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Übersicht

Bienen sammeln Nektar auf vielen Blüten und machen daraus Honig

Technik und Legitimation des Exzerpierens

Kritik an der Exzerpiererei


Er excerpirte beständig, und Alles, was er las, ging aus einem Buche neben dem Kopfe vorbei in ein anderes. (G. Chr. Lichtenberg, Sudelbücher, G 181)



Bienen sammeln Nektar auf vielen Blüten und machen daraus Honig

Die Autoren alphabetisch, die unten chronologisch aufgeführt sind: Francis BaconBasilius von CäsereaRobert BurtonElsbet StaglinErasmusRudolph GraserGeorg Philipp HarsdörfferHugo von TrimbergMacrobiusMichel de MontaigneCharles MusartMartin OpitzPetrarcaSenecaJonathan Swift


Seneca (ges. ca. 65 AD), Epistulae morales ad Lucilium, Ep. LXXXIV

Seneca, Lucius Annaeus Ad Lucilium epistulae morales, ed. François Préchac / übers. Manfred Rosenbach, Darmstadt: Wiss. Buchges. 1987. — Lat. Text im Web: http://www.thelatinlibrary.com/sen/seneca.ep11-13.shtml

¶ 3. Apes, ut aiunt, debemus imitari, quae vagantur et flores ad mel faciendum idoneos carpunt, deinde quidquid attulere disponunt ac per favos digerunt et, ut Vergilius noster ait, liquentia mella stipant | et dulci distendunt nectare cellas. (Aeneis I, 432f. Georgica IV, 163f.)
¶ 3. Die Bienen, so heisst es, müssen wir nachahmen, die umherfliegen und die zur Honiggewinnung geeigneten Blüten aussaugen, sodann, was sie eingebracht haben, ordnen, auf die Waben verteilen und, wie unser Vergil sagt: »flüssigen Honig anhäufen und mit süßem Nektar füllen die Zellen«. […] ¶ 5. Wir müssen diese Bienen nachahmen und, was immer wir aus verschiedener Lektüre zusammengetragen haben, trennen – besser nämlich lässt es sich gesondert aufbewahren – sodann Sorgfalt und Einfallsreichtum unseres Verstandes (ingenium) anwenden und das, was wir an Verschiedenartigem gekostet haben (libamenta), in ein einziges Bouquet (sapor) zusammenmischen; dadurch wird es – auch wenn es deutlich ist, woher es stammt, dennoch offenkundig etwas anderes sein als das woher es genommen ist. […] ¶ 7. Machen wir es zu unserem Eigentum, damit eine Art von Einheit entstehe aus der Vielheit,[…]. Das soll unsere Seele tun: alles, wovon sie Hilfe erfahren hat, verberge sie, gerade nur das zeige sie, was sie selbst geleistet hat.

Basilius von Cäserea (gest. 379), Mahnwort an die Jugend über den nützlichen Gebrauch der heidnischen Literatur (»Ad adolescentes«; Kap. 4)

Denn wie die meisten Geschöpfe von den Blumen nur etwas haben, insoweit sie an deren Duft oder Farbe sich ergötzen, die Bienen aber auch Honig aus ihnen zu gewinnen wissen, so werden auch die, die nicht bloß nach dem Angenehmen und Ergötzlichen solcher Schriften haschen, daraus auch einigen Gewinn für ihre Seele erzielen. Ja, ganz nach dem Vorbilde der Bienen müßt ihr mit jenen Schriften umgehen. Diese fliegen ja nicht allen Blumen unterschiedslos zu, noch wollen sie die, die sie besuchen, ganz wegtragen, vielmehr nehmen sie nur soviel mit, als sie verarbeiten können, und lassen das Andere gern zurück. Wollen wir klug sein, dann eignen wir auch aus jenen Schriften nur das uns Passende und der Wahrheit Verwandte uns an, übergehen aber das andere.> https://www.unifr.ch/bkv/kapitel2129.htm
Hinweise auf die Rezeption des Bienengleichnisses in der Renaissance bei Luzi Schucan, Das Nachleben von Basilius Magnus "ad adolescentes". Ein Beitrag zur Geschichte des christlichen Humanismus, Genève: Droz 1973 (Travaux d'humanisme et renaissance 133); bes. S. 42, 94, 123, 126.

Macrobius (gest. nach 430 AD), »Saturnalia« – Tischgespräche am Saturnalienfest

Apes enim quodammodo debemus imitari, quae vagantur et flores carpunt, deinde quicquid attulere disponunt ac per favos dividunt et sucum varium in unum saporem mixtura quadam et proprietate spiritus sui mutant.> http://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/Roman/Texts/Macrobius/Saturnalia/1*.html
Nous devons, en effet, imiter en quelque sorte les abeilles, qui parcourent différentes fleurs pour en pomper le suc. Elles apportent et distribuent ensuite en rayons, tout ce qu'elles ont recueilli, donnant par une certaine combinaison, et par une propriété particulière de leur souffle, une saveur unique, à ce suc formé d'éléments divers. > http://remacle.org/bloodwolf/erudits/macrobe/saturnales1.htm
Deutsche Übersetzung: Macrobius: Tischgespräche am Saturnalienfest. Übersetzt von Otto und Eva Schönberger. Königshausen & Neumann, Würzburg 2008

