Sammlungen prudentialen Wissens


Inhaltsübersicht:

Sammlungen prudentialen Wissens; Poblemumfeld

Liste von solchen Sammlungen




Enzyklopädismus in der sog. Renaissance

Die Entstehung von enzyklopädischem Schrifttum wird durch verschiedene Umstände angeregt. Oft ist es die Sorge von Spätzeiten, nichts Überliefertes verkommen zu lassen. Es kann auch der didaktisch-aufklärerische Impetus sein, dem Citoyen den Anschluss an die gebildete Welt zu verschaffen. Die chinesischen Kaiser, die eine neue Dynastie begründeten, vernichteten die alten Enzyklopädien und liessen neue schreiben. U.a.m.

Die zu Beginn des 16. Jh. angefertigten Enzyklopädien beruhen oft auf Kommentaren zur bzw. Exzerpten aus der antiken Literatur. Die Autoren haben in den antiken Texten eine ganze neue Welt entdeckt, die frei war von der dogmatischen Strenge und dem anthropologischen Pessimismus des Spätmittlalters; und diese Einsichten wollten sie bewahren und verbreiten. Ferner wollten sie ein reines, klassisches Latein wiederherstellen (puritas).

Sammlungen dieser Art sind:

  • Niccolò Perotti (1429–1480), »Cornucopiae« (1489); ein Kommentar zu Martial, bei dem an jedes Wort Wissen angehängt ist, so das eine ganze Enzyklopdie zur klassischen Antike entsteht.
  • Petrus Crinitus / Pietro Del Riccio Baldi (1475–1507), »Commentarii De Honesta Disciplina« (1504)
  • Raffaello Maffei (1451–1522), »Commentarii Urbani« (1506)
  • Ludovicus Caelius Rhodiginus [Ricchieri] (1450–1525), »Lectiones antiquae« (1516); postum wesentlich erweiterte Ausgabe: Basel 1542; bis 1666 gedruckt
  • Johannes Ravisius Textor (1480–1524), »Officina«, (1520?)
  • Alexander ab Alexandro (1461–1523), »Dies Geniales« (1522)

Es gab auch Wörterbücher (vgl. etwa Ambrosius Calepinus, ca. 1440–1510); Bibliographien (Conrad Gesner, »Bibliotheca universalis« 1545/1548).

Vgl. im übrigen die Bibliographie enzyklopädischer Werke [Link auf externe Site]

In diesem Kurs fokussieren wir auf eine spezielle Sorte.

Sammlungen von prudentialem Wissen

Die Sammlungsobjekte sind: ›Handlungsrelevante Wissens-Elemente‹

›Handeln‹ wird verstanden im sozialwissenschaftlichen Sinne: verantwortbares Handeln im Gegensatz zu zweckrationalem Tun/Bewirken

›Prudential‹ ist ein Ausdruck, den B. Hasebrink in seiner (noch ungedruckten) Habilschrift verwendet. Lat. prudentia meint (im Ggs. zu andern Wörtern aus dem Sinnbezirk des Verstandes wie astutia, sapientia, Adj. versutus, callidus): praktischer Verstand, Lebensklugheit.

›Relevant‹ werden die hier gesammelten Elemente genannt, insofern sie oft nicht immer direkt ein Handeln evozieren, sondern in einem praktischen Syllogismus eingebaut werden, der dann ein Handeln (oder Unterlassen) evoziert.

Basis ist die Toposlehre

Eine (oder sogar: die) Leitdisziplin des 16./17. Jhs. ist die Rhetorik. Wer überzeugend reden will, muss einen großen Vorrat an Wörtern (copia verborum) und Argumenten haben. – Ein Argument ist eine vernünftige Überlegung, mit der etwas Angezweifeltes durch etwas Unzweifelhaftes in seiner Gewissheit bestärkt wird (Quintilian inst. or. V,x,11). – In der Verfertigungsphase der inventio stellt sich die Frage: Woher kennt man geeignete Wendungen bzw. Gedanken? Sie stehen in einem Speicher gesellschaftlichen Wissens, weswegen sie eben auch als unzweifelhaft gelten. Solche Speicher, eben Sammlungen prudentialen Wissens, liegen entweder bereits vor, memoriert oder in Buchform, oder der Redner / Briefescheiber / Prediger hat sich ein Commonplace-Book aus Lesefrüchten zusammengestellt.

Das Wort topos / locus hat seinen Ursprung in der Vorstellung, dass die Argumente gleichsam an bestimmten Örtern verborgen sind und dort aufgefunden werden müssen. Cicero, topica II, 7–8: Wie das Auffinden von Dingen, die im verborgenen liegen, dann leicht ist, wenn die Stelle (locus) gezeigt und bezeichnet ist, so müssen wir, wenn wir ein Argument aufspüren (pervestigare) wollen, erst einmal die Stellen (loci) kennen ... aus denen man die Argumente hervorholt. Cicero, de oratore II,xxx,162: sedis et quasi domicilia omnium argumentorum; II,xxx,174: Schatzgräber-Metapher.

Der Begriff loci / topoi wird von hier aus weiter aufgefächert und kann auch bedeuten: Finde-Strategien bei der Materialsuche – Kategorien für die Ordnung einer Sammlung bzw. Disposition eines Texts – hermeneutische Basis (Melanchthons »Loci«) – habitualisierte Metaphern / gängige Motive / Beschreibungsinventare / idées fixes (so E. R. Curtius, Europäische Lit. und lat. MA, Bern 1948).

