Um herauszufinden, wie jemand im Intenet Informationen sucht, kann man ihm nicht ins Hirn gucken. Trick: - Man wendet am besten die "think-aloud"-Methode an. Dazu lässt man Leute in Gruppen arbeiten, die darüber diskutieren, wie sie vorgehen, ob das Gefundende für die Aufgabe taugt usw. Ferner kann man nach der Recherche die "History" im Browser anschauen.

Das haben wir dank dem Entgegenkommen von Jürg Alean tun können.

Anlage der Exploration

  • Eine 5. Klasse (letztes Schuljahr vor der Matur) von Schülerinnen und Schülern der Kantonsschue Zürcher Unterland in Bülach stand während eines ganzen Schultages im Fach Geographie zur Verfügung.
  • Die Schüler/innen wurden nicht speziell darauf vorbereitet, dass sie heute mit Internet-Recherche Geographie treiben.
  • Gruppen von 2-3 Schüler/innen sind ausgestattet mit einem Laptop, mit WLAN, per E-Mail ereichbar.
  • Sie bekommen vom Lehrer klar umrissene Aufgaben, die sie im Lauf des Vormittags mit Web-Recherche lösen sollen (vgl. die vier Punkte unten).
  • sie sind gehalten, sich im Team über die Art des Vorgehens müdlich auszutauschen.
  • Zwei weitere Schüler/innen erhalten den Auftrag, aufgrund der ihnen von ihren Kollegen zugesandten U R L s und Informationen bis am Nachmittag eine kleine Power-Point-Präsentation zu erarbeiten. Dabei steht aber das fachliche Thema im Zentrum, nicht ein Bericht über die Recherche.
  • Der Lehrer (J.A.) fungiert als Trouble-Shooter, sollten spezifische EDV-Probleme auftreten. Wenn gar nichts geht, darf er Hinweise auf Suchstrategien geben.
  • Jede Gruppe wird von einer Person der Projektgruppe »Schulen am Netz« (mehr oder weniger) stumm protokollierend begleitet (sog. "teilnehmende Beobachtung"). Die Protokolle sollen enthalten:
Diskussion der Sch um SuchstrategienWie gehen Sch. beim Suchen vor?Diskussion über Güte der Fundefachlicher Inhalt der Funde
  • Die Versuchsleiter geben nach den Präsentationen den Schüler/innen ein Feedback zu ihren Arbeiten. Es gibt aber natürlich keine Zeugnisnoten.

Arbeitsaufträge (wurden den Schüler/innen schriftlich ausgeteilt):

Thema: KLIMAWANDEL

Gruppe 1 Hat in den letzten paar Jahrhunderten oder Jahrzehnten in der Schweiz tatsächlich eine Klimaveränderung stattgefunden? Falls ja: Wie stark war sie und war die ganze Schweiz in gleicher Weise betroffen?

Gruppe 2 Wie hat sich das Klima des Planeten Erde im Lauf der Erdgeschichte verändert? Woher weiss man das? Es hat ja vor 100 Millionen Jahren niemand gemessen! Hier geht es nicht um die letzten paar Jahrzehnte, sondern um Millionen oder gar Milliarden Jahre.

Gruppe 3 Wie wird sich das Klima in der Schweiz in Zukunft entwickeln? Kommt bald die nächste Eiszeit oder drohen uns tropische Zustände? Es interessieren hier besonders Zeitdimensionen, die Sie oder Ihre Nachkommen wahrscheinlich erleben werden, also in der Grössenordnung von 50 bis 100 Jahren.

Gruppe 4 Welche Auswirkungen hat die Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre auf das Klima der Gegenwart und der nahen Zukunft?