Hugo von Trimberg († nach 1313)

Hugo von Trimberg, Der Renner, hg. von Gustav Ehrismann (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 247/258/252/256) Tübingen 1909–1911. — elektronische Teiledition von Henrike Lähnemann unter http://www.staff.ncl.ac.uk/henrike.laehnemann/renner/index.html

Verse 15’927ff. enthalten mehrere Gedanken: Bienen sammeln Honig [vgl. Seneca] — alles in diesem Buch ist wichtig – das Material ist aus der hl. Schrift zusammengetragen – das Buch enthält Wohltuendes wie Schmerzendes

Ein bine vil manige bluomen rüerte
In velden, in welden, biz si gefüerte
Ir honic in ein vezzelîn
Als vil als des denne mac gesîn.
Swer nu ûz disem buoche næme
Swaz disem und dem wær widerzæme,
Sô wæne ich daz daz jüngste stücke
Ein wibel [ein Käferlein] wol trüege ûf sînem rücke.
Nieman sol ez hân vür ein geblerre,
Wenne ez ist wîten unde verre
Gesament in der heiligen schrift.

Und treit in im honic und gift,
Sûr und süeze, liep und leit.

Elsbet Staglin († ca. 1360)

Von der geistlichen Tochter des Dominikaners Heinrich Seuse schreibt dieser in seiner sog. »Vita«, Kap. 33:

Alle ir fliz was stellen nah geischlicher lere, mit der si möhte gewiset weren zuo einem seligen volkomen lebene, dar na ellú ir beirde rang. Si screib an, wa ir út lustlichs werden mohte, daz si und endrú menschen gefúrdren mohte zuo götlichen tugenden. Si tet als dú gewirbigú binlú, dú daz süess hong uss den menigvaltigen bluomen in tragent.

Heinrich Seuse, Deutsche Schriften, hg. Karl Bihlmeyer, Stuttgart 1907, S.96.


Francesco Petrarca (1304–1374) ändert den Topos in seinem Brief an Thomas von Messina ab. Der Brief hat als Generalthema de inventione et ingenio.

Petrarca, Epistolae familiares I,8, Ausgabe V.Rossi, Firenze 1933, I,39ff.; Übersetzung von Eckhard Kessler, in: Eugenio Garin, Geschichte und Dokumente der abendländischen Padägogik, II: Humanismus, (rowohlts deutsche enzyklopädie 250/251), Reinbek 1966, S. 97–106. Im Internet mit ganz wenig Scanfehlern: http://tuttotempolibero.altervista.org/poesia/trecento/francescopetrarca/epistolefamiliares.html

(¶ 5) Rursus nec huius stilum aut illius, sed unum nostrum conflatum ex pluribus habeamus; felicius quidem, non apium more passim sparsa colligere, sed quorundam haud multo maiorum vermium exemplo, quorum ex visceribus sericum prodit, ex se ipso sapere potius et loqui, dummodo et sensus gravis ac verus et sermo esset ornatus.
Wir sollen nicht den Stil von diesem oder jenem haben, sondern einen eigenen, der aus mehreren verschmolzen ist. Glücklicher ist es sicherlich, nicht nach Art der Bienen Verstreutes zu sammeln, sondern nach dem Beispiel von gewissen nicht viel größeren Würmern, aus deren Leib die Seide hervortritt, lieber aus sich selbst heraus Einsicht zu haben und zu reden, wenn nur der Sinn gewichtig genug und Vers und Rede geschmückt sind. [Dies ist aber nur wenigen vergönnt.]

Erasmus (circa 1469–1536)

Erasmus, Ciceronianus (1528), in: Erasmus von Rotterdam. Ausgewählte Schriften. Band 7, Übersetzt von Theresia Payr, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1972, S. 199

Apes num ex uno frutice colligunt mellificii materiam an potius ad omnes florum herbarum fruticum species mira sedulitate circumuolant, frequenter e longinquo petentes quod condant in aluearia? Nec statim mel est quod adferunt, fingunt ore uisceribusque suis liquorem ac in ipsas transformatum rursus ex sese gignunt, in quo non agnoscas nec floris nec fruticis delibati saporem odoremve, sed apiculae fetum ex omnibus illis temperatum.
Sammeln etwa die Bienen die Substanz für den Honig von einem einzigen Blütenstrauch? Fliegen sie nicht vielmehr mit staunenswerter Emsigkeit von Blüte zu Blüte, von Pflanze zu Pflanze, von Strauch zu Strauch, holen sie nicht oft von weit her, was sie in ihre Bienenstöcke einbringen? Und was sie herbeitragen, ist noch kein Honig; sondern sie bereiten den Honigseim mit ihrem Mund und ihren Verdauungsorganen auf, wandeln ihn zu etwas Eigenem um, und […] so erkennt man daran nicht mehr den Geschmack oder Geruch der Blüte oder Pflanze, von der er stammt, sondern das aus diesen allen zusammengesetzte, besondere Produkt der Biene.