Literaturhinweise:
  • Theodor Viehweg, Topik und Jurisprudenz, München: Beck 1954.
  • Edgar Mertner, Topos und Commonplace [1956], in: Peter Jehn (Hg.), Toposforschung, (Respublica Literaria 10), Frankfurt/M.: Athenäum 1972, S. 20–68.
  • Joachim Dyck, Die Rolle der Topik in der literarischen Theorie und Praxis des 17. Jhs. in Deutschland, in: Peter Jehn (Hg.), Toposforschung, (Respublica Literaria 10), Frankfurt/M.: Athenäum 1972, S. 121–149.
  • Wolfgang Brückner, Loci communes als Denkform, in: W. Brückner (Hg.), Volkserzählung und Reformation, Ein Handbuch zur Tradierung und Funktion von Erzählstoffen und Erzählliteratur im Protestantismus, Berlin: E.Schmidt 1974, S. 53–63.
  • Peter von Moos, Geschichte als Topik. Das rhetorische Exemplum von der Antike zur Neuzeit und die historiae im »Policraticus« Johanns von Salisbury, (ORDO. Studien zur Literatur und Gesellschaft des Mittelalters und der frühen Neuzeit 2), Hildesheim: Olms 1988.
  • Heike Mayer, Lichtenbergs Rhetorik. Beitrag zu einer Geschichte rhetorischer Kollektaneen im 18. Jahrhundert, München 1999 (Diss. Tübingen).

Nun kann man bei der Verfertigung eines Plädoyers / eines Briefs / einer Lobrede / einer Predigt nicht die Klassiker nochmals durchlesen – abgesehen davon, dass die (in einer Bibliothek des 16. Jhs.) gar nicht so leicht erreichbar sind. Man muss rechtzeitig entweder während des Studiums einen eigenen Vorrat an guten Textstellen angelegt haben oder dann in einer bestehende Sammlung nachschlagen.

Um einen Vorrat an Synonymen, Redewendungen und Sentenzen zu äufnen, empfahl ERASMUS in der »Ratio« dem Theologiestudenten, alles, was er lese, gleichsam in Nestern (velut in nidulos) zu sammeln.

Angeregt worden ist Erasmus womöglich durch eine Stelle bei Quintilian, Inst. or. X,i,5, wo es heisst, der Redner müsse sich feste Rücklagen und Stützen beschaffen, derer er sich bei Bedarf bedienen kann; und diese bestehen aus Sachkenntnissen und Worten: Eae constant copia rerum ac verborum.

Des Erasmus Schrift »De duplici copia rerum ac verborum« (Paris: Badius 1512) führt die Methode vor.

ERASMUS VON ROTTERDAM, Ratio seu Methodus compendio perveniendi ad veram Theologiam, übersetzt, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Gerhard B. Winkler, (= Erasmus, Ausgewählte Schriften, hg. W. Welzig, 3. Band), Darmstadt: wbg 1967, S. 452/3.
ERASMUS, On Copia of Words and Ideas, translated by Donald B. King and H. David Rix. Milwaukee, Wis.: Marquette University Press, 1963. – Collected works of Erasmus (Bd. 24 des Gesamtwerkes): De copia, de ratione studii / ed. by Craig R. Thompson, Univ. of Toronto Press, 1978 [mit engl. Übersetzung].

Beispiele für Exzerpier-Lehren

Francis BACON beschreibt in »De dignitate et augmentis scientiarum« (1623, 5. Buch, 3. Kapitel) die Funktionsweise der Topik knapp und genau. Es gehe darum, aus der Menge des Wissens (ex massa scientiae), die gesammelt und im Bewusstsein gespeichert ist, das gewandt herbeizuschaffen (dextre depromere), was für die betreffende Sache oder Fragestellung einschlägig ist. Dabei handle es sich nicht um eine Erfindung im engeren Sinne, sondern um ein eine Erinnerung (reductio in memoriam), und das Ziel sei sei promptitudo und expeditus usus (d.h. das Wissen soll gleich zu Gebote stehen, durch keine Schwierigkeiten aufgehalten, gleich zur Hand sein; deshalb spricht er von promptuarium).

Im Hintergrund steht ein Bildungsideal, bei dem die Rekombination des Be- und Anerkannten einen hohen Wert hat und die schöpferische Phantasie noch nicht bekannt ist.

Vor der Geniezeit, in der dann das Innovative höhergeschätzt wurde als das Traditionelle, war es nicht ehrenrührig, sich aus einem riesigen Bild-Inventar von bestehenden Stoffen und Motiven / vorfabrizierten Gedanken / bereits geprägten Metaphern, Gleichnissen / Klischees usw. zu bedienen. Sie stehen den Autoren – ähnlich wie die Wörter und grammatischen Muster einer Sprache – zur Verfügung, bilden quasi eine Erweiterung der ›langue‹ im rhetorisch-poetischen Bereich.

Die zeitgenössischen Literaturtheoretiker formulieren die Lizenz zur Übernahme gelegentlich explizit. Nicolaus CAUSSINUS (De eloquentia 1657) bringt es so auf den Punkt: nutrix inventionis eruditio est (etwa: Die Bildung [d.h. eben die Kenntnis der Tradition] nährt uns beim Finden des Stoffes.). Georg Philipp HARSDÖRFFER (1607–1658) schreibt: Der jüngeren große Kertze ist von der älteren kleinen Lampen angezündet worden/ und leuchtet viel heller als jene.

