Der Ethnologe als Händler und Sammler. Hans Himmelheber im Spannungsfeld von Forschung, Kunstmarkt und Museum

Esther Tisa Francini

Die Erforschung von Kunsterwerbung und Marktmechanismen in kolonialen und in postkolonialen Strukturen steht im Zentrum der Provenienzforschung. An- und Verkäufe werden dabei kontextualisiert, Akteure identifiziert und die Wissensproduktion über die Kunst Afrikas rekonstruiert. Das umfangreiche "Archiv" von Hans Himmelheber erlaubt Spielräume im Bereich des Handelns und Sammelns in ihren Kontinuitäten wie auch Brüchen fassbar zu machen. 

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Verkaufsstand des Händlers Asman Abdulai in der Markthalle der Stadt Man, Côte d'Ivoire. Fotograf: Hans Himmelheber, 1975. Inv.Nr. FHH 392-21, Museum Rietberg Zürich.

In diesem Teilprojekt wird Hans Himmelhebers Netzwerk von lokalen Verkäufern und Zwischenhändlern in der Côte d‘Ivoire sowie von Kunsthändlern, Privatsammlern und Museen in Europa und Nordamerika rekonstruiert. Seine Strategien beim Erwerb und Verkauf der Objekte stehen ebenso im Zentrum wie die damit verknüpfte wissenschaftliche Tätigkeit. Himmelheber war insgesamt zehn Mal im Zeitraum zwischen den 1930er Jahren und den 1970er Jahren in der Côte d'Ivoire. 

Das Projekt verspricht Ergebnisse zum wechselseitigen Einfluss zwischen Kunstproduktion und Kunsterwerb und zu Zusammenhängen zwischen der wissenschaftlichen Erforschung der Kunst Afrikas, dem Kunsthandel sowie der westlichen Ausstellungs- und Museumspolitik. Die verschiedenen Tätigkeitsbereiche von Hans Himmelheber als Ethnologe, Händler und Sammler werden gemeinsam beleuchtet. Die Analyse seiner Tätigkeit verspricht Einblicke in den transnationalen Kunstmarkt und in die Rezeption der afrikanischen Kunst in europäischen und nordamerikanischen Sammlungen.

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Ankaufsszene, Côte d'Ivoire. Fotograf: Hans Himmelheber, 1934. Inv.Nr. FHH 82-30, Museum Rietberg Zürich.

Als Grundlage für die Untersuchung dient der schriftliche Nachlass von Hans Himmelheber, aber auch zahlreiche Museumsarchive im In- und Ausland, Kolonialarchive sowie Aktenbestände im Senegal und in der Côte d'Ivoire. Ebenso werden Interviews geführt mit Familienmitgliedern, Zeitzeugen sowie weiteren Expertinnen und Experten aus den Bereichen Kunsthandel, Museum und Universität.