Michel de Montaigne (1533–1592), Essays, I, 26 (1580)

Auswahl und Übersetzung von Herbert Lüthy, Zürich: Manesse 1953, S. 188. Der Text im Internet: http://artfl.uchicago.edu/cgi-bin/philologic/getobject.pl?c.0:2:26.montaigne

La verité et la raison sont communes à un chacun, et ne sont non plus à qui les a dites premierement, qu'à qui les dit apres. […] Les abeilles pillotent deçà delà les fleurs, mais elles en font apres le miel, qui est tout leur ; ce n'est plus thin, ny marjolaine : Ainsi les pieces empruntees d'autruy, il les transformera et confondra, pour en faire un ouvrage tout sien : à sçavoir son jugement.
Die Wahrheit und die Vernunft sind allen gemein und gehören nicht rechtmäßiger dem, der sie zuerst ausgesprochen hat, als dem, der sie nach ihm sagt. […] Die Bienen naschen von den Blumen da und dort, aber nachher machen sie daraus den Honig, der ganz ihr eigen ist; es ist nicht mehr Thymian und Majoran: So soll er [der Autor] die von andern entlehnten Bruchstücke verwandeln und verschmelzen und daraus ein ganz ihm eigenes Werk zu schaffen: nämlich sein eignes Urteil.

Francis Bacon (1561–1626) schreibt im »Novum Organon« (1620), II, Aphorismus 95:

Francis BACON, Neues Organon (1620), hg. von Wolfgang Krohn, Hamburg: Meiner 1990 (lat. Text der Ausgabe von James Spedding et al., 1858; dt. Übersetzung Rudolf Hoffmann, Berlin [DDR] 1962).

Qui tractaverunt scientias aut empirici aut dogmatici fuerunt. Empirici, formicae more, congerunt tantum, et utuntur: rationales, aranearum more, telas ex se conficiunt: apis vero ratio media est, quae materiam ex floribus horti et agri elicit; sed tamen eam propria facultate vertit et digerit. Neque absimile philosophiae verum opificium est; quod nec mentis viribus tantum aut praecipue nititur, neque ex historia naturali et mechanicis experimentis praebitam materiam, in memoria integram, sed in intellectu mutatam et subactam, reponit. Itaque ex harum facultatum (experimentalis scilicet et rationalis) arctiore et sanctiore foedere (quod adhuc factum non est) bene sperandum est.
Die, welche die Wissenschaften bearbeiteten, waren entweder Empiriker oder Dogmatiker. Jene sammeln und verbrauchen nur, wie die Ameisen; Letztere aber, welche mit der Vernunft beginnen, ziehen wie die Spinnen das Netz aus sich selbst heraus. Das Verfahren der Bienen steht zwischen beiden; diese ziehen den Saft aus den Blumen in Gärten und Feldern, aber behandeln und verdauen ihn durch eigne Kraft. Ähnlich ist das Geschäft der Philosophie; es stützt sich nicht ausschließlich oder hauptsächlich auf die Kräfte der Seele, und es nimmt den von der Naturkunde und den mechanischen Versuchen gebotenen Stoff nicht unverändert in das Gedächtnis auf, sondern verändert und verarbeitet ihn im Geiste. Deshalb können auf das engere und festere Bündnis beider Vermögen des versuchenden nämlich und des denkenden, was bis jetzt noch nicht bestanden hat, die besten Hoffnungen gebaut werden.

Robert Burton (1577–1640)

Robert Burton, The Anatomy of Melancholy (1st ed. 1621, 6th ed. 1651), Democritus Junior to the Reader

R.B., Anatomie der Melancholie, aus dem Englischen übertragen von Ulrich Horstmann, Zürich: Artemis 1988, S.26.

Online > http://ebooks.adelaide.edu.au/b/burton/robert/melancholy/complete.html

I have only this of Macrobius to say for myself, Omne meum, nihil meum, ‘tis all mine, and none mine. As a good housewife out of divers fleeces weaves one piece of cloth, a bee gathers wax and honey out of many flowers, and makes a new bundle of all, Floriferis ut apes in saltibus omnia libant, I have laboriously [Anmerkung] collected this cento out of divers writers, and that sine injuria, I have wronged no authors, but given every man his own; …
[Anmerkung] Quicquid ubique bene dictum facio meum, et illud nunc meis ad compendium, nunc ad fidem et auctoritatem alienis exprimo verbis, omnes auctores meos clientes esse arbitror, &c. Sarisburiensis ad Polycrat. prol.
Die von Burton (oder dem modernen Herausgeber?) zitierte Stelle aus dem Prolog von Johannes’ von Salisbury »Policraticus« ist selbst schon Zitat aus Macrobius, Saturnalien, Praefatio I,6
... und der hat es aus dem oben angegebenen Brief Senecas Ep. 84,5 ...
Ich habe […] zu meiner Verteidigung vorzubringen, dass meine Arbeiten mein Eigentum sind und doch auch wieder nichts davon mir gehört. Wie eine gute Hausfrau aus der wolle etlicher Schafe ein einziges Stück Stoff webt, eine Biene ihren Honig vielen Blüten verdankt, so habe ich für diese Kompilation zahlreiche fremde Autoren benutzt. Dabei habe ich niemandem Unrecht getan, sondern jedem das Seine gelassen; …

Martin Opitz (1597–1639)

Martin Opitz, Buch von der Deutschen Poeterey (1624). III.Capitel > http://www.zeno.org/nid/20005453208

Mit denen [mit den Texten der Antike] wir aber vmbgehen mußen wie die bienen / welche jhr honig auß den gesunden blumen saugen / vnd die gifftigen Kräuter stehen lassen.