Man war auch stolz, wie viele Autoren man exzerpiert hatte, und nannte diese gerne, vgl. das Titelblatt der Erstausgabe von Caelius Rhodiginius (1516) und das Register der ausgeschriebenen Autoren bei Tomaso Garzoni, Piazza universale (italien. Original 1585; deutsche Übersetzung 1619; eine von 10 Seiten! Digitalisat der SLUB Dresden)

Natürlich wurden bei den Sammlungen prudentialen Wissens nicht nur die heidnisch-antiken Autoren ausgezettelt, sondern auch die Bibel und die Kirchenväter.

Man muss sich gelegentlich die Ausmaße dieser Sammlungen klarmachen. Der Artikel MORS bei Beyerlinck (Band 5, fol. 615–749) umfasst 135 zweispaltig bedruckte Folioseiten. Das erfordert wiederum eine Organisation des einzelnen Artikels, der oft ein eigenes Inhaltsverzeichnis und Zwischentitel bekommt.

Es galt aber den Zeitgenossen als schülerhaft, die Älteren einfach zu imitieren. Die rhetorische/ästhetische Leistung bestand darin, das geeignete Element aus dem Repertoire zu suchen und es witzig zu variieren und zu placieren. Dazu kommt die einfallsreiche Kombinatorik von Elementen.

Qu’on ne dise pas que ja n’ai rien dit de nouveau: la disposition des matières est nouvelle; quand on joue à la paume, c’est une même balle dont joue l’un et l’autre, mais l’un la place mieux. (Blaise PASCAL, »Pensées«, ed. Chevalier Nº 65; ed. Brunschvicg Nº 22)

Die Autoren haben ihre Texte unter Beizug von solchen Thesauri verfertigt – umgekehrt können wir als Interpreten die Kenntnis von Thesauri und überhaupt der Tradition als Heuristik verwenden. Wir fragen: Welches Bild / welche Form / welches Muster hat NN gewählt, um seinen Gedanken auszudrücken? Wie hat er das Potential genutzt, transformiert, modifiziert?

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Funktionen der Sammlungen

  • Lektüre zur privaten Erbauung
  • Lektüre-Ersatz (à la ›best bits from Cicero‹)
  • in der römischen Rechtssprechung: Exempla als Beweismittel im Prozess (mos majorum); vgl. Valerius Maximus
  • im genus deliberativum: Mittel, um Argumente, prägnante Formulierungen, Zitate von Autoritäten zu finden
  • in der Predigt als Zusatzstoff gegen den Predigtschlaf, Osterlachen, vgl. Elfriede Moser-Rath, Predigtmärlein der Barockzeit: Exempel, Sage, Schwank u. Fabel in geistl. Quellen d. oberdt. Raumes, Berlin: de Gruyter, 1964 (Fabula: Suppl.-Serie. Reihe A; Bd. 5)
  • Material für Ausschmückung (Ornatus) bei Briefen, für rhetorischen Schmuck in Gebrauchsprosa
  • im Schulunterricht Material für Übersetzungsübungen und für Chrien (dabei Indoktrination mit der in den Texten enthaltenen Lehre)
  • speziell bei den Humanisten: Weisheit der Alten – gutes Latein – Kompendien der Altertumswissenschaften – bei Erasmus auch Auslöser von oft satirischen Essays.

›Ideologie‹

Man könnte die Sammlungen oder auch nur einzelne Einträge auf die Begründung der vermittelten prudentia / Moral hin untersuchen.

  • utilitaristische - pragmatische Begründung;
  • psychologische Begründung: zorn irret dicke den muot.
  • naturgesetzliche Begründung: die Bienen haben auch Staaten;
  • Traditionalismus, Ethik des mos majorum: das haben wir immer so gemacht;
  • Ethik des Adels: noblesse oblige; so etwas tut man nicht bei uns;
  • das Gewissen als Instanz (humanistische Begründungen);
  • eine Autorität als Instanz;
  • theologische Abstützung (auf einen Text in der Hl. Schrift, am besten ein Gebot oder Herrenwort);
  • Imitatio Christi.

Literarische Formen

Die Sammlungen beruhen i.d.R. auf ent-kontextualisierten kompilierten Exzerpten, bei denen es auf den Wortlaut ankommt und gerne der Verfasser (die Autorität) angegeben wird.

Die einzelnen Textelemente in den Sammlungen gehören verschiedenen literarischen Gattungen an:

Maxime, Sentenz (nicht-situierter, kontext-befreiter allgmeiner moralischer Spruch)
Gleichnis
Exemplum oder Legende (Im Kern steht ein Tun-Ergehn-Zusammenhang.)
Apophthegma (kerniger Ausspruch einer historisch verbürgten Person in einer misslichen Lage, Ausdruck einer Lebensweisheit, vgl. Theodor Verweyen, Apophthegma und Scherzred. Die Geschichte einer einfachen Gattungsform und ihrer Entfaltung im 17. Jahrhundert, Bad Homburg 1970)
Fabel
Allegorie (Es gibt eine 1:1-Zuordnung von Dingen/Personen in der "Bild-Welt" und der "Sach-Welt" Genaueres hier)

u. a. m. Die Abgrenzung ist selbstverständlich schwierig. Denken wir daran, dass mittels der Technik der Allegorese jedes Ding / jede Person / jedes Geschehen moralisch ausgelegt werden kann, so kommt die ganze Welt (d.h. die Enzyklopädien, die die ganze Welt allegroisch auslegen) in den Blick.

Es kann eine ganze Kaskade von Auslegungsoperationen nötig sein, um vom Text in der Sammlung zu einer konkreten Handlung oder Situationseinschätzung zu kommen.

