Dr. Elisabeth Joris

Dr. Elisabeth Joris

Dr. Elisabeth Joris

Ehrenpromotion 2020 der Philosophischen Fakultät

Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde einer Doktorin ehrenhalber an Dr. Elisabeth Joris. Sie würdigt damit das Lebenswerk einer bedeutenden freischaffenden Historikerin und Vorkämpferin der Frauen- und Geschlechtergeschichte im deutschen Sprachraum.

Elisabeth Joris wuchs in Visp auf und lebt heute als Historikerin in Zürich. Ihre Karriere als Forscherin verlief über Umwege, die kennzeichnend für die Widerstände sind, welche Frauen ihrer Generation in der Schweiz auf ihrer akademischen Laufbahn überwinden mussten — ebenso wie sie kennzeichnend sind für den hürdenreichen Weg der Geschlechterforschung zur anerkannten akademischen Disziplin.

Nach einem Handelsschulabschluss im Wallis, wo Frauen damals noch keine Matura machen konnten, erwarb Elisabeth Joris zunächst ein Diplom als Sekundarschullehrerin. Erst danach studierte sie Geschichte und Französische Literatur an der Universität Zürich (UZH), wo sie 1980 mit dem Lizenziat abschloss. Ihr Promotionsvorhaben brach sie zugunsten von Projekten zur Frauengeschichte ab, die von der damaligen Professorenschaft nicht als dissertationswürdig betrachtet wurden. Neben einem Teilzeitpensum als Gymnasiallehrerin führte Elisabeth Joris ihre Forschungsarbeiten als freischaffende Historikerin durch. Erst kurz vor ihrer Pensionierung reichte sie das Manuskript zu ihrem fünften Buch an der UZH als Dissertation ein.

Ihre Publikationstätigkeit begann 1986 mit der Quellensammlung «Frauengeschichte(n): Dokumente aus zwei Jahrhunderten zur Situation der Frauen in der Schweiz». Das mehrmals neu aufgelegte Buch trat der Behauptung entgegen, dass eine historische Erforschung von Frauen mangels Quellen nicht realisierbar sei. 1992 folgte der ebenfalls zusammen mit Heidi Witzig verfasste Band «Brave Frauen, aufmüpfige Weiber: Wie sich die Industrialisierung auf Alltag und Lebenszusammenhänge von Frauen auswirkte (1820–1940)». Der Band wurde weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem Standardwerk der Geschlechtergeschichte.

Weitere Buchprojekte (wiederholt in Ko-Autorschaft realisiert) befassten sich mit der Sozialgeschichte der grossen Tunnelbaustellen im Alpenraum zwischen 1870 und 2005, dem Leben zweier Bildungsbürgerinnen des 19. Jahrhunderts und der 1968er-Revolte. Elisabeth Joris meldet sich auch in politischen Debatten zugunsten der Geschlechtergerechtigkeit zu Wort, etwa als Mitbegründerin der Gruppe Kritisches Oberwallis oder als Mitinitiantin des ersten Schweizer Frauenstreiks von 1991. Ihr politisches Engagement war und ist immer das einer Historikerin, die sich dem Auftrag verpflichtet fühlt, durch Forschung und die Vermittlung von Forschungsergebnissen zur politischen Bildung beizutragen.