Charles Musart (1582-1653)

Adolescens academicus sub institutione Salomonis. Autore Carolo Musart S.J., Duaci: Typis Baltazaris Belleri 1633.

Emblem Nr. 16:
Industria, et Constantia.
Hic labor et, fructusque laboris.

> https://archive.org/stream/adolescensacadem00musa#page/356/mode/1up

Aus der Explicatio: Habes hîc quoque Magistram Apem, pro schola apertum Aluearium [Bienenstock] … ex aculeatis rosetis florem [hier: den Saft] apes colligunt, inde mel conficiunt: nimirum, duri laboris fructus esse iucundi solent.

Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658)

Georg Philipp Harsdörffer: Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst / ohne Behuf der Lateinischen Sprache / in VI. Stunden einzugiessen.[…] Nürnberg/ Gedruckt bey Wolfgang Endter, Nürnberg 1648–1653; Reprint: Wiss. Buchgesellschaft Darmstadt 1969. — Dritter Theil; p. 54:

[…] ... was Seneca von der Nachahmung sehr nachdenklich schreibet: Wir sollen den Bienen nachahmen / und was wir in unterschiednen Büchern gelesen / unterschiedlich bemerken; nachmals aber mit verständigem Fleiß zusammen mischen / daß ob man gleich wissen kan / woher es genommen / jedoch etwas anders daraus gemachet worden / als es gewesen.

Frauenzimmer Gesprächspiele, VI. Teil (1646), XII. »Andachtsgemähle«, p. 71 [im Reprint 1969 S. 581]:

Ein Poet soll erstlich seyn/ als ein Bien/ daß sein Honig aus allerley Blumen machet/ und so lang ist er ein guter Schuler: Nachmals sol er seyn/ wie ein Seidenwurm/ der alles aus sich selbsten würket/ und webet/ und alsdenn wird er ein guter Meister.

Jonathan Swift (1667-1745)

[Jonathan Swift] »Full and True Account of the BATTEL Fought last Friday, Between the Antient and the Modern BOOKS in St. James’s Library« (entstanden um 1697; gedruckt im Anhang von »A Tale of a Tub« 1704)

Satiren und Streitschriften, ausgew., übers. und mit einem Nachw. vers. von Robert Schneebeli, Zürich: Manesse 1993. (bes. S. 21–28)

Digital hier: BATTEL oder hier BATTEL

Swift inszeniert die Kontroverse zwischen Spinnen- und Bienen-Metapher als Kampf zwischen diesen Tieren. In einer Ecke der Bibliothek wird eine fette Spinne von einer Biene attackiert, die ihr Netz zerstört; es kommt zu einem Streitgespräch, in der die Spinne der Biene vorwirft, sie plündere überall in Feld und Garten, Nesseln wie Veilchen, während sie selbst ein angeborenes Vermögen (nämlich ein Netz zu konstruieren) in sich selbst trage: Your livelihood is a universal plunder upon nature: a freebooter over fields and gardens: and for the sake of stealing will rob a nettle as readily as a violet; whereas I am a domestic animal, furnished with a native stock within myself.

Die Biene fragt dagegen, was edler sei: das Wesen, dass auf einem kleinen Platz sich stolz aus sich nährt und dabei nur Gift und Spinnweben hervorbringe, oder dasjenige, welches auf langer Suche und fleissig, mit sicherer Unterscheidung der Dinge Honig und Wachs einträgt: whether is the nobler being of the two—that which by a lazy contemplation or four inches round, by an overweening pride, feeding and engendering on itself, turns all into excrement and venom, producing nothing at all but fly-bane and a cobweb: or that which by a universal range, with long search, much study, true judgement, and distinction of things, brings home honey and wax?

Aesop, der diesen Streit verfolgt hat, wendet die Aussagen auf die Querelle des Anciens et des Modernes an: Die Spinne parallelisiert er mit den Modernen, die Biene mit den Fürsprechern der Antike.

Biene und Spinne sind auf dem Frontispiz links oben zu sehen. Das Kupfer erscheint nach meinen Recherchen erst in The fifth edition: with the author's apology and explanatory notes. By W. W--tt--n, B.D. and others. London, MDCCX.

Bereits Petrarca hatte der sammelnden Biene die aus sich selbst den Faden hervorbringende Seidenraupe gegenübergestellt, indessen letztere als Metapher für das Genie positiv gewertet.

In der volkstümlichen Literatur sowie in Emblematik des 16./17. Jhs. wird ein anderes Moment herausgestellt, nämlich dass beide Tiere Saft aus Pflanzen saugen, aber die Spinne daraus Gift produziert, während die Biene aus demselben Saft Honig gewinnt:

glych wie der blumen, die wol rücht,
darusz das bylin honig zücht,
aber wenn daruff kumpt ein spinn,
so suocht sy gift nach irem gwinn!
(Fastnachtsspiel des 15.Jhs., zit. bei Grimm, DWB Band 16, Sp. 2510)

Hier ein spätes Beispiel dafür:

Die arbeitsame Bien das Gut auß allem fasset […]
Das wüste Thier, die Spinn, auß allem sauget Gifft […].