Einige Sammlungen haben haben hinsichtlich der literarischen Gestalt Präferenzen, z.B. bringen sie nur Exempla oder nur Sentenzen oder nur Apophthegamata. Für die Emblematik wäre zu verweisen auf Filippo Picinelli, »Mundus Symbolicus«, Köln 1687. Andere enthalten aber auch ein breites Spektrum von literar. Formen. Man kann sich deshalb nicht auf einen bestimmten Typ beschränken.

Einige Sammler haben ein Bewusstsein dafür, welche literarischen Formen sie feilbieten, und ordnen die Artikel sogar demgemäß, zum Beispiel Josephus Lange in seinem »Florlegium Magnum«, Straßburg MDCXLV.

Definitio et Etymologia — Sententiæ Patrum — Poetarum Dicta — Apophthegmata — Similitudines — Fabulæ — Adagia — Exempla — Hieroglyphica [Allegorien] — Emblemata

Literaturhinweis: Hans-Robert Jauss, “Die kleinen Gattungen des Exemplarischen als literar. Kommunikationssystem”, in: ders., Alterität und Modernität der mittelalterlichen Literatur, München 1977.

Systematisieren und Findetechniken

Der Lesemodus dieser Bücher ist das Konsultieren (obwohl aufgrund von handschriftlichen Randnotizen auch Ganzschriftlektüre bezeugt ist). Aber nur schon ein einzelner Gelehrter verlor gerne die Übersicht über das Ausgeschreibene; erst recht musste die Masse an Materialen für andere/spätere Nutzer irgendwie erschlossen werden. Zur Zeit als es noch keine Volltextsuche gab, ein interface-Problem.

Ordnung: Es gibt keinen ›ordo naturalis‹ wie (vermeintlich) bei den Dingen der Natur; das Alphabet taugt auch nicht gerade besonders gut. Es gibt auch kein allgemeinverbildiches tradiertes System der übergeordneten Gesichtspunkte (loci in diesem Sinne, engl. headings); jeder Sammler bastelt sein eigenes ›System‹. Gelegentlich helfen überkommene Muster wie z.B. die 7 Todsünden bzw. Tugenden u.ä.

Theodor Zwinger versucht das Material mit gigantischen Taxonomien zu ordnen: Bild dazu — Zu Zwinger vgl. den Aufsatz (PDF) – Sein Nachdrucker Beyerlinck schafft diese Tabellen wieder ab und verwendet das Alphabet.
Hondorff ordnet das Material nach den 10 Geboten. D’Averoult ist subtiler, er braucht den Katechismus als Ordnungmittel. Bild dazu
Lehmann bringt sein Material unter 386 ihrereseits alphabetisch geordnete Titul wie: z.B. Faul – Feind – Fleiß – Fliehen – Fragen – Freyheit – Freund – Frewd – Fried usw.
Ritz[ius] gruppiert danach, ob die Sentenzen mit einem Substantiv / einem Adjektiv oder Partizip / einem Verb / einer Partikel beginnen; innerhalb dieser Gruppen dann alphabetisch.

Es gibt hin und wieder Ansätze, die bloße Akkumulation zu überwinden. Petrarca kleidet seine Sammlungen oberflächlich in Dialoge. Sebastian Brant (dessen »Narrenschiff« man auch in diese Reihe stellen könnte) bündelt Exempla und Dicta unter dem Gesichtspunkt einzelner Torheiten.

Die Finde-Schwierigkeiten haben Auswirkungen auf das Layout dieser Bücher: Aufbau des Buches, Zwischentitel, Auszeichnung des Lemmas, Register. Oft enthalten die Bücher mehrere Register: Elenchus sive syllabus rerum dignarum cura. – Index vocum et rerum singularum cognitu necessariarum. – Beispiel für ein Sachregister, das auf Seiten verweist (Caelius Rh., »Lectiones antiquae« (1516)) – Beispiel für ein mit Zeileneinzügen versehenes Register (Beyerlinck 1631)

Reflexe der Verwendung

Es ist schwer ausfindig zu machen, wie diese Sammlungen verwendet wurden, in literar. Werke eingingen. Denn ein Autor, der etwas auf sich hält, etwa ein Prediger, wird sich gerne mit Original-Zitaten z.B. antiker Autoren schmücken (die ja von den Sammlern voller Stolz angegeben werden) und dabei camouflieren, dass er diese aus einem Florileg bezogen hat.

Ein kriminologischer Glücksfall wäre es, wenn man ein entstelltes Zitat fände, das so nur in einer Sammlung, aber nicht im Ursprungstext steht. – Gelegentlich findet man ›Nester‹ von Zitaten, die tel quel aus einer Sammlung entspringen.

Beispiel 1: Rabelais (1494–1553) hat im Vierten Buch, Kap. 17 des »Gartantua & Pantagruel« (1548 erschienen) die Liste der seltsamen Todesarten dem Ravisius Textor entnommen.
Beispiel 2: Grimmelshausen hat im »Simplicissimus« (1669) viele Materialien aus enzyklopädischem Schrifttum übernommen, eingeschmolzen, ›narrativisiert‹. Beispiel, PDF

Niedergang der Collectaneen

Ende 17.Jh. / erstes Viertel 18. Jh. verschwindet diese literarische Gattung recht schnell. Der letzte Druck der »Polyanthea« erfolgt 1681; der letzte von Beyerlincks »Theatrum« 1707. – 1687 beginnt die Querelle zwischen Antiqui und Moderni; beide Parteien mögen entkontextualisierte Klassikerzitate aus verschiedenen Gründen nicht. – 1687 hält Christian Thomasius die erste Vorlesung auf deutsch; Signal eines Durchbruchs des Vernakulären; die geistige Vorherrschaft beruht nicht mehr so stark auf Lateinkenntnissen. – Es gibt weitere Gründe: ein neues Stil-Ideal der Einfachheit; die Forderung, selbst zu denken, statt sich auf Autoritäten zu stützen (vgl. den Genialitäts-Kult im›Sturm und Drang‹); Leitdisziplin ist immer weniger die Rhetorik; u.a.m. – Also auch hier: Aussterben der The-Sauri durch Umweltveränderung.

