Die Sieben Hauptsünden der Web-Recherche

Die klassischen 7 Hauptlaster sind bekanntlich:

  • Superbia: Hochmut, Hoffart, Eitelkeit
  • Avaritia: Geiz, Habgier, Habsucht
  • Luxuria: Wollust, Unkeuschheit
  • Invidia: Neid, Missgunst, Eifersucht
  • Gula: Völlerei, Gefräßigkeit, Unmäßigkeit
  • Ira: Zorn, Wut, Rachsucht
  • Acedia: Trägheit des Herzens / des Geistes

Für unsere Zwecke müssen wir kleinere Retuschen vornehmen…


  • Naivität zu glauben, dass man mit Googeln (gilt auch für Exite, Yahoo u.a.) einfach so Wissen erwerben kann.
  • Stolz, dass man ohne sich vorher kundig zu machen und ohne sich eine Fragestellung überlegt zu haben, recherchieren kann.
  • Geiz, das heisst bei der Recherche sich mit dem ersten besten Treffer zufrieden geben.
  • Verzagtheit, die entweder darin besteht, dass man glaubt nicht zu finden, oder es gebe bereits 10'000 Leute die dasselbe erfunden hätten.
  • Faulheit, d.h. Draufloswursteln und sich mit dem Zitieren schnellfertig von Funden begnügen, statt sie anhand des eigenen bereits vorhandenen Wissens zu überprüfen und danach in eine Welt des Wissens einzubauen.
  • Engstirnigkeit Es gibt ausser Google noch andere Datenbanken, die mit G. nicht erreicht werden, zum Beispiel Bibliotheksabfragen, Verzeichnisse von wissenschaftlichen Zeitschriften.
  • Unlauterkeit, die darin besteht, die Herkunft der Funde nicht genau anzugeben (Quellen zitieren)
und genau diese Sünde wollen wir hier nicht begehen, und sagen also: die Idee für die 7 Hauptsünden stammt von Reva Basch (1989), wurde dann modifiziert von Mary Ellen Bates (1996) und nochmals von Ryan Johnson in seinem Aufsatz »Historical research On-Line. A New Ball Game« in: Dennis A. Trinkle, ed., Writing, teaching, and researching history in the electronic age. Historians and computers, Armonk, NY [u.a.]: Sharpe, 1998, p. 189-193.
Sich nicht mit fremden Federn zu schmücken ist ein Gebot der Moral seit etwa 1780, als Plagiate immer schärfer verpönt wurden. Heute gibt es ein differenzierte Regelung des geistigen Eigentums.
Die Devise »ad fontes!« ist auch ein Gebot der Wissenschaftlichkeit. Jeder, der meinen Text liest, soll Gelegenheit haben, den ursprünglichen Zusammenhang des Gedankens zu sehen. Vielleicht zieht eine andere Person aufgrund anderen Vorwis¬sens ja andere Schlüsse daraus. Kritisierbar-Bleiben ist eine der wichtigsten Tugen¬den der Wissenschaftler.
Also: Die Internetadresse (umgangssprachlich auch URL) und das Datum des Zugriffs (man bedenke die Variabilität und die im Schnitt ca. 7-monatige Halb¬wertszeit von Webseiten) festhalten!
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