Fünff und zwanzig Bedenkliche figuren mit Erbaulichen Erinnerungen. Dem Tugend und Kunstliebenden Zu gutter gedechtnus in Kupffer gebracht, Durch Conrad Meyer Mahler in Zürich, Ao. 1674. > http://diglib.hab.de/drucke/xb-4f-344/start.htm

Eine andere Symbolik findet sich bei Erasmus Francisci, Glantz Krafft und Würckung der Geistlichen Wandel-Sterne, welche am Firmament himmlischer Seelen leuchten, das ist der sieben Haupt-Tugenden eines wahren Christenthums, Nürnberg: Riegel 1678.

Die Bienen wircken ihren Blumen= und Honig=Safft im Verborgenen/ innwendig im Stock; also/ daß man nicht weiß/ welche dieses oder jenes Stück Honigseims gemacht habe. Die Spinne aber zeucht ihre saubre Arbeit/ und subtiles/ aber unnützes Gewebe/ aus dem Leib hervor an die Lufft/ und giebt sich/ samt ihrer Würckung/ zu erkennen. Sey du eine Biene/ und nicht eine Spinne. (S.1194)

Literaturhinweis: Elke Wawers, Swift zwischen Tradition und Fortschritt. Studie zum ideengeschichtlichen Kontext von "The battle of the books" und "A tale of a tub" (Trierer Studien zur Literatur 16), Frankfurt am Main / Bern [etc.]: Lang 1989; bes. S.174ff. und 215ff.


Rudolph Graser O.S.B. (1728–1787)

Vollständige Lehrart zu predigen oder wahre Beredsamheit der christlichen Kanzel nach der Vorschrift der berühmtesten Redner Frankreich und Deutschlands in gründlichen Regeln verfaßt von P. Rudolph Graser, Benedictiner zu Crembsmünster in Oberösterreich, und zur Zeit Seelsorger auf dem Lande. Augsburg, verlegts Matthäus Rieger und Söhne, 1768.

Graser ist der Meinung, dass Prediger, die behaupten ihren Text allein aus der Bibel und der Theologie verfertigen zu können, nichts Taugliches zustande bringen. Man braucht Vorbilder.

Die Bienen fliegen von einer Flur zur anderen; wählen sich die dienlichsten Blümchen; sammeln Honig und Wachs; tragen alles in ihre Wohnung; und setzen einen künstlichen Fladen zusammen. Diesem Beyspiele muß ein Prediger folgen. Gute Bücher sind seine Fluren; die darinnen enthaltenen lehrreichen dinge seine Blümchen, darunter er, nach Belieben, und Erforderniß der Umstände, wählen, Honig und Wachs herausziehen, und seinen Fladen, das ist, seine Predigt zusammensetzen soll. Das II. Hauptstück, § XV (S,61f.)

(Graser meint, der Prediger brauche nur ein Nothbibliothekchen, d.h. neben der Bibel und einer Concordanz eine Exempelsammlung und eine Sammlung wie die des Tobias Lohner, um viel tausend Predigten zu verfassen.)


Bild: Christian Friedrich Krause, Thesaurus epistolico-homileticus, oder epistolischer Prediger-Schatz, in welchem eine richtige Analysis, schrifft-mäßige Erklärung und erbauliche Anwendung ... aller sonn- und fest-täglicher Episteln zu finden ist, Dreßden: Winckler 1724. — Frontispiz mit dem Motto: Non nisi optimis colligitur verus thesaurus


Literaturhinweise:

Randall L. Anderson, Metaphors of the Book as Garden in the English Renaissance in: The Yearbook of English Studies, Vol. 33, Medieval and Early Modern Miscellanies and Anthologies. (2003), pp. 248-261.

Jan Hendrik Waszink, Biene und Honig als Symbol des Dichters und der Dichtung in der griechisch-römischen Antike, (Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften, Geisteswissenschaften, Vorträge G 186), Opladen: Westdt. Verlag 1974.

Jürgen von Stackelberg, Das Bienengleichnis. Ein Beitrag zur Geschichte der literarischen Imitatio. In: Romanische Forschungen, Band 68 (1956), S. 271–293.

Peter K. Kapitza, Dichtung als Bienenwerk. Traditionelle Bildlichkeit in der Imitatio-Lehre. In: Jahrbuch der Jean-Paul-Gesellschaft 9 (1974), S. 79–101.

H. F. Fullenwider, »Das Mellificium: die Honigmanufaktur als Anthologie-Gattung der Neulateinischer Literatur«, in: Humanistica lovaniensia, 33 (1984), 135–144.

Klaus Irle, Der Ruhm der Bienen: das Nachahmungsprinzip der italienischen Malerei von Raffael bis Rubens, Münster: Waxmann 1997 bei Google Books

Dina De Rentiis, Der Beitrag der Bienen. Überlegungen zum Bienengleichnis bei Seneca und Macrobius. – Aufsatz online als PDF-Datei: www.rhm.uni-koeln.de/141/DeRentiis.pdf

Ulrich Stadler / Magnus Wieland, Gesammelte Welten. Von Virtuosen und Zettelpoeten, Würzburg: Königshausen & Neumann 2014. Darin S. 43–58: Bienen als Sinnbilder für verba- und res-Sammler.