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Liste einiger wichtiger solcher Sammlungen

In chronologischer Abfolge (wobei das erste Erscheinen oder die erste [bibliographisch eruierbare] Auflage als Stichdatum dient), nur gedruckte und möglichst online erreichbare Werke. Es sind auch antike und mittelalterliche Werke aufgenommen, die im 16. Jh. wahrgenommen wurden.

Es geht zunächst einmal darum, die Mächtigkeit dieser Tradition abzuschätzen, die ja im Kanon der Hochschulgermanistik kaum je vorkommt.

Das Material wird in einem ständigen Copy & paste-Prozess über Jahrhunderte tradiert, dabei meistens augmentiert, auch umgeformt und angepasst. So geschieht es, dass vorchristliche und antike Sammlungen (z.B. Valerius Maximus) ebenso präsent sind wie mittelalterliche (z.B. Freidank oder Petrarca). Zu beachten ist, dass es bereits in Antike und Mittelalter Florilegien gab, und ferner das Fortleben bis weit ins 17.Jh. hinein.

Proverbia Salomonis

Textkonglomerat, entstanden zwischen 700 und 500 vor Chr.

Valerius Maximus

Valerius Maximus (Zeit des Kaisers Tiberius, welcher gest. 37 nach Chr.) Factorum et dictorum memorabilium libri IX.

Valerius Maximus. Facta et dicta memorabilia. Lateinisch/deutsch = Denkwürdige Taten und Worte, [unvollständig!] übers. und hrsg. von Ursula Blank-Sangmeister, Stuttgart: Reclam 1991 (Universal-Bibliothek 8695)
Valerius Maximus von Geschichten der Römer und aussers volcks, Perser, Medier, Griechen, Aphern, Flemming vnd Teutschen, Durch Petrum Selbet new verteutscht, Getruckt zu Straßburg bei Jacob Kammerlandern, 1533.

Disticha catonis

Eine spätantike, im 3. oder 4. nachchristlichen Jahrhundert entstandene Sentenzensammlung eines anonymen Verfassers, die Regeln für die private Lebensführung vermittelt.

Ausgabe: Disticha Catonis. Rec. Marcus Boas, Amsterdam 1952. EDV-lesbarer Text von The Latin Library
Die erste, mit einem Kommentar von mehr als 900 Seiten versehene, Druckausgabe erschien 1475 bei Anton Sorg in Augsburg. Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek
Ausgabe cum scholiis D. Erasmi Roterodami 1553 Digitalisat von e-rara
Leopold Zatočil, Cato a Facetus. Pojednańí a texty. Zu den deutschen Cato- und Facetusbearbeitungen; Untersuchungen und Texte. Brno 1952
Michael Baldzuhn: »Disticha Catonis« – Datenbank der deutschen Übersetzungen http://www.rrz.uni-hamburg.de/disticha-catonis/
Nikolaus Henkel, Disticha Catonis. Gattungsfelder und Erscheinungsformen des gnomischen Diskurses zwischen Latein und Volkssprache, in: Gattungen mittelalterlicher Schriftlichkeit, hg. v. Barbara Frank / Thomas Haye / Doris Tophinke (ScriptOralia 99), Tübingen 1997, S. 261-284.

Stobaios

Ioannes Stobaios (5. Jh. nach Christus, schreibt griechisch) 1543 von Conrad Gesner erstmals ins Lateinische übersetzt:

Ioannis Stobaei Sententiæ ex thesauris Græcorum delectæ, quarum autores circiter ducentos & quinquaginta citat, & in sermones siue locos communes digestæ, nunc primum a Conrado Gesnero ... in Latinum sermonem traductæ, sic ut Latina Græcis e regione respondeant. ... Adiecta sunt & alia quædam ... Accessit quoque locupletiss. rerum ac uerborum toto Opere memorabilium Index, Tiguri excudebat Christoph Froschoverus 1543. Digitalisat der Ausgabe Basel 1549
Joannis Stobei Scharpffsinniger Sprüche, auß den schrifften der aller vernünfftigsten, eltisten, hochgelerten Griechen, inn der zale, ob zwaihundert vnnd fünfftzig zusamen getragen. Ain übertreffenlich, alle menschliche tugendt vnd vernunfft innhaltend, Buch. Durch Georgen Frölich, genant Letus, von der Lömnitz, erstmals auß Latinischer, inn Teütsche sprache gebracht ... Mit ainer vorrede, den wege zum verstandt, vnd nutzbarkait dises herrlichen Buchs klärlich zaigende, Gedruckt zu Basel, by Johann Herbst, genant Oporino, als man zalt nach der geburt vnsers herren vnd seligmachers Jesu Christi, Tusend, fünffhundert, fünfftzig vnd ein Jar [1551] Digitalisat dieser Übersetzung bei Google Books

Petrus Alfonsi

Petrus Alfonsi; Konvertit, 1104 getauft. »Disciplina clericalis« um 1115 verfasst. Exempla, Sentenzen in assoziativer Reihung.

