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Johann Jacob WICK (* 1522 , † 14. August 1588 in Zürich)

1533 Schüler in Kappel a.A. (1527 säkularisiert, wird von der Stadt geführt, Bullinger ist dort Lehrer); ab 1538 an der Lateinschule im Fraumünster. 1540 Studium in Tübingen, gemeinsam mit den Studienkollegen Rudolf Gwalter (1519–1585), Johannes Haller (1523–1575) und Johannes Wolf (1521–1571), dann in Marburg. 1542 Pfarrdienst in Witikon. 1545 Pfarrer in Egg. 1552 an der Predigerkirche in Zürich. 1557 Berufung zum zweiten Archidiakon am Großmünster. Er wirkt im engsten Umkreis des Antistes Heinrich Bullinger († 1575).

Von 1560 bis zu seinem Tod stellt er 24 illustrierte Quart- und Foliobände zusammen, ab 1572 jährlich einen. Die Einzelbände umfassen durchschnittlich gut 600 Seiten und sind annalistisch, lose, unsystematisch angeordnet; die Informationen sind nie kritisch gesichtet oder gewichtet. Die Kollektaneen enthalten handschriftliche Aufzeichnungen mit 1028 Bildern (kolorierte Federzeichnungen von verschiedenen Händen) und eine große Zahl von Druckschriften: 499 Flugschriften und mehr als 430 Einblattdrucke.

Wick hatte Zuträger aller Art (die Chorherren; Reisende wie Einheimische). Druckschriften und handschriftliche Mitteilungen aus Gelehrten-Briefwechseln erhielt Wick u.a. von Konrad Gessner (1516–1565), Rudolf Gwalter, Ludwig Lavater und Josias Simler (1530–1576), Theodor von Beza (Genf, 1519–1605). Vor allem aber profitierte er vom europaweiten Briefwechsel Heinrich Bullingers.

Wichtigste Themen:

  • politisches Zeitgeschehen: Die Religionskriege in Frankreich (die Nachrichten über die Pariser Bluthochzeit in der Bartholomäusnacht 1572 füllen nahezu einen Band). Aufzeichnungen zum spanisch-niederländischen Konflikt. die Auseinandersetzung mit Moskowitern und Türken, die das christliche Europa im Osten bedrängen (Schlacht bei Lepanto 1571).
  • Die Auseinandersetzungen zwischen den evangelischen und den katholischen Orten der Eidgenossenschaft
  • Nachrichten über Naturkatastrophen, Missgeburten und aussergewöhnliche Naturerscheinungen wie Kometen, Nordlichter, Halos usw. als warnende Zeichen und Wunder Gottes. – Anregung: Conradus Lycosthenes, Prodigiorum Ac Ostentorum Chronicon, Basel 1557 (deutsch: Wunderwerck oder Gottes unergründtliches vorbilden...)
  • Berichte über Mordtaten und Hinrichtungen, über Einflüsterungen des Teufels, Hexen und ihre Verfolgung

einige Darstellungen:

  • Hans Fehr, Massenkunst im 16. Jahrhundert. Flugblätter aus der Wickiana, Berlin 1924 [Querschnitt von über 100 Blättern]
  • Bruno Weber, Erschröckliche und warhafftige Wunderzeichen 1543-1586: Faksimiledruck von Einblattdrucken aus der Sammlung Wikiana in der Zentralbibliothek Zürich, Dietikon-Zürich: Graf, 1971 [45 Bll.].
  • Matthias Senn, Johann Jakob Wick (1522 - 1588) und seine Sammlung von Nachrichten zur Zeitgeschichte, 138. Neujahrsblatt der Antiquarischen Gesellschaft Zürich = Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich Band 46/Heft, Zürich 1974.
  • Matthias Senn, Die Wickiana. Johann Jakob Wicks Nachrichtensammlung aus dem 16. Jahrhundert, Raggi-Verlag, Küsnacht/Zürich 1975.
  • Wolfgang Harms / und Michael Schilling (Hgg.), Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts Bd. 6/7: Die Sammlung der Zentralbibliothek Zürich, Tübingen: Niemeyer 1997/2005.
  • Franz Mauelshagen, Wunderkammer auf Papier. Die "Wickiana" zwischen Reformation und Volksglaube, Tübingen: Bibliotheca-Academica-Verlag 2011 (Frühneuzeit-Forschungen Band 15)


die Blätter im Katalog der Zentralbibliothek Zürich:

Wickiana

Page last modified on September 29, 2014, at 06:15 PM