Bild: Vom Geschehen (vgl. die Darstellung einer Belagerung draußen — ins Exempelbuch (angeschrieben mit VALERIUS MAXIMUS) — und von hier weiterverwendet durch einen Autor am Schreibpult. Frontispiz der deutschen V.M.-Übersetzung von E. G. Happel, Hamburg MDCLXXVIII.

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Technik und Legitimation des Exzerpierens

Plinius (gest. ca. 112 AD)

C. PLINII CAECILII SECVNDI EPISTVLARVM LIBER TERTIVS.

Epist V, ¶ 10 Post cibum saepe - quem interdiu levem et facilem veterum more sumebat - aestate si quid otii iacebat in sole, liber legebatur, adnotabat excerpebatque. Nihil enim legit quod non excerperet; dicere etiam solebat nullum esse librum tam malum ut non aliqua parte prodesset.
[Über seinen Onkel, der Tag und Nacht den Studien oblag:] Nach dem Essen […] lag er im Sommer, wen er Zeit hatte, oft an der Sonne; ein Buch wurde vorgelesen, und er machte Notizen und Auszüge. Er las nämlich nichts, ohne Auszüge zu machen; ja er pflegte zu sagen, kein Buch sei so schlect, dass es nicht irgendwie nützen könne.

Aulus Gellius (etwa 130–180)

Noctes Atticae – Die Attischen Nächte, übers. und mit Anmerkungen versehen von Fritz Weiss, Leipzig 1875.

IX. Buch, Kap. 4: Gellius beschreibt, wie er in Brundisium am Hafenplatz ein Bündel Bücher zum Verkauf ausliegen sieht (fasces librorum uenalium expositos); sogleich gehe ich begieirg auf die Bücher zu( atque ego auide statim pergo ad libros). Es sind griechische Werke, voll von Wundern und Märchen, unerhörte, unglaubliche Geschichten (miraculorum fabularumque pleni, res inauditae, incredulae). Gellius nennt die Verfasser (vgg. die Anm. von f.Weiss). Er erkundigt sich nach dem Preis und ist erstaunt, wie billig die Bücher sind. Für ein Spottgeld erwirbt er sie und in den zwei darauf folgenden Nächten las ich sie rasch durch. Beim Durchlesen habe ich mir einiges daraus ausgewählt und einige bewundernswürdige und von den Schriftstellern fast ganz unberührt gelassene Bemerkungen dieser Sammlung einverleibt (omnis duabus proximis noctibus cursim transeo; atque in legendo carpsi exinde quaedam et notaui mirabilia et scriptoribus fere nostris intemptata eaque his commentariis aspersi).

XIV. Buch, Kap. 6: Ein befreundeter Bibliophiler, der Gellii Werk bereichern möchte, überreicht ihm ein Buch, einen grossen Wälzer (librum grandi uolumine doctrinae omnigenus praescatentem), das er nach der Lektüre vieler und verschiedener und seltener Bücher ausgearbeitet habe (quem sibi elaboratum esse ait ex multis et uariis et remotis lectionibus). Gellius nimmt das Buch in Empfang, das ihm vorkommt wie ein Füllhorn (Copiae cornu): Darin findet er u.a.: wie viel berühmte Männer mit Namen ›Pythagoras‹ es gegeben habe – warum Telemach den Pisistratos mit durch das Anstoßen mit dem Fuß weckte, und nicht mit der Hand – die Namen der Gefährten des Odysseus, die von der Skylla zerfleischt wurden – welche Verse bei Homer isopsephische sind – dass Böotien früher Aonien genannt wurde und andere ältere Namen von Städten u.a.m. Aber Gellius hat wenig Freude an dieser Vielwisserei (ταύτης τῆς πολυμαθίας) und gibt ihm das Buch zurück.

Bild: Aulus Gellius beim nächtlichen Exzerpieren (Frotnispiz einer Ausgabe der »Noctes Atticae«, Amsterdam: Elzevir 1651)


Vinzenz von Beauvais († 1264)

»Speculum majus«, Apologia tocius operis, DE UTILITATE OPERIS ET APOLOGIA ACTORIS (Cap. IV) — Zitiert nach dem Digitalisat des Atelier Vincent de Beauvais unter http://atilf.atilf.fr/bichard/

Quanto minus ergo nunc arguendus videor, quia multorum librorum florem quemdam atque medullam in unum volumen compegi totumque sub certis titulis ordine congruo redegi. Non autem hoc dico sanctorum patrum vel etiam ceterorum actorum veterum scriptis presumptuose derogando, nostrumque iactanter et inaniter extollendo, presertim cum hoc ipsum opus utique meum simpliciter non sit, sed illorum potius ex quorum dictis fere totum illud contexui, nam ex meo pauca et quasi nulla addidi. Ipsorum igitur est auctoritate, nostrum autem sola partium ordinatione. (Douai BM 797, version quadrifaria).

Bild: Der Verfasser eines Exempelbuches (der Ritter von Turm, standesgemäß in Rüstung) lässt sich aus der Bibel und aus Chroniken vorlesen und sucht die besten Geschichten aus. Holzschnitt zum 3. Kapitel aus: Geoffroy de La Tour Landry / Marquard vom Stein, Der Ritter von Turm von den Exemplen der gottforcht unn erbarkeit, oder der Spiegel der Tugend, Basel: Michael Furter 1513.