Petrus Alfonsi, Disciplina clericalis. Die Kunst, vernünftig zu leben; dargestellt und aus dem Lat. übertragen von Eberhard Hermes, Zürich: Artemis 1970.

Moralium dogma philosophorum

Guilelmus de Conchis [1080–1154; zugeschrieben], Das Moralium dogma philosophorum des Guillaue de Conches. Lateinisch, Altfranzösisch und Mittelniederfränkisch, hrsg. von John Holmberg, Uppsala: Almqvist & Wiksell 1929.
William of Conches: A Dialogue on Natural Philosophy (Dragmaticon Philosophiae), übers. von Italo Ronca und Matthew Curr, University of Notre Dame Press, Notre Dame 1997.
Dogma moralium philosophorum, compendiose et studiose collectum, Argentorati: Matthias Schürer 1512. Digitalisat der HAB Wolfenbüttel

Freidank

Um 1230/1240; vgl. Verfasserlexikon 2. Aufl. Band 2, Sp. 897–903.

Vridanks Bescheidenheit, hg. Wilhelm Grimm, Göttingen 1834; 2. Ausgabe 1860.
Fridankes Bescheidenheit, hg. von H. E. Bezzenberger, Halle: Verl. der Buchhandl. des Waisenhauses 1872. Digitalisat der University of Illinois at Urbana-Champaign
Freydank, Proverbia eloquentis Freidanks [Lateinisch und deutsch] [Leipzig: Conrad Kachelofen, ca. 1490] Digitalisat der BSB
1508 erscheint eine illustrierte Ausgabe: Der Freidanck ... nüwe mit den figuren, Johannes Grüninger [Straßburg 1508] [Zuschreibung an Sebastian Brant als Hg. aufgrund der Additio ad fridanck am Schluss des Buches] — Reprint: Barbara Leupold (Hg.), Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur Beihefte 8 (2010) – Digitalisat der BSB

Gesta Romanorum

Um 1300 zusammengestellt; älteste bekannte Hs. 1342; buntes Durcheinander von narrativen Gattungen; die Geschichten enthalten fast durchwegs Moralisationen, die auf allegorischer Deutung beruhen; frühe Übersetzungen in die Volkssprachen.

Gesta Romanorum, hg. Hermann Oesterley, Berlin 1872 [die meistens zitierte Ausgabe; wichtig: S. 714–749 u.d.T. ›Nachweisungen‹ Parallelstellen in anderen Texten]
dt. Übersetzung von Winfried Trillitzsch [Achtung: ohne die Moralisationen!], Leipzig 1973.
Gesta Romanorum, lat./dt., ausgewählt, übersetzt und hg. Rainer Nickel, (RUB 8717), Stuttgart: Reclam 1991.

Francesco Petrarca

»De Remediis utriusque fortunae« ca. 1366/67

Christophe Carraud, Pétrarque, Les Remèdes aus deux fortunes. De remediis utriusque fortune (1345–1366). Vol. I. Texte et traduction par Christophe Carraud, Vol. II: Commentaires, notes et index. Grenoble: Editions Jérôme Millon, 2002.
Petrarch’s Remedies for fortune fair and foul. A modern English translation of De remediis utriusque fortune, with a commentary by Conrad H. Rawski, Bloomington [u.a.]: Indiana University Press, 1991. (Vol. 1: Remedies for Prosperity - Translation. Vol. 2: Remedies for Prosperity - Commentary. Vol. 3: Remedies for Adversity - Translation. Vol. 4: Remedies for Adversity - Commentary. Vol. 5: References: Bibliography, Indexes, Tables and Maps)

Deutsche Übersetzung mit Bildern war 1521/22 geplant, ist aber erst 1532 erschienen:

Franciscus Petrarcha, Von der Artzney bayder Glück / des guten vnd widerwertigen […]. Augspurg: H. Steyner MDXXXII. [Übersetzung von Stahel und Spalatin] – Faksimile, hg. und kommentiert von Manfred Lemmer, Leipzig 1984. – VD 16 P 1725
Digitalisat der BSB bei Google Books: https://books.google.ch/books?id=DB14e6OOOIIC

Mit erneuerter Übersetzung 1539 und später mehrmals:

Das Glückbůch, Beydes deß Gůten und Bösen: Darinn leere und trost, wess sich menigklich hierinn halten soll. Durch Franciscum Petrarcham vorm. im lateinisch beschriben und yetz grüntlich verteutscht und mit schönen Figuren gezieret, Augspurg: H. Steyner MDXXXIX. [Übersetzung des St. Vigilius]

Zur Ikonographie vgl. die Arbeit von R.Stutz > http://www.enzyklopaedie.ch/dokumente/petrarkameister.html

Erasmus

Desiderius Erasmus († 1536), »Adagia« (Erasmus hat 36 Jahre lang gesammelt und die Ergebnisse in Auflagen von 1500 bis 1533 gedruckt); Titel der Ausgabe Venedig: Aldus Manutius 1508: »Adagiorum Chiliades tres ac centuriae fere totidem«

Polydorus Vergilius

Polydorus Vergilius († 1555) hatte die Idee zu einer solchen Sammlung etwa gleichzeitig wie Erasmus; die beiden hatten Streit um die Originalität der Erfindung. Polydors »Proverbium Libellus« soll schon 1498 erscheinen sein. Noch 1550 erfährt die Sammlung eine 4. Auflage.