Einige Ergebnisse und Einsichten aus Detailbeobachtungen:

  • Große Textfiles werden als ›schwer beurteilbar‹ bald verlassen.
  • Einmal gewählte Suchwörter werden immer wieder verwendet; eher folgt man der Liste der Hits der Suchmaschine.
  • Ein gewisen Engstirnigkeit wird fassbar, wenn Sch einen Hinweis auf KLIMAENTWICKLUNG finden, aber darin das Stichwort VERÄNDERUNG oder ZUKUNFT nicht finden. Der Hamburger Bildsungsserver mit viel Material zum Thema der Klimawerwärmung wird verlassen, weil er vermutlich nichts zur K. in der SCHWEIZ bringe. Dass GLOBAL auch impliziert SCHWEIZ, wird nicht gesehen.
  • Lost in Hyperspace tritt bald auf. Waren wir hier nicht schon einmal?
  • eine Web-Site mit einer UNI-Adresse war gut. Daraus der Einfall: Man könnte eingiermaßen systematisch Homepages von Universitäten absuchen. Dies wird aber wieder aufgegeben, weil viele dieser Sites auf englisch sind.
  • Web-Sites mit französichem Text werden in Millisekunden weggeklickt – ein Zeugnis für die Freude am Französischunterricht an Deutschschweizer Gymnasien.
  • Ausgehend von der Erfahrung, es gebe ein populärwissenschaftliches Magazin oder eine Fernsehsendung namens »Galileio« oder »Pro 7« wird das Portal dieser Zeitschrift oder dieses Senders gesucht. Solche Suchstrategien sind nicht allen Schüler/innen bekannt.
  • Dass der eigene Geographielehrer viel weiterführendes Material (zu dem Thema, zu dem er ja selbst schon unterrichtet hat) auf die Web-Site der Schule gestellt haben dürfte, kommt kaum jemandem in den Sinn.
  • Google-Bildsuche zum Thema Klimawandel führt zu einem Cartoon, der sich als Aufhänger für die Präsentation empfiehlt.
  • Die Gruppe schreibt dem Lehrer ein E-Mail – dessen Antwort führt zu einer U R L, welche von der Gruppe bereits besucht worden ist, jetzt aber, weil der Lehrer darauf hingewiesen hat, genauer inspiziert wird.
  • Eingriff des Lehrers per Mail: Er rät, auch hierarchische Verzeichnisse wie das von Yahoo abzusuchen – Sch kommen mit den Kategorien nicht gut zugange. (Vgl. Yahoo Directory > Society and Culture > Environment and Nature > Global Change > Climate Change > Global Warming > Carbon Sequestration)
  • Entkrampfung durch Zufallstreffer. Ein Online-Lexikon verweist auf »arche online«, von dort findet sich ein Link auf »Bild der Wissenschaft«, und dort ein Artikel zur »neuen Eiszeit«. Das neue Suchwort EISZEIT bringt 102 Hits, aber nichts Brauchbares. Abbruch
  • Viele Treffer werden aufgrund der Kurzangaben bei Google u. Verweise gleich wieder aufgegeben, ohne dass sie genauer inspiziert werden.
  • Es schien den meisten Schüler/innen wenig bewusst, wie sehr bestimmte Aussagen mit Bezug auf die sie äussernde Person oder Institution relativiert werden müssen. So zeigte eine Gruppe eine Grafik, welche einen starken Anstieg der globalen mittleren Jahrestemperatur prognostizierte. Darauf angesprochen, was es bedeuten könnte, dass diese Grafik von einer grossen Rückversicherungsgesellschaft stammte, schwieg die Klasse; erst als der Lehrer ihr erklärte, dass die Rückversicherung ein gewisses Interesse daran habe, die zukünftigen Risiken als möglichst gross zu interpretieren, schien den Schüler/innen klar zu werden, dass auch Aussagen einer renommierten Firma oft mit Vorsicht genossen werden müssen. Zu diesen Beobachtungen passte auch, dass keine der vier Arbeitsgruppen auch nur für eine Grafik oder Aussage eine Quelle nannte.
  • Sch lassen sich von Diagrammen faszinieren, die sich nicht genau zu lesen vermögen. Welche Größen sind auf Abszisse und Ordinate dieser Graphik abgetragen? Wie sind sie gewonnen worden? Welche Messfehler könnten sich ergeben haben? Was lässt sich aus dem Kurvenverlauf folgern? Nur wenn Sch diese Fragen sehr sorgfältig diskutieren, hat das Downloaden einer solchen Graphik irgendeinen Sinn. – Wer selbst schon einmal eine ähnliche Graphik anzufertigen versucht hat, weiss auch, wie man eine liest und worauf man Acht geben muss.



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