Das ganze Buch ist vom Münchner Digitalisierungs-Zentrum ins Web gestellt: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00010834/images/


Erasmus (1469–1536) empfiehlt in der »Ratio« dem Theologiestudenten, alles, was er lese, gleichsam in Nestern (velut in nidulos) zu sammeln. Er verweist auf seine eigene Schrift »De duplici copia rerum ac verborum« (1512).

Erasmus von Rotterdam, »Ratio seu Methodus compendio perveniendi ad veram Theologiam«, übersetzt, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Gerhard B. Winkler, (= Erasmus, Ausgewählte Schriften, hg. W. Welzig, 3. Band), Darmstadt: wbg 1967, S. 452/3. — De duplici copia rerum ac verborum – Translated by Donald B. King and H. David Rix. Milwaukee, Wis.: Marquette University Press, 1963.


Francesco Sacchini (1570–1625; S. J.)

Francisci Sacchini De ratione libros cum profectu legendi libellus, 1614.

Digitalisate der Ausgabe Leipzig 1711

Sächs. Landes und Universitätsbibliothek Dresden (mit digitalem Inhaltsverzeichnis): http://digital.slub-dresden.de/sammlungen/werkansicht/330125044/1/

Justus Christophorus Udenius (war mir bis jetzt nicht zugänglich)

Excerpendi Ratio Nova, Das ist, Eine Neue Art und sonderbare Anweisung, Wie die studirende Jugend In jeden Wissenschafften, Disciplinen, und Facultäten, Vornemlich aber In Theologia Homiletica, Ihre Locos Communes Füglich einrichten, leichtlich verfertigen und nützlich gebrauchen, Auch Zur Wissenschafft bewerther Scribenten, so zum Excerpiren dienlich, und dieserwegen in grosser Anzahl angeführet werden, Förderlichst gelangen könne. Der zu Ende eine Sciagraphia Exemplorum, und zweyfaches nützliches Register angehenget. Gott allein zu Ehren, und der Jugend zu Nutz in den Druck übergeben Von M. Justo Christophoro Udenio, Predigern im Hertzberge, Northusæ: Gotter 1681.


Vincent Placcius (1642–1699)

De Arte Excerpendi. Vom Gelahrten Buchhalten liber singularis, Quo Genera & praecepta excerpendi, ab aliis hucusq[ue] tradita omnia; Novis accessionibus aucta, ordinata methodo exhibentur ... Holmiae / Hamburgi: Liebezeit 1689.

Digitalisat bei ECHO


Jeremias Drexel, S.J. (1581–1638)

Avrifodina Artium & scientiarum omnium; Excerpendi Sollertia / Omnibus litterarum amantibus monstrata Ab Hieremia Drexelio è Societate Iesv, Monachii: Leysserus, 1638 — Reverendi Patris Hieremiae Drexelii e Societate Jesu [Opera Omnia] / Hiebevor in Lateinischer Sprache beschrieben/ hernach aber zur Ehren Gottes/ und Beförderung deß Nechsten/ zum Theil vom Authore selbsten/ zum Theil vom andern/ der teutschen Sprach wolerfahrenen/ in das Hochteutsche versetzt/ [et]c. Anderer Theil [Würzburg]: Schönwetter, 1662.

Der Der zwanzigste Tractat: Goldgrub aller Künst und Wissenschaften genandt = S. 965ff. Was Außschreiben sey? – Außschreiben ist nöthig / wegen vnbeständiger Gedächtnuß – Die abgebildete Textstelle stammt aus Cap. IX:

Morhof

Danielis Georgii Morhofii Polyhistor in tres tomos: T. I: Polyhistor literarius; T. II: Polyhistor philosophicus; T. III Polyhistor practicus, 1. Ausgabe Lübeck 1688-92 — Tomus I (= Polyhistor literarius), Liber III = Polyhistoris Literarii Pars II = Paraskeyastikos, Cap. I – XIII (160 Seiten über das Exzerpieren); Cap. I = De excerpendi ratione

Digitalisat > https://archive.org/stream/bub_gb_2isccpvkcVYC]. Der Text maschinenlesbar hier > http://diglib.hab.de/drucke/ea-490/transcript-roh.htm

Sua est singulis aetatibus ingeniorum foetura, sunt artium temporarii proventus, quarum messem historia velut in horreo quodam congerit, ne spicilegium quidem illarum rerum omissura. – Wie man in einer Scheune das geerntete Korn zusammenträgt, so wird die Frucht jahrhundertelanger Erkenntnis in den Speichern des Wissens der Gelehrsamkeitsgeschichte aufbewahrt. (Lib I, cap. ii (1708), pag. 19.)

Zitiert von Hanspeter Marti, Die historia literaria im akademischen Unterricht, in: Marion Gindhart (et al. Eds.), Frühneuzeitliche Disputationen. Polyvalente Produktionsapparate gelehrten Wissens, Köln: Böhlau 2016, S. 314.

