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Quellen:

Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts / hrsg. von Wolfgang Harms, mehrere Bände seit 1985.

Hartmann Grisar S.J. / Franz Heege S.J., Luthers Kampfbilder. II. Der Bilderkampf in der deutschen Bibel (1522 ff.), Freiburg im Breisgau: Herder 1922; IV: die Abbildung des Papsttums und ander Kampfbilder in Flugblättern 1538–1545, Freiburg 1923.


Der Papstesel:

Es gibt mehrere voneinander leicht abweichende Holzschnitte (1523; XXX; 1545)

Deuttung der czwo grewliche[n] Figuren Bapstesels czu Rom vnd Munchkalbs zu Freyberg ynn Meysszen funden, Wittemberg 1523.

Digitalisat: http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/id/999752

Text (Auszüge):

¶ Auffs erst/ bedeutt der Esels kopff den Bapst/ denn die kirche ist ein geystlicher leyb […]/ darumb sol vnd kan sie kein leyplich heubt […] haben/ Sondern allein Christum/ der ynnwendig im geyst durch den glauben in den hertzen regirt. […] Nu aber hat sich der Bapst selbs zu eußerlichem leyplichen heupt der kirchen auffgeworffen. Darumb ist er durch disen Esels kopff auff dem menschlichen leybe bedeut/ Denn gleich wie sich ein Esels kopff auff ein menschen leyb reymett/ so reymett sich auch der Bapst zum heupt uber die kirche. […]

ten fuß/ bedeut aber das geystlich regiment des bapsts/ damitt er zutritt alle schwache gewissen/ denn er verderbt die seelen mitt seynen vnzelichen vnd vntraglichen gesetzen […]/ gleich wie das grosse schwer thier der Elephant zutritt vnd zuknyst alles waruber er kompt […].

¶ Auffs dritte/ die lincke menschliche hand bedeut des bapsts weltlich regiment. Denn wie wol sie keyns haben solten/ […] so hats der bapst doch […] zu wegen bracht/ das er nicht allein weltlich regiment hatt mehr dann kein konig/ sondern ist auch darzu uber alles weltlich regiment der vberst […].

¶ Auffs vierde. der rechte fuß. ist ein ochsen fuß. bedeute des geystlichen regiments diener/ die das Bapstum yn solchem unterdrucken der seelen erhalten vnd tragen/das sind die bepstliche lerer/ prediger/ pfarrer und beycht­vetter/ sonderlich aber die Theologi Scolastici. […]. Denn die Scholastica Theologia nichts ist denn eyttel ertichte/ erlogen/verflucht/ teufflische geschwetz vind Munche trewm […].

¶ Auffs funffte/ der lincke fuß ist gleich wie ein greyffen klawe/ bedeut des weltlichen regiments diener/ die Canonisten/ […] die selbs bekennen/ das die lieben Canones nach eyttel geytz stincken […].

¶ Auffs sechst/ Der weybisch bauch und brust. bedeut des Bapsts corper/ das sind Cardinal. bischoff. pfaffen/ munch studenten und der gleichen hurn volck und mast sew. […]

¶ Auffs sibent sind fisch schuppen an den armen/ beynen und hals/ vnnd nicht an der brust noch bauch.bedeutten die weltlichen fursten unnd herrn/ Denn das meer yn der schrifft bedeut dise welt. fisch bedeutten die weltliche menschen. wie sant Peters netz Christus selb deuttet […]. So bedeutten die schuppen das ankleben vnnd an hangenn/ […] Also haben allzeit gehangen und hangen noch die fursten und herrn und was weltlich ist am Bapst und seinem regiment. ¶ Auffs achte/ der alte mans kopff auff dem hindersten bedeut das ab nemen vnnd ende des Bapstums/ denn yn der schrifft deuttet das angesicht komen/ und der rucke oder hinderst das weg gehn. […]

¶ Auffs neunde/ der trach/ der das maul auß seynem hyndersten auffsperret/ oder fewer speyet/ bedeut die gifftigen grewlichen bullen und lester bucher/ die ytzt der Bapst und die seynen jn die wellt speyen/ damit si jederman fressen wöllen. […]

¶ Das zehende/ das diser Bapstesel zu Rom vnnd nicht anderswo funden ist/ Bestettiget alle das vorige/ das mans von keiner andern herschafft verstehn kan/ denn von der zu Rom. […]


Hans Sachs, Die wittembergisch nachtigal, die man iez höret überal (Anno salutis 1523. am 8. tage Julij).

Titelbild

Text: http://www.zeno.org/Literatur/M/Sachs,+Hans/Gedichte/Spruchgedichte+%28Auswahl%29/Die+wittembergisch+nachtigal


Literaturangaben:

http://www.payer.de/religionskritik/karikaturen17.htm

Elemente zu einer Beschreibung des Satirischen > https://www.uzh.ch/ds/wiki/ssl-dir/Karidol/uploads/Main/Satire.pdf

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