s.v.
Franz-Josef SCHWEITZER, Tugend und Laster in illustrierten didaktischen Dichtungen des späten Mittelalters, (Germanist. Texte und Studien 41), Olms 1993.
Richard NEWHAUSER, The Treatise on Vices an Virtues in Latin and the Vernacular, Turnout: Brepols 1993.
Dietrich SCHMIDTKE, Lastervögelserien, in: [Herrigs] Archiv für das Studium der neueren Sprachen 212 (1975), 241–264 und 213 (1976), 328f. -- Im Anhang 3 aus Hss. edierte Texte.

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Links

Ein russischer Blog zu den Lastern mit vielen Bildern: http://marinni.livejournal.com/462502.html <Zugriff 29.03.2012>

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