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Guillaume de Deguileville

Rosemarie Bergmann, Die Pilgerfahrt zum himmlischen Jerusalem. Ein allegorisches Gedicht des Spätmittelalters aus der Heidelberger Bilderhandschrift Cod. Pal. Lat. 1969 "Pèlerinage de vie humaine" des Guillaume de Déguileville, Wiesbaden: Reichert 1983.

Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs. Aus der Berleburger Handschrift hrsg. von Aloys Bömer (Deutsche Texte des Mittelalters Bd. 25), Berlin 1915.

Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs. Nach der Kölner Handschrift. Nach der Kölner Handschrift hrsg. von Adriaan Meijboom. Bonn: Schroeder 1926 (Rheinische Beiträge und Hülfsbücher zur germanischen Philologie und Volkskunde 10).

Digitalisat der Handschrift der UB Heidelberg Cod. Pal. lat. 1969 (Toulouse, um 1375)> http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpl1969


Bunyan, »Pilgrims Progress«

zu John Bunyan (1628 – 1688) vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/John_Bunyan

Quelle: http://www.utexas.edu/opa/blogs/culturalcompass/2012/04

Zusammenfassungen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Pilgerreise_zur_seligen_Ewigkeit

http://www.quod-est-dicendum.org/Literatur/Pilgrims_Progress_17_10_04_tg.htm

deutsche Übersetzungen: http://de.wikisource.org/wiki/John_Bunyan


Johann Amos Comenius, »Das Labyrinth der Welt«

1631 schreibt Johann Amos Comenius »Das Labyrinth der Welt«. Das Buch ist angelegt als eine utopische Lebensreise, ähnlich wie Joh. Valtentin Andreae’s »Pilgers Irrfahrten im Vaterlande« (1618). Der Held wandert durch die Welt und sieht allerlei Torheiten. Eingelagert sind satirische Allegorien wie die folgende:

Bei den Gelehrten gelangt er auch in einen Saal, der voller Regale mit Schachteln und Büchsen starrt. Er glaubt in einer Apotheke zu sein, und sein Begleiter bestätigt: "eine Apotheke*, in der die Arzneien wieder die Krankheiten der Seele aufbewahrt werden, doch heißt sie eigentlich Bibliothek." – Zuerst betrachtet er die dort tätigen Gelehrten. Viele stürzen sich begierig auf alles, was ihnen in die Hände kommt, werden dadurch aber nicht feister oder gesünder; andere staffieren die Bücher nur mit schönen Futteralen aus, ohne sie zu lesen.

Wie wir nun wieder den Saal [gemeint ist die Bibliohek] betraten, sah ich die Zahl jener Arzneibehälter überall in rascher Zunahme begriffen und bemerkte, als ich mich nach dem Orte umsah, von wo der Zuwachs käme, einen abgesonderten Raum, aus welchem man die Büchsen brachte. In diesem Raum saßen Drechsler, die einander in edlem Wetteifer zu übertreffen suchten, Büchsen aus Holz, aus Elfenbein und anderen Stoffen höchst kunstvoll herzustellen, mit Salben und Arzneien zu füllen und zum allgemeinen Gebrauche aufzustellen. "Das sind", erklärte mir mein Begleiter, "die trefflichen und ehrenwerten Männer, die ihren Mitmenschen den größten Dienst erweisen, indem sie keine Müh und Plage scheuen, die Wissenschaften und die Künste zu verbreiten und ihre vorzüglichen Gaben anderen mitzuteilen." Ich verspürte Lust zu untersuchen, woraus denn das, was er die Gaben der Weisheit nannte, gemacht und zubereitet war. Da sah ich einen oder zwei Menschen, die wohlriechende Kräuter und Gewürzpflanzen sammelten, zerschnitten, verrieben, kochten, destillierten und daraus Theriak, Latwerge, Sirup und andere heilsame Arzneien bereiteten; dagegen leerten andere und solcher gab es Hunderte, fremde Gefäße aus und füllten die eigenen damit. "Sie füllen ja nur um", bemerkte ich; mein Begleiter aber meinte, daß man auch so das Wissen mehre; "denn", sagte er, "kann denn nicht ein und dieselbe Sache auf verschiedene Weise zubereitet sein? Man kann auch zu dem schon Vorhandenen stets etwas Neues hinzufügen und es so vervollkommnen." – "Oder verderben", ergänzte ich empört darüber, daß man hier Betrug verübte. Denn mancher griff nach einer fremden Büchse, um mehrere der eigenen damit zu füllen, indem er ihren Inhalt selbst mit Spülwasser möglichst verdünnte oder durch Beimischung von irgend einer Sudelei, sogar von Abfällen und Kehricht, verdickte, nur um eine wenn auch scheinbar neue Mischung herzustellen. Dann klebten sie darauf weit prunkvollere Titel, als jene ehedem hatten, und priesen nun in unverschämter Weise genau wie Quacksalber ihre Erzeugnisse an. Ich aber wunderte und ärgerte mich sehr darüber, daß, wie ich schon bemerkte, selten jemand sich die Mühe gab, den inneren Gehalt zu prüfen; und die meisten alles unbesehen und unterschiedslos hinnahmen: und wenn auch einer eine Wahl traf, so sah er doch nur auf die äußere Ausstattung und auf den Titel. Ich begriff, warum so wenige Menschen sich die Frische ihres Geistes erhielten und warum sie desto mehr erbrechen mußten und welk und siech wurden, je mehr sie von diesen Arzneien verschlangen. Ich will ganz davon schweigen, daß manche zur Bereitung ihrer Salben geradezu giftige Stoffe verwendeten, so daß fast ebenso viele Gifte als Arzneien auf den Markt gelangten; dieser Übelstand ging mir sehr nahe, doch niemand fand sich, der diesem Unfug hätte steuern wollen.

(zitiert nach der Übersetzung aus dem Tschechischen von Zdenko Baudnik, Weimar: Kiepenheuer 1958)

* Über dem Portal der Stiftsbibliothek St.Gallen steht die Inschrift ΨYXHΣ IATPEION (Seelen-Apotheke).


Literaturangaben:

Ernst Trachsler, Der Weg im mittelhochdeutschen Artus-Roman, (Studien zur Germanistik, Anglistik und Komparatistik 50), Bonn: Bouvier 1979.
James Blanton Wharey, A study of the sources of Bunyan's allegories : with special reference to Deguileville's Pilgrimage of Man [...] - Reprint New York: Gordian Press, 1968.
Fritz Goetze, Untersuchungen über die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs (Berleburger Handschrift), Marburg: Bauer 1934.
Symbolik von Weg und Reise, hrsg. von Paul Michel, Bern: Lang 1992 (Schriften zur Symbolforschung 8).
Volker Honemann: Das Leben als Pilgerfahrt zum Himmlischen Jerusalem in der Pèlerinage de la vie humaine des Guillaume de Digulleville, in: Rudolf Suntrup / Jan R. Veenstra (Hgg.), Himmel auf Erden (Medieval to Early Modern Culture / Kultureller Wandel vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, Band 12), Frankfurt am Main usw.: P.Lang 2009, S. 107–122.

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