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Swetlana Alexijewitsch

Ehrenpromotion 2026 der Philosophischen Fakultät

Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde einer Doktorin ehrenhalber an Swetlana Alexijewitsch. Die belarussische Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch ist eine der führenden Intellektuellen Osteuropas, die eine kritische und öffentliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der sowjetischen Diktaturen ermöglicht und fördert. Sie hat auf ihren Recherchereisen durch die ehemalige Sowjetunion literarisch dokumentiert, was im öffentlichen Diskurs lange Zeit tabuisiert und vergessen wurde. Ihr Werk ist zugleich Zeitzeugnis und Zeugnis für die Bedeutung des vielstimmigen Erzählens. 

Swetlana Alexijewitsch
Swetlana Alexijewitsch

Swetlana Aleksandrowna Alexijewitsch, geboren am 31. Mai 1948 in Stanislav, heute Ivano-Frankivsk (Ukraine), ist eine belarussische Schriftstellerin. Sie hat 2015 für ihr dokumentarisch-literarisches Werk den Literaturnobelpreis erhalten. Ihre Bücher – «Der Krieg hat kein weibliches Gesicht» (1985), «Die letzten Zeugen» (1985), «Zinkjungen. Afghanistan und die Folgen» (1989), «Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft» (1997), «Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus» (2013) – sind in mehr als dreissig Sprachen übersetzt worden. Neben dem Nobelpreis für Literatur erhielt sie weitere international renommierte Preise, darunter 1996 den Tucholsky-Preis der schwedischen Sektion des Schriftstellerverbandes P.E.N., 2013 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2018 den Anna-Politkowskaja-Preis, 2022 den Premi Internacional Catalunya.  

Swetlana Alexijewitsch hat in Minsk an der Belarussischen Lenin-Universität (heute: Belarussische Staatliche Universität) bis 1972 Journalistik studiert. Danach war sie bei unterschiedlichen Zeitungen angestellt u. a. als Journalistin für das Literaturmagazin «Neman».

Die literarische Praxis von Swetlana Alexijewitsch hat eine enge Verbindung zur journalistischen und wissenschaftlichen Arbeit, insbesondere zu Oral History. Für ihre Bücher ist sie durch die ehemalige Sowjetunion gereist und hat Hunderte von Zeitzeug:innen unterschiedlicher (ehemaliger) Sowjetrepubliken interviewt, die nicht Teil des offiziellen kulturellen Gedächtnisses waren: sowjetische Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg, Mütter junger Männer, die in Afghanistan gefallen sind, Belaruss:innen, die beim Einmarsch der Deutschen noch Kinder waren, oder Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Durch die Archivierung dieses Materials hat sie auch eine Basis für die weitere, nicht nur literaturwissenschaftliche, sondern auch historische Forschung gelegt.

In der Sowjetunion konnten ihre Bücher nur verzögert und zensiert erscheinen, in den frühen 1990er Jahren war ein Gerichtsprozess gegen das Buch «Zinkjungen» auch politisch motiviert. Swetlana Alexijewitsch hat die Gewalt in Belarus offen kritisiert und war Mitglied im Koordinierungsrat der Demokratiebewegung. Im September 2020 verliess sie Belarus in Richtung Deutschland, wo sie seither lebt.