Polydori Vergilii Vrbinatis Adagiorvm Liber. Eiusdem de inuentoribus rerum libri octo, ex accurata autoris castigatione, locupletationeq[ue] non uulgari, adeo ut maxima ferè pars primæ ante hanc utriusq[ue] uoluminis æditioni accesserit, Basileae: Frobenius 1521 Digitalisat der HAB Wolfenbüttel

Nano Mirabelli

Auch Domenico Nani Mirabelli u.a. Schreibweisen (* ca. 1455 – † nach 1528)

Die Ausgaben der »Polyanthea« 1503 - 1681 hat Ann Blair (2010; pp. 180/181) zusammengestellt, vgl. das Supplement; spätere Auflagen erscheinen als »Polyanthea nova», »Novissima Polyanthea« und dann als »Florilegium magnum«. Ein bedeutender Überarbeiter ist Joseph Lang[e].
Dominicus Nanus Mirabellius, Polyanthea, Hoc est, opvs svavissimis floribvs celebriorvm sententiarvm, tam Graecarvm qvam Latinarvm, exornatvm, Savona 1503.

Petrarca deutsch

Franciscus Petrarcha, Von der Artzney bayder Glück / des guten vnd widerwertigen […]. Augspurg: H. Steyner 1532. siehe hier

Eppendorff

Plutarchi von Cheronea vnnd anderer kurtzweise vnd höfliche Sprüch. Darausß ein yeder Leßer zugleich lust vn nutz schöpffen mag in hohen auch sittlichen tugenden sich zu regieren vß vorbildung der Alten. Neulich durch Heinrich von Eppendorff vß dem Latin in Teutsch verdollmetscht. Zu Strasßburg bey Hans Schotten, Anno M D XXXIIII 1534

Sebastian Franck

Sprichwörter, Schöne, Weise, Herrliche Cl°ugreden, vnnd Hoff sprüch,Darinnen der alten und nachkommenen, aller Nationen vnnd Sprachen gröste vernunfft vnnd kl°ugheyt. Was auch z°u ewiger vnnd zeitlicher Weißheyt, Tugent, Zucht,Kunst, Haußhaltung vnnd wesen dienet, gespürt vnnd begriffen würt. / Zusamen tragen in ettlich Tausent, Jnn lustig höflich Teutsch bekürtzt, Beschriben vnnd außgeleget, Durch Sebastian Francken. Getruckt z°u Franckenfurt am Meyn, Bey Christian Egenolffen 1541. Digitalisat bei Google Books
Nachdruck der Ausgabe Frankfurt 1541: Hildesheim: Olms, 1987. — Reprograf. Nachdruck der Ausgabe Frankfurt am Main 1548: Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft 1972.

Lycosthenes

Corad Lycosthenes (1518–1561) war der Stiefvater von Theodor Zwinger, der seine Sammlungen erbte und ausbaute; dies seltsamerweise noch zu einer Zeit, als bereits seine eigene Ausgabe (das »Theatrum«) erschienen war.

Conradi Lycosthenis Rubeaquensis Apophthegmatum sive responsorum memorabilium, Ex probatissimis quibusq. tam Graecis quam Latinis autoribus ... Basileae: Oporinus 1555.
Conr. Lycosthenis Rubeacensis Similium loci communes ex omnium scriptorum genere omnium studiosis accomodati: nunc demum inventi ac editi. Cum Theod. Zvingeri Bas. similitudinum methodo, Basileae: Episcopus 1575. Digitalisat von Google Books

Zwinger

Theodor Zwinger der Ältere (1533 – 1588) hat sein systematisch geordnetes »Theatrum« drei mal in erweiterten Ausgaben ediert; 1565 – 1571 – 1586/87.

Theatrum Vitae Humanae, Omnium ferè eorum, quae in hominem cadere possunt, Bonorum atque Malorum Eexempla historica ... in XIX. Libros digesta, comprehendens ... À Conrado Lycosthene Rubeaquense ... iampridem inchoatum: Nunc Verò Theodori Zvinggeri Philosophi atque Medici Basiliensis opera, studio & labore, eò usque deductum, ut omnium ordinum hominibus at uitam preclarè instituendam ... iucundum sit futurum. Cvm Gemino Indice, Basileae: Joh. Oporinus; Ambrosius & Aurelius Frobenius, 1565.
Digitalisat der Ausgabe 1586 (wenn die Leute bei Google römische Zahlen lesen könnten)

Hondorff, Promptuarium

Andreas Hondorff (Lutheraner, um 1530 – 1572), »Promptuarium Exemplorum« 1568; weitere Drucke 1570 bis 1598 fast jährlich; zuletzt 1687. Exempla, geordnet nach dem Dekalog.

Promptuarivm Exemplorvm. Historienn vnd Exempelbuch [...] Aus Heiliger Schrifft, unnd vielen andern ... Schrifften gezogen ... Durch Andream Hondorff. Zum Spiegel der warhafftigen christlichen Buß / jedermenniglichen zu diesen letzten vnd gefehrlichen zeiten für die Augen gestelt, Leipzig 1568.
Lateinische Übersetzung: »Theatrum Historicum Sive Promtuarium Illustrium Exemplorum Ad Honeste, Pie, Beateque Vivendum«, Editio Tertia Prioribus Emendatior, Francofvrti 1598 Digitalisat bei MATEO

d'Averoult

Antoine d'Averoult (S.J. 1554–1614), Les Fleurs des exemples ou Catechisme historial, Douai 1603.
lat.: Flores exemplorum, auctore Antonio Davroultio. Sive Catechismus historialis, 1614 u.ö.
Historischer Catechismus Darinnen auserlesne Exempel, Historien und Wunderzaichen zu bestettigung deß wahren Catholischen Glaubens begryffen seynd. Auß heiliger Schrifft ... erstlich durch ... Antonivm Daverovltivm ... zusammen gezogen vnd in Latein beschriben. Anjetzt ... in die Teutsche Sprach vbersetzt. München: Henricus 1629.

