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updated 26.8.12 pm

Recherchier-Aufgaben

Eine Suchabfrage ist kein linear-systematisch fortschreitendes Verfahren, sie gleicht eher dem Kreuzworträtsellösen. Aufgrund von Suchergebnissen kann ich die Frage präzisieren, das Suchziel justieren, komme auf Ideen, wo man auch suchen könnte, sehe ein, dass meine Ausgangsfrage falsch gestellt war usw.

Interessant sind in unserem Zusammenhang nicht so sehr die Lösungen, sondern die Wege, die allenfalls dorthin führen, die Suchstrategien, die Sackgassen und sonstigen Schwierigkeiten!

Vorgeschlagenes Arrangement für Einzelarbeit: Rekonstruieren Sie einmal eine eigene Recherche anhand der Chronik/History Ihres Browsers! Was habe ich gedacht, als ich dann diesen Link anklickte oder diese Wörter ins Suchfeld eingab? Warum hab ich diese Seite weggeklickt aber jene weiterverfolgt? Usw.

Vorgeschlagenes Arrangement für Teamarbeit: Zwei Personen sitzen an einem Computer und diskutieren über das Vorgehen bei der Recherche und führen diese schrittweise durch. (Dabei können sie nicht ihren innerlichen, stumm bleibenden Impulsen folgen, sondern müssen sich verlautbaren.)

Ein/e Protokollant/in kann so stichwortartig notieren, wie der Recherche-Prozess abläuft.

Hinweise für die Protokollanten:

  1. Werden in der Such-Aufgabe implizierten Informationen ausgeschöpft?
  2. Welches Vorwissen wird aktualisiert? [Für Belange des Unterrichts: welches Vorwissen kann ich bei Schülerinnen und Schülern voraussetzen bzw. muss es ihnen vorher vermitteln?]
  3. Welche Suchwörter werden in die Eingabezeile der Suchmaschine eingegeben? Versucht jemand, mit »erweitereter Suche« vorzugehen? Versucht jemand auch, in einer anderen als der Muttersprache zu suchen?
  4. Hat jemand die Idee, nicht nur mit Yahoo!, Google, Wikipedia zu suchen? Welche Datenspeicher werden angezapft?
  5. Beobachten Sie einen ›Nachfass-Prozess‹: Eine Suchabfrage ergibt en passant bisher unbekannte Kenntnisse, die ihrerseits wieder zielführend für eine neue Abfrage werden.
  6. Welche Diskussionen entstehen im Zusammenhang der Beurteilung einer Website? Welche Kriterien lassen sich ausmachen? (Layout, Sprache, Überprüfung aufgrund von bekanntem Wissen usw.)

1. Aufgabe:

Sie sind auf einem Flohmarkt auf das abgebildete Titelbild aus den Nebelspalter vom 15. Januar 1942 gestossen.

Im Heft selbst findet sich kein weiterer Kommentar dazu. Das wäre doch ein Objekt für eine Unterrichtssequenz über die Schweiz im Zweiten Weltkrieg ...

Nun möchten Sie mit Hilfe des Internet herausfinden, was hier satirisch kommentiert wird. (Bevor Sie die Schülerinnen und Schüler selbst recherchieren lassen.)


2. Aufgabe:

Ich erinnere mich an ein Bild: eine Seite aus einer mittelalterlichen Bibel mit einer prächtig verzierten Übersichtstabelle, in denen die Stellen neben einander gesetzt sind, wo die Evangelien dasselbe berichten. Ich möchte das Bild zeigen um das "synoptische Problem" zu erörtern.


3. Aufgabe:

1668 erscheint (vorausdatiert auf 1669) ein Buch mit dem Titel: »Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch/ Das ist: Die Beschreibung deß Lebens eines seltzamen Vaganten/ genant Melchior Sternfels von Fuchshaim/ wo und welcher gestalt Er nemlich in diese Welt kommen/ was er darinn gesehen / gelernet/ erfahren und außgestanden/ auch warumb er solche wieder freywillig quittirt. Überauß lustig/ und männiglich nutzlich zu lesen. An Tag geben Von German Schleifheim von Sulsfort. Monpelgart/ Gedrukt bey Johann Fillion/ Im Jahr M D C L XIX.«

Digitalisat

Alle Welt zitiert als Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (ca. 1622 bis 1676). Woher weiss man das eigentlich? Wer hat es herausgefunden? Und wie hat man es beweisen können?


4. Aufgabe:

Napoleons Russlandfeldzug. Irgendwo in einem Geschichtsbuch hab ich doch mal eine Visualisierung gesehen: die Dicke des Strichs auf der Landkarte bedeutete die Mannstärke der Armee, der immer dünner wurde bis auf dem Rückzug an der Beresina ....


5. Aufgabe:

Wie hiess doch gleich der grosse Vogel, der durch portugiesische Seeleute im 17.Jh., die ihn als Proviant verzehrten, ausgerottet wurde?


6. Aufgabe:

Wie bekomme ich auf die Schnelle mehrere Dutzend Links auf Websites zum Thema ›Astrofotografie‹ ?