Vgl. Françoise Waquet(Hg.), Mapping the world of learning: the Polyhistor of Daniel Georg Morhof Wiesbaden: Harrassowitz, 2000 (Wolfenbütteler Forschungen; Band 91).


Literaturhinweise:

Edgar Mertner, Topos und Commonplace [1956], in: Peter Jehn (Hg.), Toposforschung, (Respublica Literaria 10), Frankfurt/M.: Athenäum 1972, S. 20–73.

Wolfgang Brückner (Hg.), Volkserzählung und Reformation, Ein Handbuch zur Tradierung und Funktion von Erzählstoffen und Erzählliteratur im Protestantismus, Berlin: E.Schmidt 1974: S. 63–75: "Die Praxis des Exzerpierens" mit Hinweisen auf folgende Autoren: Martin LIPENIUS, Rudolph GLOCENIUS, Johann Heinrich ALSTED, Paulus BOLDUANUS, Johann HÜLSEMANN, Johann FÖRSTER, Jeremias DREXEL, Justus Christoph UDENIUS (mit längeren Textauszügen), Daniel Georg MORHOF

Alastair J. Minnis, Late-medieval discussions of compilatio and the role of the compilator. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 101 (1979), S. 385–421.

Stefan Schuler, Excerptoris morem gerere. Zur Kompilation und Rezeption klassisch-lateinischer Dichter im ›Speculum historiale‹ des Vinzenz von Beauvais in: Frühmittelalterliche Studien 29 (1995), S. 312-348.

Christoph Meinel, Enzyklopädie der Welt und Verzettelung des Wissens: Aporien der Empirie bei Joachim Jungius, in: Franz Eybl / W. Harms / H.-H. Krummacher / W. Welzig (Hgg.), Enzyklopädien der Frühen Neuzeit. Beiträge zu ihrer Erforschung, Tübingen: Niemeyer 1995, S. 162–187.

Heike Mayer, Lichtenbergs Rhetorik. Beitrag zu einer Geschichte rhetorischer Kollektaneen im 18. Jahrhundert, München 1999 (Diss. Tübingen 1999).

Ann Blair, Note Taking as an Art of Transmission, in: Critical Inquiry 31, no 1 (2004), pp. 85-107. > https://dash.harvard.edu/handle/1/3226475

Ann Blair, Too Much to Know. Managing Scholarly Information before the Modern Age, New Haven: Yale University Press 2010.

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Klagen über die Verfertigung von Texten (Predigten) aus Enzyklopädien, Sentenzsammlungen, Exempelbüchern

G. Rollenhagen (1542–1609)

Georg Rollenhagen, Froschmeuseler. Der Frösch und Meuse wunderbare Hoffhaltunge; Der frölichen und zur Weyßheit und Regimenten erzogenen Jugend, zur anmutigen, aber sehr nützlichen Lehr aus den alten Poeten und Reymdichtern, und insonderheit aus der Naturkündiger, von vieler zahmer und wilder Thiere Natur und eigenschafft, bericht; In dreyen Büchern auffs newe, mit fleiß beschrieben, 1595 — Hg. von Dietmar Peil, Frankfurt a.M.: Dt. Klassiker-Verlag 1989. — Die Vorrede leider nicht bei http://www.zeno.org/Literatur/M/Rollenhagen,+Georg/Epos/Froschmeuseler

Vnd kompt itzt das seculum vnd zeit wider / das man des Himlischen Manna auch vberdrüssig / vnd nach Egyptischen zwibeln vnd knoblauch lüstern wil / vnd fast keine Predigt hören / keine Postill lesen wil / die nicht aus dem Theatro vitæ humanæ [Theodor Zwinger], Promptuario exemplorum [Andreas Hondorff], vnd dergleichen stückwerk / mit wunderlichen Historien / visierlichen Fabulen / und vnerhörten gleichnussen / wie ein Betlermantel verpletzet ist. (aus der Vorrede, ed. Peil S. 24)

Erasmus

Erasmus, »Laus Stultitiae« (1511) Der lateinische Text bei http://www2.fh-augsburg.de/~harsch/augustana.html

Hic mihi stultam aliquam et indoctam fabulam, ex speculo, opinor, historiali, aut gestis Romanorum in medium adferunt, et eamdem interpretantur allegorice, tropologice, et anagogice. Atque ad hunc quidem modum Chimaeram suam absolvunt, qualem nec Horatius umquam adsequi potuit cum scriberet: 'Humano capiti' etc. (§ 54)
Da holen sie mir eine dumme abgeschmackte Geschichte hervor, aus dem Geschichtsspiegel [des Vinzenz von Beauvais] oder den Taten der Römer [Gesta Romanorum], legen sie [nach der Exegese des mehrfachen Schriftsinns] allegorisch, tropologisch, anagogisch aus, und fertig ist die Chimära, an die auch Horaz nicht heranreichte, als er [in der Ars Poetica] schrieb »Ein Menschenkopf, [ein Pferdehals, Gefieder, von allen Wesen hergeholte Glieder, der Oberteil ein Weib, allein das Ende ein garstig schwarzer Fischschwanz …].

Zu dieser Stelle zeichnet der damals etwa 18jährige Hans Holbein am Rand der von Gerard Listrius kommentierten, 1515 bei Froben in Basel erschienen Ausgabe dies:

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