Header

Suche

Prof. Dr. Peter Nobel, Emeritierter Professor für schweizerisches und internationales Handels- und Wirtschaftsrecht

Verstorben am 26. Mai 2026 im Alter von 80 Jahren.

Während Jahrzehnten prägte Peter Nobel in hohem Masse das Schweizer Wirtschaftsrecht als Professor, Rechtsanwalt, Mitglied von Gerichten und Behörden sowie als Autor vieler Publikationen.

Peter Nobel, geboren in Flawil (SG), studierte Wirtschaftsrecht und Staatswissenschaften an der Universität St. Gallen (HSG) und promovierte zum Thema «Europäisierung des Aktienrechts» (Dr. rer. publ.). Als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Zürich im Handels- und Gesellschaftsrecht und als Gastforscher an der Universität Göttingen hat Peter Nobel hernach die stark beachtete rechtstheoretische Habilitationsschrift «Anstalt und Unternehmen» verfasst; 1981 erfolgte gestützt darauf die Ernennung zum Privatdozenten an der Universität St. Gallen.

Ab 1982 war Peter Nobel bis zu seinem Tode als Wirtschaftsanwalt in Zürich tätig; seine rechtliche und strategische Beratung vieler Klienten mit bekannten Namen hat er als «den besten Beruf der Welt» bezeichnet. Ungeachtet der anwaltlichen Tätigkeit hat Peter Nobel immer viel Energie und Herzblut in die universitären Aufgaben als «Lehrer» und Forscher gesteckt. Von Oktober 1997 bis im Mai 2010 war er Extraordinarius für Privat-, Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen; vom März 2007 bis Juli 2012 hat er als Ordentlicher Professor ad personam für schweizerisches und internationales Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich gewirkt. Überdies war er Gastdozent in Moskau und New York und bot bankenrechtliche Lehrgänge auch in Bern und Genf an.

Peter Nobel gab zudem als langjähriger Chefredaktor der Schweizerischen Zeitschrift für Wirtschafts- und Finanzmarktrecht (SZW) diesem Periodikum neuen Schwung für die Zukunft. Als Richter am Ober-/Handelsgericht Zürich sowie als Mitglied der Eidgenössischen Bankenkommission und des Universitätsrats in Luzern hat er die Rechtspraxis massgeblich mitgeprägt.

Peter Nobel widmete sich seinen breiten juristischen Themen des Wirtschafts- und Finanzmarktrechts mit einer unerschöpflich anmutenden Energie und Begeisterung, die an einen nie erlöschenden Vulkan erinnerten, und forderte Fachkollegen/innen und Studierende mit seinen kreativen, oft unkonventionellen, rechtlichen Meinungen heraus. Bei Peter Nobel konnte es nie schnell genug gehen, Projekte auch umzusetzen. Er war auch nie mit einfachen Lösungen zufrieden; wer ihm mit einer nichtssagenden Antwort «es kommt drauf an» oder anderen ausweichenden Argumenten begegnete, unterschätzte seine Leidenschaft, sich für Themen, die ihm wichtig waren, einzusetzen. Für Peter Nobel musste ein guter Jurist auch in der Lage sein, Auseinandersetzungen auszuhalten und für die eigenen Ideen, wenn nötig, auf die Barrikaden zu gehen; er hat denn auch grosse Fussabdrücke zu theoretischen und praktischen Rechtsfragen hinterlassen.

Peter Nobel war nie «nur» Jurist. Als Anwalt und Willensvollstrecker von Friedrich Dürrenmatt sowie als Wegbereiter des Literaturarchivs in Bern hat er sich eingebracht in die Diskussionen und die Fortentwicklung kultureller Anliegen. Seine Erzählungen zu Begegnungen mit Friedrich Dürrenmatt sind legendär. Dass sich Peter Nobel deshalb auch intensiv mit dem Medienrecht befasste, war eine logische Konsequenz seiner Leidenschaft nicht nur für die Rechtswissenschaft, sondern auch für Literatur und Kunst. In seinem Standardwerk zum Medienrecht ist die juristische Analyse mit Abbildungen aus seiner hochstehenden privaten Kunstsammlung kombiniert.

Mit seiner Frau Annette war Peter Nobel ein begeisterter Förderer einer eigenen Kunstrichtung («Press Art»); diese Kunstsammlung hat in der Schweiz und im Ausland mit etwa 2000 Werken grosse Erfolge gefeiert. Peter Nobel hat denn auch die «Reisen» seiner «Press Art»-Ausstellungen zum Anlass genommen, seinen Freundeskreis an den Ereignissen teilnehmen zu lassen; als «Renaissance-Mensch» konnte er kräftig und raumgreifend diese «Ausflüge» geniessen.

Wir verlieren mit Peter Nobel nicht nur einen herausragenden, inspirierenden und kreativen Juristen, sondern auch einen Kollegen und Freund, der mit seinem leidenschaftlichen Einstehen für die ihm wichtigen Anliegen und nicht zuletzt mit seiner Grosszügigkeit unvergessen und Vorbild bleibt. Prof. Dr. Rolf H. Weber