Das Potential des Web nutzen!

Die Suchdienste (Exite, Alta Vista, Google usw.) verleiten zum Glauben,

  • Wissen sei eine homogene Ware, die sich ›speichern‹ lässt. Nur die Grenzen der Kapazität der Server setzten der Speicherung Grenzen, und die verdopple sich ja praktisch jede Woche …;
  • das gesamte Wissen der Menschheit sei irgendwo im Web abgespeichert;
  • und man finde es mittels einiger Suchwörter und einem Mausklick.

Das ist nicht so. »Vielwisserei lehrt nicht Verstand haben.« (Heraklit, um 500 vor Christus) — und auch heute noch gilt: Abfragen von Datenbanken macht nicht Wissenschaftlichkeit aus.

Es gilt diese durch das ›Googeln‹ ständig genährte Fehlmeinung aufzubrechen, zeigen, dass Web und Suchroboter sich immer weider als ›false friend‹ erweisenen. – Aber wie geschieht eine didaktische Hinführung zu einem klugen Umgang mit den neuen Wissensspeichern?

  • Bei naiv herumklickendem Ausprobieren im Klassenzimmer sind Abstürze programmiert; sie führen zu Frustrationen. Tauglich ist nur geplantes Einüben mittels durchdachter Such-Aufgaben.
  • Einbindung in übergreifende Arbeitszusammenhänge
  • Aufzeigen der Qualität bzw. Unseriosität anhand exemplarischer (vorher bereits recherchierter) Fälle. Die Schülerinnen und Schüler auflaufen lassen!

Eine neue Kultur des Wissenserwerbs

Lehrkräfte müssen mehr denn je zugeben, dass es ausserhalb des Klassenzimmers viele Informationsquellen gibt; im Gegensatz zum Dorfschullehrer des 19.Jhs. sind sie nicht mehr die zentralen Wissensvermittler. Vorbei ist die Zeit, wo man ›den Stoff‹ aus ›dem‹ Lehrbuch gelernt hat (elementare Kenntnisse wie Rechnen, Grammatik ausgenommen). In Bibliothek und WWW wie in den anderen Medien geraten die Educandi an eine Pluralität von Meinungen, an Halbwissen, Prêt-à-penser, an Scharlatane und verdeckte Ideologien – wie auch an Hochkarätiges.

Schülerinnen und Schüler müssen viel mehr selbstverantwortet Wissen erwerben und bewerten; das ist prozedurales Wissen. (Man sagt auch, die Objektorientierung werde allmählich durch eine Verfahrensrationalität abgelöst.) Schülerinnen und Schüler werden immer weniger von Lehrkräften instruiert, sondern bauen sich ihre (je eigene) Welt des Wissens selbst auf; deshalb sind konstruktivistische Modelle in der Didaktik zur Zeit im Schwange.

Fähigkeit zur Informationsrecherche kann man den »Schlüsselqualifikationen« (wie sie die MAV und das MAR formulieren, auch »meta skills« genannt) subsumieren:

  • dazu gehört sicherlich eine Textverstehenskompetenz. Lesen lernen in einem eminenten Sinne ist das A und O. (Dabei kann man viel mit Papier und Farbstiften leisten. Entschleunigung ist wohl das Wichtigste.)

Aber der Erwerb solcher Schlüsselqualifikationen allein genügt nicht. Wer Information suchen und beurteilen will,

  • muss die gefundenen Informationen an bereits erworbenes Wissen anschließen können. Wer mehr weiss, kann mehr Information finden und so noch mehr Wissen erwerben. – Wie lässt sich deutlich machen, dass es Wissen braucht, um Neues zu wissen?

Früher gab es an Gymnasien Stunden zur »Arbeistechnik«. Kaum je ersprießlich. Einen klugen Umgang mit den (alten wie modernen) Wissensspeichern lernen wir nur, wenn Recherchen im Fachunterricht integriert sind. Das verlangt von den Lehrkräften eine vorausschauende Evaluation potentiell ergiebiger Recherchen und eine eigngehende Diskussion der Ergebnisse wie auch Fehlschläge.

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