7. Aufgabe:

Viele Zitate berühmter Leute schwirren in verschiedenen Versionen und mit verschiedenen Zuschreibungen herum. Wer hat was wirklich gesagt – in welchem Kontext – und wie war es gemeint? Für die Bonmots von der Antike bis etwa 1945 haben Büchmann und andere in den Geflügelten Worten die Quellen recherchiert und identifiziert. Wie nahe an die Quellen kommt man mit einer Internet-Recherche heran? Wie genau und verlässlich sind die Funde?

Beispiel a: Albert Einstein soll gesagt haben: “God doesn’t play dice with the cosmos.”

Beispiel b: Der Filmemacher Wim Wenders soll gesagt haben: “Hollywood has colonized our souls."

Beispiel c: “Lieber irren mit Sartre als Recht haben mit Raymond Aron” – Cet aphorisme soixante-huitard est usé jusqu'à la trame.


8. Aufgabe:

In einem Buch über Tiere im Mittelalter finde ich das folgende Bild – ohne Herkunftsnachweis. Woher mag es stammen? Welchen Text illustriert es?


9. Aufgabe:

Warum wurde Bern zur Bundeshauptstadt der Eidgenossenschaft gewählt?


10. Aufgabe:

Botticelli hat »die Allegorie der Verleumdung« gemalt, ein Bild dessen Vorbild ein antiker Text ist. Medienwandel von einem Text in ein Bild, das ist interessant.

Das Bild findet sich im Internet mehrfach, u.a. in der spanischen Wikipedia: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/85/Sandro_Botticelli_021.jpg

Im Text dazu heisst es: »El tema es alegórico; se basa en una descripción literaria sobre una pintura de Apeles, descrita por Luciano de Samosata en uno de sus Diálogos.«

Aufgabe: Finden Sie eine deutsche Übersetzung dieses Texts! (Aufgabe gelöst, wenn Sie den Text auf Papier oder am Bildschirm vor sich haben und lesen können.)


11. Aufgabe

Montaigne unterscheidet in der »Apologie des Raimond Sebond« (= Essais II,12) drei antike Philosophenschulen.

Toute la philosophie est despartie en ces trois genres. Son dessein est de chercher la verité, la science, et la certitude.
Les Peripateticiens, Epicuriens, Stoiciens, et autres, ont pensé l’avoir trouvée. Ceux-cy ont estably les sciences, que nous avons, et les ont traictées, comme notices certaines.
Clitomachus, Carneades, et les Academiciens, ont desesperé de leur queste; et jugé que la verité ne se pouvoit concevoir par nos moyens. La fin de ceux-cy, c’est la foiblesse et humaine ignorance. Ce party a eu la plus grande suitte, et les sectateurs les plus nobles.
Pyrrho et autres Sceptiques ou Epechistes, de qui les dogmes, plusieurs anciens ont tenu, tirez d’Homere, des sept sages, et d’Archilochus, et d’Eurypides, et y attachent Zeno, Democritus, Xenophanes, disent, qu’ils sont encore en cherche de la verité ...

Woher hat Montaigne diese Einteilung? Er hatte ja eine nette Privatbibliothek. Welche antike Quelle hat er benutzt?


12. Aufgabe

Von Christian Morgenstern stammt das nette Gedicht (»Galgenlieder« 1920), mit dem sich einprägen kann, ob der Mond zu- oder abnimmt. Man muss sich das A und das Z in Kurrentschrift vorstellen:

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:
Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein A formierend und ein Z –
daß keiner groß zu denken hätt'.
Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.

Frage: Stimmt das für Mondbetrachter in Kapstadt, Sidney und auf Feuerland auch? Oder sehen die Bewohner der Südhalbkugel umgekehrt den abnehmenden Mond mit einem Z?


13. Aufgabe: Proteus

Sie stoßen im Antikenkunde-Unterricht auf Proteus (Odyssee, 4.Gesang, Verse 365ff.) Voß’s deutsche übersetzung – gibt es ein antikes Bild von Proteus? Man gelangt bald zum Titelbild von Eramsus Francisci, »Der Höllische Proteus«. Aber das ist ein Gepsensterbuch aus dem 17.Jh., wir wollten doch ein antikes Bild ....


14. Aufgabe

Bekanntlich ›gibt‹ es keine Farben, sondern die Farben sind vom Gehirn generierte Erlebnisqualitäten bloßer elektromagnetischer Strahlung, also irgendwie subjektiv erlebte mentale Zustände. Und so ist es auch mit anderen Dingen ...

Frage: Gibt es in der Philosophie für dieses Phänomen einen Begriff, eine Diskussion?

Hint: Suche Themenportal http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Philosophie


15. Aufgabe:

Im Anschluss an 14: Die Beziehungen zwischen der menschlichen Farbwahrnehmung und ihren physikalischen Ursachen

16. Aufgabe:

Von Isaac Newton stammt die Einteilung des Farbspektrums in sieben Farben:

violet 380–450 nm
blue 6450–495 nm
green 495–570 nm
yellow 570–590 nm
orange 590–620 nm
red 620–750 nm

Das Spektrum ist aber kontinuierlich.

Wie kam Newton darauf, es in 7 diskontinuierliche Farben abzuteilen?

Taugt die Antwort hier etwas? <16.8.12>


Lösungen



Hier finden sich die Lösungen

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