Jan Gruter

Jan Gruter (1560–1627)

Bibliotheca exulum: Seu Enchiridion Divinae Humanaeque prudentiae. Frankfurt <Main>: Laz. Zetzner Erben 1625. Digitalisat bei Mateo gut erschlossen mit einem e-Index

Zincgref

Julius Wilhelm Zincgref (1591–1635)

Der Teutschen Scharpfsinnige Kluge Sprüch/ Apophthegmata genannt / Durch Julium Wilhelm Zincgrefen/ der Rechten Doctorn; Straßburg: J. Rihel 1626.

Beyerlinck

Der Jesuit Laurentius Beyerlinck (1578–1627) hat die Sammlung von Th. Zwinger in eine alphabetische Ordnung gebracht. Weitere Auflagen 1656, 1666, 1678, 1707.

Magnum theatrum vitae, hoc est Rerum divinarum humanarumque syntagma. Catholicum, Philosophicum, Historicum, Dogmaticum, alphabetica serie, polyantheae vniversalis instar. ...auctore LAVRENTIO BEYERLINCK, 8 Bände in Folio, Köln 1631

Lehmann

Christoph Lehmann (1568–1638). Die letzte Auflage von 1662 enthält 22’922 Sprichwörter.

Christoph Lehmann, Florilegium Politicum: Politischer Blumen Garten/ Darinn Außerlesene Sentenz/ Lehren/Regulen und Sprüchwörter … in locos communes zusammen getragen, Lübeck 1639; Reprint, hg. und eingeleitet von Wolfgang Mieder, Bern: Peter Lang 1968.

Lohner

Tobias Lohner, S.J. (1619–1697); bis 1872 wieder aufgelegte Predigthilfe; in gekürzter Form auch ins Deutsche übersetzt.

Instructissima Bibliotheca Manualis Concionatoria. In Quatuor Divisa Tomos, In quorum Primo De Virtutibus: In Secundo De Vitiis: in Tertio de Sacramentis, Novissimis, aliisque similibus materiis frequentius in Cathedra tractari solitis: in Quarto denique de materiis rarius in praxi occurrentibus, Copiosa Et Selecta Pro Concionibus, Exhortationibus, aliisque spiritualibus Instructionibus materia, Nempe Definitiones, Divisiones, Sententiae SS. Scripturae, & SS. Patrum ... proponuntur; Opus omnibus animarum Pastoribus, nec non Divini Verbi Praeconibus, & vitae Asceticae Studiosis inprimis utile, & ad levandos Concionum labores accommodatum ... Dilingae: Bencard 1681

Spanner

Andreas Spanner S.J. (1639–1694)

Polyanthea Sacra: Ex Universæ Sacræ Scripturæ Utriusque Testamenti Figuris, Symbolis, Testimoniis, Nec Non E Selectis Patrum, Aliorumque Authorum, Sententiis, eruditis Interpretationibus, Similitudinibus, rarisque Historiis collecta, Et Copiosis, Exquisitisque Materiis Moralibus De Virtutibus Et Vitiis Pro Concionibus efformandis Adornata, Atque ad communem sacrorum præsertim Oratorum utilitatem in lucem edita / Labore & Studio R. P. Andreæ Spanner ..., Augustae Vindelicorum [=Augsburg]; Dilingae: Bencard 1701.

Ritzius

Florilegium adagiorum et sententiarum Latino-Germanicum : ex optimis quibusque auctoribus Latinis classicis, ... undique collectum & alphabetico ordine dispositum ; in quo X chiliades proverbiorum & sententiarum non sine delectu conquisitae reperiuntur in usum et gratiam studiosae iuventutis adornatum ab Andr. Ritzio. Basileæ: L. Brandmüller 1728.


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Sekundärliteratur zu solchen Sammlungen prudentialen Wissens

  • Ann M. Blair, Too Much to Know. Managing Scholarly Information before the Modern Age, New Haven: Yale University Press 2010.
  • Manfred Eikelmann, Sprichwörtersammlungen, in: Verfasserlexikon (2.Aufl.), Band 9 (1993–95), Spalten 162–179.
  • Barry Taylor, Medieval Proverb Collections: The West European Tradition. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 55, (London 1992), pp. 19–35.
  • Gilbert Heß, Konstanz und Beweglichkeit in frühneuzeitlichen Florilegien und Enzyklopädien. In: Wulff Oesterreicher / Gerhard Regn / Winfried Schulze (Hgg.): Autorität der Form – Autorisierung – Institutionelle Autorität (P&A, Bd. 1). Münster 2003, S. 75–84.
  • Gilbert Heß, Enzyklopädien und Florilegien im 16. und 17. Jahrhundert. ‘Doctrina’, ‘Eruditio’ und ‘Sapientia’ in verschiedenen Thesaurierungsformen, in: Theo Stammen / Wolfgang Weber (Hgg.), Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. Das europäische Modell der Enzyklopädien (Colloquia Augustana. Beiträge des Instituts für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg Band 18), Berlin: Akademie Verlag 2004, S. 47-68. fragmentarisch auf Google Books
  • Thesaurus proverbiorum medii aevi. Lexikon des Sprichwörter des romanisch germanischen Mittelalter. Begründet von Samuel Singer, herausgegeben von Kuratorium Singer der schweizerischen Akademie der Geiter- und Sozialwissenschaften, 8 vol., Berlin, De Gruyter, 1995-1998.

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